Samstag, 3. September 2016

Warum Italien schneller wächst als China

Italien gilt als Musterbeispiel dafür, dass die Mitgliedschaft im Euro ein Land ruinieren kann. Wenn eine Volkwirtschaft nicht effizient genug ist, richtet eine zu starke Währung sie zu Grunde, lautet die These.

Eine einfache Zahl zeigt aber, dass man nicht so einfach von mangelnder Effizienz Italiens oder "der Italiener" reden kann.

Italien hat ähnlich wie Deutschland eine schwache Bevölkerungsentwicklung. Seit dem Jahr 2000 ist die Einwohnerzahl nur um rund sieben Prozent gestiegen. Die Bevölkerung der USA wuchs im gleichen Zeitraum mehr als doppelt so schnell, nämlich um fast 15 Prozent. Rechnet man den demografischen Effekt heraus, ergibt sich ein differenziertes Bild der Leistung.


Quelle: IWF World Economic Outlook

Es stellt sich heraus, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt pro Kopf trotz der technischen Revolution des Internet, die weithin im Silicon Valley spielt, nur etwa um den gleichen Faktor zugelegt hat wie das italienische: 53 Prozent verglichen mit 48 Prozent!

Umgekehrt stieg Italiens Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in absoluten Zahlen seit dem Jahr 2000 - auf Dollarbasis gerechnet - sogar schneller als Chinas.


Quelle: IWF WEO

Dort hat sich das BIP pro Kopf seit 2000 zwar verachtfacht (eine beachtliche Leistung), doch die Euro-Nation steigert ihren Wohlstand von einem weitaus höherem Ausgangsniveau.


Quelle: IWF WEO

Noch heute liegt Italiens Wirtschaftskraft pro Kopf mit rund 30.000 Dollar mehr als dreimal so hoch wie die im Reich der Mitte.

Ohne Frage war das Wachstum südlich der Alpen in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten eines der schwächsten in der westlichen Welt.

Doch das Problem Italiens ist nicht so sehr mangelnde Effizienz, sondern seine Mühen damit, die vorhandene Arbeit (gerecht) auf die Bevölkerung zu verteilen.

Die Jugendarbeitslosigkeit gehört mit 38 Prozent (laut OECD) zu den höchsten der Welt. Obwohl das Pro-Kopf-Wachstum in Deutschland nur unwesentlich stärker war als in Italien, ist die deutsche Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten mit sieben Prozent so niedrig wie kaum irgendwo sonst.

Allerdings wirft die Gegenüberstellung auch ein Licht auf das starke amerikanische Wachstum der vergangenen Jahre: Ein Gros davon ist schlicht einer größer werdenden Zahl von Konsumenten geschuldet.

In Landeswährung sieht die BIP-Entwicklung seit der Jahrtausendwende übrigens so aus:


Quelle: IWF WEO


Was Effizienz und Fortschrittlichkeit angeht, sind die USA ebenso wenig der alle überragende Hightech-Superman der Weltwirtschaft wie Italien der kranke Mann ist.


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