Samstag, 30. Dezember 2017

Favoriten des Jahres 2018

HeidelbergCement, Fresenius, Vonovia, SAP und Volkswagen ... so heißen die Investment-Favoriten der Analysten für das Jahr 2018. Geht es nach den Experten, sind sie die glorreichen fünf.

Für diese fünf Dax-Aktien gibt es einen deutlichen Überhang von Kauf-Empfehlungen. Das meiste Kurspotenzial wird dem Papier von Fresenius SE zugetraut, das dem Expertenkonsens (oder Expertennonsense) zufolge in zwölf Monaten bei 81,80 Euro stehen könnte, mehr als ein Viertel höher als zum Jahresultimo 2017!


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Im zurückliegenden Börsenjahr hat der Dividendenaristokrat Fresenius allerdings enttäuscht. Wie andere Unternehmen der Gesundheitsbranche blieb der Krankenhaus-Betreiber hinter den Indizes zurück.

Insgesamt sehen die Experten die fünf beliebtesten Aktien Ende 2018 stattliche 14,4 Prozent höher als Ende 2017. Den 30 Werten des Dax messen sie im Durchschnitt ein Wertsteigerungspotenzial von 10,6 Prozent bei, ungewichtet versteht sich.

Die unbeliebtesten Aktien sind gemessen an überzeugten Kauf-Empfehlungen respektive an deren Mangel: Munich Re, BMW, Beiersdorf, Commerzbank und Deutsche Bank. Mit Blick auf die Kurse dieser hässlichen Entlein des Dax erwartet das Kollektiv der Finanzanalytiker, dass die Kurse 2018 stagnieren werden, wobei die Experten dem Rückversicherer Munich Re sogar noch ein passables Plus zutrauen, während die Commerzbank in zwölf Monaten zehn Prozent niedriger notieren soll als derzeit, bei dann 11,15 Euro.

Bei der Lufthansa sehen die Auguren nach dem Höhenflug von 2017 ebenfalls keine Luft mehr nach oben. In zwölf Monaten soll die Kranich-Aktie bei 30 Euro stehen, etwas unter dem Stand von Ende 2017.


Diese Aktien sollten Anleger 2018 meiden, findet das Kollektiv
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

In der Vergangenheit waren Analysten nicht immer ein verlässlicher Guide. In manchen Jahren lag der Konsens richtig, in anderen total daneben



Weder top, noch flop, für den Mittelbau wird meist ein knapp zweistelliges Plus erwartet
Quelle: Bloomberg


Freitag, 22. Dezember 2017

Die Lufthansa fliegt allen davon

Eine Dax-Aktie legt in zwölf Monaten 150 Prozent zu... Das erlebt man auch nicht alle Tage. Die Deutsche Lufthansa hat's dieses Jahr geschafft. Und Warren Buffett hätte seine Freude daran. Nicht allein, dass der legendäre Investor in den letzten Jahren eine Begeisterung für Airline-Aktien entwickelt hat.

Buffett hatte immer schon eine Vorliebe für einträgliche Quasi-Monopole oder gut strukturierte Oligopole. Auf genau so eine Konstellation scheint die Lufthansa nach der Pleite von AirBerlin zuzusteuern.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche




In einem nicht allzu hart umkämpften Markt verdient es sich besser. Was die langfristigen Gewinnaussichten der Kranich-Airline rosiger erscheinen lässt. Die Börsianer wissen's zu danken und schickten die Lufthansa-Aktie 2017 um das Eineinhalbfache nach oben.

Weitere Überraschungsgewinner des Jahres 2017 sind die Commerzbank und RWE. Für Langfrist-Aktionäre mag das ein Trost sein, aber ein schwacher. Die zweitgrößte deutsche Aktienbank notiert 95 Prozent unter ihrem Rekordhoch, der Versorger noch 84 Prozent


Quelle: Bloomberg
Die größte Enttäuschung mussten dieses Jahr die Aktionäre von ProSiebenSat.1 erleiden. Sie sind rund 20 Prozent ärmer als zu Jahresanfang. Mit einer Marktkapitalisierung von 6,7 Milliarden Euro ist das Medienhaus die mit Abstand kleinste Dax-Firma. Die Mitgliedschaft im Leitindex steht mittelfristig in Frage. Im MDax gibt es aktuell nicht weniger als 20 (!) Gesellschaften mit einem höheren Börsenwert.

Doch im Dax schauten 2017 auch die Anteilseigner von Fresenius, Merck KGaA und Deutsche Telekom in die Röhre. Gemessen an der Kursentwicklung schlossen auch BMW und Henkel im Minus. 

Bei Fresenius hilft es da nicht mal, dass die Firma einer der wenigen Dividendenaristokraten an der deutschen Börse ist. Die Ausschüttung von 0,62 Euro hat dieses Jahr nicht ausgereicht, um das Kursminus von acht Euro auszugleichen.


Tadellose Ausschüttungshistorie bei Fresenius
Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben, eigene Recherche


Wir lernen: Dividende schützt vor Verlusten nicht.

Die Lufthansa ist alles andere als ein Adeliger der Ausschüttungen. Den Prognosen zufolge wird die Airline 2018 voraussichtlich 0,70 Euro pro Aktie ausschütten, was einer Rendite von 2,2 Prozent entspricht. In den Jahren 2015 und 2013 und 2010 (!) aber musste die Dividende ausfallen


Das Gegenteil von Kontinuität: Mal war Geld für die Aktionäre da, mal nicht
Quelle: Commerzbank

Damit hat sich die Lufthansa für jeden Dividenden-Anleger disqualifiziert. Es sei denn, die Zukunft sieht ganz anders aus als die Vergangenheit

Sonntag, 3. Dezember 2017

Mathematik des Glücks

Glück ist reine Mathematik. Zumindest, wenn man den Ökonomen Glauben schenkt. Wirtschaftsgelehrte haben ausgerechnet, welche Faktoren Menschen glücklich machen und welche unglücklich:

Das Ergebnis haben sie in ein Punktesystem gebracht. Wenn die Meister der Zahlen recht haben, kann man das Training für den Marathon oder Halbmarathon getrost einstellen. Und auch das abendliche Konzert sollte nicht mit einem Glückselexier verwechselt werden. Wenn es sonstwo im Argen liegt, existenziell, schon gar nicht.

Den Ökonomen zufolge trägt sehr gute Gesundheit 70 Basispunkte zum Glücksempfinden bei, eine funktionierende Partnerschaft ist immerhin 35 Basispunkte wert, Treffen mit Freunden bringen 25 Basispunkte.

Auf der Negativseite schlagen spiegelbildlich vor allem Tod des Partners und (schwere) Krankheit zu Buche. Interessanterweise ist Arbeitslosigkeit genauso glücksschädlich wie Tod des Partners.

Nicht zu unterschätzen: Soziale und kulturelle Isolation wirkt ebenfalls stark abträglich auf die Zufriedenheit. Es scheint also folgerichtig, dass soziale Ausgrenzung als Aspekt der Armutsgefährdung gemessen wird.

Was dem Lebensglück dagegen nicht so sehr schadet sind: Relative Einkommensarmut und Kaufkraftverlust, zum Beispiel durch Inflation:





Ein hohes Gehalt ist umgekehrt kein Garant für Glück. So leben die daseinzufriedensten Deutschen in Schleswig-Holstein, obwohl die Einkommen dort eher Mittelmaß sind. Umgekehrt siedeln im wohlhabenden Württemberg viele Unzufriedene, wie aus dem "Glücksatlas" der Deutschen Post hervorgeht.


Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Glücksatlas 2017 Deutsche Post

Allerdings ist unübersehbar, dass niedrige Gehälter oft mit geringem Glücksempfinden einhergehen, vor allem im Osten des Landes, zum Beispiel in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern.

Die unglücklichsten reichen Deutschen leben übrigens in NRW

Dienstag, 24. Oktober 2017

Das andere Krisenland

Großbritannien gilt als eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der globalen Ära. Thatcher und New Labour haben das Land fit gemacht für das 21. Jahrhundert, so scheint es. Heute ist jedermann, der durch die City of London schlendert, vom Chic und Wohlstand der englischen Hauptstadt angetan. Dennoch gibt es einige Warnsignale, die davon künden, dass das britische Modell vielleicht nicht ganz so stabil ist, wie es noch vor kurzem schien.

Schon ein Blick auf den Aktienindex FTSE100 nährt Zweifel: Während der deutsche Dax nach acht Jahren globaler Börsenrally ebenso wie der amerikanische Dow Jones auf Rekordhoch notiert, sind die Briten weit von ihren Glanzzeiten entfernt.




Der britische Leitindex FTSE100 notiert weiter unter seinem historischen Hoch
Quelle: Bloomberg


Man mag einwenden, dass der FTSE100 ein Kurs-Index ist, während in den Dax Dividenden mit einfließen. Doch selbst unter Einberechnung der ausgeschütteten Erträge bleibt der "Footsie" hinter dem deutschen Standardaktien-Barometer zurück.

Die Jahresrendite mit dem FTSE100 ist seit 2007 nur halb so hoch wie die des Dax. Ein Teil des Rückstandes geht auf das Konto des Pfund-Verfalls, der bereits vor dem Brexit-Votum eingesetzt hatte. Der Wertschwund der Sterling betrifft nicht nur Investoren im Ausland, deren britische Anteilscheine sich in heimischer Währung verbilligen, sondern auch die Arbeitnehmer im Inland. Einfache Angestellte und Arbeiter im Vereinigten Königreich gehören schon seit Jahren zu den Beschäftigten mit der schlechtesten Reallohnentwicklung aller Industrieländer.



Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Inflationsbereinigt haben sich die Einkommen auf der Insel seit 2008 überhaupt nicht von der Stelle bewegt. Die unteren Gehaltsklassen mussten sogar Abschläge hinnehmen. Außerhalb der Finanz- und Immobilienbranche scheint es um die Monarchie nicht zum besten zu stehen.

Zum Vergleich: Die Reallöhne in Deutschland sind in den gleichen neun Jahren um fünf Prozent geklettert, nach der Berechnungsmethode von Destatis (die sich allerdings nicht eins zu eins übertragen lässt) sogar um 14 Prozent.

Sammelt Großbritannien mit einer weicheren Währung Kraft für seinen nächsten Boom, der dann vielleicht auf dem Export von Künstlicher Intelligenz (KI) oder Biotech-Medizin beruht? Vielleicht. Doch einstweilen sieht es eher so aus, als würde das Vereinigte Königreich ins Hintertreffen geraten.

Dann sind da noch die wachsenden sozialen Spannungen, die Unzufriedenheit der Unterschicht, die dem Land zwei sich radikalisierende politische Blöcke beschert haben. Mitten in der Vollbeschäftigung, mitten im Wirtschaftsboom gibt sich die eine Partei zunehmend nationalistisch, die andere klassenkämpferisch.

In London spielt die Finanzbranche die erste Geige. Daher der Glamour. In Deutschland wäre es unvorstellbar, dass eine Bank den größten Wert im Leitindex stellt. Im Vereinigten Königreich schon: HSBC.
Und das ist nicht alles. Andere wichtige Sektoren sind ebenfalls anfällig. Energiemultis wie BP bekommen perspektivisch Probleme, wenn die Welt auf Elektromobilität umsteigt.

Es fehlt eine konkurrenzfähige Industrie jenseits des Rüstungs- und Sicherheitssektors.


Quelle: IWF WEO

Da passt es ins Bild, dass der alte Freund-Rivale Frankreich nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds gerade in der Wirtschaftskraft pro Kopf wieder an England vorbeigezogen ist, zum ersten Mal seit der Euro-Schuldenkrise

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Hart im Nehmen

Wenn die Akzeptanz der Demokratie von Wohlstand und wirtschaftlichem Vorankommen abhängt, dann sind die Griechen hart im Nehmen. Die vergangenen Jahren waren für den Euro-Staat im Südosten wahrlich kein Zuckerschlecken.

Nirgendwo im Europa der Nachkriegszeit hatte eine Schuldenkrise so verheerende Folgen wie in der Hellenischen Republik. Nimmt man die Börse als Barometer für den Wohlstand der Mittelschicht, haben die Griechen wahre Höllenjahre hinter sich. Der Athener Leitindex steht noch immer 85 Prozent niedriger als 2007.


Quelle: IWF World Economic Outlook Database

Wie schwer die gesamte Bevölkerung von der Rezession betroffen ist, lässt die auch nach Jahren noch historisch hohe Arbeitslosenquote von 21 Prozent erahnen. Der Einbruch des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf um ein Viertel seit 2007 spricht Bände.


Quelle: Bloomberg, Pew Research


Dennoch bekennt sich die übergroße Mehrheit der Hellenen weiter klar zur parlamentarischen Entscheidungsfindung. Laut einer gerade veröffentlichten Umfrage von Pew Research gibt es in kaum einem Land so viele Menschen, die sich selbst als überzeugte Demokraten bezeichnen. Der Anteil der erklärten Anti-Demokraten ist hingegen der zweitniedrigste der Welt (auf einer Ebene mit Schweden).

Ruf nach autoritären Lösungen? Fehlanzeige. Alternativen zur Demokratie stehen in Griechenland nicht hoch im Kurs. Nur in drei Völkern finden eine Militärherrschaft und ein "starker Mann" noch weniger Anhänger, nämlich in Deutschland, Schweden und den Niederlanden.


Quelle: Pew Research/WELT


Nur eines fällt auf: Die Griechen lehnen nicht nur Militärs und Führerfiguren ab, sondern auch andere Autoritäten: Nirgendwo wird Fachleuten so wenig politisches Urteilsvermögen zugetraut wie in Hellas. Vielleicht ein Erbe der verhassten Troika aus ausländischen Finanzexperten? Das krasse Gegenbild dazu ist pikanterweise das widerspenstige EU-Land Ungarn, wo das Zutrauen in Experten-Politiker mehr als doppelt so hoch ist.

Die Griechen sind als Skeptiker bekannt. Wenn ihre Skepsis die Demokratie beflügelt. ist das nicht das Schlechteste.

Allerdings sind sie auch die Erfinder der Demokratie. Vielleicht ist es ihr Erfinderstolz, der die Griechen mehr als andere in schweren Jahren zu demokratischen Idealen stehen lässt


Griechenlands Wirtschaftsleistung im Jahr in Millionen Euro
Quelle: Bloomberg





Samstag, 14. Oktober 2017

Veränderungsstress in Ost und West

In den Tagen nach der Bundestagswahl 2017 machten in nationalen und internationalen Medien Grafiken die Runde, die zeigen sollten, dass die rechte Alternative für Deutschland (AfD) dort ihre besten Ergebnisse erzielt habe, wo der Ausländer-Anteil am niedrigsten ist, ja sogar am niedrigsten in ganz Deutschland. Die Botschaft dieser Charts: Man fürchtet das, was man nicht kennt.



Quelle: Statistisches Bundesamt, AZR, eigene Berechnungen



Die Korrelation niedriger Ausländer-Anteil hohe (mutmaßliche) Furcht vor Ausländern scheint eine klare Sprache zu sprechen. Es gibt nur ein Manko: Die Darstellung ist eine rein statische Betrachtung, die die Veränderungsraten außer Acht lässt.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind durch nichts zu rechtfertigen. Gleich ob in Ost oder West, Nord oder Süd. Doch wenn Sachsen oder Thüringer sagen, dass sie einen massiven Zustrom von Ausländern in ihre Heimat wahrnehmen, haben sie damit faktisch nicht unrecht. Nirgendwo hat die ausländische Bevölkerung so stark zugenommen wie in den neuen Bundesländern.


Quelle: Statistisches Bundesamt, AZR, eigene Berechnungen

Ein Blick ins Ausländerzentralregister genügt, um zu erkennen: Der potenzielle Veränderungsstress ist im Osten am größten. Verglichen mit 2011 hat sich die Zahl der Nichtdeutschen zwischen Erzgebirge und Ostsee verdoppelt. Um das in Relation zu setzen: Im bunten Berlin ist die ausländische Bevölkerung in der gleichen Zeit nur um ein Drittel gewachsen.

Im Wahlkreis Prenzlauer Berg, wo viele Journalisten leben, dürfte es noch weniger sein (weil teuer). Ebenso im feinen Hamburg, wo die Zahl der Ausländer seit 2011 nur um 27 Prozent zugenommen hat. "Refugees-Welcome"-Kommentatoren verlangen von den Ostdeutschen also oft eine Anpassungsleistung, die in ihrem Umfeld gar nicht erforderlich erscheint.

Allerdings muss auch vor einer anderen falschen Schlussfolgerung gewarnt werden: Stark steigende Ausländerzahlen führen nicht zwangsläufig zu Xenophobie und Rechtspopulismus. Beweis: Das westdeutschen Bundesland mit dem stärksten Zuzug von Nichtdeutschen ist Schleswig-Holstein. Hier im Norden war die AfD aber weit weniger stark als zum Beispiel in Baden-Württemberg.

Auch in Niedersachsen haben die Rechten nicht sonderlich gut abgeschnitten, obwohl das Plus fast 60 Prozent beträgt. Hier wanderten 275.000 Menschen aus dem Ausland zu. Das Doppelte der Einwohnerzahl von Wolfsburg.

Was die absoluten Veränderungen angeht, liegen NRW und Bayern vorne, mit knapp 600.000 und knapp 700.000 Zuwanderern in dem Fünfjahreszeitraum. Auch in diesen Regionen gibt es eine Abwehrhaltung und Ängste, nur nicht so stark wie im Osten.

Vermutlich wäre das Unbehagen der Ostdeutschen über die Fremden geringer, hätten sie bereits in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit "Gastarbeitern" machen können, wie die Berliner oder die Bewohner des Ruhrgebiets. Auch dort war man freilich nicht immer so tolerant wie heute.

Wie heißt es: The first cut is the deepest

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Marathonläufer des Dax (und Fußkranke)

Aktien kaufen und schlafen gehen. Und lange schlafen. Das riet einst Börsenaltmeister André Kostolany. Finanzkrisen und Börsencrashs haben seither viele daran zweifeln lassen, dass diese Buy-and-hold-Strategie noch funktioniert.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Doch im Deutschen Aktienindex Dax, ebenso wie im Dow-Jones-Index, finden sich einige Werte, bei denen ein Hin- und Herspringen nicht notwendig war, um Traumrenditen zu erzielen.

Zugegeben, die Auswahl ist verzerrt, weil immer wieder Werte aus dem Leitindex herausfallen, die im weiteren Verlauf Kapital zerkrümelt hätten. Doch zeigt sich: Die Konzentration auf einige "Dickschiffe" hätte sich ausgezahlt.

Titel, die schon 1990 Rang und Namen hatten, konnten meist gut zulegen: Inklusive Dividenden brachten BASF-Aktien ihren Haltern einen Wertzuwachs von 5400 Prozent. Bayer-Anteilseigner erzielten eine Gesamtrendite von 3000 Prozent.

BMW, Continental, Henkel, Siemens, Munich Re und sogar Volkswagen schneiden ebenfalls gut ab.

Selbst mit dem viel gescholtene RWE-Papier, das während der Energiewende und Fukushima-Zeit unter die Räder kam, konnten Anleger nach Bloomberg-Angaben 3,7 Prozent Jahresrendite erzielen... passabel angesichts der heutigen Tagesgeld-Zinsen.

Allerdings resultiert das Plus bei RWE allein aus Ausschüttungen. Die Aktie des Versorgers steht im Jahr 2017 rund 13 Prozent niedriger als im Jahr 1990. Dennoch, 3,7 Prozent per annum sind 3,7 Prozent per annum. Was man hat, das hat man.

Die einzige wirkliche Ausnahme von der "Was-Rang-und-Namen-hat-Regel" sind die Banken. Die Kursverluste aus der Finanzkrise 2008/09 und später der Euro-Schuldenkrise mitsamt EZB-Nullzins sind so gravierend, dass auch die üppigen Dividenden vorher nichts an der ernüchternden Bilanz ändern: Aus Anlegersicht sind die großen Geldhäuser Geldvernichter.

Treue Deutsche-Bank-Anteilseigner kommen noch mit einem blauen Auge davon: Ihr Gesamtertrag seit 1990 beträgt ein Prozent im Jahr. Bei der Commerzbank gibt es nichts mehr zu beschönigen: Die apokalyptischen Kursverluste resultieren in einem Gesamt-Minus von 73 Prozent.
Dreiundsiebzig Prozent inklusive Dividende.

Die Banken im Dax waren also totes Geld. Die Lehre daraus: Wenn das Geschäftsmodell erodiert, hilft auch ein traditionsreicher Name nichts

Dienstag, 10. Oktober 2017

Er bewegt sich doch, der Reallohn!


Für Arbeitnehmer gibt es 2017 eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute: Die Löhne und Gehälter werden in Deutschland über alle Einkommensstufen hinweg steigen. Die schlechte: Wer ohnehin wenig verdient, kann mit der geringsten Verbesserung rechnen.

Während sich das Arbeitseinkommen von Gutverdienern 2017 um drei Prozent erhöht, dürfen Normalverdiener auf plus 2,5 Prozent hoffen. Die Beschäftigten mit eher niedrigem Einkommen müssen sich mit zwei Prozent Zuwachs begnügen.

Bei einer erwarteten Jahresinflation von 1,7 Prozent heißt das, dass 2017 alle Einkommensschichten real mehr im Geldbeutel haben als vor einem Jahr. So schön, so gut. Nach Berechnungen der Personalberatung Korn Ferry ist es allerdings das schwächste Plus seit dem Krisenjahr 2011.


Quelle: Korn Ferry Hay

Die Lohnsteigerungen am unteren Ende liegen dieses Jahr kaum über der Teuerungsrate der Lebenshaltung.

Die Differenzierung zwischen oben und unten bestätigt indessen einen langfristigen Trend: In den vergangenen zehn Jahren haben Arbeitnehmer mit niedriger Qualifikation (sogenannte Angelernte) ihre Kaufkraft nur um rund sieben Prozent verbessern können, 19 Prozent Nominallohn-Plus minus zwölf Prozent Inflation. Arbeitnehmer in leitender Stellung schafften dagegen einen satten realen Zugewinn von 17 Prozent (29 Nominallohn abzüglich zwölf Prozent Inflation), wie Daten des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen ist.

Wie sieht es aus, wenn man noch weiter zurückblickt? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kommt zu einem ernüchternden Fazit: Demnach haben die untern 40 Prozent der Einkommensskala seit Anfang der Neunzigerjahre de facto kaum einen Gehaltsanstieg verzeichnen können, während die oberen 60 Prozent deutlich besser dastehen als 1991.

Ein Forscherteam rund um Fatih Guvenen von der University of Minnesota glaubt sogar nachweisen zu können, dass ein männlicher US-Bürger heute nicht mehr damit rechnen darf, im Laufe seines Arbeitslebens inflationsbereinigt so viel zu verdienen wie sein Vater oder sein Großvater.

Die Wissenschaftler schätzen, dass reale Lebenseinkommen eines Berufsanfängers von 2017 fast ein Fünftel (19 Prozent) unter dem eines Berufsanfängers von 1957 liegt. In den Vereinigten Staaten gelte das für alle Einkommensstufen, außer für die oberen fünf Prozent der Gehaltspyramide. Nur diese oberen fünf Prozent dürfen mit einem Kaufkraft-adjustierten Lebenseinkommen rechnen, dass höher ist als das ihrer Eltern.

Die Studie trägt den Titel „Lifetime Incomes in the United States over Six Decades“ (zu Deutsch: Lebenseinkommen in den Vereinigten Staaten über sechs Jahrzehnte“) und ist eine Lektüre wert.

Für Frauen ist das Bild gleichwohl heller. Erstens weil sie bessere Bildungs- und damit Verdienst-Chancen haben als in früheren Generationen. Zweitens weil sie heute tendenziell weniger Teilzeit-Jobs akzeptieren (müssen). Zudem betreffen die jüngeren Strukturkrisen in erster Linie Männerberufe. In Arbeiter-Branchen sind die Löhne besonders unter Druck.

Ändern dürfte sich an den Trends zunächst wenig. Die Kräfte, die die Einkommen auseinander treiben, heißen Technologie und Globalisierung. Die ökonomischen Gesetze dahinter sind unerbittlich

Sonntag, 8. Oktober 2017

Ein besonderes Bundesland

Deutschland ist als Volkswirtschaft alles andere als ein monolithischer Block. Innerhalb von Europas größter Ökonomie vollzieht sich eine deutliche Drift der wirtschaftlichen Macht. Eine besondere Rangveränderung erleben drei Länder: eines im Westen, eines im Süden, eines im Osten.

Als einzelnes Bundesland ist Nordrhein-Westfalen zwar immer noch die Nummer eins, doch von Glanz und Gloria des einstigen Zentrums des Nachkriegs-Wirtschaftswunders ist wenig geblieben.

Auf den erst Blick ist NRW als Ökonomie imposant: Die Industrien an Rhein und Ruhr, das stolze Köln und die zahlreichen Mittelständler in Ostwestfalen stehen für 21 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.

Auf den zweiten Blick ist der Abstieg unübersehbar. Kein anderes Land hat seit der Wende so sehr an Gewicht verloren wie Nordrhein-Westfalen, nämlich 2,7 Prozentpunkte. In den Dekaden zuvor war das Land an Rhein und Ruhr gelegentlich als das neue Preußen tituliert worden, als potenziell dominanter Teilstaat innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Das war einmal.

Nicht wenige der ärmsten Kommunen finden sich tief im Westen: In Gelsenkirchen oder Duisburg, diesen ehemaligen Industriezentren, ist der Verfall unleugbare Realität.

Der große Gewinner ist Bayern, der Freistaat bildet praktisch das ökonomische Gegenbild zu NRW. Dank international erfolgreicher Konzern, nicht nur der Industrie, sondern auch der Dienstleistung, zeigt der Pfeil seit Jahrzehnten klar nach oben. Nicht weniger als sieben Dax-Firmen haben ihren Sitz in dem Südland, darunter Größen wie Adidas, Allianz, BMW und Munich Re.

Und noch ein anderer Freistaat hat ökonomisch Auftrieb: Sachsen!

Zwar konnten alle ostdeutschen Bundesländer ihr postsozialistische Depression, die auf die Wende folgte, überwinden und im Vergleich zum Westen aufholen. Kein Land war dabei aber so erfolgreich wie Sachsen. Das Plus von 1,5 Punkten "am Kuchen" zeugt von Fleiß und Zielstrebigkeit der vier Millionen Bewohner des Freistaats. Aber auch von der Bereitschaft großer Firmen aus dem Westen, in Dresden, Leipzig und Chemnitz zu investieren.


Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR), eigene Berechnungen


In absoluten Zahlen spielt Sachsen gleichwohl nur in der zweiten Liga. Insgesamt dominieren fünf Bundesländer die deutsche Volkswirtschaft: NRW, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Der Rest bleibt vorerst "der Rest".


Quelle: VGR



Im Jahr 2016 stehen fünf Länder für fast drei Viertel der deutschen Wirtschaft
Quelle: VGR, eigene Berechnungen


Erstaunlich ist der relative Abstieg von Hessen und Niedersachsen im letzten Vierteljahrhundert. Niedersachsen ist immerhin das Land, in dem der weltgrößte Automobilkonzern Volkswagen seinen Sitz hat.

Das lässt darauf schließen, dass das Wachstum der Wolfsburger seit 1991 vor allem im Ausland stattgefunden hat.

Hessen leidet möglicherweise unter dem Schrumpfen der deutschen Großbanken, die Anfang der Neunzigerjahre allerdings auch reichlich aufgebläht waren.

Setzt sich der Trend der vergangenen Jahrzehnte fort, kann Bayern in den Dreißerjahren des 21. Jahrhunderts an dem bevölkerungsreicheren NRW (einst im wesentlichen aus der preußischen Rheinprovinz hervorgegangen) vorbeiziehen und dann erstmals in der Geschichte der wirtschaftsstärkste Teilstaat Deutschlands sein.

Diese Projektion ist umso brisanter, als das Bindestrichland im Westen den Freistaat im Süden demografisch heute noch um fünf Millionen Einwohner überragt.

Es wäre ein später Triumph der Bayern über die Preußen

Freitag, 6. Oktober 2017

Anatomie des Steuerzahlers


In Deutschland zahlen 43 Millionen Menschen Lohn- und Einkommensteuer, das sind etwas über die Hälfte der Einwohner.

Einen Single trifft die Lohn- und Einkommensteuer, wenn er brutto mehr als 11.823 Euro im Jahr verdient, Verheiratete ohne Kinder werden ab 22.381 Euro zur Kasse gebeten. So sagt es die Datensammlung zur Steuerpolitik des Bundesfinanzministeriums.

Beim zu versteuernden Einkommen (das sich vom Bruttoeinkommen unterscheidet), greift der Fiskus ab 8.8821 Euro im Jahr zu. Bei diesem Betrag gilt ein relativ moderater Eingangssteuersatz von 14 Prozent. Allerdings steigt die Belastung schnell an, viel schneller als in anderen Ländern.

Schon ab 54.058 Euro zu versteuerndes Einkommen im Jahr finden sich Erwerbstätige im regulären Höchststeuersatz von 42 Prozent wieder. Jenseits davon kommt nur noch die "Reichensteuer" von 45 Prozent, die bei Singles ab 250.000 Euro im Jahr zuschlägt.

Im historischen Vergleich erreichen Normalverdiener die oberste Steuerklasse relativ schnell. Lag ein Studienrat (A13) ohne Zulagen in den Fünfzigerjahren noch 90 Prozent vom Spitzensatz entfernt, so fehlen heute weniger als zehn Prozent für diese fragwürdige Adelung als Großverdiener.

Viele Mittelschichtfamilien finden sich heute im Höchststeuersatz wieder. Nach Berechnungen des IW Köln betrifft das 4,2 Millionen Menschen in Deutschland, fast jeden Zehnten Erwerbstätigen. Und die Zahl der fiskal Geadelten steigt schnell: Vor fünf Jahren waren es erst 2,7 Millionen.

Der "Reichensteuer" unterliegen nur etwas über 100.000 Personen in der Bundesrepublik. Inklusive Soli beläuft sich die Grenzsteuerbelastung der Reichen auf fast 48 Prozent, was im internationalen Vergleich ein recht hoher Wert ist.



Quelle: Bundesfinanzministerium


Ein durchschnittlicher Freiberufler verdiente 2012 (das sind die aktuellsten vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamtes) 35.474 Euro im Jahr. Der "Freiberufler" existiert allerdings nicht: Wer einem künstlerischen Metier nachgeht - zum Beispiel als Zeichnerin - nahm im Schnitt nur 13.862 Euro ein, ein Heilpraktiker schaffte sogar nur 13.681 Euro.

Am anderen Ende der Skala stehen Ärzte und Juristen. Ein Notar bringt es dem Bundesamt zufolge auf durchschnittlich 201.775 Euro Jahres-Brutto.
Damit sind Notare sind die Freiberufler mit dem besten Einkommen, gefolgt von Zahnärzten (142.213 Euro) und Patentanwälten (127.496 Euro).

Es lebe die Vielfalt!


Donnerstag, 4. Mai 2017

Reichtum ist Trumpf

Donald Trump hat die Globalisierung bisher nicht zum Entgleisen gebracht. Der beste Beweis dafür ist das Vermögen der Globalisierungsgewinner Nummer eins, der superreichen Besitzer von Multis und internationalen Konglomeraten.

Die meisten Milliardäre sind in den ersten Monaten der Amtszeit des neuen US-Präsidenten noch wohlhabender geworden: Reichster Mensch der Welt war Anfang Mai 2017 Microsoft-Gründer Bill Gates, mit einem Nettovermögen von 87 Milliarden Dollar.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Am stärksten profitiert haben jedoch ausgerechnet Milliardäre außerhalb der USA. Der mexikanische Geschäftsmann Carlos Slim konnte seinen Wohlstand während der Ägide von Trump um elf Milliarden Dollar mehren, der Franzose Bernard Arnault um neun Milliarden.

Größter Gewinner unter den Amerikanern war Amazon-Chef Jeff Bezos (plus 8,9 Milliarden).




Und so sah die Reichenliste vor einem Jahr aus:



Dienstag, 28. März 2017

Die schlechteste Währung der Welt

Die Währung ist der Spiegel einer Volkswirtschaft. Aber sie ist auch der Spiegel einer politischen Kultur oder zumindest Drift, die in einem Land vorherrscht. Das kann man gut an den Devisen-Gewinnern und -Verlierern der vergangenen Jahre ablesen.



Dollar in Türkischer Lira, invertierte Skala
Quelle: Bloomberg

Unter den Nationen mit den schlechtesten Währungen der Welt finden sich Volkswirtschaften mit strukturellen Problemen, aber auch schlecht regierte Staaten. Meistens ist es eine Kombination von beidem.

Jede Skala sprengt die Entwicklung des Argentinischen Peso. Wegen der grassierenden Inflation und dem zwischenzeitlichen Regierungschaos unter der Kirchner-Clan ist der Wert des Peso in Euro binnen fünf Jahren auf ein Drittel zusammengeschmolzen.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Gleich hinter dem Argentinische Peso folgt auf der Liste der Hässlichen die Türkische Lira. Zum Euro ist die Außenwert der Erdogan-Währung seit 2012 um fast 40 Prozent abgesackt. In diesem Maß hat sich auch die internationale Kaufkraft der Türken verringert.

Auch sonst scheint das Wachstum nicht mehr bei den einfachen Menschen anzukommen. Die letzten Jahre waren für die Türken verlorene Jahre.

Ähnlich schlecht hat unter den großen Wirtschaftsräumen nur der Russische Rubel abgeschnitten

Mittwoch, 22. März 2017

Mehr als eine Momentaufnahme

Sieht man von Volkswagen mit seiner ungewissen Zukunft ab, hat dieses Jahr kein Unternehmen die Dividende so stark angehoben wie Adidas. Der Sportartikler aus Herzogenaurach packt gleich 0,40 Euro drauf und erhöht die Ausschüttung 2017 um 25 Prozent.

Doch solche Anhebungen von einem Jahr aufs nächste sind Momentaufnahmen. Viel interessanter ist zu sehen, welche Firmen über einen langen Zeitraum die beste Dividendendynamik haben.

Man sollte sich zum Beispiel die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre anschauen: 2007 war das letzte Jahr vor der Finanzkrise. Ein Unternehmen, dessen Ausschüttung heute viel höher liegt als damals, muss ziemlich robust sein. Das gilt umso mehr, wenn es die Dividende in diesem langen Zeitraum kein einziges mal senken musste.


Aktien mit der höchsten Ausschüttungsdynamik in Prozent
Dunkelblau: Dax-Firmen ohne eine einzige Senkung der Gewinnbeteiligung seit 2007
Quelle: Eigene Recherche

Auch auf Zehnjahressicht liegt Adidas vorn, übertroffen nur von den Bayerischen Motoren Werken BMW, die es auf eine Steigerung von 400 Prozent brachten. Gab es auf die BMW-Stämme 2007 noch 0,70 Euro Dividende, so werden es dieses Jahr 3,50 Euro sein.

Allerdings hat die BMW-Dividendenstory einen Schönheitsfehler. In den Krisenjahren 2008 und 2009 gab es mit 0,30 Euro nur Mager-Kost als Ausschüttung. Ähnliches gilt für Adidas (Zehn-Jahres-Steigerung 376 Prozent): Im Jahr 2010 musste die Dividende gekappt werden, auf 0,35 Euro.

Mit Fresenius, Henkel, SAP, Bayer, Siemens und Linde folgen jedoch sechs Dax-Konzerne, die ihre Ausschüttung seit 2007 verdoppeln konnten und zusätzlich nie einen Ausfall oder eine Senkung verkünden mussten.

Das bedeutet zehn Jahre laufende Erträge mit Steigerung, in einer Zeit, in der die Zinsen immer weiter abgeschmiert sind. Solche Titel sollte man Hurra-Aktien nennen


Montag, 20. März 2017

The Great Reaction

Jede soziale Revolution bringt eine Gegenbewegung hervor. In den USA heißt die Gegenbewegung Donald J. Trump: Laut, polternd und frei von jeder Rücksicht auf ehene Prinzipien amerikanischer Nachkriegspolitik.

Doch es sind wütende Kräfte, die Trump an die Macht gespült haben. Wut im Bauch haben vor allem die amerikanischen Industriearbeiter, die gegen ihre Marginalisierung aufbegehren.

Von der Deindustrialisierung der USA ist zwar schon länger die Rede, doch der wahre Absturz kam erst nach der Jahrtausendwende. Seit dem Jahr 2000 sind im Verarbeitenden Gewerbe netto rund fünf Millionen Stellen gestrichen worden, in einer Zeit, in der die Zahl der Erwerbstätigen in Amerika um insgesamt 15 Millionen stieg!

Wo sind all diese Arbeiter der Faust geblieben? Bestimmt sind sie in der relativ kurzen Zeit nicht alle in Rente gegangen. Trump verleiht der Frustration und dem Groll der (häufig weißen) worker und ihrer Familien eine Stimme, was ziemlich grotesk wirkt, wenn man bedenkt, dass der New Yorker Immobilientycoon ein typisches Kind der Ostküsten-Oberschicht ist.



Quelle: St. Louis Fed, eigene Berechnungen

Aber kann Trump den Trend umkehren? Schon unter Obama hat eine Stabilisierung eingesetzt. Der Anteil der Industriearabeiter an der arbeitenden Bevölkerung ist nicht weiter zurückgegangen. Seit der Finanzkrise verharrt die Quote bei ungefähr 8,5 Prozent.



Quelle: St. Louis Fed

Andererseits hat die Zunahme der Industriejobs die gesellschaftliche Erosion der Arbeiterschicht in den zehn Jahren zuvor nur zum geringen Teil ausgleichen können.

Um Millionen neuer Jobs in Kohlegruben und Stahlwerken zu schaffen, müssten die USA ihr ganzes Geschäftsmodell ummodeln, das in den letzten Jahrzehnten auf hochwertige Dienstleistungen und Lifestyle ausgerichtet war, nicht auf den Export von Autos oder Maschinen.

(Obwohl der Fairness halber gesagt werden muss, dass die USA führend bei Flugzeugen, Turbinen und Militärtechnik sind.)

Aber es gibt noch ein größeres Problem. China und andere Schwellenländer können viele Industrie-Tätigkeiten genauso gut und günstiger. Das hat vor allem die Löhne ungelernter Arbeiter unter Druck gebracht.

Materiell stehen Arbeiter mit Job (!) heute 15 Prozent schlechter da als 2008.


Quelle: Korn Ferry

Um diesen Trend umzukehren, müsste Trump nicht nur die US-Wirtschaft umkrempeln, sondern sich auch mit wichtigen Handelspartnern anlegen und die internationale Arbeitsteilung in Frage stellen. Die daraus resultierenden internationalen Spannungen würden mehr Wohlstand vernichten, als Trump durch noch so brachiale Methoden über die Grenze ziehen kann.

Womöglich ist das dem bauchgetriebenen Regenten im Weißen Haus egal. Rational wäre es nicht



Samstag, 18. März 2017

Kein strahlender Held

Erdogan ist der Mann, der die Türkei wirtschaftlich stark gemacht hat. So sehen ihn viele Türken, und auch in Deutschland gab es so manchen, der hoffte, die AKP würde sich als eine Art "islamische CSU" herausstellen.

Für die ersten Jahre seiner Amtszeit mag das Bild vom wirtschaftsfreundlichen Recep Tayyip Erdogan zutreffen. Doch in letzter Zeit lässt sich das nicht mehr behaupten.

Vor allem die Einkommensentwicklung der Türken lässt stark zu wünschen übrig. Seit der Finanzkrise haben sich die Gehälter preisbereinigt nirgendwo so schlecht entwickelt wie in Reich des AKP-Politikers.

Real verdient ein türkischer Beschäftigter heute ein Drittel weniger als 2008. Besonders hart trifft es die ungelernten Arbeiter und einfachen Angestellten. Sie müssen sich mit einem um 40 Prozent niedrigeren Lebensstandard begnügen.


Quelle: Korn Ferry, eigene Recherche


Das Jahr von Erdogans Verfassungsreferendum hat ökonomisch alles andere als gut begonnen. Mit zehn Prozent Inflation ist die Geldentwertung in der Türkei höher als in jeder anderen großen Volkswirtschaft. Da bieten die Lohnsteigerungen nur mageren Ausgleich.

Offiziell wird das Wirtschaftswachstum zwar mit passablen drei Prozent ausgewiesen, aber eine Arbeitslosenquote von 13 Prozent deutet darauf hin, dass sich die Situation der Bevölkerung auf absehbare Zeit nicht nennenswert bessern wird.

Ob das für 2017 veranschlagte BIP-Plus von 2,8 Prozent noch zu erreichen ist, scheint nach dem Einbruch der Frühbucher-Zahlen fraglich. Und auch der Einbruch der LKW-Verkäufe deutet auf eine schwächere Konjunktur.

Da geht es den Türken in Deutschland besser, obwohl sie als Bevölkerungsgruppe mit relativ hoher Arbeitslosigkeit und schlechter Integrationsleistung zu kämpfen haben.

Die Mittelschicht ist am Bosporus ebenfalls in der Defensive. Wie die Börsenentwicklung zeigt, hat die Fähigkeit des Systems gelitten, aus dem Wirtschaftswachstum Gewinn zu ziehen. In Türkischer Lira mag sich der Leitindex ISE-100 der hundert größten Aktiengesellschaften noch ganz gut schlagen, doch in hartem Geld gemessen erleiden Aktionäre seit 2008 Verluste:


In Lira hat der ISE-100 in den letzten acht Jahren 88 Prozent zugelegt, auf Euro-Basis fällt ein Verlust von zwölf Prozent an Quelle: Bloomberg
Grüne Vorzeichen gibt es nur in der heimischen Weichwährung. Die Dollar- und Euro-Bilanz der Börse Istanbul dagegen zeigt: Auch für das wohlhabende türkische Bürgertum sind die goldenen Zeiten vorbei.

Da wirken die starken Töne aus Ankara fast schon wie ein Aufbäumen gegen den Abstieg. Oder wie die Suche nach Schuldigen im In- und Ausland


Mittwoch, 15. März 2017

Das bisschen Haushalt

Deutschland gilt als liberales und gesellschaftlich fortschrittliches Land. Aber in einer Hinsicht ist Europas größte Volkswirtschaft ein ziemlich konservativer Flecken. Keine andere Ökonomie in Westeuropa hängt so sehr am Bild vom Mann als "Ernährer" und "Versorger der Familie" wie die Bundesrepublik.

Das zeigen Daten der OECD. Der Organisation zufolge beträgt der Anteil des Mannes am Haushaltseinkommen von Paaren in Deutschland beachtliche 77,4 Prozent. Das ist der höchste Wert aller Industrienationen.

Wie sehr sich die Bundesrepublik damit vom west- und nordeuropäischen Standard unterscheidet, zeigt dieser Vergleich: In unserem Nachbarland Frankreich beträgt "sein" Anteil am gemeinsamen Einkommen 62,8 Prozent, in Schweden sind es nur 62,1 Prozent.


Quelle: OECD

Am niedrigsten ist der männliche Beitrag mit 57,9 Prozent in Dänemark. Hier scheint die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz am weitesten fortgeschritten. In Österreich und der Schweiz bringt der "Versorger" ebenfalls viel ins Haushaltseinkommen ein, doch in beiden Staaten ist es mit drei Viertel (75,2 Prozent) weniger als in Deutschland.

Für die Dominanz des "Ernährers" alter Schule gibt es zwei mögliche Erklärungen: Zum einen wirkt sich der generelle Lohn- und Gehaltsabstand (Gender Pay Gap) zwischen den Geschlechtern aus.
Je nach Messung verdienen Männer in der Bundesrepublik 20 bis 37 Prozent mehr als Frauen.
Nach internationalen Maßstäben ist das ein erhebliche Lücke.

Dahinter verbirgt sich die eigentliche Ursache: Traditionelle Industriearbeitsplätze spielen in Deutschland eine größere Rolle als in anderen westlichen Volkswirtschaften.


Quelle: Statistisches Bundesamt, St. Louis Fed (FRED), eigene Berechnungen

Mehr als 17 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande verdienen ihr Geld im Verarbeitenden Gewerbe. In den USA ist die Quote mit 8,5 Prozent weniger als halb so hoch. Wie auch diese Daten bestätigen: Im Dax stehen die Automobil-Werte BMW, Continental, Daimler und Volkswagen für 43 Prozent aller Erlöse und für fast ein Drittel aller Nettogewinne.

Der Auto-Anteil im amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial liegt trotz des Namens bei... null.

Industriearbeitsplätze sind im Hochlohnland Deutschland aber meistens relativ gut bezahlt - nicht zuletzt eine Folge unseres Systems der dualen Berufsausbildung - und sie sind zugleich eine Männer-Domäne. Die weniger lukrativen Dienstleistungsjobs sind dagegen oft dem weiblichen Geschlecht vorbehalten.

Die Diskrepanz, wie viel Frauen und Männer zum Haushaltseinkommen beitragen, erklärt sich also zum Teil aus der Struktur der Volkswirtschaften. Und dann ist da noch das deutsche Steuersystem mit seinem Ehegattensplitting, das die Erwerbstätigkeit von Ehefrauen zu entmutigt

Sonntag, 5. März 2017

Finanzielle Hegemonie

Donald Trump betont oft und gern, als amerikanischer Präsident sei er nur amerikanischen Interessen verpflichtet und sonst nichts. In den Ohren von Nicht-Amerikaner kann das durchaus beunruhigend klingen. Denn die Vereinigten Staaten sind auf finanziellem Gebiet so dominant, dass man sie mit Fug und Recht als Hegemon bezeichnen kann.

Diese Hegemonie ruht auf fünf Säulen:

1. Der Dollar ist die Weltwährung

Zentrales Element ist der Greenback und die weltweit einmalige Infrastruktur, die mit ihm einhergeht. Amerikas Währung ist die mit Abstand wichtigste Währung der Welt. Fast zwei Drittel (63 Prozent) alle Devisenreserven lauten auf Dollar-Papiere. Auf die Nummer zwei, den Euro, entfällt nur ein Fünftel... mit zuletzt sinkender Tendenz. Die restlichen Währungen sind nur Statisten.

Dieser Sonderstatus des Dollar erlaubt es Amerika, der ganzen Welt seine Regulierung überzustülpen. Nach dem Motto: Wer den Dollar nutzt, unterliegt unserer Rechtssprechung, und nutzen müssen den Dollar mehr oder weniger alle, inklusive "Schurkenstaaten", die sich offen gegen die USA stellen.


Anteil an weltweiten Devisenreserven in Prozent
Quelle: IWF (Stand: 3. Quartal 2016)

2. Die USA dominieren die Bondmärkte

Internationale Organisationen und Unternehmen, die Geld deponieren wollen, kommen an US-Bonds nicht vorbei. Die handelbaren Staatsanleihen Amerikas vereinen schon jetzt doppelt so viel Volumen auf sich wie die des zweitgrößten Bondmarkts, Japan. Da japanische Titel allerdings vor allem von Inländern gehalten werden, ist die Abhängigkeit von den USA in Wirklichkeit noch größer, als es scheint.

Der europäische Staatsanleihenmarkt ist dagegen fragmentiert und spielt verglichen mit Amerika in der Zweiten Liga.


Quelle: Bloomberg
3. Amerikas Aktienmarkt ist ein Koloss

Betrachtet man nicht nur den reinen Börsenwert, sondern den Anteil der tatsächlich investierbaren Aktien, die sich nicht in den Händen der Regierung oder Konglomeraten befinden, vereinigen die USA 53 Prozent der globalen Marktkapitalisierung auf sich. Die Vereinigten Staaten liegen meilenweit vor allen anderen kapitalistischen Nationen.

Der zweitwichtigste Aktienmarkt der Welt ist der japanische mit einem Aktienmarkt-Anteil von 8,4 Prozent, gefolgt von dem britischen mit 6,2 Prozent. Die deutsche Börse bringt nach dieser Berechnung nur 3,1 Prozent der globalen market cap auf die Waagschale.


Quelle: Credit Suisse

Vor hundert Jahren sah das noch ganz anders aus: Im Jahr 1900 waren die vier großen kapitalistischen Volkswirtschaften Großbritannien, USA, Deutschland und Frankreich fast gleichrangig, wobei der Vorrang der London Stock Exchange nicht zu bestreiten ist.



Quelle: Credit Suisse


4. Alles überragende Wall Street 

Geldhäuser wie Wells Fargo (gegründet 1852), HSBC (gegründet 1865), Société Générale (gegründet 1864) oder Deutsche Bank (gegründet 1870) haben eine ähnlich große Tradition. Doch nur die Angelsachsen können heute noch als global player gelten.

Allen voran die Wall Street: Amerikas größte Bank JP Morgen ist heute zwölfmal so groß wie der deutsche Branchenprimus. Die Deutsche Bank ist an der Börse nur rund 28 Milliarden Dollar wert, das Wall-Street-Haus 334 Milliarden Dollar.


Die größten zehn Unternehmen sind allesamt amerikanisch. Die Nummer neun der Weltrangliste ist zugleich die führende Bank der Welt: JP Morgan. Deutschlands Top-Konzern SAP erscheint erst auf Rang 57, die Deutsche Bank auf Rang 456!
Quelle: Bloomberg

Die Verzwergung der europäischen Banken schränkt die Möglichkeit Europas ein, schnell Kapital zu mobilisieren, und das wiederum erschwert den Aufbau innovativer Unternehmen.

5. Die großen Fonds sitzen in New York

Die Aufzählung wäre nicht vollzählig ohne die großen Fonds. Rund vier Fünftel des ETF-Handels findet in den USA statt. Mit 2,7 Billionen Dollar Marktwert vereinigen die amerikanischen Vehikel zwei Drittel des globalen Indexfonds-Volumens auf sich. Zudem haben die großen Kapitalsammelstellen fast alle ihren Sitz in der Finanzmetropole New York.

Das führt zur paradoxen Situation, dass BlackRock in New York der größte Aktionär vieler Dax-Unternehmen ist. Wäre der Dax eine Aktie, hätten die New Yorker die meisten Stimmrechte.

Die Vereinigten Staaten sind keine Nation wie andere. Ob es uns gefällt oder nicht: Amerika ist der Hegemon des modernen Kapitalismus. Deshalb können wir nur hoffen, dass das Staatsoberhaupt dieses Hegemons nicht Politik macht wie der Regent irgendeines Kleinstaats

Samstag, 4. März 2017

Schlecht integiert

Die 1,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken gehören zu den am wenigsten integrierten Bevölkerungsgruppen. Trotz einer fast 60-jährigen Tradition türkischer Einwanderung ist die soziale Situation ernüchternd. 

Gut ein Fünftel aller türkischen Staatsbürger in der Bundesrepublik lebt von Sozialhilfe (Hartz IV), die Arbeitslosigkeit ist mit 16,4 Prozent so hoch wie bei keiner anderen Einwander-Nationalität aus der "Gastarbeiter"-Ära. Das statistische Armutsrisiko dürfte bei rund 25 Prozent liegen, in dem Bereich verortet das IW Köln die Kaufkraftarmut von Menschen mit Migrationshintergrund. 

Dass Migranten-Arbeitslosigkeit kein unentrinnbares Schicksal ist, zeigen die Arbeitslosenquote von Ost- und Südeuropäern. Ungarn in der Bundesrepublik sind statistisch weniger oft auf Stellensuche als Deutsche, und auch bei Griechen, Portugiesen und Spaniern liegen die Arbeitslosenzahlen nur wenig über denen deutscher Staatsbürger. 




Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Stand März 2017)

Umgekehrt lässt die Beschäftigungssituation sehr zu wünschen übrig. Zwar haben viele Türken ein kleines Gewerbe und liefern damit einen wichtigen Beitrag zur Infrastruktur der Städte, doch die Integration durch Erwerbstätigkeit in Firmen und Institutionen ist gering ausgeprägt.

Die Quote der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Türken liegt mit 52 Prozent deutlich unter der von Deutschen (67 Prozent) und auch Südeuropäern (57 Prozent). Die Integrationsprobleme der Türken beginnen aber bereits in der Schule. Das Statistische Bundesamt stellt dazu fest:
"Der Bildungserfolg der Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Integration in den Arbeitsmarkt variieren teilweise sehr deutlich je nach Herkunftsland. So hatten zum Beispiel 88% der 25 bis 35 Jahre alten Personen mit chinesischen Wurzeln Abitur, aber nur 16% der Personen mit türkischen Wurzeln."
Der Zuzug der Türken - der größten ausländischen Bevölkerungsgruppe in der Bundesrepublik - ist in vieler Hinsicht ein Beispiel dafür, wie Migration nicht laufen sollte, und wie Integration scheitern kann

Mittwoch, 1. März 2017

Inflation frisst Lohnsteigerung 2017 auf

Ausgerechnet im Wahljahr dürften viele Arbeitnehmer so wenig von ihrem Lohn haben wie seit langem nicht. Grund ist die anziehende Inflation. Im Februar 2017 war sie in Deutschland mit 2,2 Prozent so hoch wie zuletzt vor viereinhalb Jahren.


Quelle: Statistisches Bundesamt, Schätzungen für 2017 Commerzbank, Korn Ferry, eigene Berechnungen

Pendelt sich die Teuerung auf diesem Niveau ein, werden die Bruttolohnzuwächse in den meisten Branchen nicht ausreichen, um die Geldentwertung auszugleichen. Das gilt vor allem für die städtischen Zentren, wo die Preise deutlich schneller steigen als auf dem Land.

Schon 2016 sah das schwächsten reale Einkommensplus der vergangenen drei Jahre, und das obwohl die Teuerung bundesweit im Jahresschnitt nur bei 0,5 Prozent lag. Von den zwei Prozent Zuwachs bei den Tarifverdiensten blieben unter dem Strich 1,5 Prozent.


Quelle: Statistisches Bundesamt, für 2017 Projektion


Davon können die meisten Arbeitnehmer 2017 wohl nur träumen. Für das laufende Jahr erwarteten die Auguren zwar Gehaltsverbesserungen von bis zu 2,5 Prozent. Nur wird davon abzüglich der hochschnellenden Kosten nicht viel übrig bleiben

Dienstag, 28. Februar 2017

Der deutsche Warren Buffett

Unglaublich, aber wahr. Im Deutschen Aktienindex (Dax) gibt es eine Aktie, die in den vergangenen 25 Jahren noch stärker gestiegen ist als Berkshire Hathaway. Diese Aktie heißt Fresenius SE.

Die Aktie des Gesundheitskonzerns aus Bad Homburg hat seit 1992 um rund 6800 Prozent zugelegt, verglichen mit den schon beachtlichen 3400 Prozent von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft.


Seit Anfang der Neunziger um den Faktor 75 gestiegen: Fresenius-Aktie in Euro
Quelle: Bloomberg

Die Kursentwicklung von Fresenius ist nicht das einzig Erfreuliche. Seit der ersten Zahlung einer Dividende vor einem Vierteljahrhundert wird jedes Jahr mehr ausgeschüttet. Damit ist der Dax-Titel Deutschlands erster Dividendenaristokrat.

Die Rendite war zwar noch nie berauschend, gemessen am aktuellen Kurs sind es 0,8 Prozent, jedoch lässt die Ausschüttungsquote von etwas über einem Fünftel (22 Prozent) jede Menge Luft nach oben.

Mit mehr als 260.000 Mitarbeitern in über 100 Ländern profitiert der deutsche Gesundheitskonzern vom wachsenden Wohlstand weltweit und gleichzeitig der Alterung der Gesellschaft. Die Expansion muss noch lange nicht zu Ende sein. Menschen werden älter und brauchen Medizin und Pflege.


Ausschüttung innerhalb von sechs Jahren verdoppelt
Quelle: Unternehmensangaben

Nach Fresenius wird der zweite Dividendenaristokrat Deutschlands wohl aus der gleichen Familie kommen: Der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care, eine Schwesterfirma von Fresenius, kann Anfang nächsten Jahrzehnts die 25 voll machen.

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind Fuchs Petrolub mit 15 Erhöhungen in Folge und Stratec Biomedical mit einer 14er Serie. Auch BayWa und Fielmann haben die Chance, im Laufe der Zwanzigerjahre Dividendenaristokraten zu werden.


Die nächsten potenziellen Dividendenaristokraten in Deutschland
Quelle: Dividendenadel.de


Kein Dividendenaristokrat im klassischen Sinn, aber eine feste Größe am Dividendenhimmel ist die Aktie von Munich Re (Münchener Rück). Seit dem Jahr 1970 hat der größte Rückversicherer der Welt die Ausschüttung nie senken müssen.

Zuletzt betrug die Munich-Re-Rendite bei einer Ausschüttung von 8,60 Euro je Aktie stolze fünf Prozent.
So sehen Börsenwerte aus, die Vermögen schaffen

Freitag, 17. Februar 2017

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Die Allianz SE erhöht die Dividende auf 7,60 Euro pro Aktie. Damit wird Deutschlands fünftgrößter Börsenkonzern eine Rekordsumme von 3.473 Millionen Dollar ausschütten. Doch wem kommt der Geldsegen eigentlich zugute?


Eine fast tadellose Dividendenhistorie
Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben

Das Unternehmen zählt 510.917 Aktionäre in der Bundesrepublik. Diese halbe Million Menschen und Institutionen besitzen zusammen rund 33,8 Prozent des Allianz-Grundkapitals und haben Anspruch auf einen entsprechenden Anteil des ausgezahlten Gewinns. 


Aktionärsstruktur Allianz SE nach Ländern Stand 2016
Quelle: Unternehmensangaben

Adressen in den USA halten 18 Prozent des Grundkapitals. Allerdings sind dies nur 398 Personen und Organisationen. Weitere je 7,8 Prozent liegen in Großbritannien und Luxemburg. Auch hier sind es nur wenige Stellen.

Das bedeutet, dass jeder deutsche Aktionär im Schnitt zivile 2.300 Euro erhält, bei der einzelnen Adresse in Amerika rappeln dagegen fast 1,6 Millionen Euro in der Kasse. Ähnliches gilt für die Luxemburger Adressen
Jeder der dort ansässigen 193 Anteilseigner erhält am Tag der Ausschüttung rechnerisch 1,4 Millionen. 


Quelle: eigene Berechnungen auf Basis von Unternehmensangaben und einer vorgeschlagenen Dividende von 7,60 Euro


Schlimm? Im Prinzip nicht, in New York und Luxemburg sitzen eben die großen Fonds, an denen wiederum viele Privatanleger beteiligt sind, auch deutsche.

So ist der größte Anteilseigner der Allianz inzwischen BlackRock. Der New Yorker Finanzkonzern hält 5,9 Prozent an dem Versicherer. BlackRock ist auch Großaktionär bei SAP (5,1 Prozent), Daimler (5,2 Prozent), Siemens (5,6 Prozent) und Bayer (7,0 Prozent).

Langfristig kann aus einer solchen Ballung von Stimmrechten bei einer Adressen eine Gefahr für den Kapitalismus erwachsen. Mögliche Kumpaneien von Großaktionär, Aufsichtsrat und Vorstand muss man im Auge behalten