Mittwoch, 18. Oktober 2017

Hart im Nehmen

Wenn die Akzeptanz der Demokratie von Wohlstand und wirtschaftlichem Vorankommen abhängt, dann sind die Griechen hart im Nehmen. Die vergangenen Jahren waren für den Euro-Staat im Südosten wahrlich kein Zuckerschlecken.

Nirgendwo im Europa der Nachkriegszeit hatte eine Schuldenkrise so verheerende Folgen. Nimmt man die Börse als Barometer für den Wohlstand der Mittelschicht, haben die Hellenen Höllenjahre hinter sich. Der Athener Leitindex steht noch immer 85 Prozent niedriger als 2007.

Wie schwer die gesamte Bevölkerung von der Rezession betroffen ist, lässt die auch nach Jahren noch historisch hohe Arbeitslosenquote von 21 Prozent erahnen. Der Einbruch des Bruttoinlandsprodukts spricht Bände.


Quelle: Bloomberg, Pew Research


Dennoch bekennt sich die übergroße Mehrheit der Hellenen weiter klar zur parlamentarischen Entscheidungsfindung. Laut einer gerade veröffentlichten Umfrage von Pew Research gibt es in kaum einem Land so viele Menschen, die sich selbst als überzeugte Demokraten bezeichnen. Der Anteil der erklärten Anti-Demokraten ist der zweitniedrigste der Welt (zusammen mit Schweden).

Der Ruf nach autoritären Lösungen? Alternativen zur Demokratie stehen in Griechenland nicht hoch im Kurs. Nur in drei Völkern finden eine Militärherrschaft und ein "starker Mann" noch weniger Anhänger, nämlich in Deutschland, Schweden und den Niederlanden.


Quelle: Pew Research/WELT


Nur eines fällt auf: Die Griechen lehnen eben nicht nur Militärs und Führerfiguren ab, sondern auch andere Autoritäten: In keiner anderen Nation wird Fachleuten so wenig politisches Urteilsvermögen zugetraut wie in Hellas. Das krasse Gegenbild dazu ist pikanterweise das widerspenstige Ungarn, wo das Zutrauen in Experten-Politiker mehr als doppelt so hoch ist.

Die Griechen sind als Skeptiker bekannt. Wenn ihre Skepsis die Demokratie beflügelt. ist das nicht das Schlechteste.

Allerdings sind sie auch die Erfinder der Demokratie. Vielleicht ist es ihr Erfinderstolz, der die Griechen mehr als andere in schweren Jahren zu demokratischen Idealen stehen lässt


Griechenlands Wirtschaftsleistung im Jahr in Millionen Euro
Quelle: Bloomberg





Samstag, 14. Oktober 2017

Veränderungsstress in Ost und West

In den Tagen nach der Bundestagswahl 2017 machten in nationalen und internationalen Medien Grafiken die Runde, die zeigen sollten, dass die rechte Alternative für Deutschland (AfD) dort ihre besten Ergebnisse erzielt habe, wo der Ausländer-Anteil am niedrigsten ist, ja sogar am niedrigsten in ganz Deutschland. Die Botschaft dieser Charts: Man fürchtet das, was man nicht kennt.



Quelle: Statistisches Bundesamt, AZR, eigene Berechnungen



Die Korrelation niedriger Ausländer-Anteil hohe (mutmaßliche) Furcht vor Ausländern scheint eine klare Sprache zu sprechen. Es gibt nur ein Manko: Die Darstellung ist eine statische Betrachtung, die die Veränderungsraten außer Acht lässt.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind durch nichts zu rechtfertigen. Gleich ob in Ost oder West, Nord oder Süd. Doch wenn Sachsen oder Thüringer sagen, dass sie einen massiven Zustrom von Ausländern in ihre Heimat wahrnehmen, haben sie damit faktisch nicht unrecht. Nirgendwo hat die ausländische Bevölkerung so stark zugenommen wie in den neuen Bundesländern.


Quelle: Statistisches Bundesamt, AZR, eigene Berechnungen

Ein Blick ins Ausländerzentralregister genügt, um zu erkennen: Der potenzielle Veränderungsstress ist im Osten am größten. Verglichen mit 2011 hat sich die Zahl der Nichtdeutschen zwischen Erzgebirge und Ostsee verdoppelt. Um das in Relation zu setzen: Im bunten Berlin ist die ausländische Bevölkerung in der gleichen Zeit nur um ein Drittel gewachsen.

Im Wahlkreis Prenzlauer Berg, wo viele Journalisten leben, dürfte es noch weniger sein (weil teuer). Ebenso im feinen Hamburg, wo die Zahl der Ausländer seit 2011 nur um 27 Prozent zugenommen hat. "Refugees-Welcome"-Kommentatoren verlangen von den Ostdeutschen also oft eine Anpassungsleistung, die in ihrem Umfeld gar nicht erforderlich erscheint.

Allerdings muss auch vor einer anderen falschen Schlussfolgerung gewarnt werden: Stark steigende Ausländerzahlen führen nicht zwangsläufig zu Xenophobie und Rechtspopulismus. Beweis: Das westdeutschen Bundesland mit dem stärksten Zuzug von Nichtdeutschen ist Schleswig-Holstein. Hier im Norden war die AfD aber weit weniger stark als zum Beispiel in Baden-Württemberg.

Auch in Niedersachsen haben die Rechten nicht sonderlich gut abgeschnitten, obwohl das Plus fast 60 Prozent beträgt. Hier wanderten 275.000 Menschen aus dem Ausland zu. Das Doppelte der Einwohnerzahl von Wolfsburg.

Was die absoluten Veränderungen angeht, liegen NRW und Bayern vorne, mit knapp 600.000 und knapp 700.000 Zuwanderern in dem Fünfjahreszeitraum. Auch in diesen Regionen gibt es eine Abwehrhaltung und Ängste, nur nicht so stark wie im Osten.

Vermutlich wäre das Unbehagen der Ostdeutschen über die Fremden geringer, hätten sie bereits in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit "Gastarbeitern" machen können, wie die Berliner oder die Bewohner des Ruhrgebiets. Auch dort war man freilich nicht immer so tolerant wie heute.
Wie heißt es: The first cut is the deepest

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Marathonläufer des Dax (und Fußkranke)

Aktien kaufen und sich schlafen legen. Und lange schlafen. Das riet einst Börsenaltmeister André Kostolany. Finanzkrisen und Börsencrashs haben seither viele daran zweifeln lassen, dass diese Buy-and-hold-Strategie noch funktioniert.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Doch im Deutschen Aktienindex Dax, ebenso wie im Dow-Jones-Index, finden sich einige Werte, bei denen ein Hin- und Herspringen nicht notwendig war, um Traumrenditen zu erzielen.

Zugegeben, die Auswahl ist verzerrt, weil immer wieder Werte aus dem Leitindex herausfallen, die im weiteren Verlauf Kapital zerkrümelt hätten. Doch zeigt sich: Die Konzentration auf einige "Dickschiffe" hätte sich ausgezahlt.

Titel, die schon 1990 Rang und Namen hatten, konnten meist gut zulegen: Inklusive Dividenden brachten BASF-Aktien ihren Haltern einen Wertzuwachs von 5400 Prozent. Bayer-Anteilseigner erzielten eine Gesamtrendite von 3000 Prozent.

BMW, Continental, Henkel, Siemens, Munich Re und sogar Volkswagen schneiden ebenfalls gut ab.

Selbst mit dem viel gescholtene RWE-Papier, das während der Energiewende und Fukushima-Zeit unter die Räder kam, konnten Anleger nach Bloomberg-Angaben 3,7 Prozent Jahresrendite erzielen... passabel angesichts der heutigen Tagesgeld-Zinsen.

Allerdings resultiert das Plus bei RWE allein aus den Ausschüttungen. Die Aktie steht im Jahr 2017 rund 13 Prozent niedriger als im Jahr 1990. Dennoch, 3,7 Prozent per annum sind 3,7 Prozent per annum. Was man hat, das hat man.

Die einzige wirkliche Ausnahme von der "Was-Rang-und-Namen-hat-Regel" sind die Banken. Die Kursverluste aus der Finanzkrise 2008/09 und später der Euro-Schuldenkrise mitsamt EZB-Nullzins sind so gravierend, dass auch die üppigen Dividenden vorher nichts an der ernüchternden Bilanz ändern: Aus Anlegersicht sind die großen Geldhäuser Geldvernichter.

Treue Deutsche-Bank-Anteilseigner kommen noch mit einem blauen Auge davon: Ihr Gesamtertrag seit 1990 beträgt ein Prozent im Jahr. Bei der Commerzbank gibt es nichts mehr zu beschönigen: Die apokalyptischen Kursverluste resultieren in einem Gesamt-Minus von 73 Prozent.
Dreiundsiebzig Prozent inklusive Dividende.

Die Banken im Dax waren also totes Geld. Die Lehre daraus: Wenn das Geschäftsmodell erodiert, hilft auch ein traditionsreicher Name nichts

Dienstag, 10. Oktober 2017

Er bewegt sich doch, der Reallohn!


Für Arbeitnehmer gibt es 2017 eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute: Die Löhne und Gehälter werden in Deutschland über alle Einkommensstufen hinweg steigen. Die schlechte: Wer ohnehin wenig verdient, kann mit der geringsten Verbesserung rechnen.

Während sich das Arbeitseinkommen von Gutverdienern 2017 um drei Prozent erhöht, dürfen Normalverdiener auf plus 2,5 Prozent hoffen. Die Beschäftigten mit eher niedrigem Einkommen müssen sich mit zwei Prozent Zuwachs begnügen.

Bei einer erwarteten Jahresinflation von 1,7 Prozent heißt das, dass 2017 alle Einkommensschichten real mehr im Geldbeutel haben als vor einem Jahr. So schön, so gut. Nach Berechnungen der Personalberatung Korn Ferry ist es allerdings das schwächste Plus seit dem Krisenjahr 2011.


Quelle: Korn Ferry Hay


Die Differenzierung zwischen oben und unten bestätigt indessen einen langfristigen Trend: In den vergangenen zehn Jahren haben Arbeitnehmer mit niedriger Qualifikation (sogenannte Angelernte) ihre Kaufkraft nur um rund sieben Prozent verbessern können, 19 Prozent Nominallohn-Plus minus zwölf Prozent Inflation. Arbeitnehmer in leitender Stellung schafften dagegen einen satten realen Zugewinn von 17 Prozent (29 Nominallohn abzüglich zwölf Prozent Inflation), wie Daten des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen ist.

Wie sieht es aus, wenn man noch weiter zurückblickt? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kommt zu einem ernüchternden Fazit: Demnach haben die untern 40 Prozent der Einkommensskala seit Anfang der Neunzigerjahre de facto kaum einen Gehaltsanstieg verzeichnen können, während die oberen 60 Prozent deutlich besser dastehen als 1991.

Ein Forscherteam rund um Fatih Guvenen von der University of Minnesota glaubt sogar nachweisen zu können, dass ein männlicher US-Bürger heute nicht mehr damit rechnen darf, im Laufe seines Arbeitslebens inflationsbereinigt so viel zu verdienen wie sein Vater oder sein Großvater.

Die Wissenschaftler schätzen, dass reale Lebenseinkommen eines Berufsanfängers von 2017 fast ein Fünftel (19 Prozent) unter dem eines Berufsanfängers von 1957 liegt. In den Vereinigten Staaten gelte das für alle Einkommensstufen, außer für die oberen fünf Prozent der Gehaltspyramide. Nur diese oberen fünf Prozent dürfen mit einem Kaufkraft-adjustierten Lebenseinkommen rechnen, dass höher ist als das ihrer Eltern.

Die Studie trägt den Titel „Lifetime Incomes in the United States over Six Decades“ (zu Deutsch: Lebenseinkommen in den Vereinigten Staaten über sechs Jahrzehnte“) und ist eine Lektüre wert.

Für Frauen ist das Bild gleichwohl heller. Erstens weil sie bessere Bildungs- und damit Verdienst-Chancen haben als in früheren Generationen. Zweitens weil sie heute tendenziell weniger Teilzeit-Jobs akzeptieren (müssen). Zudem betreffen die jüngeren Strukturkrisen in erster Linie Männerberufe. In Arbeiter-Branchen sind die Löhne besonders unter Druck.

Ändern dürfte sich an den Trends zunächst wenig. Die Kräfte, die die Einkommen auseinander treiben, heißen Technologie und Globalisierung. Die ökonomischen Gesetze dahinter sind unerbittlich

Sonntag, 8. Oktober 2017

Ein besonderes Bundesland

Deutschland ist als Volkswirtschaft alles andere als ein monolithischer Block. Innerhalb von Europas größter Ökonomie vollzieht sich eine deutliche Drift der wirtschaftlichen Macht. Eine besondere Rangveränderung erleben drei Länder: eines im Westen, eines im Süden, eines im Osten.

Als einzelnes Bundesland ist Nordrhein-Westfalen zwar immer noch die Nummer eins, doch von Glanz und Gloria des einstigen Zentrums des Nachkriegs-Wirtschaftswunders ist wenig geblieben.

Auf den erst Blick ist NRW als Ökonomie noch imposant: Die Industrien an Rhein und Ruhr, das stolze Köln und die zahlreichen Mittelständler in Ostwestfalen stehen für 21 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.

Auf den zweiten Blick ist der Abstieg jedoch unübersehbar. Kein anderes Land hat seit der Wende so sehr an Gewicht verloren wie Nordrhein-Westfalen, nämlich 2,7 Prozentpunkte. In den Dekaden zuvor war das Land an Rhein und Ruhr gelegentlich als "das neue Preußen" tituliert worden, als potenziell dominanter Teilstaat innerhalb der Bundesrepublik. Das war einmal.

Nicht wenige der ärmsten Kommunen finden sich tief im Westen: In Gelsenkirchen oder Duisburg, diesen ehemaligen Industriezentren, ist der Verfall unübersehbar.

Der große Gewinner ist Bayern, der Freistaat bildet praktisch das ökonomische Gegenbild zu NRW. Und noch ein anderer Freistaat hat ökonomisch Auftrieb: Sachsen!

Zwar konnten alle östlichen Bundesländer ihr postsozialistische Depression nach der Wende überwinden und im Vergleich zum Westen aufholen. Kein Land war dabei aber so erfolgreich wie Sachsen. Das Plus von 1,5 Punkten zeugt von Fleiß und Zielstrebigkeit der vier Millionen Bewohner des Freistaats. Aber auch von der Bereitschaft großer Firmen aus dem Westen, in Dresden, Leipzig und Chemnitz zu investieren.


Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR), eigene Berechnungen


In absoluten Zahlen spielt Sachsen gleichwohl nur in der zweiten Liga. Insgesamt dominieren fünf Bundesländer die deutsche Volkswirtschaft: NRW, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Der Rest bleibt vorerst "der Rest".


Quelle: VGR



Im Jahr 2016 stehen fünf Länder für fast drei Viertel der deutschen Wirtschaft
Quelle: VGR, eigene Berechnungen


Erstaunlich ist der relative Abstieg von Hessen und Niedersachsen im letzten Vierteljahrhundert. Niedersachsen ist immerhin das Land, in dem der weltgrößte Automobilkonzern Volkswagen seinen Sitz hat.

Das lässt darauf schließen, dass das Wachstum der Wolfsburger seit 1991 vor allem im Ausland stattgefunden hat.

Hessen leidet möglicherweise unter dem Schrumpfen der deutschen Großbanken, die Anfang der Neunzigerjahre allerdings auch reichlich aufgebläht waren.

Setzt sich der Trend der vergangenen Jahrzehnte fort, wird Bayern in den Dreißerjahren des 21. Jahrhunderts an dem bevölkerungsreicheren NRW (hervorgegangen im wesentlichen aus der preußischen Rheinprovinz) vorbeiziehen und dann erstmals in der Geschichte der wirtschaftsstärkste deutsche Teilstaat sein. Diese Projektion ist umso brisanter, als das Bindestrichland im Westen den Freistaat heute noch um fünf Millionen Einwohner überragt.

Es wird ein später Triumph der Bayern über die Preußen sein



Freitag, 6. Oktober 2017

Anatomie des Steuerzahlers


In Deutschland zahlen 43 Millionen Menschen Lohn- und Einkommensteuer, das sind etwas über die Hälfte der Einwohner.

Einen Single trifft die Lohn- und Einkommensteuer, wenn er brutto mehr als 11.823 Euro im Jahr verdient, Verheiratete ohne Kinder werden ab 22.381 Euro zur Kasse gebeten. So sagt es die Datensammlung zur Steuerpolitik des Bundesfinanzministeriums.

Beim zu versteuernden Einkommen (das sich vom Bruttoeinkommen unterscheidet), greift der Fiskus ab 8.8821 Euro im Jahr zu. Bei diesem Betrag gilt ein relativ moderater Eingangssteuersatz von 14 Prozent. Allerdings steigt die Belastung relativ schnell an.
Schon ab 54.058 Euro im Jahr finden sich Erwerbstätige im Höchststeuersatz von 42 Prozent wieder.

Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent schlägt ab 54.000 Euro zu. Von jedem zusätzlich verdienten Euro nimmt sich der Staat also fast die Hälfte.
Viele Mittelschichtfamilien finden sich im Höchststeuersatz wieder. Nach Berechnungen des IW Köln betrifft das mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland.

Ein durchschnittlicher Freiberufler verdiente 2012 (das sind die aktuellsten vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamtes) 35.474 Euro im Jahr. Der "Freiberufler" existiert allerdings nicht: Wer einem künstlerischen Metier nachgeht - zum Beispiel als Zeichnerin - nahm im Schnitt nur 13.862 Euro ein, ein Heilpraktiker sogar nur 13.681 Euro.

Am anderen Ende der Skala stehen Ärzte und Juristen. Ein Notar bringt es dem Statistischen Bundesamt zufolge auf durchschnittlich 201.775 Euro. Damit sind Notare sind die Freiberufler mit dem besten Einkommen, gefolgt von Zahnärzten (142.213 Euro) und Patentanwälten (127.496 Euro)

Donnerstag, 4. Mai 2017

Reichtum ist Trumpf

Donald Trump hat die Globalisierung bisher nicht zum Entgleisen gebracht. Der beste Beweis dafür ist das Vermögen der Globalisierungsgewinner Nummer eins, der superreichen Besitzer von Multis und internationalen Konglomeraten.

Die meisten Milliardäre sind in den ersten Monaten der Amtszeit des neuen US-Präsidenten noch wohlhabender geworden: Reichster Mensch der Welt war Anfang Mai 2017 Microsoft-Gründer Bill Gates, mit einem Nettovermögen von 87 Milliarden Dollar.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Am stärksten profitiert haben jedoch ausgerechnet Milliardäre außerhalb der USA. Der mexikanische Geschäftsmann Carlos Slim konnte seinen Wohlstand während der Ägide von Trump um elf Milliarden Dollar mehren, der Franzose Bernard Arnault um neun Milliarden.

Größter Gewinner unter den Amerikanern war Amazon-Chef Jeff Bezos (plus 8,9 Milliarden).




Und so sah die Reichenliste vor einem Jahr aus:



Dienstag, 28. März 2017

Die schlechteste Währung der Welt

Die Währung ist der Spiegel einer Volkswirtschaft. Aber sie ist auch der Spiegel einer politischen Kultur oder zumindest Drift, die in einem Land vorherrscht. Das kann man gut an den Devisen-Gewinnern und -Verlierern der vergangenen Jahre ablesen.



Dollar in Türkischer Lira, invertierte Skala
Quelle: Bloomberg

Unter den Nationen mit den schlechtesten Währungen der Welt finden sich Volkswirtschaften mit strukturellen Problemen, aber auch schlecht regierte Staaten. Meistens ist es eine Kombination von beidem.

Jede Skala sprengt die Entwicklung des Argentinischen Peso. Wegen der grassierenden Inflation und dem zwischenzeitlichen Regierungschaos unter der Kirchner-Clan ist der Wert des Peso in Euro binnen fünf Jahren auf ein Drittel zusammengeschmolzen.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Gleich hinter dem Argentinische Peso folgt auf der Liste der Hässlichen die Türkische Lira. Zum Euro ist die Außenwert der Erdogan-Währung seit 2012 um fast 40 Prozent abgesackt. In diesem Maß hat sich auch die internationale Kaufkraft der Türken verringert.

Auch sonst scheint das Wachstum nicht mehr bei den einfachen Menschen anzukommen. Die letzten Jahre waren für die Türken verlorene Jahre.

Ähnlich schlecht hat unter den großen Wirtschaftsräumen nur der Russische Rubel abgeschnitten

Mittwoch, 22. März 2017

Mehr als eine Momentaufnahme

Sieht man von Volkswagen mit seiner ungewissen Zukunft ab, hat dieses Jahr kein Unternehmen die Dividende so stark angehoben wie Adidas. Der Sportartikler aus Herzogenaurach packt gleich 0,40 Euro drauf und erhöht die Ausschüttung 2017 um 25 Prozent.

Doch solche Anhebungen von einem Jahr aufs nächste sind Momentaufnahmen. Viel interessanter ist zu sehen, welche Firmen über einen langen Zeitraum die beste Dividendendynamik haben.

Man sollte sich zum Beispiel die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre anschauen: 2007 war das letzte Jahr vor der Finanzkrise. Ein Unternehmen, dessen Ausschüttung heute viel höher liegt als damals, muss ziemlich robust sein. Das gilt umso mehr, wenn es die Dividende in diesem langen Zeitraum kein einziges mal senken musste.


Aktien mit der höchsten Ausschüttungsdynamik in Prozent
Dunkelblau: Dax-Firmen ohne eine einzige Senkung der Gewinnbeteiligung seit 2007
Quelle: Eigene Recherche

Auch auf Zehnjahressicht liegt Adidas vorn, übertroffen nur von den Bayerischen Motoren Werken BMW, die es auf eine Steigerung von 400 Prozent brachten. Gab es auf die BMW-Stämme 2007 noch 0,70 Euro Dividende, so werden es dieses Jahr 3,50 Euro sein.

Allerdings hat die BMW-Dividendenstory einen Schönheitsfehler. In den Krisenjahren 2008 und 2009 gab es mit 0,30 Euro nur Mager-Kost als Ausschüttung. Ähnliches gilt für Adidas (Zehn-Jahres-Steigerung 376 Prozent): Im Jahr 2010 musste die Dividende gekappt werden, auf 0,35 Euro.

Mit Fresenius, Henkel, SAP, Bayer, Siemens und Linde folgen jedoch sechs Dax-Konzerne, die ihre Ausschüttung seit 2007 verdoppeln konnten und zusätzlich nie einen Ausfall oder eine Senkung verkünden mussten.

Das bedeutet zehn Jahre laufende Erträge mit Steigerung, in einer Zeit, in der die Zinsen immer weiter abgeschmiert sind. Solche Titel sollte man Hurra-Aktien nennen


Montag, 20. März 2017

The Great Reaction

Jede soziale Revolution bringt eine Gegenbewegung hervor. In den USA heißt die Gegenbewegung Donald J. Trump: Laut, polternd und frei von jeder Rücksicht auf ehene Prinzipien amerikanischer Nachkriegspolitik.

Doch es sind wütende Kräfte, die Trump an die Macht gespült haben. Wut im Bauch haben vor allem die amerikanischen Industriearbeiter, die gegen ihre Marginalisierung aufbegehren.

Von der Deindustrialisierung der USA ist zwar schon länger die Rede, doch der wahre Absturz kam erst nach der Jahrtausendwende. Seit dem Jahr 2000 sind im Verarbeitenden Gewerbe netto rund fünf Millionen Stellen gestrichen worden, in einer Zeit, in der die Zahl der Erwerbstätigen in Amerika um insgesamt 15 Millionen stieg!

Wo sind all diese Arbeiter der Faust geblieben? Bestimmt sind sie in der relativ kurzen Zeit nicht alle in Rente gegangen. Trump verleiht der Frustration und dem Groll der (häufig weißen) worker und ihrer Familien eine Stimme, was ziemlich grotesk wirkt, wenn man bedenkt, dass der New Yorker Immobilientycoon ein typisches Kind der Ostküsten-Oberschicht ist.



Quelle: St. Louis Fed, eigene Berechnungen

Aber kann Trump den Trend umkehren? Schon unter Obama hat eine Stabilisierung eingesetzt. Der Anteil der Industriearabeiter an der arbeitenden Bevölkerung ist nicht weiter zurückgegangen. Seit der Finanzkrise verharrt die Quote bei ungefähr 8,5 Prozent.



Quelle: St. Louis Fed

Andererseits hat die Zunahme der Industriejobs die gesellschaftliche Erosion der Arbeiterschicht in den zehn Jahren zuvor nur zum geringen Teil ausgleichen können.

Um Millionen neuer Jobs in Kohlegruben und Stahlwerken zu schaffen, müssten die USA ihr ganzes Geschäftsmodell umstellen, das in den letzten Jahrzehnten auf hochwertige Dienstleistungen und Lifestyle ausgerichtet war, nicht auf den Export von Autos oder Maschinen.

(Obwohl der Fairness halber gesagt werden muss, dass die USA führend bei Flugzeugen, Turbinen und Militärtechnik sind.)

Aber es gibt noch ein größeres Problem. China und andere Schwellenländer können viele Industrie-Tätigkeiten genauso gut und günstiger. Das hat vor allem die Löhne ungelernter Arbeiter unter Druck gebracht.

Materiell stehen Arbeiter mit Job (!) heute 15 Prozent schlechter da als 2008.


Quelle: Korn Ferry

Um diesen Trend umzukehren, müsste Trump nicht nur die US-Wirtschaft umkrempeln, sondern sich auch mit wichtigen Handelspartnern anlegen und die internationale Arbeitsteilung in Frage stellen. Die daraus resultierenden internationalen Spannungen würden mehr Wohlstand vernichten, als Trump durch noch so brachiale Methoden über die Grenze ziehen kann.

Womöglich ist das dem Regenten im Weißen Haus aber egal



Samstag, 18. März 2017

Kein strahlender Held

Erdogan ist der Mann, der die Türkei wirtschaftlich stark gemacht hat. So sehen ihn viele Türken, und auch in Deutschland gab es so manchen, der hoffte, die AKP würde sich als eine Art "islamische CSU" herausstellen.

Für die ersten Jahre seiner Amtszeit mag das Bild vom wirtschaftsfreundlichen Recep Tayyip Erdogan zutreffen. Doch in letzter Zeit lässt sich das nicht mehr behaupten.

Vor allem die Einkommensentwicklung der Türken lässt stark zu wünschen übrig. Seit der Finanzkrise haben sich die Gehälter preisbereinigt nirgendwo so schlecht entwickelt wie in Reich des AKP-Politikers.

Real verdient ein türkischer Beschäftigter heute ein Drittel weniger als 2008. Besonders hart trifft es die ungelernten Arbeiter und einfachen Angestellten. Sie müssen sich mit einem um 40 Prozent niedrigeren Lebensstandard begnügen.


Quelle: Korn Ferry, eigene Recherche


Das Jahr von Erdogans Verfassungsreferendum hat ökonomisch alles andere als gut begonnen. Mit zehn Prozent Inflation ist die Geldentwertung in der Türkei höher als in jeder anderen großen Volkswirtschaft. Da bieten die Lohnsteigerungen nur mageren Ausgleich.

Offiziell wird das Wirtschaftswachstum zwar mit passablen drei Prozent ausgewiesen, aber eine Arbeitslosenquote von 13 Prozent deutet darauf hin, dass sich die Situation der Bevölkerung auf absehbare Zeit nicht nennenswert bessern wird.

Ob das für 2017 veranschlagte BIP-Plus von 2,8 Prozent noch zu erreichen ist, scheint nach dem Einbruch der Frühbucher-Zahlen fraglich. Und auch der Einbruch der LKW-Verkäufe deutet auf eine schwächere Konjunktur.

Da geht es den Türken in Deutschland besser, obwohl sie als Bevölkerungsgruppe mit relativ hoher Arbeitslosigkeit und schlechter Integrationsleistung zu kämpfen haben.

Die Mittelschicht ist am Bosporus ebenfalls in der Defensive. Wie die Börsenentwicklung zeigt, hat die Fähigkeit des Systems gelitten, aus dem Wirtschaftswachstum Gewinn zu ziehen. In Türkischer Lira mag sich der Leitindex ISE-100 der hundert größten Aktiengesellschaften noch ganz gut schlagen, doch in hartem Geld gemessen erleiden Aktionäre seit 2008 Verluste:


In Lira hat der ISE-100 in den letzten acht Jahren 88 Prozent zugelegt, auf Euro-Basis fällt ein Verlust von zwölf Prozent an Quelle: Bloomberg
Grüne Vorzeichen gibt es nur in der heimischen Weichwährung. Die Dollar- und Euro-Bilanz der Börse Istanbul dagegen zeigt: Auch für das wohlhabende türkische Bürgertum sind die goldenen Zeiten vorbei.

Da wirken die starken Töne aus Ankara fast schon wie ein Aufbäumen gegen den Abstieg. Oder wie die Suche nach Schuldigen im In- und Ausland


Mittwoch, 15. März 2017

Das bisschen Haushalt

Deutschland gilt als liberales und gesellschaftlich fortschrittliches Land. Aber in einer Hinsicht ist Europas größte Volkswirtschaft ein ziemlich konservativer Flecken. Keine andere Ökonomie in Westeuropa hängt so sehr am Bild vom Mann als "Ernährer" und "Versorger der Familie" wie die Bundesrepublik.

Das zeigen Daten der OECD. Der Organisation zufolge beträgt der Anteil des Mannes am Haushaltseinkommen von Paaren in Deutschland beachtliche 77,4 Prozent. Das ist der höchste Wert aller Industrienationen.

Wie sehr sich die Bundesrepublik damit vom west- und nordeuropäischen Standard unterscheidet, zeigt dieser Vergleich: In unserem Nachbarland Frankreich beträgt "sein" Anteil am gemeinsamen Einkommen 62,8 Prozent, in Schweden sind es nur 62,1 Prozent.


Quelle: OECD

Am niedrigsten ist der männliche Beitrag mit 57,9 Prozent in Dänemark. Hier scheint die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz am weitesten fortgeschritten. In Österreich und der Schweiz bringt der "Versorger" ebenfalls viel ins Haushaltseinkommen ein, doch in beiden Staaten ist es mit drei Viertel (75,2 Prozent) weniger als in Deutschland.

Für die Dominanz des "Ernährers" alter Schule gibt es zwei mögliche Erklärungen: Zum einen wirkt sich der generelle Lohn- und Gehaltsabstand (Gender Pay Gap) zwischen den Geschlechtern aus.
Je nach Messung verdienen Männer in der Bundesrepublik 20 bis 37 Prozent mehr als Frauen.
Nach internationalen Maßstäben ist das ein erhebliche Lücke.

Dahinter verbirgt sich die eigentliche Ursache: Traditionelle Industriearbeitsplätze spielen in Deutschland eine größere Rolle als in anderen westlichen Volkswirtschaften.


Quelle: Statistisches Bundesamt, St. Louis Fed (FRED), eigene Berechnungen

Mehr als 17 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande verdienen ihr Geld im Verarbeitenden Gewerbe. In den USA ist die Quote mit 8,5 Prozent weniger als halb so hoch. Wie auch diese Daten bestätigen: Im Dax stehen die Automobil-Werte BMW, Continental, Daimler und Volkswagen für 43 Prozent aller Erlöse und für fast ein Drittel aller Nettogewinne.

Der Auto-Anteil im amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial liegt trotz des Namens bei... null.

Industriearbeitsplätze sind im Hochlohnland Deutschland aber meistens relativ gut bezahlt - nicht zuletzt eine Folge unseres Systems der dualen Berufsausbildung - und sie sind zugleich eine Männer-Domäne. Die weniger lukrativen Dienstleistungsjobs sind dagegen oft dem weiblichen Geschlecht vorbehalten.

Die Diskrepanz, wie viel Frauen und Männer zum Haushaltseinkommen beitragen, erklärt sich also zum Teil aus der Struktur der Volkswirtschaften. Und dann ist da noch das deutsche Steuersystem mit seinem Ehegattensplitting, das die Erwerbstätigkeit von Ehefrauen zu entmutigt

Sonntag, 5. März 2017

Finanzielle Hegemonie

Donald Trump betont oft und gern, als amerikanischer Präsident sei er nur amerikanischen Interessen verpflichtet und sonst nichts. In den Ohren von Nicht-Amerikaner kann das durchaus beunruhigend klingen. Denn die Vereinigten Staaten sind auf finanziellem Gebiet so dominant, dass man sie mit Fug und Recht als Hegemon bezeichnen kann.

Diese Hegemonie ruht auf fünf Säulen:

1. Der Dollar ist die Weltwährung

Zentrales Element ist der Greenback und die weltweit einmalige Infrastruktur, die mit ihm einhergeht. Amerikas Währung ist die mit Abstand wichtigste Währung der Welt. Fast zwei Drittel (63 Prozent) alle Devisenreserven lauten auf Dollar-Papiere. Auf die Nummer zwei, den Euro, entfällt nur ein Fünftel... mit zuletzt sinkender Tendenz. Die restlichen Währungen sind nur Statisten.

Dieser Sonderstatus des Dollar erlaubt es Amerika, der ganzen Welt seine Regulierung überzustülpen. Nach dem Motto: Wer den Dollar nutzt, unterliegt unserer Rechtssprechung, und nutzen müssen den Dollar mehr oder weniger alle, inklusive "Schurkenstaaten", die sich offen gegen die USA stellen.


Anteil an weltweiten Devisenreserven in Prozent
Quelle: IWF (Stand: 3. Quartal 2016)

2. Die USA dominieren die Bondmärkte

Internationale Organisationen und Unternehmen, die Geld deponieren wollen, kommen an US-Bonds nicht vorbei. Die handelbaren Staatsanleihen Amerikas vereinen schon jetzt doppelt so viel Volumen auf sich wie die des zweitgrößten Bondmarkts, Japan. Da japanische Titel allerdings vor allem von Inländern gehalten werden, ist die Abhängigkeit von den USA in Wirklichkeit noch größer, als es scheint.

Der europäische Staatsanleihenmarkt ist dagegen fragmentiert und spielt verglichen mit Amerika in der Zweiten Liga.


Quelle: Bloomberg
3. Amerikas Aktienmarkt ist ein Koloss

Betrachtet man nicht nur den reinen Börsenwert, sondern den Anteil der tatsächlich investierbaren Aktien, die sich nicht in den Händen der Regierung oder Konglomeraten befinden, vereinigen die USA 53 Prozent der globalen Marktkapitalisierung auf sich. Die Vereinigten Staaten liegen meilenweit vor allen anderen kapitalistischen Nationen.

Der zweitwichtigste Aktienmarkt der Welt ist der japanische mit einem Aktienmarkt-Anteil von 8,4 Prozent, gefolgt von dem britischen mit 6,2 Prozent. Die deutsche Börse bringt nach dieser Berechnung nur 3,1 Prozent der globalen market cap auf die Waagschale.


Quelle: Credit Suisse

Vor hundert Jahren sah das noch ganz anders aus: Im Jahr 1900 waren die vier großen kapitalistischen Volkswirtschaften Großbritannien, USA, Deutschland und Frankreich fast gleichrangig, wobei der Vorrang der London Stock Exchange nicht zu bestreiten ist.



Quelle: Credit Suisse


4. Alles überragende Wall Street 

Geldhäuser wie Wells Fargo (gegründet 1852), HSBC (gegründet 1865), Société Générale (gegründet 1864) oder Deutsche Bank (gegründet 1870) haben eine ähnlich große Tradition. Doch nur die Angelsachsen können heute noch als global player gelten.

Allen voran die Wall Street: Amerikas größte Bank JP Morgen ist heute zwölfmal so groß wie der deutsche Branchenprimus. Die Deutsche Bank ist an der Börse nur rund 28 Milliarden Dollar wert, das Wall-Street-Haus 334 Milliarden Dollar.


Die größten zehn Unternehmen sind allesamt amerikanisch. Die Nummer neun der Weltrangliste ist zugleich die führende Bank der Welt: JP Morgan. Deutschlands Top-Konzern SAP erscheint erst auf Rang 57, die Deutsche Bank auf Rang 456!
Quelle: Bloomberg

Die Verzwergung der europäischen Banken schränkt die Möglichkeit Europas ein, schnell Kapital zu mobilisieren, und das wiederum erschwert den Aufbau innovativer Unternehmen.

5. Die großen Fonds sitzen in New York

Die Aufzählung wäre nicht vollzählig ohne die großen Fonds. Rund vier Fünftel des ETF-Handels findet in den USA statt. Mit 2,7 Billionen Dollar Marktwert vereinigen die amerikanischen Vehikel zwei Drittel des globalen Indexfonds-Volumens auf sich. Zudem haben die großen Kapitalsammelstellen fast alle ihren Sitz in der Finanzmetropole New York.

Das führt zur paradoxen Situation, dass BlackRock in New York der größte Aktionär vieler Dax-Unternehmen ist. Wäre der Dax eine Aktie, hätten die New Yorker die meisten Stimmrechte.

Die Vereinigten Staaten sind keine Nation wie andere. Ob es uns gefällt oder nicht: Amerika ist der Hegemon des modernen Kapitalismus. Deshalb können wir nur hoffen, dass das Staatsoberhaupt dieses Hegemons nicht Politik macht wie der Regent irgendeines Kleinstaats

Samstag, 4. März 2017

Schlecht integiert

Die 1,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken gehören zu den am wenigsten integrierten Bevölkerungsgruppen. Trotz einer fast 60-jährigen Tradition türkischer Einwanderung ist die soziale Situation ernüchternd. 

Gut ein Fünftel aller türkischen Staatsbürger in der Bundesrepublik lebt von Sozialhilfe (Hartz IV), die Arbeitslosigkeit ist mit 16,4 Prozent so hoch wie bei keiner anderen Einwander-Nationalität aus der "Gastarbeiter"-Ära. Das statistische Armutsrisiko dürfte bei rund 25 Prozent liegen, in dem Bereich verortet das IW Köln die Kaufkraftarmut von Menschen mit Migrationshintergrund. 

Dass Migranten-Arbeitslosigkeit kein unentrinnbares Schicksal ist, zeigen die Arbeitslosenquote von Ost- und Südeuropäern. Ungarn in der Bundesrepublik sind statistisch weniger oft auf Stellensuche als Deutsche, und auch bei Griechen, Portugiesen und Spaniern liegen die Arbeitslosenzahlen nur wenig über denen deutscher Staatsbürger. 




Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Stand März 2017)

Umgekehrt lässt die Beschäftigungssituation sehr zu wünschen übrig. Zwar haben viele Türken ein kleines Gewerbe und liefern damit einen wichtigen Beitrag zur Infrastruktur der Städte, doch die Integration durch Arbeit in Firmen und Institutionen ist gering ausgeprägt.

Die Quote der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Türken liegt mit 52 Prozent deutlich unter der von Deutschen (67 Prozent) und auch Südeuropäern (57 Prozent). Die Integrationsprobleme der Türken beginnen aber bereits in der Schule. Das Statistische Bundesamt stellt dazu fest:
"Der Bildungserfolg der Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Integration in den Arbeitsmarkt variieren teilweise sehr deutlich je nach Herkunftsland. So hatten zum Beispiel 88% der 25 bis 35 Jahre alten Personen mit chinesischen Wurzeln Abitur, aber nur 16% der Personen mit türkischen Wurzeln."
Der Zuzug der Türken - der größten ausländischen Bevölkerung in der Bundesrepublik - ist in vieler Hinsicht ein Beispiel dafür, wie Migration nicht laufen sollte, und wie Integration scheitern kann

Mittwoch, 1. März 2017

Inflation frisst Lohnsteigerung 2017 auf

Ausgerechnet im Wahljahr dürften viele Arbeitnehmer so wenig von ihrem Lohn haben wie seit langem nicht. Grund ist die anziehende Inflation. Im Februar 2017 war sie in Deutschland mit 2,2 Prozent so hoch wie zuletzt vor viereinhalb Jahren.


Quelle: Statistisches Bundesamt, Schätzungen für 2017 Commerzbank, Korn Ferry, eigene Berechnungen

Pendelt sich die Teuerung auf diesem Niveau ein, werden die Bruttolohnzuwächse in den meisten Branchen nicht ausreichen, um die Geldentwertung auszugleichen. Das gilt vor allem für die städtischen Zentren, wo die Preise deutlich schneller steigen als auf dem Land.

Schon 2016 sah das schwächsten reale Einkommensplus der vergangenen drei Jahre, und das obwohl die Teuerung bundesweit im Jahresschnitt nur bei 0,5 Prozent lag. Von den zwei Prozent Zuwachs bei den Tarifverdiensten blieben unter dem Strich 1,5 Prozent.


Quelle: Statistisches Bundesamt, für 2017 Projektion


Davon können die meisten Arbeitnehmer 2017 wohl nur träumen. Für das laufende Jahr erwarteten die Auguren zwar Gehaltsverbesserungen von bis zu 2,5 Prozent. Nur wird davon abzüglich der hochschnellenden Kosten nicht viel übrig bleiben

Dienstag, 28. Februar 2017

Der deutsche Warren Buffett

Unglaublich, aber wahr. Im Deutschen Aktienindex (Dax) gibt es eine Aktie, die in den vergangenen 25 Jahren noch stärker gestiegen ist als Berkshire Hathaway. Diese Aktie ist Fresenius.

Die Aktie des Gesundheitskonzerns aus Bad Homburg hat seit 1992 um rund 6800 Prozent zugelegt, verglichen mit den schon beachtlichen 3400 Prozent von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft.


Seit Anfang der Neunziger um den Faktor 75 gestiegen: Fresenius-Aktie in Euro
Quelle: Bloomberg

Die Kursentwicklung von Fresenius ist nicht das einzig Erfreuliche. Seit erstmaliger Zahlung einer Dividende vor einem Vierteljahrhundert gibt es jedes Jahr mehr Ausschüttung. Damit ist der Dax-Titel Deutschlands erster Dividendenaristokrat.

Die Dividendenrendite war zwar noch nie berauschend, gemessen am aktuellen Kurs sind es 0,8 Prozent, jedoch lässt die Ausschüttungsquote von etwas über einem Fünftel (22 Prozent) jede Menge Luft nach oben.

Mit mehr als 260.000 Mitarbeitern in über 100 Ländern profitiert der deutsche Gesundheitskonzern vom wachsenden Wohlstand weltweit und gleichzeitig der Alterung der Gesellschaft. Die Expansion muss noch lange nicht zu Ende sein. Menschen werden älter und brauchen mehr Medizin und Pflege.


Ausschüttung innerhalb von sechs Jahren verdoppelt
Quelle: Unternehmensangaben

Nach Fresenius wird der zweite Dividendenaristokrat Deutschlands wohl aus der gleichen Familie kommen: Der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care kann Anfang des nächsten Jahrzehnts die 25 voll machen.

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind Fuchs Petrolub mit 15 Erhöhungen in Folge und Stratec Biomedical mit einer 14er Serie. Auch BayWa und Fielmann haben die Chance, im Laufe der Zwanzigerjahre Dividendenaristokraten zu werden.


Die nächsten potenziellen Dividendenaristokraten in Deutschland
Quelle: Dividendenadel.de


Kein Dividendenaristokrat im klassischen Sinn, aber eine feste Größe am Dividendenhimmel ist die Aktie von Munich Re (Münchener Rück). Seit dem Jahr 1970 hat der größte Rückversicherer der Welt die Ausschüttung nie senken müssen.

Zuletzt betrug die Munich-Re-Rendite bei einer Ausschüttung von 8,60 Euro je Aktie fünf Prozent.
So sehen Börsenwerte aus, die Vermögen schaffen

Freitag, 17. Februar 2017

Teilen tut gut

Die Allianz SE erhöht die Dividende auf 7,60 Euro pro Aktie. Damit wird Deutschlands fünftgrößter Börsenkonzern eine Rekordsumme von 3.473 Millionen Dollar ausschütten. Doch wem kommt der Geldsegen eigentlich zugute?


Eine fast tadellose Dividendenhistorie
Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben

Das Unternehmen zählt 510.917 Aktionäre in der Bundesrepublik. Diese halbe Million Menschen und Institutionen besitzen zusammen rund 33,8 Prozent des Allianz-Grundkapitals und haben Anspruch auf einen entsprechenden Anteil des ausgezahlten Gewinns. 


Aktionärsstruktur Allianz SE nach Ländern Stand 2016
Quelle: Unternehmensangaben

Adressen in den USA halten 18 Prozent des Grundkapitals. Allerdings sind dies nur 398 Personen und Organisationen. Weitere je 7,8 Prozent liegen in Großbritannien und Luxemburg. Auch hier sind es nur wenige Stellen.

Das bedeutet, dass jeder deutsche Aktionär im Schnitt zivile 2.300 Euro erhält, bei der einzelnen Adresse in Amerika rappeln dagegen fast 1,6 Millionen Euro in der Kasse. Ähnliches gilt für die Luxemburger Adressen
Jeder der dort ansässigen 193 Anteilseigner erhält am Tag der Ausschüttung rechnerisch 1,4 Millionen. 


Quelle: eigene Berechnungen auf Basis von Unternehmensangaben und einer vorgeschlagenen Dividende von 7,60 Euro


Schlimm? Im Prinzip nicht, in New York und Luxemburg sitzen eben die großen Fonds, an denen wiederum viele Privatanleger beteiligt sind, auch deutsche.

So ist der größte Anteilseigner der Allianz inzwischen BlackRock. Der New Yorker Finanzkonzern hält 5,9 Prozent an dem Versicherer. BlackRock ist auch Großaktionär bei SAP (5,1 Prozent), Daimler (5,2 Prozent), Siemens (5,6 Prozent) und Bayer (7,0 Prozent).

Langfristig kann aus einer solchen Ballung von Stimmrechten bei einer Adressen eine Gefahr für den Kapitalismus erwachsen. Mögliche Kumpaneien von Großaktionär, Aufsichtsrat und Vorstand muss man im Auge behalten

Mittwoch, 15. Februar 2017

Eine interessante Statistik

In den Tiefen der amtlichen Statistik stößt man auf einiges, auch auf so manche Wahrheit, die eher unbequem ist. Zum Beispiel diese:

Die Folgen von Migration haben in der Vergangenheit eher zu einer Belastung als zu einer Entlastung des deutschen Sozialstaats geführt. Das zeigt eine einfache Rechnung. Der Ausländer-Anteil an der Gesamtbevölkerung Deutschlands liegt bei elf bis zwölf Prozent. Der Anteil von Nichtdeutschen an den Hartz-IV-Empfängern beträgt dagegen fast ein Drittel.

Rund jeder achte ausländische Mitbürger ist Leistungsberechtigter im Sinne des Sozialgesetzbuchs.


Ausländer stellten 2015 laut amtlichen Zahlen 10,5 Prozent der Bevölkerung.
Im Jahr 2016 dürfte der Anteil Richtung zwölf Prozent geklettert sein
Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Recherche

Mit anderen Worten: Die Wahrscheinlichkeit, als Nichtdeutscher Sozialhilfeempfänger zu sein, ist ungefähr dreimal so hoch wie als deutscher Staatsbürger.


Der Anteil der nichtdeutschen Einwohner an den Sozialhilfeempfängern ist deutlich höher als ihr Anteil an der Bevölkerung
Quelle: Arbeitsagentur, eigene Recherche

Ein ähnliches Muster zeigt sich auch bei den Arbeitsmarktzahlen: Anfang 2017 waren 5,7 Prozent der deutschen Staatsbürger als arbeitslos gemeldet, unter den Ausländern lag die Quote mehr als doppelt so hoch, bei 14,8 Prozent.

Aufschlussreich ist aber auch ein anderer Wert: Im Jahr 2016 hat die Zahl der regulären (also sozialversicherungspflichtigen) Beschäftigten mit deutscher Staatsbürgerschaft kaum noch zugenommen. Sie stieg in absoluten Zahlen nur um 34.000 oder 0,1 Prozent.

Die Zahl der ausländischen Beschäftigten in der Bundesrepublik ist dagegen um zehn Prozent geklettert, nämlich um 298.000 auf 3,3 Millionen (Stand November 2016). Mehr als die Hälfte dieser Jobs, laut Arbeitsagentur 151.000, haben Osteuropäer übernommen.

Daraus kann man ableiten, dass es einfach nicht mehr genügend Deutsche (zumindest mit der erforderlichen Qualifikation und Mobilität) gibt, um diverse Stellen zu besetzen. Die Alterung unserer Gesellschaft hinterlässt ihre Spuren.


Die Erwerbsbevölkerung Deutschlands ist zuletzt nur dank Zuwanderung wieder am Steigen
Quelle: Bloomberg
Für mich folgt daraus: Asylpolitik kann nicht als Ersatz für Einwanderungspolitik fungieren. Eine über humanitäre Schutzgewährung und die EU-Personenfreizügigkeit hinausgehende Migration sollte stärker auf die Qualifikation der Zuzügler ausgerichtet sein



Sonntag, 12. Februar 2017

20 Billionen Dollar Schulden

Nicht nur der Dow Jones Index hat gerade eine magische 20er Grenze durchbrochen, die 20.000-Punkte-Marke. Auch in anderer Hinsicht werden die USA dieser Tage eine 20er-Schwelle überschreiten: die der Staatsverschuldung.


Quelle: IWF WEO, eigene Berechnungen


Zum ersten Mal zeigt dann die Schuldenuhr der Vereinigten Staaten von Amerika 20 Billionen Dollar, 20.000 Milliarden, 20 Millionen Millionen. Damit ist jeder US-Bürger über den Staat mit rund 61.500 Dollar verschuldet. Zum Vergleich: Pro Kopf steht jeder Einwohner Deutschlands mit umgerechnet 27.000 Dollar in der Kreide (25.500 Euro).


Quelle: Fed St. Louis (FRED)

Schon jetzt übersteigen die Verbindlichkeiten die Wirtschaftskraft deutlich. Und es geht weiter: Die ersten Amtsjahre eines neuen Präsidenten bringen meist eine starke Neuverschuldung. So war es unter Bush senior, so war es unter Bill Clinton, so war es unter Bush junior und so war es - aufs Groteske verzerrt durch die Folgen der Finanzkrise - auch unter Obama.



Steigerung der Staatsschulden in Prozent
Quelle. Fed. St. Louis (FRED)

Wann wird der enorme Schuldenstand zum Problem? Das japanische Beispiel zeigt, dass eine hoch entwickelt Volkswirtschaft mit funktionierender Finanz-Infrastruktur lange mit einer solchen Bürde zurechtkommen kann (vorausgesetzt die Zinsen bleiben niedrigen).

Die Frage scheint also nicht so sehr zu sein, ob der amerikanische Staat unter der Last der Kredite kollabiert - das wird er nicht -, sondern. wann die immer neuen Schulden von einem Konjunkturtreiber zu einem Bremsklotz werden.

Und sollte die aktuelle nationalistische Politik in Washington zum neuen Normalmaß werden, muss man sich langfristig auch eine andere Frage stellen: Wer wird für die US-Schulden aufkommen? Offensichtlich hat das Establishment entschieden, dass es nicht die Amerikaner sein sollen.

Es könnte also die Zeit kommen, da die Handelspartner Amerikas über Zölle Amerikas Zinsen zahlen


Deutschland ist eine der wenigen Industrienationen, deren Schulden in absoluten Zahlen sinken
Quelle: IWF WEO


Freitag, 10. Februar 2017

Die Welt wird nicht untergehen

Die Welt wird nicht untergehen, wenn die Europäische Union zerfällt. Es wird sich nur so anfühlen, eine ganze Zeit lang.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Europas Wirtschaft blühen könnte, wenn ein großes Land - etwa Frankreich oder Italien - aus der Union austritt, liefert Großbritannien.

Das Vereinigte Königreich wird immer wieder als Beispiel dafür angeführt, dass der Exit aus der Union halb so schlimm ist. Oder sogar Gutes bewirkt und neue Kräfte freisetzt.

Bei näherem Hinsehen erkennt man jedoch die Bruchlinien innerhalb der Volkswirtschaft. Denn der am 23. Juni 2016 mittels Referendum eingeforderte (und am 8. Februar 2017 vom Unterhaus gebilligte) Austritt hat schon jetzt Spuren hinterlassen.

An der Börse, wo die Zukunft gehandelt wird, sieht man das deutlicher als anderswo. Auf den ersten Blick scheint der Londoner Leitindex FTSE100 ("Footsie") trotz des Brexit-Votums von Rekord zu Rekord zu eilen. Das ist eine optische Täuschung.

Europäische oder amerikanische Investoren haben von dem Kursanstieg so gut wie gar nichts. Denn das Britische Pfund, in dem die Kurse festgestellt werden, hat sich etwa in dem Maß abgeschwächt, wie die Notierungen gestiegen sind.

Unter dem Strich haben nichtbritische Anleger mit britischen Aktien kaum gewinnen können. Dem Plus des FTSE100 seit 23. Juni 2016 von 14 Prozent in Pfund steht ein Minus von rund drei Prozent in Dollar gegenüber. In Euro legte der Footsie drei Prozent zu, verglichen mit locker zweistelligen Gewinnen des Dax.


Quelle: Bloomberg

Tatsächlich notiert der britische Leitindex heute stolze 23 Prozent unter seinem Dollar-Hoch aus dem Jahr 2014.

Und das ist nur das äußere Zeichen eines viel tiefer liegenden Problems. Die Unsicherheit rund um die Austrittsverhandlungen schaden den meisten Firmen auf der Insel, und das wird noch einige Jahre so bleiben. Schließlich wird Großbritannien den größten Binnenmarkt der Welt verlassen.

Mit ungewissen Aussichten auf ein neues Handelsabkommen. Einer Statistik zufolge dauert es im Schnitt fast vier Jahre, ein internationales Abkommen auszuhandeln. Gut möglich also, dass sich England und Europa erst im nächsten Jahrzehnt einigen.

Auffällig: Die Rallye an der Londoner Börse von Werten getrieben, die gar nicht besonders viel mit der britischen Wirtschaft zu tun haben. Unter den zehn größten Gewinnern im Leitindex finden sich nicht weniger als fünf Rohstoffriesen, die auf der Insel so gut wie keine Wertschöpfung erzielen, sondern nur ihren Sitz in London haben.
Das sind Glencore, Antofagasta, Anglo America, Rio Tinto und BHP Billiton.

Dazu kommen große Banken- und Finanzkonzerne wie HSBC Holdings.



Verluste in Prozent seit dem Referendum am 23. Juni 2016 (auf Pfund-Basis)
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Auf der Verliererseite stehen dagegen Immobilienunternehmen (British Land) und Einzelhändler (Dixons Carphone, Next), und zur Überraschung mancher sogar Industriekonzerne wie Babcock International, die - so will es die landläufige Meinung - vom schwachen Pfund-Kurs profitieren sollten.

Einen Brexit ohne Reue wird es nicht geben. Weder für Anleger noch für die Beschäftigten auf der Insel

Mittwoch, 8. Februar 2017

So groß sind die Gehaltsunterschiede

Nicht nur innerhalb Europas gibt es beträchtliche Einkommensunterschiede, sondern auch innerhalb Deutschlands, von Bundesland zu Bundesland.

Wie stark das West-Ost-Gehaltsgefälle (immer noch) ist, zeigt jetzt der Gehaltsreport 2017 von Stepstone.

Demnach verdient eine durchschnittliche Fachkraft in Europas größter Volkswirtschaft brutto 57.150 Euro im Jahr (zum aktuellen Kurs umgerechnet sind das ungefähr 61.000 Dollar).

Die besten Einkommensmöglichkeiten gibt es Hessen, wohl nicht zuletzt wegen des europäischen Finanzzentrums Frankfurt a.M. Dort ist ein Gehalt von 62.055 Euro quasi normal.


Quelle: Stepstone.de, eigene Recherche

Das Bundesland mit dem niedrigsten Lohnniveau ist Sachsen-Anhalt. Fach- und Führungkräfte in dem 2,3-Millionen-Einwohner-Land müssen im Mittel mit 41.800 Euro auskommen.

Deutlich unter dem Durchschnitt liegen auch Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. In 27 Jahren Einheit hat sich das Gehaltsniveau in Ost- und West angenähert.
Von einem Gleichstand kann aber keine Rede sein.


Quelle: Stepstone.de, eigene Recherche

Aktuell ist es so, dass ein Experte in Frankfurt fast 50 Prozent mehr verdient als in Magdeburg. Der Historiker in mir muss daran denken, dass beide bedeutende Städte des deutschen Mittelalters sind. Wobei anzumerken ist: In Sachsen-Anhalt ist auch ein Teil der Lebenshaltungskosten deutlich geringer als in Hessen.

Und auch die Work-Life-Balance muss im Osten nicht unbedingt schlechter sein.

Wirtschaftlich gesehen leiden die östlichen Bundesländer nach wie vor unter dem historischen Erbe, dass Weltkonzerne ihren Sitz und viele ihrer Produktionsstätten in der alten Bundesrepublik haben. Einige löbliche Ausnahmen gibt es.

Aber die Schatten von Teilung, Kommunismus und Kaltem Krieg sind lang