Donnerstag, 28. Januar 2016

Dividendenstars, Dividendensternchen und Dividendensternschnuppen

Die eigentliche Dividendensaison beginnt erst im April, aber die Schätzungen der Firmen-Aalysten erlauben bereits jetzt einen ziemlich guten Überblick, was Aktionäre erwarten dürfen, und das ein gutes Jahr.

Von den 30 Dax-Werten werden voraussichtlich 26 ihre Ausschüttung anheben, zwei werden sie gleich belassen, ein Unternehmen wird sie senken und eines sie ausfallen lassen.

Das schwarze Schaf des Dividendenjahres 2016 ist die Deutsche Bank, die als einzige Dax-Firma ihren Aktionären keine Gewinnbeteiligung zahlt.

Was allerdings nicht weiter verwundert, da es im zurückliegenden Geschäftsjahr keinen Gewinn gab, sondern einen saftigen Verlust von 6,8 Milliarden Euro. Zumindest ist das der momentane Stand.
Vor einer Woche haben die Frankfurter das Minus noch auf 6,7 Milliarden beziffert. Hundert Millionen Euro Fehlbetrag als Peanuts gewissermaßen.

Auch E.on hat einen Verlust gemacht, zahlt aber trotzdem Dividende. Der Versorger schüttet quasi aus einem leeren Füllhorn aus. Man muss sich das so vorstellen, als würden Teile des Füllhorns selbst versilbert. Auf solche Dividenden ist nicht viel zu geben, sie schmälern die Substanz.


Bei den meisten Dax-Werten (18 von 30) sind die Dividenden schneller gestiegen als die Kurse

Nun aber zu den Positivbeispielen: Eine ausgeprägte Dividendendynamik finden wir dieses Jahr bei HeidelbergCement, ThyssenKrupp, Daimler und Vonovia. Auch Continental, Fresenius und K+S warten mit schönen zweistelligen Steigerungsraten auf.

Neben dem Totalausfall Deutsche Bank sticht nur noch RWE negativ heraus: Die Essener werden die Dividende wohl um die Hälfte auf nur noch 0,50 Euro je Aktie senken.

Deutsche Börse und E.on dürften die Ausschüttung gleich belassen. Lufthansa und Commerzbank zahlen nach Ausschüttungspause wieder, die im Fall der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank freilich sieben lange Jahre währte.


Quelle: eigene Recherche



Optimistisch stimmt mich, dass die meisten Dax-Werte heute eine höhere Dividendenrendite haben als vor einem Jahr. Das lässt darauf schließen, dass die Kurse den Gewinnen eben nicht davon gelaufen sind. Glück auf, Aktionäre!







Montag, 25. Januar 2016

Das Geld reicht länger als das Öl

Der niedrige Ölpreis treibt alle Petro-Staaten in die Pleite. Bei diesen Notierungen können die schon lange nicht mehr rentabel produzieren. Das liest man derzeit oft. Die Wahrheit ist: Selbst wenn das Fass (159 Liter) am Weltmarkt nur 30 Dollar erbringt, wie es dieser Tage der Fall war, macht die Mehrzahl der Produzenten noch Gewinn.

In den meisten Ölförder-Ländern rangieren die laufenden Kosten der Produktion bei deutlich unter der Marke von 30 Dollar.

Saudi-Arabien schafft es, das schwarze Gold für ein paar Dollar aus der Erde zu holen, und auch im Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Förderung nicht viel teurer. Diese Staaten am Persischen Gold produzieren also weiter profitabel, auch wenn das Plus nicht mehr so dick ist wie früher.  

Auch Russland ist weit davon entfernt, beim Verkauf des fossilen Brennstoffs Verluste zu machen. In den Weiten des Landes liegen die Grenzkosten bei 18 Dollar. Das gilt freilich nicht für Öl aus der Arktis, dessen Förderkosten bei enormen 120 Dollar liegen. 


Quelle: www.knoema.com


Schwer mitzuhalten wird es auf dem Weltmarkt für das afrikanische Angola, das offshore 40 Dollar aufwenden muss, um den fossilen Brennstoff zu pumpen. 

Die Amerikaner können traditionell gewonnenes Öl für 17 Dollar aus der Erde holen. Klar ist aber auch, dass den US-Frackern das Wasser bis zum Hals steht. Die Hydraulic-Fracturing-Methode ist aufwändig und teuer. Experten sprechen von 70 Dollar. (Allerdings können die unkonventionellen Hersteller teils von Schieferöl auf Schiefergas umstellen, was ihre Lebenserwartung verlängert.)

Schlechte Karten hat Brasilien: Die Südamerikaner produzieren den Barrel auf ihren Bohrinseln für hohe 80 Dollar. 

Teurer ist nur noch kanadisches Öl aus Ölsanden. 

Wir lernen daraus, dass in den kommenden Monaten nicht mit Staatspleiten zu rechnen ist. Für die US-Frackingfirmen allerdings könnte es eng werden. Klar ist aber auch, dass Petro-Staaten wie Saudi-Arabien und Russland ihre bisherigen Haushaltsplanungen makulieren können. 

Denn die Ausgabenpläne etwa für Rüstung und Soziales beruhen noch auf ganz anderen Ölpreis-Prognosen.

Klar ist auch: Sollte Öl noch lange so billig bleibt, lohnen sich für kaum einen der Petro-Staaten noch Neu-Investitionen in die Förderung des schwarzen Goldes. Die Deutsche Bank schätzt, dass die sich erst wieder ab einem Preis von 50 Dollar rechnen.

Wohl dem, dessen Geschäftsmodell und Ideen länger reichen als die Rohstoffreserven


Fracking hat Amerika zum größten Ölproduzenten der Welt gemacht. Doch bei dem Preis lohnt sich die Förderung für die kleinen und mittelgroßen Produzenten nicht mehr
Quelle: Internationale Energieagentur (IEA)








Sonntag, 17. Januar 2016

Russland und China: Schicksal und Entscheidung

Es waren einmal zwei kommunistische Supermächte, die eines Tages nicht mehr kommunistisch sein wollten, oder sein konnten. Und schon begannen ihre wirtschaftlichen Schicksale zu divergieren.

Das ist jetzt ein Vierteljahrhundert her. Beide sind heute militärische Kolosse von Weltgeltung. Doch die Volkswirtschaften könnten unterschiedlicher kaum sein. Die eine wurde zur ökonomischen Supermacht, die andere zum globalen Rohstofflieferanten.

Die beiden Mächte sind natürlich Russland und China.

Nach dem Fall der Mauer wurden die weltwirtschaftlichen Karten für beide Länder neu gemischt.
Nur wenige prophetisch veranlagte Menschen werden von sich behaupten können, schon 1990 vorhergesagt zu haben, dass sich die Volksrepublik anschicken würde, die Vereinigten Staaten binnen einer Generation als größte Volkswirtschaft der Welt abzulösen.

In Kaufkraft gemessen ist die chinesische Ökonomie seit 2014 größer als die amerikanische, und selbst ohne diese Adjustierung ist das Volumen des chinesischen Bruttoinlandsprodukts mit 2016 schätzungsweise zwölf Billionen Dollar imposant.

Das Gros der Beobachter nahm noch Mitte der Neunzigerjahre an, dass China in der Weltwirtschaft allenfalls als Produktionsstätte für das technologisch weit überlegene Japan eine Rolle spielen würde. Doch Chinas Führung hat, beginnend mit den Sonderwirtschaftszonen, die richtigen Entscheidungen getroffen.


Chinas Wirtschaft ist heute fast zehn Mal so groß wie die Russlands
Quelle: World Economic Outlook


Auch in der Kaufkraft-bereinigten Rechnung fällt Russland zurück
Quelle: IWF


Russland hingegen wurde nach Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991 als ökonomische Supermacht in Wartestellung gehandelt. Das größte Land der Welt hat mit 17,1 Millionen Quadratkilometer mehr Fläche als der Zwergplanet Pluto und gilt als so ressourcenreich wie kein anderer Staat.

Im Jahr 1980 maß die Wirtschaftskraft der UdSSR 1.205 Milliarden Dollar, das war fast dreimal so viel wie das, was Rot-China auf die Waage brachte und nur etwas weniger als die Hälfte der amerikanischen Bruttosozialprodukts! Die Sowjetunion brauchte sich auch technologisch lange nicht zu verstecken, woran uns der 60. Jahrestag des Sputnik-Schock 2017 bald erinnern wird.

Doch so wie es aussieht, hat Russland nach dem Fall des Kommunismus wichtige Weichenstellungen verschlafen. Noch immer stellen Öl und Gas knapp 60 Prozent Exporte, was sich in der jetzigen Phase der Rohstoff-Baisse als hoch problematisch erweist.

Die Volksrepublik hingegen ist vom armen Agrarland zur weltgrößten Exportnation aufgestiegen, mit einer breiten Palette von Ausfuhr-Produkten, nicht zuletzt im Hightech-Bereich. Als nächste Stufe wir China den Aufstieg zu einer Dienstleistungsnation versuchen.

Der Computer, an dem ich dies schreibe, stammt ebenso aus dem Reich der Mitte wie mein iPhone.

Ob sich Russland, die militärische Supermacht, ökonomisch neu erfinden kann? Und einen neuen Sputnik startet? Tempus fugit


Auf Schrumpfkurs
Quelle: IWF


Die Zahlen zur Wirtschaftskraft im Jahr 1980 beziehen sich auf das Bruttosozialprodukt. Quelle: Paul Kennedy: Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärische Konflikte von 1500-2000. 
Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch. 5. Auflage 2005

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Verlierer von heute werden die Verlierer von morgen sein

In der Bibel, bei Matthäus, heißt es: Die Letzten werden die Ersten sein. Doch wenn die Angst der Anleger berechtigt ist, dass der Welthandel 2016 kontrahiert, wird es der Börse genau anders kommen: Die Verlierer von heute werden die Verlierer von morgen sein.

Die Titel, die in den ersten Handelstagen am tiefsten in den roten Bereich rutschten, werden auch Ende des Jahres vor roten Vorzeichen starren. Zur Erinnerung: Der Deutsche Aktienindex Dax hat allein vom 4. bis zum 7. Januar 8,3 Prozent verloren, soviel wie noch nie in der ersten Handelswoche eines Jahres.

Der europäische EuroStoxx50 verlor 7,7 Prozent, nach einem Plus von 8,4 Prozent im gesamten Börsenjahr 2015 (Dividende eingerechnet).



Quelle: Bloomberg

Die größten Minus-Macher im europäischen Leitindex lassen bereits ein Muster erkennen: Ganz oben auf der Verliererliste stehen (frühere) Globalisierungsgewinner, Energiekonzerne, vor allem die kapitalschwachen unter ihnen, sowie Banken.

Beunruhigend: Sechs der größten Verlierer im europäischen Leitindex stammen aus Deutschland, allen voran aus unserer Vorzeige-Branche, der Automobilindustrie. In diesem Sektor stehen und fallen die Gewinnerwartungen mit China, das zum größten Kfz-Markt der Welt geworden ist.
Vergangenes Jahr wurden schätzungsweise 26 Millionen Neuwagen verkauft!

Die französische Großbank Société Générale hat die europäischen Unternehmen aufgelistet, deren Geschäft an der chinesischen Konjunktur hängt: Eine besonders hohe China-Abhängigkeit haben gemessen am Umsatz die Rohstoff-Konzerne Rio Tinto (38 Prozent!) und BHP Billiton (35 Prozent!), die beide an der Londoner Börse notiert sind.

Der deutsche Autohersteller BMW erzielt beachtliche 19 Prozent seiner Erlöse im Reich der Mitte.

Insgesamt stark in Asien engagiert sind das Finanzhaus Standard Chartered (68 Prozent des Geschäfts entfällt auf Fernost), die Luxusgüter-Hersteller Richemont (47 Prozent) und Hermès (46 Prozent) sowie der Motorenbauer Rolls-Royce (44 Prozent).

Allerdings gilt auch: Wenn sich die China-Ängste als überzogen erweisen, locken bei diesen Werten auch die höchsten Erholungseffekte. In der Bibel steht auch: Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet

Rund sechs Prozent der deutschen Exporte gehen nach China. Die USA, Frankreich, England und sogar die Niederlande sind als Handelspartner wichtiger. Doch die größte Dynamik ging in den vergangenen Jahren klar vom Reich der Mitte aus
Quelle: ING

Donnerstag, 7. Januar 2016

Warum ich mir um Deutschland (besondere) Sorgen mache

As an exporter nation Germany is especially susceptible to a cooling down of global trade. That's why not only Chinas woes should worry Dax investors, but also the looming Brexit referendum in the UK and the rise of anti-globalist Front National in France.

Die Deutschen sehen ihre Wirtschaft gern als Maß der Dinge für den Rest Europas. Dabei beruht der Erfolg der deutschen Firmen seit der Jahrtausendwende weniger auf einem besonderen deutschen Arbeitsethos oder überlegener Ingenieurskunst. Und auch die im HartzIV-Paradigma eher moderat gestiegenen Arbeitskosten erklären die scheinbare Vorrangstellung nur zum Teil.

Seien wir ehrlich: Deutschland hatte auch Glück: Als große Industriemacht konnte es seine Produkte in der Blütephase der Globalisierung durch Handelsschranken kaum behindert in alle Welt exportieren.

Doch vieles spricht dafür, dass die guten Zeiten vorbei sind.

Die Renationalisierung Europas und der Ruf nach einer Schließung der Grenzen stellt vieles von dem in Frage, wovon die deutsche Wirtschaft besonders profitierte, zum Beispiel den europäischen Binnenmarkt.

Dazu kommt die Ungewissheit, welche Richtung die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, China und die USA, ökonomisch einschlagen werden.

Diese Graphik zeigt, was auf dem Spiel steht: Die vier größten Abnehmer deutscher Waren erwartet 2016 und 2017 womöglich ein politisch-kultureller Umbruch, der die Handelsbeziehungen in Mitleidenschaft ziehen könnte:


Quelle: Destatis

China ist der viertwichtigste Käufer deutscher Produkte. Je holpriger der Umbau des Landes zur Dienstleistungsgesellschaft verläuft, desto schwerer werden es unsere Firmen haben, ihre Wachstumsraten beizubehalten.

Der Januar-Crash an der Börse Schanghai lässt befürchten, dass die Probleme tiefer reichen als bisher bekannt.


Die Aufwärtsdynamik ist dahin: Deutsche Exporte nach China auf Monatsbasis (in Millionen Dollar)
Quelle: Bloomberg


Das Vereinigte Königreich ist unser drittwichtigster Kunde. Sollten sich die Briten im dieses Jahr anstehenden Referendum für ein Ausscheiden aus der EU (Brexit) entscheiden, wird das die Handelsbeziehungen negativ beeinflussen.

Die Warenströme werden zwar nicht völlig kollabieren, wie es zum Beispiel Anfang der 1930er Jahre der Fall war.

Sicher würden die Partner versuchen, eine neue Freihandelszone auszuhandeln. Wie die TTIP-Gespräche zeigen, könnte das sich jedoch dahinziehen.

Die Dynamik des britisch-deutschen Handels wäre damit mit großer Wahrscheinlichkeit auf Jahre gebremst werden.

Nun zu unseren beiden größten Kunden: Die offiziellen Zahlen für 2015 liegen zwar noch nicht vor, volumenmäßig mag Amerika als Abnehmer vor Frankreich gelegen haben, doch die Stimmung in unserem Nachbarland ist ein Gradmesser für Bereitschaft, mit der ökonomischen Integration voranzuschreiten.

Wegen der konjunkturellen Schwierigkeiten im eigenen Land haben die Franzosen zuletzt ohnehin weniger deutsche Waren nachgefragt.

Sollte sich abzeichnen, dass Marine LePen von der rechtspopulistischen Partei Front National FN Chancen hat, 2017 die Präsidentschaftswahl zu gewinnen, wird das den europäischen Binnenmarkt und den deutsch-französischen Handel weiter zurückwerfen.


Deutsche Exporte nach Frankreich auf Monatsbasis (in Millionen Dollar)
Quelle: Bloomberg


Der Euro geht nicht zuletzt auf französische Initiativen zurück. Ein neuer Wirtschaftsnationalismus in Frankreich würde die Existenz der Währungsunion folglich in Frage stellen. Da könnte dann auch die EZB nicht mehr viel ausrichten.

Und auch über dem deutsch-amerikanischen Handel hängt ein Damoklesschwert. Die Chancen von Polit-Rabauken Donald Trump, nächster Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, mögen aus jetziger Sicht gering sein. Doch wenn der Immobilientycoon gut abschneidet, könnte der Gewinner der Wahl, wer auch immer es sein mag, sich jedoch gezwungen sehen, einem Teil von Trumps populistischen Forderungen zu erfüllen.

Kein Wunder, dass der Dax schwächer ins Jahr gestartet ist als alle anderen großen Indizes. Für die Handelsnation Deutschland geht es um sehr viel


Fehlstart ins Jahr:
Kursveränderung in der ersten Handelswoche 2016  in Prozent


Dienstag, 5. Januar 2016

Vorsicht vor diesen Lieblingen

Roche Holding, Daimler, Richemont, Axa, Prudential, and Barclays are analysts' darlings among European equities. These stocks have the highest percentage of buy recommendations at the beginning of 2016. In the past beingt that popular was almost almost a guarantee for bad performance in the months to come.

Ja, als Individuen sind wir klug, als Kollektiv sind wir dumm, ziemlich dumm. Das gilt für Banker, aber auch für Journalisten. 

Doch Dummheit bietet auch Chancen - zumindest für die, die der Dummheit nicht hinterherlaufen. Zugegeben, letztes Jahr hat es nicht funktioniert, aber in den meisten Zeiträumen können Anleger gute Rendite machen, wenn sie exakt das Gegenteil von dem tun, was ihnen die Gesamtheit der Analysten rät. 

Gemäß der Kontra-Strategie sollten Anleger auch bei den aktuellen Favoriten der Branchenexperten Vorsicht walten lassen und 2016 eher auf die Underdogs setzen. 

Die Darlings der Analysten im Dax sind derzeit, gemessen am Anteil der Kaufempfehlungen: Daimler, HeidelbergCement, Deutsche Telekom, SAP und Infineon. Bei diesen Titeln sind die Erwartungen hoch - und folglich auch das Enttäuschungspotenzial. 

Im HDax der 110 größten Firmen zählen neben Daimler der Cloud-Dienstleister Cancom, der Automobilzulieferer Hella KGaA, das Biotech-Unternehmen Evotec und das Fintech-Unternehmen Wirecard zu den Schätzchen der Zunft. 


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Umgekehrt sind die "hässlichen Entlein" einen Blick wert: Im Dax sind das (abgesehen von dem Versorgern RWE, der sich als Unternehmen neu erfinden muss): Volkswagen, BASF, Lufthansa, K+S und Deutsche Bank.

Bei diesen Firmen sind die Erwartungen niedrig, positive Überraschungen könnten den Kurs nach oben katapultieren. 

Im HDax bringen es Kabel Deutschland, Hannover Rück, MAN, Kuka und Pfeffer Vacuum auf fast gar keine oder nur wenige Kaufempfehlungen. So groß wie die Skepsis ist, müssten sich diese Werte dieses Jahr besser entwickeln als der Index


Rating von Bloomberg: 5=höchster Wert (ausschließlich Kaufempfehlungen), 1=niedrigster Wert

Die unbeliebtesten Aktien auf europäischer Ebene sind Anfang 2016 der Chemieriese BASF aus Deutschland, der Energienetzbetreiber National Grid und das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline aus Großbritannien, der Maschinenbauer ABB und die Versicherung Zurich Insurance aus der Schweiz sowie der Energiekonzern ENI aus Italien.

Extrem populär sind dagegen neben Daimler die schweizerischen Konzerne Roche Holding (Pharma) und Richemont (Luxus), die französische Axa (Versicherung) sowie Prudential und Barclays (Finanzen) aus dem Vereinigten Königreich

Samstag, 2. Januar 2016

Aufsteiger und Absteiger

2015 war das Jahr Amerikas, und alles deutet darauf hin, dass auch 2016 ein amerikanisches Jahr werden wird. Die Vereinigten Staaten stellen jetzt, gemessen an der Marktkapitalisierung, mehr Unternehmen unter den Top-100 als alle anderen Nationen zusammen, nämlich 55!

Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, China, ist mit elf Unternehmen unterdurchschnittlich vertreten. Darin spiegelt sich, dass die chinesischen Firmen zwar im heimischen Markt groß sind, oft aber noch keine weltweite Präsenz haben.

Nach dem zwischenzeitliche Börsenboom sind die Firmen aus dem Reich der Mitte im Jahr 2015 abgerutscht. Sie gehören zu den größten Verlierern der vergangenen zwölf Monate.

Die in der Ersten Liga der Weltwirtschaft vertretenen fünf Euro-Staaten Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Spanien bringen 13 Unternehmen in die Top-100 und damit mehr als die Volksrepublik mit ihren 1,3 Milliarden Einwohnern.

Die anderen BRIC-Mächte Brasilien, Russland und Indien sucht man vergebens.

Die Bundesrepublik bringt es mit sechs Unternehmen inzwischen auf fast so viele Firmen wie Großbritannien, das Mutterland des Kapitalismus.


Quelle: Bloomberg, Google Finance, eigene Recherche

In der Spitzengruppe hat es in den vergangenen zwölf Monaten markante Verschiebungen gegeben: Abgestiegen sind neben den Chinesen vor allem Energiefirmen: ExxonMobil ist von Rang zwei auf Rang fünf abgerutscht, Royal Dutch Shell von 24 auf Rang 42, BP rangiert nur noch an Position 70, die französische Total an Position 59. Der Verfalls der Rohstoffpreise fordert ihren Tribut.

Die Bergwerkskonzerne BHP Billiton und Rio Tinto, einst Riesen des globalen Kapitals, sind aus der Börsen-Oberliga ganz verschwunden.

Aufgestiegen und zwar rasant, sind dagegen Technologieunternehmen, neben AT&T vor allem der Internetkonzern Amazon, der von Platz 35 auf sechs nach oben schoss.


Rot: Absteiger des Jahres 2015, die immer noch unter den Top-20 sind
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Das größte deutsche Unternehmen war Ende der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer mit einem Börsenwert von 96 Milliarden Euro (umgerechnet 104 Milliarden Dollar) auf Rang 66 der Weltrangliste, gefolgt von SAP und Daimler


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche