Dienstag, 8. Dezember 2015

Ehrenrettung der Analysten

Ich muss Abbitte leisten. Über die Jahre habe ich oft moniert (sagen wir ruhig herumgegrantelt), dass die kollektive Intelligenz der Analysten keinen müden Pfifferling wert ist. Meist macht man besser genau das Gegenteil. Aber dieses Jahr ist alles anders:

Die Empfehlungen der Profis brachten einen Mehrwert!

Wer Ende 2014 auf die zehn Dax-Aktien mit den positivsten Analystenkommentaren (den prozentual meisten Kaufempfehlungen) setzte, konnte 11,7 Prozent Rendite einfahren. Aus einem Anfangswert von 10.000 Euro, gleichmäßig verteilt auf die zehn Favoriten, wurden stattliche 11.165 Euro.


Die Dax-Aktien mit den meisten Kaufempfehlungen stiegen 2015 im Durchschnitt um 11,7 Prozent
Quelle: Bloomberg

Das war mehr, als der Leitindex insgesamt brachte, nämlich rund zehn Prozent (Stand: 7.12.15). Die Prognostiker trafen ins Schwarze, als sie Dax-Titeln wie Daimler, Fresenius SE, Continental, SAP und Lanxess für 2015 eine gute Entwicklung vorhersagten. Einen Fehlgriff gab es bei den Kauf-Empfehlungen freilich auch. Auf den kommen wir später noch zurück.

Ein noch bemerkenswerteres Ergebnis liefert die Gegenprobe.

Wer zu gleichen Teilen auf die zehn am schlechtesten bewerteten Dax-Papiere setzte, neben E.on und RWE waren das zum Beispiel auch Commerzbank und Lufthansa, machte ein dickes Minus von fast fünf Prozent - markant schlechter als das deutsche Börsenbarometer.

Die 10.000 in die Verschmähten investierten Euro schrumpften auf 9.518 Euro zusammen. Dislike!


Die unbeliebtesten Aktien bescherten Anlegern im Schnitt einen Verlust von 4,8 Prozent
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen


Ich lasse die Analysten-Darlinge jetzt schon zehn Jahren gegen die Analysten-Dackel laufen, und es ist das erste Mal, dass sich die Lieblinge der bankangestellten Firmenversteher durchsetzen.

Begünstigt wird die Ehrenrettung der Analysten durch die Höllenfahrt der Energieversorger. Nach vielen Jahren hatten die Profis schließlich E.on und RWE auf die Verkaufslisten gesetzt ... und wurden bestätigt.

Gleichwohl gibt es auch weniger Schmeichelhaftes aus dem Analystenkosmos zu berichten: Die von den Banken am meisten geschätzte und am vehementesten für 2015 empfohlene Firma war vor zwölf Monaten ausgerechnet jene, die in diesem Jahr am meisten enttäuscht hat ... Volkswagen.

Allzu sehr darauf verlassen, dass sich ein neues stabiles Muster herausgebildet hat, sollte man sich also nicht


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