Mittwoch, 5. Oktober 2016

Teuer, aber gut

58 Euro oder 2 Euro für die Stunde Maschinenteile zusammensetzen... So unterschiedlich sind die Arbeitskosten in den Volkswirtschaften Europas. Und so unterschiedlich erfolgreich sind die Volkswirtschaften.

Die Schweiz ist der mit Abstand teuerste Produktionsstandort des Kontinents: 60 Minuten Industriearbeit schlagen in der Eidgenossenschaft mit umgerechnet 58 Euro zu Buche. Das teuerste Land der Währungsunion ist Belgien. Eine Stunde Maloche kostet hier 43 Euro.

Deutschland ist der sechstteuerste Produktionsstandort des Kontinents und der zweitteuerste der Eurozone. 41 Euro beträgt der Preis der Arbeit bei uns, gut 3 Euro mehr als in Frankreich. Unter den großen Ökonomien ist keine kostspieliger als die Bundesrepublik.

Zumindest gilt das, wenn man den Westen des Landes als Maßstab nimmt. Von Mecklenburg-Vorpommern bis Sachsen sind die Arbeitskosten um einiges niedriger: Im Schnitt kostet die Arbeitsstunde im Osten nur 26,26 Euro.


Arbeitskosten in Euro pro Stunde 2015
Quelle: IW Köln


Damit ist Industrieproduktion in den neuen Ländern billiger als in Italien, wo 28 Euro pro Stunde anfallen, aber nicht so billig wie in Portugal, dort sind es niedrige 11 Euro. Der alleinige Blick auf die Arbeitskosten führt allerdings nicht weit.

So finden sich die billigsten Fabriken Europas in der Ukraine. Ein Stunde Arbeit kostet in dem großen osteuropäischen Land nur 1,78 Euro, nicht einmal ein Zweiunddreißigstel dessen, was Bosse in der Schweiz berappen müssen!

Selbst in Rumänien ist die Produktion mehr als doppelt so teuer wie in der früheren Sowjetrepublik.

Trotz dieser Kostendiskrepanz sind die eidgenössischen Unternehmen auf den Weltmärkten weitaus erfolgreicher als die ukrainischen oder die rumänischen. Oder als die portugiesischen.


Das sind die billigsten Produktionsstandorte. Ganz am Ende die Ukraine mit weniger als zwei Euro je Stunde
Quelle: IW Köln

Man erkennt: Wettbewerbsfähigkeit ist nicht von (niedrigen) Arbeitskosten abhängig. Vielmehr folgen die Arbeitskosten dem wirtschaftlichen Erfolg, der sich seinerseits aus Produktivität und stabilen Handelsbeziehungen ergibt




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen