Samstag, 4. Februar 2017

Amerikanische Wohlstandsverluste, wirklich?

In seiner Amtsantrittsrede hat der neue US-Präsident von einem Amerika gesprochen, in dem ein Blutbad (carnage) tobe. Man kann nur hoffen, dass das zumindest zum Teil metaphorisch gemeint war.
Sicher sein kann man da nicht.
Aus anderen Äußerungen Trumps lässt sich rekonstruieren, dass der Mann im Weißen Haus an die Arbeitnehmer in Amerika gedacht hat. Deren Einkommen erleben seiner Meinung nach ein Gemetzel.

Hat er recht?
Nun, die Statistiken lassen ein solches Blutbad am Einkommen des amerikanischen Volkes, und davon redet der Präsident ja immer, nicht erkennen.

Im Gegenteil, von allen großen Volkswirtschaften haben die Vereinigten Staaten ihren Wohlstand pro Kopf seit der Finanzkrise am meisten steigern können. Und das von hohem Niveau aus.

Die Daten des IWF sind eindeutig: Betrug Amerikas Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner im Finanzkrisenjahr 2008 rund 48.300 Dollar, so waren es acht Jahre später (also zum Ende der Obama-Ära) 57.300 Dollar, also 9000 Dollar mehr.


Die USA sind nicht nur die größte Ökonomie, sondern auch die reichste
Quelle: IWF

Keine andere entwickelte Volkswirtschaft kann in der Summe eine so positive Entwicklung vorweisen. Rechnet man das Bruttoinlandsprodukt in Dollar um, müssen die meisten anderen G7-Länder sogar einen Rückgang hinnehmen.


Auf  Dollar-Basis ist während der Obama-Jahre 2009 bis 2016  nur "das amerikanische Volk" reicher geworden
Quelle: IWF, eigene Berechnungen

Und es in Relation zu setzten: Ein Amerikaner hat seit dem Jahr 2008 statistisch mehr Wohlstand dazu gewonnen, als ein Chinese insgesamt an Wirtschaftsleistung erzeugt.
Das Pro-Kopf-BIP lag in Reich der Mitte zuletzt bei 8.261 Dollar.

Natürlich ist das nur der Durchschnittswert. Es gibt viele Hinweise darauf, dass die amerikanischen Arbeiter von diesem immensen Wohlstandsgewinn wenig abbekommen haben, Amerika ist eine der Gesellschaften mit der ungleichsten Einkommensverteilung, und das erklärt vielleicht auch die Frustration, die im Hinterland der USA herrscht.

Eine Frustration, die Trump mit an die Macht gespült hat.


Rechnerisch hat ein Amerikaner eine sieben Mal so hohe Wirtschaftskraft wie ein Chinese
Quelle: IWF


In Amerika sind die Einkommen der einfachen Leute seit 2008 - hier Helfer genannt - nach Inflation gesunken. In keinem anderen großen Industrieland geht die Schere so weit auseinander wie in den USA
Quelle: Korn Ferry



Die Reaktion des Immobilieninvestors und Selbstdarstellers Donald Trump auf all das, die Flucht in Protektionismus und Währungskrieg, ist keineswegs zwingend. Eine andere Antwort hätte sein können, die Einkommen in Amerika einfach besser zu verteilen, in Europa würde man sagen: "gerechter".

Der amerikanische Präsident hat einen anderen Weg eingeschlagen: Die vermeintlich geraubten Jobs zurückholen nach Amerika. Mit Strafzöllen und Handelsbarrieren.
Dabei entfesselt er gleichsam nebenbei den Ungeist des Nationalismus, und riskiert auch, die Nachkriegs-Weltordnung zu zerstören. Mit schwer abschätzbaren (und für mich beunruhigenden) Folgen für Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert





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