Montag, 30. Januar 2017

Absolute Power

Auf dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise spottete so mancher in Deutschland darüber, dass die größte Firma Griechenlands ein Getränkeabfüller sei, Hellenic Bottling.

Die Sache ist nur: Was damals für Griechenland galt, gilt heute für die Eurozone als Ganze. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Das gemessen am Börsenwert größte Unternehmen der europäischen Währungsunion ist ein Getränkekonzern.

Das Unternehmen hat seinen Sitz in Belgien und ist dazu noch zur Hälfte amerikanisch, wie schon der Name verrät: Anheuser Busch InBev. Abgesehen von dem 2008 aus einer Fusion hervorgegangenen Brauereikonzern, der Rang 24 der Börsen-Weltrangliste einnimmt, repräsentiert der französische Ölmulti Total die Eurozone am ehesten.

Die Franzosen finden sich derzeit auf Platz 51 der Top-100, mit einem Börsenwert von umgerechnet 126 Milliarden Dollar.

So imposant Total im europäischen Maßstab mit einer Marktkapitalisierung von 126 Milliarden sein mag, international sind die Franzosen eher ein kleiner Fisch. Total ist gerade einmal ein Fünftel so groß die globale Nummer eins Apple mit 641 Milliarden Dollar.


Die Unternehmen, die für die Infrastruktur der Zukunft stehen, sind sämtlich amerikanisch
Quelle: Bloomberg

Und es wird nicht besser, wenn man nach Deutschland blickt: Die größte Volkswirtschaft Europas bringt gerade einmal drei Unternehmen unter die ersten 100. Das sind SAP, Siemens und Bayer.

In der Bundesrepublik sind sie Firmen-Ikonen, im internationalen Vergleich kommen sie erst unter "Ferner liefen...", genauer auf Platz 60, 62 und 85.

Noch bedenklicher: Die Zahl der deutschen Firmen, die es unter die Top-100 schaffen, ist in den letzten zwei Jahren von sechs auf drei gesunken.


Deutsche Unternehmen unter den 100 größten gemessen am Börsenwert in Milliarden Dollar
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

So ganz anders als Griechenland ist Deutschland nicht.

Auf der anderen Seite wird die amerikanische Dominanz immer erdrückender. Es versteht sich von selbst, dass die Vereinigten Staaten die zehn größten Unternehmen der Welt stellen.

Unter den Top-30 finden sich nicht weniger als 19 US-Konzerne, dazu kommen fünf chinesische, zwei Firmen aus der Schweiz, eine aus Südkorea (Samsung), eine aus Großbritannien (Royal Dutch Shell) sowie Anheuser Busch InBev mit Sitz in Belgien und eine japanische Gesellschaft, nämlich Toyota.

Die Firmen, die die Infrastruktur der Zukunft bauen, Apple, Google, Microsoft, Amazon, Facebook sind sämtlich amerikanisch.

Das einst mächtigste Unternehmen aus Deutschland, Volkswagen, ist durch den Abgasskandal weit nach hinten gerutscht. Der Autobauer vereinigt nur mehr einen Börsenwert von 83 Milliarden Dollar auf sich, Platz 117 der Weltrangliste.



Unsere Nummer eins nimmt sich verglichen mit den US-Giganten wie ein Winzling aus
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche



Samstag, 28. Januar 2017

Das Glas ist halb voll... mit Dividenden

Viele Menschen kaufen Aktien, um Kursgewinne zu versilbern. Ich halte das für einen Fehler. Wer sich an einer Firma beteiligt, sollte in allererster Linie auf Ausschüttungen bauen.

Wenn ich mich an einer Firma beteilige, dann weil ich von der Firma und ihrem Geschäftsmodell überzeugt bin. Da halte ich es wie Warren Buffett: Ein Investment sollte potenziell ein Leben lang halten.

Aus Sicht des Sparers können Dividenden eine regelmäßige Einnahmequelle sein, über alle Markt-Schwankungen hinweg. Die Siemens-Aktie ist dafür ein schönes Beispiel.

Wer sich vor zehn Jahren an dem Traditionskonzern beteiligte, konnte seither 112 Prozent Rendite machen. Exakt die Hälfte des Gesamtertrags speist sich aus Kursgewinnen, der Rest aus Dividende (steuerliche Betrachtungen außen vor).

In Beträgen: In der zurückliegenden Dekade haben Aktionäre 24,75 Euro aufs Konto überwiesen bekommen, mit der bevorstehenden Ausschüttung 2017 sind es 28,35 Euro.

In der Mehrzahl der Jahre seit 2007 haben die Münchner die Ausschüttung angehoben. Und selbst in ökonomisch schwierigen Zeiten wie 2009 oder 2012 wurde die Gewinnbeteiligung nicht gekappt.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Tatsächlich musste die Siemens-Dividende in den vergangenen 25 Jahren nie gesenkt werden. Wie Dividendenadel.de herausgefunden hat, lässt sich das gleiche im Dax auch für SAP, Munich Re, Henkel und Beiersdorf sagen.

Auch heute erscheint die Bewertung der Siemens-Aktie (noch) nicht jenseits von Gut und Böse. Mit einer Dividendenrendite von drei Prozent wirft der Anteilschein dreimal so viel ab wie die bis 2028 laufende Anleihe des Konzerns und sechsmal so viel wie die Bundesanleihe gleicher Fälligkeit.



Quelle: Bloomberg, Bondboard


Insgesamt verspricht die Dividendensaison 2017 in Deutschland eine sehr gute zu werden. Die Commerzbank schätzt, dass die Dax-Konzerne zusammen 30,7 Milliarden Euro ausschütten.

Das ist fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor und zugleich ein historischer Spitzenwert

Donnerstag, 26. Januar 2017

So viel verdient ein Vorstandschef in Deutschland

Der Erfolg der deutschen Wirtschaft lässt die Manager unser großen Unternehmen im internationalen Vergleich aufholen. Galten Vorstandschefs in Europas größter Volkswirtschaft global lange geradezu als unterbezahlt, so bringen sie es jetzt auf ein Median-Jahresgehalt von 3,9 Millionen Euro. Median heißt, die Hälfte der Bosse erhält mehr als das, die Hälfte weniger.

Einfache Vorstandsmitglieder verdienen jährlich 1,7 Millionen Euro und damit in etwa 45 mal so viel wie ein durchschnittlicher Facharbeiter. Der bestbezahlte Angestellte im Dax war nach den bisher vorliegenden Angaben 2016 Daimler-Chef Dieter Zetsche mit einer Vergütung von 7,6 Millionen Euro, gefolgt von Siemens-Chef Joe Kaeser mit sieben Millionen, wie die Beratungsgesellschaft Towers Watson meldet.

Deutschlands executives sind bei weitem nicht die teuersten in Europa. Spitzenkräfte in der Schweiz bekommen fast 60 Prozent mehr als ihre Kollegen im nördlichen Nachbarland, auch im Vereinigten Königreich schneiden die Bosse finanziell besser ab, und zwar um 38 Prozent.

Die Daten gehen aus einem Bericht hervor, den die Personalberatung Korn Ferry jetzt vorgelegt hat.

Schlusslicht bei den europäischen Vorstandsgehältern ist der Untersuchung zufolge Schweden, wo Vorstände nur rund die Hälfte des europäischen Durchschnitts verdienen. Auch Italien, die Niederlande und Spanien liegen deutlich unter dem Median.

Im Mittel legten die Bezüge der Top-Manager in Europa im Jahr 2016 um 1,3 Prozent zu. Damit stiegen sie weniger schnell als die Löhne, die sich um 2,1 Prozent verbesserten. Wer jetzt allerdings sagt, dass sich "die Einkommensschere" schließt oder nicht weiter auseinandergeht, sollte schnell rechnen.

Eine Steigerung von 2,1 Prozent auf 38.000 Euro sind rund 800 Euro mehr im Jahr, eine Steigerung von 1,3 Prozent auf 1,7 Millionen sind zusätzliche 22.000 Euro im Jahr. Eine Annäherung ist das nicht. (Die Differenz vergrößert sich um 21.200 Euro.)

Das Gehalt eines Vorstand setzt sich zusammen aus einer fixen Vergütung, aus kurzfristigen Boni und aus langfristigen "Incentives".

Die bestverdienenden Manager gibt es in der Pharmabranche (168 Prozent des Medians), gefolgt von Automobil und... Medien


Quelle: Korn Ferry



Dienstag, 24. Januar 2017

Wo die Gehälter am stärksten steigen

Italien gilt als Krisenland, doch diejenigen, die in der Euro-Ökonomie einen sicheren Job haben, sind fein raus. Dieses Jahr dürften die italienischen Einkommen schneller steigen als die deutschen.

Geht es in der Bundesrepublik mit den Gehältern im Durchschnitt um 2,5 Prozent nach oben, steht südlich der Alpen ein Plus von 2,6 Prozent an, deutlich über dem westeuropäischen Mittelwert von 2,1 Prozent.

Das prognostiziert die Personalberatung Korn Ferry auf Basis einer aktuellen Umfrage unter 25.000 Arbeitgebern in 110 Ländern.


Quelle: Korn Ferry

Für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass die Lebenshaltungskosten weniger stark anziehen als in Deutschland, ist in Italien sogar mit einem höheren Reallohngewinn zu rechnen.

Ökonomen sagen einen Preisanstieg von 0,9 Prozent für Italien voraus, hierzulande sollen es bis zu 1,9 Prozent sein, was bedeutet, dass das reale italienische Lohnplus mit 1,7 Prozent fast dreimal so hoch ausfallen könnte wie das deutsche (0,6 Prozent).
Vergangenes Jahr kletterten die Gehälter südlich der Alpen um 2,1 Prozent real.

Noch besser als in Italien dürften sich die Einkommen in der Währungsunion 2017 nur in Luxemburg und Belgien entwickeln. Kompliment an die Gewerkschaften in Bella Italia. Gut gemacht.

Ein Lohnplus von 2,6 Prozent ist famos für die italienischen Arbeitsplatzbesitzer und tatsächlich gibt es statistisch gesehen Aufholpotenzial zu Nordeuropa, es fragt sich nur, ob der satte Aufschlag gut ist für die Wettbewerbsfähigkeit der stagnierenden italienischen Wirtschaft als Ganze. Mit der geht es seit dem Euro-Beitritt bergab.

Vor allem seit der Finanzkrise droht das schöne Land im Süden den Anschluss zu verlieren. Es gibt kaum noch Investitionen und Wachstum. Die Erwerbslosenquote ist mit fast zwölf Prozent die vierthöchste in der EU.


Quelle: Destatis, Eurostat


Gründe dafür gibt es viele. Neben der überbordenden Bürokratie, dem rigiden Arbeitsmarkt und dem defizitären Bildungssystem dürften die rasant gestiegenen Lohnstückkosten in Italien ein Grund für den Verlust von Konkurrenzfähigkeit sein.

Verglichen mit 1999 hatte sich die Produktion schon 2015 (das sind die aktuellsten Daten) um beachtliche 39 Prozent verteuert, die deutschen Lohnstückkosten erhöhten sich im gleichen Zeitraum nur um 17 Prozent.

Italien ist das einzige große Industrieland, das seit dem Ende der Großen Finanzkrise überhaupt kein wirtschaftliches Wachstum geschafft hat.

Zuletzt kletterten die Kosten hierzulande schneller als südlich der Alpen. Man kann gespannt sein, ob der Trend anhält


Lohnstückkosten Deutschland und Italien im Vergleich
Quelle: OECD

Sonntag, 22. Januar 2017

Unsere Kaufkraft im Urlaub 2017

Die Feriensaison 2017 beginnt mit einer guten Nachricht: In wichtigen Urlaubsländern hat sich die Kaufkraft des "deutschen" Euro verglichen mit 2016 verbessert, mancherorts um mehr als ein Fünftel:


Quelle: OECD, Economist BigMac-Index, eigene Berechnungen


Den größten Gewinn gibt es trotz des Lira-Absturzes nicht etwa in der Türkei, sondern in England. In Großbritannien können sich deutsche und österreichische Urlauber jetzt 22 Prozent mehr leisten als noch vor einem Jahr. Brexit-Votum und Pfund-Verfall sei Dank.

Deutlich mehr Kaufkraft haben Urlauber nun auch in Mexiko. Der neue US-Präsident Donald Trump und seine Tweets haben den Peso so in die Mangel genommen, dass ein deutscher Euro in Acapulco mittlerweile 1,80 Euro wert ist.


Quelle: OECD, eigene Berechnungen



In der Türkei erwerben Touristen jetzt mit dem gleichen Geld 1,76 mal so viele Waren und Dienste wie zu Hause, letztes Jahr betrug der Faktor an der türkischen Riviera noch 1,63, ein Zuwachs der Urlauberkaufkraft um acht Prozent.

Das Britische Pfund bewegt sich prinzipiell in dieselbe Richtung wie Peso und Lira, allerdings von ganz anderem Ausgangsniveaus aus. Im Verhältnis zu unserer Währung ist der Sterling weiter zu teuer.
Auf der Insel kauft ein Euro Anfang 2017 nur rund drei Viertel der Waren und Dienstleistungen, die er hier bringt. Finanziell noch schwächer stehen Urlauber aus Deutschland (und Österreich) nur in Norwegen und der Schweiz da.

In der Eidgenossenschaft gibt es nur 63 Cent für den Euro, freilich waren es im Sommer 2015 auch mal nur 57 Cent. Derzeit kostet ein BigMac in Zürich laut "Economist" 6,50 Franken, also etwas über sechs Euro, 56 Prozent mehr als in der Eurozone.

Die höchste Power hat das deutsche Geld hingegen in Südafrika. Am Kap ist der Euro 2,13-mal so viel wert wie hier


Quelle: OECD, eigene Recherche