Montag, 25. Januar 2016

Das Geld reicht länger als das Öl

Der niedrige Ölpreis treibt alle Petro-Staaten in die Pleite. Bei diesen Notierungen können die schon lange nicht mehr rentabel produzieren. Das liest man derzeit oft. Die Wahrheit ist: Selbst wenn das Fass (159 Liter) am Weltmarkt nur 30 Dollar erbringt, wie es dieser Tage der Fall war, macht die Mehrzahl der Produzenten noch Gewinn.

In den meisten Ölförder-Ländern rangieren die laufenden Kosten der Produktion bei deutlich unter der Marke von 30 Dollar.

Saudi-Arabien schafft es, das schwarze Gold für ein paar Dollar aus der Erde zu holen, und auch im Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Förderung nicht viel teurer. Diese Staaten am Persischen Gold produzieren also weiter profitabel, auch wenn das Plus nicht mehr so dick ist wie früher.  

Auch Russland ist weit davon entfernt, beim Verkauf des fossilen Brennstoffs Verluste zu machen. In den Weiten des Landes liegen die Grenzkosten bei 18 Dollar. Das gilt freilich nicht für Öl aus der Arktis, dessen Förderkosten bei enormen 120 Dollar liegen. 


Quelle: www.knoema.com


Schwer mitzuhalten wird es auf dem Weltmarkt für das afrikanische Angola, das offshore 40 Dollar aufwenden muss, um den fossilen Brennstoff zu pumpen. 

Die Amerikaner können traditionell gewonnenes Öl für 17 Dollar aus der Erde holen. Klar ist aber auch, dass den US-Frackern das Wasser bis zum Hals steht. Die Hydraulic-Fracturing-Methode ist aufwändig und teuer. Experten sprechen von 70 Dollar. (Allerdings können die unkonventionellen Hersteller teils von Schieferöl auf Schiefergas umstellen, was ihre Lebenserwartung verlängert.)

Schlechte Karten hat Brasilien: Die Südamerikaner produzieren den Barrel auf ihren Bohrinseln für hohe 80 Dollar. 

Teurer ist nur noch kanadisches Öl aus Ölsanden. 

Wir lernen daraus, dass in den kommenden Monaten nicht mit Staatspleiten zu rechnen ist. Für die US-Frackingfirmen allerdings könnte es eng werden. Klar ist aber auch, dass Petro-Staaten wie Saudi-Arabien und Russland ihre bisherigen Haushaltsplanungen makulieren können. 

Denn die Ausgabenpläne etwa für Rüstung und Soziales beruhen noch auf ganz anderen Ölpreis-Prognosen.

Klar ist auch: Sollte Öl noch lange so billig bleibt, lohnen sich für kaum einen der Petro-Staaten noch Neu-Investitionen in die Förderung des schwarzen Goldes. Die Deutsche Bank schätzt, dass die sich erst wieder ab einem Preis von 50 Dollar rechnen.

Wohl dem, dessen Geschäftsmodell und Ideen länger reichen als die Rohstoffreserven


Fracking hat Amerika zum größten Ölproduzenten der Welt gemacht. Doch bei dem Preis lohnt sich die Förderung für die kleinen und mittelgroßen Produzenten nicht mehr
Quelle: Internationale Energieagentur (IEA)








1 Kommentar:

  1. Hallo Daniel,

    interessanter Artikel. Ich habe ebenfalls ein paar Dinge zu diesem Thema aufgeschrieben: http://fgcapital.de/private-oelfoerder-vs-staatliche-oelfoerderer/

    Wie siehst Du die Ölpreise Ende 2016?

    BG

    FLI

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