Donnerstag, 7. Januar 2016

Warum ich mir um Deutschland (besondere) Sorgen mache

As an exporter nation Germany is especially susceptible to a cooling down of global trade. That's why not only Chinas woes should worry Dax investors, but also the looming Brexit referendum in the UK and the rise of anti-globalist Front National in France.

Die Deutschen sehen ihre Wirtschaft gern als Maß der Dinge für den Rest Europas. Dabei beruht der Erfolg der deutschen Firmen seit der Jahrtausendwende weniger auf einem besonderen deutschen Arbeitsethos oder überlegener Ingenieurskunst. Und auch die im HartzIV-Paradigma eher moderat gestiegenen Arbeitskosten erklären die scheinbare Vorrangstellung nur zum Teil.

Seien wir ehrlich: Deutschland hatte auch Glück: Als große Industriemacht konnte es seine Produkte in der Blütephase der Globalisierung durch Handelsschranken kaum behindert in alle Welt exportieren.

Doch vieles spricht dafür, dass die guten Zeiten vorbei sind.

Die Renationalisierung Europas und der Ruf nach einer Schließung der Grenzen stellt vieles von dem in Frage, wovon die deutsche Wirtschaft besonders profitierte, zum Beispiel den europäischen Binnenmarkt.

Dazu kommt die Ungewissheit, welche Richtung die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, China und die USA, ökonomisch einschlagen werden.

Diese Graphik zeigt, was auf dem Spiel steht: Die vier größten Abnehmer deutscher Waren erwartet 2016 und 2017 womöglich ein politisch-kultureller Umbruch, der die Handelsbeziehungen in Mitleidenschaft ziehen könnte:


Quelle: Destatis

China ist der viertwichtigste Käufer deutscher Produkte. Je holpriger der Umbau des Landes zur Dienstleistungsgesellschaft verläuft, desto schwerer werden es unsere Firmen haben, ihre Wachstumsraten beizubehalten.

Der Januar-Crash an der Börse Schanghai lässt befürchten, dass die Probleme tiefer reichen als bisher bekannt.


Die Aufwärtsdynamik ist dahin: Deutsche Exporte nach China auf Monatsbasis (in Millionen Dollar)
Quelle: Bloomberg


Das Vereinigte Königreich ist unser drittwichtigster Kunde. Sollten sich die Briten im dieses Jahr anstehenden Referendum für ein Ausscheiden aus der EU (Brexit) entscheiden, wird das die Handelsbeziehungen negativ beeinflussen.

Die Warenströme werden zwar nicht völlig kollabieren, wie es zum Beispiel Anfang der 1930er Jahre der Fall war.

Sicher würden die Partner versuchen, eine neue Freihandelszone auszuhandeln. Wie die TTIP-Gespräche zeigen, könnte das sich jedoch dahinziehen.

Die Dynamik des britisch-deutschen Handels wäre damit mit großer Wahrscheinlichkeit auf Jahre gebremst werden.

Nun zu unseren beiden größten Kunden: Die offiziellen Zahlen für 2015 liegen zwar noch nicht vor, volumenmäßig mag Amerika als Abnehmer vor Frankreich gelegen haben, doch die Stimmung in unserem Nachbarland ist ein Gradmesser für Bereitschaft, mit der ökonomischen Integration voranzuschreiten.

Wegen der konjunkturellen Schwierigkeiten im eigenen Land haben die Franzosen zuletzt ohnehin weniger deutsche Waren nachgefragt.

Sollte sich abzeichnen, dass Marine LePen von der rechtspopulistischen Partei Front National FN Chancen hat, 2017 die Präsidentschaftswahl zu gewinnen, wird das den europäischen Binnenmarkt und den deutsch-französischen Handel weiter zurückwerfen.


Deutsche Exporte nach Frankreich auf Monatsbasis (in Millionen Dollar)
Quelle: Bloomberg


Der Euro geht nicht zuletzt auf französische Initiativen zurück. Ein neuer Wirtschaftsnationalismus in Frankreich würde die Existenz der Währungsunion folglich in Frage stellen. Da könnte dann auch die EZB nicht mehr viel ausrichten.

Und auch über dem deutsch-amerikanischen Handel hängt ein Damoklesschwert. Die Chancen von Polit-Rabauken Donald Trump, nächster Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, mögen aus jetziger Sicht gering sein. Doch wenn der Immobilientycoon gut abschneidet, könnte der Gewinner der Wahl, wer auch immer es sein mag, sich jedoch gezwungen sehen, einem Teil von Trumps populistischen Forderungen zu erfüllen.

Kein Wunder, dass der Dax schwächer ins Jahr gestartet ist als alle anderen großen Indizes. Für die Handelsnation Deutschland geht es um sehr viel


Fehlstart ins Jahr:
Kursveränderung in der ersten Handelswoche 2016  in Prozent


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