Sonntag, 5. März 2017

Finanzielle Hegemonie

Donald Trump betont oft und gern, als amerikanischer Präsident sei er nur amerikanischen Interessen verpflichtet und sonst nichts. In den Ohren von Nicht-Amerikaner kann das durchaus beunruhigend klingen. Denn die Vereinigten Staaten sind auf finanziellem Gebiet so dominant, dass man sie mit Fug und Recht als Hegemon bezeichnen kann.

Diese Hegemonie ruht auf fünf Säulen:

1. Der Dollar ist die Weltwährung

Zentrales Element ist der Greenback und die weltweit einmalige Infrastruktur, die mit ihm einhergeht. Amerikas Währung ist die mit Abstand wichtigste Währung der Welt. Fast zwei Drittel (63 Prozent) alle Devisenreserven lauten auf Dollar-Papiere. Auf die Nummer zwei, den Euro, entfällt nur ein Fünftel... mit zuletzt sinkender Tendenz. Die restlichen Währungen sind nur Statisten.

Dieser Sonderstatus des Dollar erlaubt es Amerika, der ganzen Welt seine Regulierung überzustülpen. Nach dem Motto: Wer den Dollar nutzt, unterliegt unserer Rechtssprechung, und nutzen müssen den Dollar mehr oder weniger alle, inklusive "Schurkenstaaten", die sich offen gegen die USA stellen.


Anteil an weltweiten Devisenreserven in Prozent
Quelle: IWF (Stand: 3. Quartal 2016)

2. Die USA dominieren die Bondmärkte

Internationale Organisationen und Unternehmen, die Geld deponieren wollen, kommen an US-Bonds nicht vorbei. Die handelbaren Staatsanleihen Amerikas vereinen schon jetzt doppelt so viel Volumen auf sich wie die des zweitgrößten Bondmarkts, Japan. Da japanische Titel allerdings vor allem von Inländern gehalten werden, ist die Abhängigkeit von den USA in Wirklichkeit noch größer, als es scheint.

Der europäische Staatsanleihenmarkt ist dagegen fragmentiert und spielt verglichen mit Amerika in der Zweiten Liga.


Quelle: Bloomberg
3. Amerikas Aktienmarkt ist ein Koloss

Betrachtet man nicht nur den reinen Börsenwert, sondern den Anteil der tatsächlich investierbaren Aktien, die sich nicht in den Händen der Regierung oder Konglomeraten befinden, vereinigen die USA 53 Prozent der globalen Marktkapitalisierung auf sich. Die Vereinigten Staaten liegen meilenweit vor allen anderen kapitalistischen Nationen.

Der zweitwichtigste Aktienmarkt der Welt ist der japanische mit einem Aktienmarkt-Anteil von 8,4 Prozent, gefolgt von dem britischen mit 6,2 Prozent. Die deutsche Börse bringt nach dieser Berechnung nur 3,1 Prozent der globalen market cap auf die Waagschale.


Quelle: Credit Suisse

Vor hundert Jahren sah das noch ganz anders aus: Im Jahr 1900 waren die vier großen kapitalistischen Volkswirtschaften Großbritannien, USA, Deutschland und Frankreich fast gleichrangig, wobei der Vorrang der London Stock Exchange nicht zu bestreiten ist.



Quelle: Credit Suisse


4. Alles überragende Wall Street 

Geldhäuser wie Wells Fargo (gegründet 1852), HSBC (gegründet 1865), Société Générale (gegründet 1864) oder Deutsche Bank (gegründet 1870) haben eine ähnlich große Tradition. Doch nur die Angelsachsen können heute noch als global player gelten.

Allen voran die Wall Street: Amerikas größte Bank JP Morgen ist heute zwölfmal so groß wie der deutsche Branchenprimus. Die Deutsche Bank ist an der Börse nur rund 28 Milliarden Dollar wert, das Wall-Street-Haus 334 Milliarden Dollar.


Die größten zehn Unternehmen sind allesamt amerikanisch. Die Nummer neun der Weltrangliste ist zugleich die führende Bank der Welt: JP Morgan. Deutschlands Top-Konzern SAP erscheint erst auf Rang 57, die Deutsche Bank auf Rang 456!
Quelle: Bloomberg

Die Verzwergung der europäischen Banken schränkt die Möglichkeit Europas ein, schnell Kapital zu mobilisieren, und das wiederum erschwert den Aufbau innovativer Unternehmen.

5. Die großen Fonds sitzen in New York

Die Aufzählung wäre nicht vollzählig ohne die großen Fonds. Rund vier Fünftel des ETF-Handels findet in den USA statt. Mit 2,7 Billionen Dollar Marktwert vereinigen die amerikanischen Vehikel zwei Drittel des globalen Indexfonds-Volumens auf sich. Zudem haben die großen Kapitalsammelstellen fast alle ihren Sitz in der Finanzmetropole New York.

Das führt zur paradoxen Situation, dass BlackRock in New York der größte Aktionär vieler Dax-Unternehmen ist. Wäre der Dax eine Aktie, hätten die New Yorker die meisten Stimmrechte.

Die Vereinigten Staaten sind keine Nation wie andere. Ob es uns gefällt oder nicht: Amerika ist der Hegemon des modernen Kapitalismus. Deshalb können wir nur hoffen, dass das Staatsoberhaupt dieses Hegemons nicht Politik macht wie der Regent irgendeines Kleinstaats

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