Montag, 20. März 2017

The Great Reaction

Jede soziale Revolution bringt eine Gegenbewegung hervor. In den USA heißt die Gegenbewegung Donald J. Trump: Laut, polternd und frei von jeder Rücksicht auf ehene Prinzipien amerikanischer Nachkriegspolitik.

Doch es sind wütende Kräfte, die Trump an die Macht gespült haben. Wut im Bauch haben vor allem die amerikanischen Industriearbeiter, die gegen ihre Marginalisierung aufbegehren.

Von der Deindustrialisierung der USA ist zwar schon länger die Rede, doch der wahre Absturz kam erst nach der Jahrtausendwende. Seit dem Jahr 2000 sind im Verarbeitenden Gewerbe netto rund fünf Millionen Stellen gestrichen worden, in einer Zeit, in der die Zahl der Erwerbstätigen in Amerika um insgesamt 15 Millionen stieg!

Wo sind all diese Arbeiter der Faust geblieben? Bestimmt sind sie in der relativ kurzen Zeit nicht alle in Rente gegangen. Trump verleiht der Frustration und dem Groll der (häufig weißen) worker und ihrer Familien eine Stimme, was ziemlich grotesk wirkt, wenn man bedenkt, dass der New Yorker Immobilientycoon ein typisches Kind der Ostküsten-Oberschicht ist.



Quelle: St. Louis Fed, eigene Berechnungen

Aber kann Trump den Trend umkehren? Schon unter Obama hat eine Stabilisierung eingesetzt. Der Anteil der Industriearabeiter an der arbeitenden Bevölkerung ist nicht weiter zurückgegangen. Seit der Finanzkrise verharrt die Quote bei ungefähr 8,5 Prozent.



Quelle: St. Louis Fed

Andererseits hat die Zunahme der Industriejobs die gesellschaftliche Erosion der Arbeiterschicht in den zehn Jahren zuvor nur zum geringen Teil ausgleichen können.

Um Millionen neuer Jobs in Kohlegruben und Stahlwerken zu schaffen, müssten die USA ihr ganzes Geschäftsmodell ummodeln, das in den letzten Jahrzehnten auf hochwertige Dienstleistungen und Lifestyle ausgerichtet war, nicht auf den Export von Autos oder Maschinen.

(Obwohl der Fairness halber gesagt werden muss, dass die USA führend bei Flugzeugen, Turbinen und Militärtechnik sind.)

Aber es gibt noch ein größeres Problem. China und andere Schwellenländer können viele Industrie-Tätigkeiten genauso gut und günstiger. Das hat vor allem die Löhne ungelernter Arbeiter unter Druck gebracht.

Materiell stehen Arbeiter mit Job (!) heute 15 Prozent schlechter da als 2008.


Quelle: Korn Ferry

Um diesen Trend umzukehren, müsste Trump nicht nur die US-Wirtschaft umkrempeln, sondern sich auch mit wichtigen Handelspartnern anlegen und die internationale Arbeitsteilung in Frage stellen. Die daraus resultierenden internationalen Spannungen würden mehr Wohlstand vernichten, als Trump durch noch so brachiale Methoden über die Grenze ziehen kann.

Womöglich ist das dem bauchgetriebenen Regenten im Weißen Haus egal. Rational wäre es nicht



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