Dienstag, 24. Januar 2017

Wo die Gehälter am stärksten steigen

Italien gilt als Krisenland, doch diejenigen, die in der Euro-Ökonomie einen sicheren Job haben, sind fein raus. Dieses Jahr dürften die italienischen Einkommen schneller steigen als die deutschen.

Geht es in der Bundesrepublik mit den Gehältern im Durchschnitt um 2,5 Prozent nach oben, steht südlich der Alpen ein Plus von 2,6 Prozent an, deutlich über dem westeuropäischen Mittelwert von 2,1 Prozent.

Das prognostiziert die Personalberatung Korn Ferry auf Basis einer aktuellen Umfrage unter 25.000 Arbeitgebern in 110 Ländern.


Quelle: Korn Ferry

Für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass die Lebenshaltungskosten weniger stark anziehen als in Deutschland, ist in Italien sogar mit einem höheren Reallohngewinn zu rechnen.

Ökonomen sagen einen Preisanstieg von 0,9 Prozent für Italien voraus, hierzulande sollen es bis zu 1,9 Prozent sein, was bedeutet, dass das reale italienische Lohnplus mit 1,7 Prozent fast dreimal so hoch ausfallen könnte wie das deutsche (0,6 Prozent).
Vergangenes Jahr kletterten die Gehälter südlich der Alpen um 2,1 Prozent real.

Noch besser als in Italien dürften sich die Einkommen in der Währungsunion 2017 nur in Luxemburg und Belgien entwickeln. Kompliment an die Gewerkschaften in Bella Italia. Gut gemacht.

Ein Lohnplus von 2,6 Prozent ist famos für die italienischen Arbeitsplatzbesitzer und tatsächlich gibt es statistisch gesehen Aufholpotenzial zu Nordeuropa, es fragt sich nur, ob der satte Aufschlag gut ist für die Wettbewerbsfähigkeit der stagnierenden italienischen Wirtschaft als Ganze. Mit der geht es seit dem Euro-Beitritt bergab.

Vor allem seit der Finanzkrise droht das schöne Land im Süden den Anschluss zu verlieren. Es gibt kaum noch Investitionen und Wachstum. Die Erwerbslosenquote ist mit fast zwölf Prozent die vierthöchste in der EU.


Quelle: Destatis, Eurostat


Gründe dafür gibt es viele. Neben der überbordenden Bürokratie, dem rigiden Arbeitsmarkt und dem defizitären Bildungssystem dürften die rasant gestiegenen Lohnstückkosten in Italien ein Grund für den Verlust von Konkurrenzfähigkeit sein.

Verglichen mit 1999 hatte sich die Produktion schon 2015 (das sind die aktuellsten Daten) um beachtliche 39 Prozent verteuert, die deutschen Lohnstückkosten erhöhten sich im gleichen Zeitraum nur um 17 Prozent.

Italien ist das einzige große Industrieland, das seit dem Ende der Großen Finanzkrise überhaupt kein wirtschaftliches Wachstum geschafft hat.

Zuletzt kletterten die Kosten hierzulande schneller als südlich der Alpen. Man kann gespannt sein, ob der Trend anhält


Lohnstückkosten Deutschland und Italien im Vergleich
Quelle: OECD

1 Kommentar:

  1. klar ist, dass #Deutschland unter seinen Verhältnissen lebt. Daraus folgt, dass unsere Nachbarländer dursch Schulden machen unsere Exporterfolge möglich machen müssen, damit #Deutschland nicht in einer Exportkriese versinkt. Wann fordert der Tiefseher höhere Löhne für Deutsche Arbeitnehmer?

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