Mittwoch, 1. Februar 2017

Wo aus Unsinn Sinn wird

Peter Navarro redet viel Stuss. Doch in einer Hinsicht hat der Einflüsterer von Donald Trump recht: Der Euro ist wirklich zu billig. Egal, welche Messlatte man auch anlegt: Europas Währung wird an den Börsen zu niedrig gehandelt.

Der faire Wert dürfte eher bei 1,20 bis 1,30 Dollar liegen, also mindestens zehn Prozent über dem jetzigen Niveau.


Die OECD hält den Euro für 25 Prozent zu billig
Quelle: Bloomberg


Gehandelt wird die europäische Devise aktuell für 1,08 Dollar. Ein Großteil des jüngsten Sturzes ist der Niedrigzinspolitik der EZB geschuldet. Forscher der Bundesbank beziffern allein den kursdrückenden Effekt des Anleihenkaufpogramms auf 6,5 Prozent.


Quelle: St. Louis Fed, eigene Recherche


Der zu schwache Euro mag ein Grund für den Überschuss sein, den Deutschland im Außenhandel erzielt, aber bei weitem nicht der einzige. Auch bei einem üppigen Euro-Kurs von mehr als 1,50 Dollar im Jahr 2008 führte Europas größte Volkswirtschaft mehr Waren und Dienste aus, als sie einführte.

Umgekehrt verbuchten die USA auch mit einem weniger starken Dollar ein beträchtliches Defizit, 2006 zum Beispiel den Rekordwert von 807 Milliarden Dollar. Die Amerikaner machen Schulden, um zu importieren. Und sie können sich das als Eigner der Weltleitwährung auch leisten.




Quelle: IWF

Selbst in Zeiten eines teuren Euro hatte Deutschland ein Plus und Amerika ein Minus in der Leistungsbilanz
Quelle: Bloomberg


Gleichwohl sollten sich die deutschen Entscheider Gedanken darüber machen, was sie tun können, um unseren Wohlstand sinnvoller zu verwenden. Ein Überschuss in der Leistungsbilanz sollte als Mittel zum Zweck betrachtet werden, nicht als Ziel.

Anders als Norwegen verfügt Deutschland über keinen Staatsfonds, der die Gewinne weise investiert. Das Gros unserer Überschüsse dürfte am Ende nicht einmal Rendite abwerfen.

Für den Anfang wäre schon etwas geholfen, wenn der Finanzminister das Haushaltsplus nimmt, um damit die beste Internet-Infrastruktur der Welt aufzubauen.

Für ein Land, das sich zu Nullzins Geld borgen kann, dessen Bevölkerung schnell altert und das in der digitalen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts ins Hintertreffen zu geraten droht, wäre das doch mal eine Maßnahme. Für den Anfang.

Auch eine bessere Ausrüstung der Bundeswehr wäre ein Ansatz. Mehr Investitionen in Verteidigung sind ohnehin das, was von Deutschland gefordert wird. Aber es könnte ebensogut eine europäische Mond-Mission sein. Hauptsache, das Geld wird in Technologie und Knowhow verwandelt.

In dem Maße, wie das neu angeschaffte Material und Equipment aus dem Ausland kommt, könnte ein solches Investitionsprogramm helfen, die Handelsbilanz auszugleichen. Nicht, dass der Euro-Kurs dadurch explodieren würde, aber es wäre zumindest ein Zeichen in einer Welt, in der Stussreden schon als Handelspolitik gilt

1 Kommentar:

  1. Hi Daniel,

    Es gibt viele Dinge, die man mit dem Geld anstellen könnte. Es nicht auszugeben für die fortschreitende Digitalisierung ist aus meiner Sicht grob fahrlässig.

    Ich habe schon mehrere Berichte über Kleinstädte gelesen, die keine Internetverbindung haben! Es ist erschreckend, dass es das in Deutschland gibt. Selbstverständlich gibt es das auch zB in USA, dort sind große Distanzen auch ein viel größeres Problem...

    Ich stimme dir also vollkommen zu.

    Alles Gute,

    Ferhat

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