Montag, 14. Dezember 2015

Sie haben den Daumen gesenkt

Diesmal sind sich die Banker ziemlich sicher. Und sie scheinen sich einig wie selten: 2016 wird ein dunkles Jahr für Gold: Wall-Street-Häuser wie Goldman Sachs sagen das schon lange voraus: Die Marke von 1000 Dollar wird fallen. Sie bekommen vielleicht nicht Recht. Aber sie bekommen Gesellschaft.


Die Gold-Konsensprognose der Analysten für das Jahr 2016. Anfänglich stabil, ist sie zuletzt abgesackt
Quelle: Bloomberg


In Deutschland haben sich nun einige Institute dem Reigen der US-Goldpessismisten angeschlossen. Darunter die Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim. Hauptbegründung ist die Erwartung steigender Zinsen in den USA und damit einhergehend die eines weiter steigenden Dollar.

Das zins- und dividendenlose Gold verliert durch die näher rückende Zinserhöhung in den USA weiter an Attraktivität. Wir empfehlen daher weiterhin, Gold zu verkaufen.

Die Experten der DZ Bank sehen den Unzenpreis in den nächsten zwölf Monaten aus ähnlichen Gründen auf 950 Dollar abrutschen. Ironischerweise müssen die Genossen sogar einräumen, dass höhere Leitzinsen dem edlen Metall in der Vergangenheit nicht schadeten, sondern eher zugute kamen. Diesmal sei das jedoch anders:

Wir haben einen Blick in die Vergangenheit geworfen und festgestellt, dass der Goldpreis in den letzten sechs Zinsanstiegszyklen im Durchschnitt leicht anstieg. So zog die Goldnotiz sechs Monate nach vollzogener Leitzinswende um durchschnittlich 3% an. [Doch] waren nach oben gerichtete Zinswenden in der Vergangenheit oftmals auch von der Erwartung eines spürbaren Inflationsanstiegs gekennzeichnet. Dies ist im aktuellen Umfeld nicht der Fall.

In früheren Zyklen habe zudem ein schwächeren Dollar dem Goldpreis auf die Beine geholfen. Damit sei 2016 nicht zu rechnen. Als Sargnagel führen sie am Ende an, dass die private Nachfrage nach dem Glänzenden sich enttäuschend entwickele.

Den Deutschen sekundiert die französische Großbank Société Générale, die einst den Superzyklus bei den Rohstoffen propagierte und nun feststellt, in einem Jahr, in dem die US-Notenbank Fed drei Mal den Leitzins erhöht, werde es das Edelmetall schwer haben. Das Kursziel der SocGen-Spezialisten: magere 955 Dollar je Feinunze.

Haben die Banken also recht und jetzt ist die Zeit, sich von Gold zu verabschieden? Ich halte dagegen und sage: Nein, jetzt ist die Zeit, Gold zu kaufen.

Erstens wird der Greenback nicht so stark werden, wie die meisten Beobachter kolportieren. Zweitens ist Gold nicht nur und vielleicht nicht einmal in erster Linie ein Inflationsschutz. Das gelbe Metall bietet vor allem eine Absicherung gegen Finanzkrisen, und eine neue Finanzkrise wird durch steigende Sätze wahrscheinlicher. Es ist einfach zuviel leverage im System

Schließlich sind da die Zentralbanken. China, Russland, die Türkei und andere Schwellenländer sind eifrig dabei, ihre Bestände aufzustocken. Und die Währungshüter haben in einer Zeit drohender Devisenkriege gute Gründe, das zu tun und ihre Reserven zu diversifizieren. Geopolitische Spannungen würden den Aufbau einer Kriegskasse noch beschleunigen.





Quelle: World Gold Council

Wenn die Bankanalysten den Daumen senken, ist das kein Grund für Gold-Fans, den Kopf zu senken

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