Sonntag, 5. Februar 2017

Vier Prozent schafft Trump nie

Donald Trump ist in der eigenen Wahrnehmung in jeder Hinsicht der Größte. Er hat seinen Wählern nicht nur 25 Millionen Jobs in einem Jahrzehnt versprochen, sondern auch ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent.

Das Ziel wird er nicht erreichen. Denn er hat zwei mächtige Gegner, zwei Gegner, gegen die er in einer freien Gesellschaft wenig entgegenzusetzen hat: Die Demografie und die Macht der Kapitalmärkte, die ihm die Grenzen der Verschuldung aufzeigen werden.


Arbeitsbevölkerung USA (15-64 Jahre) Veränderung in Prozent auf 10-Jahres-Sicht
Quelle: St. Louis Fed

Ein Grund dafür, die vier Prozent Wachstum unwahrscheinlich erscheinen lassen, ist die Demografie. Bevölkerungswachstum spielt für die wirtschaftliche Dynamik der USA eine größere Rolle, als oft wahrgenommen wird. Allein in Barack Obamas Regierungsjahren 2009 bis 2016 hat sich die Einwohnerzahl der USA um 19 Millionen erhöht: von 305 auf 324 Millionen!

Damit sind in acht Jahren mehr Menschen dazu gekommen, als die Niederlande Einwohner zählt.

Dennoch hat es das Amerika der Obama-Ära nie geschafft, auch nur annähernd vier Prozent Wachstum zu erzielen. Das beste Jahr war 2015 mit 2,7 Prozent. Klammert man das Krisenjahr 2009 aus, betrug das durchschnittliche BIP-Plus 2,1 Prozent. Verglichen mit europäischen Werten ist das imposant, doch weit von vier Prozent entfernt.





In der vergangenen 40 Jahren lag das Wachstum der USA meist deutlich über dem deutschen. Aber nach der Finanzkrise nähern sich die Werte einander an
Quelle: IWF

Wichtiger noch als das Bevölkerungswachstum ist das Wachstum der Arbeitsbevölkerung, also der Menschen zwischen 15 und 64 Jahren, die im Sinne der Wirtschaft als besonders produktiv gelten. Diese Arbeitsbevölkerung wuchs in den USA zuletzt nur noch um 0,7 Prozent per annum.

Auf Zehnjahressicht betrug das Plus der Arbeitsbevölkerung sieben Prozent und damit nur noch halb so viel wie zehn Jahre zuvor (siehe Chart oben).

Noch zur Jahrtausendwende nahm die Zahl der Menschen zwischen 15 und 64 Jahren auf Zwölf-Monats-Sicht um beachtliche 2,2 Prozent zu. Um das in Relation zu setzen: In Japan schrumpft die Arbeitsbevölkerung schon seit Jahren.


Das letzte Mal, dass die USA vier Prozent Wachstum schafften, war im Millenniumsboom
Quelle: IWF

Um auf ein BIP-Plus von vier Prozent zu kommen, müssten die USA die Arbeitsbevölkerung also erhöhen, und das ist kurzfristig - in einem Vier- oder Achtjahreszeitraum gedacht - unrealistisch, zumal die Migrationspolitik des neuen Präsidenten eher auf eine verlangsamte Einwanderung.

Natürlich kann man hoffen, dass die viel beschworenen hochqualifizierten Leistungsträger und nur die trotzdem in die USA strömen. Hoffen und beschwören kostet ja nichts.

Auch Staatsausgaben auf Pump können das Wachstum anschieben. Nur war Obama in der Hinsicht alles andere als untätig. In den acht Jahren seiner Ägide haben die USA ihre Staatsverschuldung um 9,4 Billionen Dollar auf insgesamt 20 Billionen Dollar ausgeweitet.

Dennoch war an ein Wachstum von vier Prozent nicht mal in Reichweite. Nun könnte Trump die Verschuldung noch einmal verdoppeln auf dann 40 Billionen Dollar. Das entspräche dann einer Schuldenquote von 200 Prozent.


Quelle: IWF

Nur zeigt das Beispiel Japan, dass mehr Verbindlichkeiten das Wachstum irgendwann kaum mehr anschieben. Bliebe noch eine wundersame Steigerung der Produktivität. Doch das ist eine andere Geschichte




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen