Montag, 19. September 2016

Dieser Graph erklärt den Brexit

Ist Großbritannien eigentlich ein Euro-Krisenland? Den Eindruck könnte man gewinnen, wenn man sich die Reallohnentwicklung auf der Insel anschaut.

Die Inflation eingerechnet hat sich das durchschnittliche Einkommen seit der Finanzkrise in keiner anderen EU-Volkswirtschaft so schlecht entwickelt wie im Vereinigten Königreich!

Nur in den ehemaligen Bubble-Ökonomien Zypern und Griechenland war die Entwicklung noch übler. Spanier und Portugiesen konnten ihre Realeinkommen dagegen steigern - freilich vorausgesetzt sie haben einen Job.

Warum schneidet das Land so schlecht ab, wo es doch eine eigene Währung hat? Nun, nicht zuletzt wegen der Bank von England und ihrer ultraexpansiven Geldpolitik. Der Kaufkraftverlust des Pfundes hat die mageren Lohn- und Gehaltssteigerungen aufgefressen.

Die Arbeitnehmer wiederum hatten offenbar keine Verhandlungsmacht, mit besseren Abschlüssen gegenzuhalten.

Die Preise sind die Einkommen davon geeilt, viel stärker als im Rest der Europäischen Union und in der Währungsunion.


Reallohnentwicklung in Prozent 2008-2015
Quelle: Eurostat, Eurofound


Noch beunruhigender: Die Einkommensverteilung in Großbritannien ist bekannt ungleich, mit der Tendenz zur zunehmenden Spreizung. Man muss also annehmen, dass die unteren Lohnschichten ungleich stärker verloren haben als die oberen. Vielleicht zehn Prozent real?

Das macht die Frustration vieler Engländer vor allem außerhalb der Londoner City verständlich.

Die Balken der Reallohn-Entwicklung erklären das Brexit-Votum mehr als jeder Ärger über vermeintliche Brüsseler-Bürokratie.

Alles eine Frage der Kanalisierung von Frust

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen