Dienstag, 28. Februar 2017

Der deutsche Warren Buffett

Unglaublich, aber wahr. Im Deutschen Aktienindex (Dax) gibt es eine Aktie, die in den vergangenen 25 Jahren noch stärker gestiegen ist als Berkshire Hathaway. Diese Aktie ist Fresenius.

Die Aktie des Gesundheitskonzerns aus Bad Homburg hat seit 1992 um rund 6800 Prozent zugelegt, verglichen mit den schon beachtlichen 3400 Prozent von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft.


Seit Anfang der Neunziger um den Faktor 75 gestiegen: Fresenius-Aktie in Euro
Quelle: Bloomberg

Die Kursentwicklung von Fresenius ist nicht das einzig Erfreuliche. Seit erstmaliger Zahlung einer Dividende vor einem Vierteljahrhundert gibt es jedes Jahr mehr Ausschüttung. Damit ist der Dax-Titel Deutschlands erster Dividendenaristokrat.

Die Dividendenrendite war zwar noch nie berauschend, gemessen am aktuellen Kurs sind es 0,8 Prozent, jedoch lässt die Ausschüttungsquote von etwas über einem Fünftel (22 Prozent) jede Menge Luft nach oben.

Mit mehr als 260.000 Mitarbeitern in über 100 Ländern profitiert der deutsche Gesundheitskonzern vom wachsenden Wohlstand weltweit und gleichzeitig der Alterung der Gesellschaft. Die Expansion muss noch lange nicht zu Ende sein. Menschen werden älter und brauchen mehr Medizin und Pflege.


Ausschüttung innerhalb von sechs Jahren verdoppelt
Quelle: Unternehmensangaben

Nach Fresenius wird der zweite Dividendenaristokrat Deutschlands wohl aus der gleichen Familie kommen: Der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care kann Anfang des nächsten Jahrzehnts die 25 voll machen.

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind Fuchs Petrolub mit 15 Erhöhungen in Folge und Stratec Biomedical mit einer 14er Serie. Auch BayWa und Fielmann haben die Chance, im Laufe der Zwanzigerjahre Dividendenaristokraten zu werden.


Die nächsten potenziellen Dividendenaristokraten in Deutschland
Quelle: Dividendenadel.de


Kein Dividendenaristokrat im klassischen Sinn, aber eine feste Größe am Dividendenhimmel ist die Aktie von Munich Re (Münchener Rück). Seit dem Jahr 1970 hat der größte Rückversicherer der Welt die Ausschüttung nie senken müssen.

Zuletzt betrug die Munich-Re-Rendite bei einer Ausschüttung von 8,60 Euro je Aktie fünf Prozent.
So sehen Börsenwerte aus, die Vermögen schaffen

Freitag, 17. Februar 2017

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Die Allianz SE erhöht die Dividende auf 7,60 Euro pro Aktie. Damit wird Deutschlands fünftgrößter Börsenkonzern eine Rekordsumme von 3.473 Millionen Dollar ausschütten. Doch wem kommt der Geldsegen eigentlich zugute?


Eine fast tadellose Dividendenhistorie
Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben

Das Unternehmen zählt 510.917 Aktionäre in der Bundesrepublik. Diese halbe Million Menschen und Institutionen besitzen zusammen rund 33,8 Prozent des Allianz-Grundkapitals und haben Anspruch auf einen entsprechenden Anteil des ausgezahlten Gewinns. 


Aktionärsstruktur Allianz SE nach Ländern Stand 2016
Quelle: Unternehmensangaben

Adressen in den USA halten 18 Prozent des Grundkapitals. Allerdings sind dies nur 398 Personen und Organisationen. Weitere je 7,8 Prozent liegen in Großbritannien und Luxemburg. Auch hier sind es nur wenige Stellen.

Das bedeutet, dass jeder deutsche Aktionär im Schnitt zivile 2.300 Euro erhält, bei der einzelnen Adresse in Amerika rappeln dagegen fast 1,6 Millionen Euro in der Kasse. Ähnliches gilt für die Luxemburger Adressen
Jeder der dort ansässigen 193 Anteilseigner erhält am Tag der Ausschüttung rechnerisch 1,4 Millionen. 


Quelle: eigene Berechnungen auf Basis von Unternehmensangaben und einer vorgeschlagenen Dividende von 7,60 Euro


Schlimm? Im Prinzip nicht, in New York und Luxemburg sitzen eben die großen Fonds, an denen wiederum viele Privatanleger beteiligt sind, auch deutsche.

So ist der größte Anteilseigner der Allianz inzwischen BlackRock. Der New Yorker Finanzkonzern hält 5,9 Prozent an dem Versicherer. BlackRock ist auch Großaktionär bei SAP (5,1 Prozent), Daimler (5,2 Prozent), Siemens (5,6 Prozent) und Bayer (7,0 Prozent).

Langfristig kann aus einer solchen Ballung von Stimmrechten bei einer Adressen eine Gefahr für den Kapitalismus erwachsen. Mögliche Kumpaneien von Großaktionär, Aufsichtsrat und Vorstand muss man im Auge behalten

Mittwoch, 15. Februar 2017

Eine interessante Statistik

In den Tiefen der amtlichen Statistik stößt man auf einiges, auch auf so manche Wahrheit, die eher unbequem ist. Zum Beispiel diese:

Die Folgen von Migration haben in der Vergangenheit eher zu einer Belastung als zu einer Entlastung des deutschen Sozialstaats geführt. Das zeigt eine einfache Rechnung. Der Ausländer-Anteil an der Gesamtbevölkerung Deutschlands liegt bei elf bis zwölf Prozent. Der Anteil von Nichtdeutschen an den Hartz-IV-Empfängern beträgt dagegen fast ein Drittel.

Rund jeder achte ausländische Mitbürger ist Leistungsberechtigter im Sinne des Sozialgesetzbuchs.


Ausländer stellten 2015 laut amtlichen Zahlen 10,5 Prozent der Bevölkerung.
Im Jahr 2016 dürfte der Anteil Richtung zwölf Prozent geklettert sein
Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Recherche

Mit anderen Worten: Die Wahrscheinlichkeit, als Nichtdeutscher Sozialhilfeempfänger zu sein, ist ungefähr dreimal so hoch wie als deutscher Staatsbürger.


Der Anteil der nichtdeutschen Einwohner an den Sozialhilfeempfängern ist deutlich höher als ihr Anteil an der Bevölkerung
Quelle: Arbeitsagentur, eigene Recherche

Ein ähnliches Muster zeigt sich auch bei den Arbeitsmarktzahlen: Anfang 2017 waren 5,7 Prozent der deutschen Staatsbürger als arbeitslos gemeldet, unter den Ausländern lag die Quote mehr als doppelt so hoch, bei 14,8 Prozent.

Aufschlussreich ist aber auch ein anderer Wert: Im Jahr 2016 hat die Zahl der regulären (also sozialversicherungspflichtigen) Beschäftigten mit deutscher Staatsbürgerschaft kaum noch zugenommen. Sie stieg in absoluten Zahlen nur um 34.000 oder 0,1 Prozent.

Die Zahl der ausländischen Beschäftigten in der Bundesrepublik ist dagegen um zehn Prozent geklettert, nämlich um 298.000 auf 3,3 Millionen (Stand November 2016). Mehr als die Hälfte dieser Jobs, laut Arbeitsagentur 151.000, haben Osteuropäer übernommen.

Daraus kann man ableiten, dass es einfach nicht mehr genügend Deutsche (zumindest mit der erforderlichen Qualifikation und Mobilität) gibt, um diverse Stellen zu besetzen. Die Alterung unserer Gesellschaft hinterlässt ihre Spuren.


Die Erwerbsbevölkerung Deutschlands ist zuletzt nur dank Zuwanderung wieder am Steigen
Quelle: Bloomberg
Für mich folgt daraus: Asylpolitik kann nicht als Ersatz für Einwanderungspolitik fungieren. Eine über humanitäre Schutzgewährung und die EU-Personenfreizügigkeit hinausgehende Migration sollte stärker auf die Qualifikation der Zuzügler ausgerichtet sein



Sonntag, 12. Februar 2017

20 Billionen Dollar Schulden

Nicht nur der Dow Jones Index hat gerade eine magische 20er Grenze durchbrochen, die 20.000-Punkte-Marke. Auch in anderer Hinsicht werden die USA dieser Tage eine 20er-Schwelle überschreiten: die der Staatsverschuldung.


Quelle: IWF WEO, eigene Berechnungen


Zum ersten Mal zeigt dann die Schuldenuhr der Vereinigten Staaten von Amerika 20 Billionen Dollar, 20.000 Milliarden, 20 Millionen Millionen. Damit ist jeder US-Bürger über den Staat mit rund 61.500 Dollar verschuldet. Zum Vergleich: Pro Kopf steht jeder Einwohner Deutschlands mit umgerechnet 27.000 Dollar in der Kreide (25.500 Euro).


Quelle: Fed St. Louis (FRED)

Schon jetzt übersteigen die Verbindlichkeiten die Wirtschaftskraft deutlich. Und es geht weiter: Die ersten Amtsjahre eines neuen Präsidenten bringen meist eine starke Neuverschuldung. So war es unter Bush senior, so war es unter Bill Clinton, so war es unter Bush junior und so war es - aufs Groteske verzerrt durch die Folgen der Finanzkrise - auch unter Obama.



Steigerung der Staatsschulden in Prozent
Quelle. Fed. St. Louis (FRED)

Wann wird der enorme Schuldenstand zum Problem? Das japanische Beispiel zeigt, dass eine hoch entwickelt Volkswirtschaft mit funktionierender Finanz-Infrastruktur lange mit einer solchen Bürde zurechtkommen kann (vorausgesetzt die Zinsen bleiben niedrigen).

Die Frage scheint also nicht so sehr zu sein, ob der amerikanische Staat unter der Last der Kredite kollabiert - das wird er nicht -, sondern. wann die immer neuen Schulden von einem Konjunkturtreiber zu einem Bremsklotz werden.

Und sollte die aktuelle nationalistische Politik in Washington zum neuen Normalmaß werden, muss man sich langfristig auch eine andere Frage stellen: Wer wird für die US-Schulden aufkommen? Offensichtlich hat das Establishment entschieden, dass es nicht die Amerikaner sein sollen.

Es könnte also die Zeit kommen, da die Handelspartner Amerikas über Zölle Amerikas Zinsen zahlen


Deutschland ist eine der wenigen Industrienationen, deren Schulden in absoluten Zahlen sinken
Quelle: IWF WEO


Freitag, 10. Februar 2017

Die Welt wird nicht untergehen

Die Welt wird nicht untergehen, wenn die Europäische Union zerfällt. Es wird sich nur so anfühlen, eine ganze Zeit lang.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Europas Wirtschaft blühen könnte, wenn ein großes Land - etwa Frankreich oder Italien - aus der Union austritt, liefert Großbritannien.

Das Vereinigte Königreich wird immer wieder als Beispiel dafür angeführt, dass der Exit aus der Union halb so schlimm ist. Oder sogar Gutes bewirkt und neue Kräfte freisetzt.

Bei näherem Hinsehen erkennt man jedoch die Bruchlinien innerhalb der Volkswirtschaft. Denn der am 23. Juni 2016 mittels Referendum eingeforderte (und am 8. Februar 2017 vom Unterhaus gebilligte) Austritt hat schon jetzt Spuren hinterlassen.

An der Börse, wo die Zukunft gehandelt wird, sieht man das deutlicher als anderswo. Auf den ersten Blick scheint der Londoner Leitindex FTSE100 ("Footsie") trotz des Brexit-Votums von Rekord zu Rekord zu eilen. Das ist eine optische Täuschung.

Europäische oder amerikanische Investoren haben von dem Kursanstieg so gut wie gar nichts. Denn das Britische Pfund, in dem die Kurse festgestellt werden, hat sich etwa in dem Maß abgeschwächt, wie die Notierungen gestiegen sind.

Unter dem Strich haben nichtbritische Anleger mit britischen Aktien kaum gewinnen können. Dem Plus des FTSE100 seit 23. Juni 2016 von 14 Prozent in Pfund steht ein Minus von rund drei Prozent in Dollar gegenüber. In Euro legte der Footsie drei Prozent zu, verglichen mit locker zweistelligen Gewinnen des Dax.


Quelle: Bloomberg

Tatsächlich notiert der britische Leitindex heute stolze 23 Prozent unter seinem Dollar-Hoch aus dem Jahr 2014.

Und das ist nur das äußere Zeichen eines viel tiefer liegenden Problems. Die Unsicherheit rund um die Austrittsverhandlungen schaden den meisten Firmen auf der Insel, und das wird noch einige Jahre so bleiben. Schließlich wird Großbritannien den größten Binnenmarkt der Welt verlassen.

Mit ungewissen Aussichten auf ein neues Handelsabkommen. Einer Statistik zufolge dauert es im Schnitt fast vier Jahre, ein internationales Abkommen auszuhandeln. Gut möglich also, dass sich England und Europa erst im nächsten Jahrzehnt einigen.

Auffällig: Die Rallye an der Londoner Börse von Werten getrieben, die gar nicht besonders viel mit der britischen Wirtschaft zu tun haben. Unter den zehn größten Gewinnern im Leitindex finden sich nicht weniger als fünf Rohstoffriesen, die auf der Insel so gut wie keine Wertschöpfung erzielen, sondern nur ihren Sitz in London haben.
Das sind Glencore, Antofagasta, Anglo America, Rio Tinto und BHP Billiton.

Dazu kommen große Banken- und Finanzkonzerne wie HSBC Holdings.



Verluste in Prozent seit dem Referendum am 23. Juni 2016 (auf Pfund-Basis)
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Auf der Verliererseite stehen dagegen Immobilienunternehmen (British Land) und Einzelhändler (Dixons Carphone, Next), und zur Überraschung mancher sogar Industriekonzerne wie Babcock International, die - so will es die landläufige Meinung - vom schwachen Pfund-Kurs profitieren sollten.

Einen Brexit ohne Reue wird es nicht geben. Weder für Anleger noch für die Beschäftigten auf der Insel

Mittwoch, 8. Februar 2017

So groß sind die Gehaltsunterschiede

Nicht nur innerhalb Europas gibt es beträchtliche Einkommensunterschiede, sondern auch innerhalb Deutschlands, von Bundesland zu Bundesland.

Wie stark das West-Ost-Gehaltsgefälle (immer noch) ist, zeigt jetzt der Gehaltsreport 2017 von Stepstone.

Demnach verdient eine durchschnittliche Fachkraft in Europas größter Volkswirtschaft brutto 57.150 Euro im Jahr (zum aktuellen Kurs umgerechnet sind das ungefähr 61.000 Dollar).

Die besten Einkommensmöglichkeiten gibt es Hessen, wohl nicht zuletzt wegen des europäischen Finanzzentrums Frankfurt a.M. Dort ist ein Gehalt von 62.055 Euro quasi normal.


Quelle: Stepstone.de, eigene Recherche

Das Bundesland mit dem niedrigsten Lohnniveau ist Sachsen-Anhalt. Fach- und Führungkräfte in dem 2,3-Millionen-Einwohner-Land müssen im Mittel mit 41.800 Euro auskommen.

Deutlich unter dem Durchschnitt liegen auch Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. In 27 Jahren Einheit hat sich das Gehaltsniveau in Ost- und West angenähert.
Von einem Gleichstand kann aber keine Rede sein.


Quelle: Stepstone.de, eigene Recherche

Aktuell ist es so, dass ein Experte in Frankfurt fast 50 Prozent mehr verdient als in Magdeburg. Der Historiker in mir muss daran denken, dass beide bedeutende Städte des deutschen Mittelalters sind. Wobei anzumerken ist: In Sachsen-Anhalt ist auch ein Teil der Lebenshaltungskosten deutlich geringer als in Hessen.

Und auch die Work-Life-Balance muss im Osten nicht unbedingt schlechter sein.

Wirtschaftlich gesehen leiden die östlichen Bundesländer nach wie vor unter dem historischen Erbe, dass Weltkonzerne ihren Sitz und viele ihrer Produktionsstätten in der alten Bundesrepublik haben. Einige löbliche Ausnahmen gibt es.

Aber die Schatten von Teilung, Kommunismus und Kaltem Krieg sind lang




Sonntag, 5. Februar 2017

Vier Prozent schafft Trump nie

Donald Trump ist in der eigenen Wahrnehmung in jeder Hinsicht der Größte. Er hat seinen Wählern nicht nur 25 Millionen Jobs in einem Jahrzehnt versprochen, sondern auch ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent.

Das Ziel wird er nicht erreichen. Denn er hat zwei mächtige Gegner, zwei Gegner, gegen die er in einer freien Gesellschaft wenig entgegenzusetzen hat: Die Demografie und die Macht der Kapitalmärkte, die ihm die Grenzen der Verschuldung aufzeigen werden.


Arbeitsbevölkerung USA (15-64 Jahre) Veränderung in Prozent auf 10-Jahres-Sicht
Quelle: St. Louis Fed

Ein Grund dafür, die vier Prozent Wachstum unwahrscheinlich erscheinen lassen, ist die Demografie. Bevölkerungswachstum spielt für die wirtschaftliche Dynamik der USA eine größere Rolle, als oft wahrgenommen wird. Allein in Barack Obamas Regierungsjahren 2009 bis 2016 hat sich die Einwohnerzahl der USA um 19 Millionen erhöht: von 305 auf 324 Millionen!

Damit sind in acht Jahren mehr Menschen dazu gekommen, als die Niederlande Einwohner zählt.

Dennoch hat es das Amerika der Obama-Ära nie geschafft, auch nur annähernd vier Prozent Wachstum zu erzielen. Das beste Jahr war 2015 mit 2,7 Prozent. Klammert man das Krisenjahr 2009 aus, betrug das durchschnittliche BIP-Plus 2,1 Prozent. Verglichen mit europäischen Werten ist das imposant, doch weit von vier Prozent entfernt.





In der vergangenen 40 Jahren lag das Wachstum der USA meist deutlich über dem deutschen. Aber nach der Finanzkrise nähern sich die Werte einander an
Quelle: IWF

Wichtiger noch als das Bevölkerungswachstum ist das Wachstum der Arbeitsbevölkerung, also der Menschen zwischen 15 und 64 Jahren, die im Sinne der Wirtschaft als besonders produktiv gelten. Diese Arbeitsbevölkerung wuchs in den USA zuletzt nur noch um 0,7 Prozent per annum.

Auf Zehnjahressicht betrug das Plus der Arbeitsbevölkerung sieben Prozent und damit nur noch halb so viel wie zehn Jahre zuvor (siehe Chart oben).

Noch zur Jahrtausendwende nahm die Zahl der Menschen zwischen 15 und 64 Jahren auf Zwölf-Monats-Sicht um beachtliche 2,2 Prozent zu. Um das in Relation zu setzen: In Japan schrumpft die Arbeitsbevölkerung schon seit Jahren.


Das letzte Mal, dass die USA vier Prozent Wachstum schafften, war im Millenniumsboom
Quelle: IWF

Um auf ein BIP-Plus von vier Prozent zu kommen, müssten die USA die Arbeitsbevölkerung also erhöhen, und das ist kurzfristig - in einem Vier- oder Achtjahreszeitraum gedacht - unrealistisch, zumal die Migrationspolitik des neuen Präsidenten eher auf eine verlangsamte Einwanderung.

Natürlich kann man hoffen, dass die viel beschworenen hochqualifizierten Leistungsträger und nur die trotzdem in die USA strömen. Hoffen und beschwören kostet ja nichts.

Auch Staatsausgaben auf Pump können das Wachstum anschieben. Nur war Obama in der Hinsicht alles andere als untätig. In den acht Jahren seiner Ägide haben die USA ihre Staatsverschuldung um 9,4 Billionen Dollar auf insgesamt 20 Billionen Dollar ausgeweitet.

Dennoch war an ein Wachstum von vier Prozent nicht mal in Reichweite. Nun könnte Trump die Verschuldung noch einmal verdoppeln auf dann 40 Billionen Dollar. Das entspräche dann einer Schuldenquote von 200 Prozent.


Quelle: IWF

Nur zeigt das Beispiel Japan, dass mehr Verbindlichkeiten das Wachstum irgendwann kaum mehr anschieben. Bliebe noch eine wundersame Steigerung der Produktivität. Doch das ist eine andere Geschichte




Samstag, 4. Februar 2017

Amerikanische Wohlstandsverluste, wirklich?

In seiner Amtsantrittsrede hat der neue US-Präsident von einem Amerika gesprochen, in dem ein Blutbad (carnage) tobe. Man kann nur hoffen, dass das zumindest zum Teil metaphorisch gemeint war.
Sicher sein kann man da nicht.
Aus anderen Äußerungen Trumps lässt sich rekonstruieren, dass der Mann im Weißen Haus an die Arbeitnehmer in Amerika gedacht hat. Deren Einkommen erleben seiner Meinung nach ein Gemetzel.

Hat er recht?
Nun, die Statistiken lassen ein solches Blutbad am Einkommen des amerikanischen Volkes, und davon redet der Präsident ja immer, nicht erkennen.

Im Gegenteil, von allen großen Volkswirtschaften haben die Vereinigten Staaten ihren Wohlstand pro Kopf seit der Finanzkrise am meisten steigern können. Und das von hohem Niveau aus.

Die Daten des IWF sind eindeutig: Betrug Amerikas Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner im Finanzkrisenjahr 2008 rund 48.300 Dollar, so waren es acht Jahre später (also zum Ende der Obama-Ära) 57.300 Dollar, also 9000 Dollar mehr.


Die USA sind nicht nur die größte Ökonomie, sondern auch die reichste
Quelle: IWF

Keine andere entwickelte Volkswirtschaft kann in der Summe eine so positive Entwicklung vorweisen. Rechnet man das Bruttoinlandsprodukt in Dollar um, müssen die meisten anderen G7-Länder sogar einen Rückgang hinnehmen.


Auf  Dollar-Basis ist während der Obama-Jahre 2009 bis 2016  nur "das amerikanische Volk" reicher geworden
Quelle: IWF, eigene Berechnungen

Und es in Relation zu setzten: Ein Amerikaner hat seit dem Jahr 2008 statistisch mehr Wohlstand dazu gewonnen, als ein Chinese insgesamt an Wirtschaftsleistung erzeugt.
Das Pro-Kopf-BIP lag in Reich der Mitte zuletzt bei 8.261 Dollar.

Natürlich ist das nur der Durchschnittswert. Es gibt viele Hinweise darauf, dass die amerikanischen Arbeiter von diesem immensen Wohlstandsgewinn wenig abbekommen haben, Amerika ist eine der Gesellschaften mit der ungleichsten Einkommensverteilung, und das erklärt vielleicht auch die Frustration, die im Hinterland der USA herrscht.

Eine Frustration, die Trump mit an die Macht gespült hat.


Rechnerisch hat ein Amerikaner eine sieben Mal so hohe Wirtschaftskraft wie ein Chinese
Quelle: IWF


In Amerika sind die Einkommen der einfachen Leute seit 2008 - hier Helfer genannt - nach Inflation gesunken. In keinem anderen großen Industrieland geht die Schere so weit auseinander wie in den USA
Quelle: Korn Ferry



Die Reaktion des Immobilieninvestors und Selbstdarstellers Donald Trump auf all das, die Flucht in Protektionismus und Währungskrieg, ist keineswegs zwingend. Eine andere Antwort hätte sein können, die Einkommen in Amerika einfach besser zu verteilen, in Europa würde man sagen: "gerechter".

Der amerikanische Präsident hat einen anderen Weg eingeschlagen: Die vermeintlich geraubten Jobs zurückholen nach Amerika. Mit Strafzöllen und Handelsbarrieren.
Dabei entfesselt er gleichsam nebenbei den Ungeist des Nationalismus, und riskiert auch, die Nachkriegs-Weltordnung zu zerstören. Mit schwer abschätzbaren (und für mich beunruhigenden) Folgen für Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert





Mittwoch, 1. Februar 2017

Wo aus Unsinn Sinn wird

Peter Navarro redet viel Stuss. Doch in einer Hinsicht hat der Einflüsterer von Donald Trump recht: Der Euro ist wirklich zu billig. Egal, welche Messlatte man auch anlegt: Europas Währung wird an den Börsen zu niedrig gehandelt.

Der faire Wert dürfte eher bei 1,20 bis 1,30 Dollar liegen, also mindestens zehn Prozent über dem jetzigen Niveau.


Die OECD hält den Euro für 25 Prozent zu billig
Quelle: Bloomberg


Gehandelt wird die europäische Devise aktuell für 1,08 Dollar. Ein Großteil des jüngsten Sturzes ist der Niedrigzinspolitik der EZB geschuldet. Forscher der Bundesbank beziffern allein den kursdrückenden Effekt des Anleihenkaufpogramms auf 6,5 Prozent.


Quelle: St. Louis Fed, eigene Recherche


Der zu schwache Euro mag ein Grund für den Überschuss sein, den Deutschland im Außenhandel erzielt, aber bei weitem nicht der einzige. Auch bei einem üppigen Euro-Kurs von mehr als 1,50 Dollar im Jahr 2008 führte Europas größte Volkswirtschaft mehr Waren und Dienste aus, als sie einführte.

Umgekehrt verbuchten die USA auch mit einem weniger starken Dollar ein beträchtliches Defizit, 2006 zum Beispiel den Rekordwert von 807 Milliarden Dollar. Die Amerikaner machen Schulden, um zu importieren. Und sie können sich das als Eigner der Weltleitwährung auch leisten.




Quelle: IWF

Selbst in Zeiten eines teuren Euro hatte Deutschland ein Plus und Amerika ein Minus in der Leistungsbilanz
Quelle: Bloomberg


Gleichwohl sollten sich die deutschen Entscheider Gedanken darüber machen, was sie tun können, um unseren Wohlstand sinnvoller zu verwenden. Ein Überschuss in der Leistungsbilanz sollte als Mittel zum Zweck betrachtet werden, nicht als Ziel.

Anders als Norwegen verfügt Deutschland über keinen Staatsfonds, der die Gewinne weise investiert. Das Gros unserer Überschüsse dürfte am Ende nicht einmal Rendite abwerfen.

Für den Anfang wäre schon etwas geholfen, wenn der Finanzminister das Haushaltsplus nimmt, um damit die beste Internet-Infrastruktur der Welt aufzubauen.

Für ein Land, das sich zu Nullzins Geld borgen kann, dessen Bevölkerung schnell altert und das in der digitalen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts ins Hintertreffen zu geraten droht, wäre das doch mal eine Maßnahme. Für den Anfang.

Auch eine bessere Ausrüstung der Bundeswehr wäre ein Ansatz. Mehr Investitionen in Verteidigung sind ohnehin das, was von Deutschland gefordert wird. Aber es könnte ebensogut eine europäische Mond-Mission sein. Hauptsache, das Geld wird in Technologie und Knowhow verwandelt.

In dem Maße, wie das neu angeschaffte Material und Equipment aus dem Ausland kommt, könnte ein solches Investitionsprogramm helfen, die Handelsbilanz auszugleichen. Nicht, dass der Euro-Kurs dadurch explodieren würde, aber es wäre zumindest ein Zeichen in einer Welt, in der Stussreden schon als Handelspolitik gilt