Mittwoch, 2. Dezember 2015

Ein schwieriges Jahr

Das Jahr geht langsam zu Ende, und schon jetzt steht fest: 2015 wird Anlegern als schwieriges Jahr in Erinnerung bleiben. Ohne Aktien war es nahezu unmöglich, einen nennenswerten Wertzuwachs im Geldvermögen zu erzielen. Aber das ist nicht das einzige, das die Erinnerung trübt.

Auch anderen liquiden Vermögensgegenstände Anleihen, Gold und Silber brachten Ertrag nur im Austausch gegen Angstschweiß. Ohne Verlust ging es nur bei Tagesgeld und dem guten alten Sparbuch ab.

Doch wird der konservative Sparer, der sein Geld zur Bank trägt, am Ende für 10.000 Euro kaum mehr als 40 Euro Zins eingefahren haben. Von Rendite kann man da kaum noch reden. Denn mit einer solche Rendite ließe sich keine Rente bestreiten.

Hier die Übersicht:


Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Der Deutsche Aktienindex Dax wird dieses Jahr, wie die meisten europäischen Indizes, zweistellige Erträge einfahren, doch das Plus ist teuer erkauft worden: mit vielen schlaflosen Nächten, vor allem im Spätsommer und Frühherbst des Jahres.

Rendite erkauft mit viel Angstschweiß gilt auch für den Weltaktienindex MSCI World, der in Euro gerechnet 16 Prozent höher steht als Anfang des Jahres.

Doch über diese Gewinne dürften sich nur die freuen, die so klug waren, Ende 2014 einzusteigen und seither "die Füße still zu halten".

Wer sich wie ein Fähnlein im Winde von der Medienberichterstattung hinreißen ließ, hat mit großer Wahrscheinlichkeit eine deutlich schlechtere Bilanz.

Der unglücklichselige Trader hat Anfang 2015 im Hoch der Aktieneuphorie gekauft und im Herbst alarmiert von Crash-Warnstufen wie dem Baltic Dry Index, Doctor Copper etc. verkauft.

Für seine Wankelmütigkeit hat der unglücklichselige Trader gewissermaßen hoch verdient eine "Trottelrendite" von minus 24 Prozent eingefahren.

Gleichwohl sollte festgehalten werden, dass 2015 unter dem Strich ein gutes Aktien-Jahr war. Über jetzt 16 Prozent wird sich niemand beklagen, und vielleicht werden es bis Silvester ja noch 20 Prozent.

Anders sieht es schon bei Anleihen und Edelmetallen aus. Gold und Silber haben in Euro gerechnet nur drei Prozent zugelegt.


Goldkurs in Euro - Fast zurück auf Los nach zwölf Monaten
Quelle: Bloomberg


Damit brachten sie zwar mehr als Tagesgeld und das Sparbuch. Doch der Preis dafür war nicht von schlechten Eltern. Im Fall von Gold lag die Trottelrendite (Einstieg am Hoch, Ausstieg am Tief) bei schmerzlichen minus 15 Prozent und damit höher als bei internationalen Aktien (minus 14 Prozent).

Die knapp drei Prozent von Silber wurden noch teurer bezahlt: Der Silber-Timing-Trottel geht mit minus 24 Prozent nach Hause, mit ebenso viel wie dem Dax-Timing-Trottel.

Nur ist der Edelmetall-Investor vielleicht bereit, das in Kauf zu nehmen, können Silber und Gold in guten Jahren doch locker zweistellig zulegen und ansonsten mental als Versicherung gegen den größten anzunehmenden Unfall verbucht werden.

Deprimierend ist die Bilanz des Jahres für Halter von Staatsanleihen. Bei einem Zins von null oder unter null ist bei den meisten Bundespapieren weder über den Kupon (die Zinszahlungen), noch über Kursgewinne viel zu erwarten.

So haben Anleger aus deutschen Staatsanleihen zwischen Januar und Dezember einen Mini-Ertrag von 1,1 Prozent gezogen. Daran gemessen nimmt sich ein Maximalverlust von 2,8 Prozent - obgleich numerisch klein - ziemlich krass aus.

Was die Sache noch schlimmer macht: Die Renten-Trottelrendite von minus 2,8 Prozent versteht sich als Mittelwert von Papieren sämtlicher Fälligkeiten. Einzelne Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit (zum Beispiel WKN 110237) knickten um acht Prozent ein.

Bei Unternehmensanleihen großer Emittenten betrug der Maximalverlust übrigens 3,5 Prozent, bei einem Gesamtertrag von 0,1 Prozent per annum.


Quelle: Bloomberg, Consorsbank, eigene Berechnungen

Und im neuen Jahr könnte sich die Chance/Risiko-Relation bei Bunds weiter verschlechtern. Wehe, wenn die Zinswende kommt. Falls die Zinswende kommt.

Einiges deutet darauf hin, dass 2016 ein noch schwierigeres Jahr werden wird als 2015

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