Mittwoch, 16. Dezember 2015

Eine Billion ist futsch

An der Börse sollte man nie aufs falsche Pferd setzen, auch nicht wenn das falsche Pferd ein Baum ist. Oder vielmehr Bäume. Bäume, die vor 300 Millionen Jahren von Schlamm und Geröll bedeckt wurden und die großer Druck und Hitze in den Äonen danach zu Kohle verwandelten.

Spätestens seit dem Klimagipfel von Paris ist klar: Das Karbon-Zeitalter geht zu Ende, unweigerlich. Und womöglich schneller als gedacht.

Die Kapitalmärkte nehmen die "Dekarbonisierung der Weltwirtschaft" in atemberaubendem Tempo vorweg. Man könnte sagen, sie diskontieren den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Das Resultat kann man gut und gerne als Platzen der Carbon Bubble bezeichnen: Konzerne der Kohlenstoff-Industrie haben dieses Jahr an der Börse bereits eine Billion Dollar an Marktwert verloren.

Der norwegische Staatsfonds, der weltgrößte Versicherer Allianz und viele andere große Adressen steigen aus. In Kohle zu machen, ist ihnen zu heiß geworden.

Doch der Ausstieg aus den "Dreckschleuder"-Firmen vollzieht sich höchst ungleich. Während Kohle in weniger als einer halben Dekade unter Investoren vollkommen in Misskredit geraten ist - für die Stromerzeugung gibt es zahlreiche andere Optionen ohne Kohlendioxid-Emissionen - werden wir auf den Rohstoff Öl vermutlich noch Jahrzehnte angewiesen sein. Elektroautos sind eine schöne Vision, aber der Diesel- und Benzinschlucker wird unsere Straßen noch lange beherrschen.

Die großen Energieunternehmen werden wohl noch Petroleum pumpen und Cashflows liefern, wenn die letzte Kohlegrube schon lange dicht gemacht wurde und nur noch musealen Charakter hat.

Das ändert nichts daran, dass auch die Ölmultis an der Börse 2015 empfindliche Verluste hinnehmen mussten. Mit einem Minus von 14 Prozent ist der größte Ölkonzern der Welt, ExxonMobil, noch recht glimpflich davon gekommen. Typisch sind diese milden Verluste nicht.


Die Aktie von ExxonMobil im Jahresverlauf, in US-Dollar, mit Umsatz


Bei der Nummer eins der Branche hat sich der Ertrag - nur - halbiert
Quelle: Bloomberg

Die Aktie von Amerikas Nummer zwei, Chevron Corporation, notiert 17 Prozent niedriger als im Januar. Das tut schon ein wenig weh. Deutlich schlimmer sieht es für die niederländisch-britische Royal Dutch Shell aus, die sich dieses Jahr (in Dollar) um 33 Prozent verbilligt hat.

Und dann ist da die brasilianische Petrobras, die dieses Jahr nach den herben Verlusten der Vorjahre um weitere 37 Prozent dezimiert worden ist, in der Hartwährung Dollar wohlgemerkt.

Alles in allem hat Brasiliens einst größter Industriekonzern in den vergangenen fünf Jahren fast 90 Prozent seines Wertes verloren, was aber auch mit dem aufgeflogenen Regierungsfilz zu tun hat. Aktionärsrechte wurden hier noch nie besonders groß geschrieben.

In diesen Größenordnungen bewegen sich auch die Verluste der Bergwerksbetreiber. Selbst in China, wo der Energiehunger schier grenzenlos zu sein schien, sind die guten Zeiten für Kohlegräber passé. China Shenhua Energy, der größte Bergwerksbetreiber im Reich der Mitte, steht an der Börse Hongkong 49 Prozent niedriger als zu Jahresanfang.

Mit der Kohle ist es vorbei, und in dieser Branche sind die Risiken, zu investieren langfristig gewiss weitaus höher als die Chancen. Kohle-Firmen sind etwas für Geierfonds.

Doch auch mit Blick auf die Petroleumwirtschaft ist ein Wort der Mahnung angebracht: Wer als Anleger darauf setzt, dass die Cashflows der Ölförderer auch in Zukunft üppige Dividenden garantieren, sollte sich den Gewinntrend ansehen, und ein zweites Mal nachdenken

Auch bei Exxon sollten Aktionäre die erwartete Ausschüttung von 2,92 Dollar im Jahr in Relation setzen zum erwarteten Gewinn von weniger als vier Dollar pro Aktie! Der Nachfolgekonzern von Rockefellers Standard Oil (S.O.) gilt als das bestgemanagte Unternehmen der Branche.
Dennoch hat sich der Gewinn seit 2014 halbiert.

Beim jetzigen Börsenpreis von knapp unter 80 Dollar bedeutet das ein ambitioniertes Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20. Und die Ertragsprognosen für 2016 sinken weiter rapide.

Das Bild von einem Vogel mit ölverschmiertem Gefieder drängt sich auf


Montag, 14. Dezember 2015

Sie haben den Daumen gesenkt

Diesmal sind sich die Banker ziemlich sicher. Und sie scheinen sich einig wie selten: 2016 wird ein dunkles Jahr für Gold: Wall-Street-Häuser wie Goldman Sachs sagen das schon lange voraus: Die Marke von 1000 Dollar wird fallen. Sie bekommen vielleicht nicht Recht. Aber sie bekommen Gesellschaft.


Die Gold-Konsensprognose der Analysten für das Jahr 2016. Anfänglich stabil, ist sie zuletzt abgesackt
Quelle: Bloomberg


In Deutschland haben sich nun einige Institute dem Reigen der US-Goldpessismisten angeschlossen. Darunter die Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim. Hauptbegründung ist die Erwartung steigender Zinsen in den USA und damit einhergehend die eines weiter steigenden Dollar.

Das zins- und dividendenlose Gold verliert durch die näher rückende Zinserhöhung in den USA weiter an Attraktivität. Wir empfehlen daher weiterhin, Gold zu verkaufen.

Die Experten der DZ Bank sehen den Unzenpreis in den nächsten zwölf Monaten aus ähnlichen Gründen auf 950 Dollar abrutschen. Ironischerweise müssen die Genossen sogar einräumen, dass höhere Leitzinsen dem edlen Metall in der Vergangenheit nicht schadeten, sondern eher zugute kamen. Diesmal sei das jedoch anders:

Wir haben einen Blick in die Vergangenheit geworfen und festgestellt, dass der Goldpreis in den letzten sechs Zinsanstiegszyklen im Durchschnitt leicht anstieg. So zog die Goldnotiz sechs Monate nach vollzogener Leitzinswende um durchschnittlich 3% an. [Doch] waren nach oben gerichtete Zinswenden in der Vergangenheit oftmals auch von der Erwartung eines spürbaren Inflationsanstiegs gekennzeichnet. Dies ist im aktuellen Umfeld nicht der Fall.

In früheren Zyklen habe zudem ein schwächeren Dollar dem Goldpreis auf die Beine geholfen. Damit sei 2016 nicht zu rechnen. Als Sargnagel führen sie am Ende an, dass die private Nachfrage nach dem Glänzenden sich enttäuschend entwickele.

Den Deutschen sekundiert die französische Großbank Société Générale, die einst den Superzyklus bei den Rohstoffen propagierte und nun feststellt, in einem Jahr, in dem die US-Notenbank Fed drei Mal den Leitzins erhöht, werde es das Edelmetall schwer haben. Das Kursziel der SocGen-Spezialisten: magere 955 Dollar je Feinunze.

Haben die Banken also recht und jetzt ist die Zeit, sich von Gold zu verabschieden? Ich halte dagegen und sage: Nein, jetzt ist die Zeit, Gold zu kaufen.

Erstens wird der Greenback nicht so stark werden, wie die meisten Beobachter kolportieren. Zweitens ist Gold nicht nur und vielleicht nicht einmal in erster Linie ein Inflationsschutz. Das gelbe Metall bietet vor allem eine Absicherung gegen Finanzkrisen, und eine neue Finanzkrise wird durch steigende Sätze wahrscheinlicher. Es ist einfach zuviel leverage im System

Schließlich sind da die Zentralbanken. China, Russland, die Türkei und andere Schwellenländer sind eifrig dabei, ihre Bestände aufzustocken. Und die Währungshüter haben in einer Zeit drohender Devisenkriege gute Gründe, das zu tun und ihre Reserven zu diversifizieren. Geopolitische Spannungen würden den Aufbau einer Kriegskasse noch beschleunigen.





Quelle: World Gold Council

Wenn die Bankanalysten den Daumen senken, ist das kein Grund für Gold-Fans, den Kopf zu senken

Sonntag, 13. Dezember 2015

This is a crash warning

Es gibt ernst zu nehmende Crash-Indikatoren und weniger erst zu nehmende. Die Sotheby's-Aktie ist ein nicht ganz ernst zu nehmender. Dennoch ist der Kursverlauf des Titels einen Blick wert.

Einer Börsenweisheit zufolge sollten Anleger hellhörig werden, wenn das Papier des berühmten New Yorker Auktionshauses zu fallen beginnt. Häufig kommt es ein halbes bis dreiviertel Jahr danach zu einem allgemeinen Marktabschwung.

Warum könnte das so sein? Wie könnte der Abschwung einer einzigen Aktie ein Frühwarnsignal sein?


Die Aktie mit dem Kürzel BID ist unter Druck
Quelle: Bloomberg


Die Versteigerungen von Sotheby's ziehen ein extrareiches Publikum an. So kam im Mai 2012 eine Version von Munchs "Der Schrei" für 120 Millionen unter den Hammer. Das kann sich nicht jeder leisten.

Extrareiche Menschen haben als Konzernbesitzer oder Großinvestoren aber einen besonders tiefen Einblick in das Gefüge der Welt(wirtschaft).

Wenn die Geschäftserwartungen von Sotheby's zurückgehen, könnte das also darauf hindeuten, dass das Geld bei den Tiefblickern also weniger lockerer sitzt. Und das wiederum könnte eine bevorstehende Rezession ankündigen.

Der Abschwung der Auktionshaus-Aktie ist diesmal besonders heftig. Seit dem Hoch im Sommer (am 23. Juni lag der Schlusskurs bei 47 Dollar) hat Sotheby's an der Börse mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

Gewiss sollte man den Sotheby's-Indikator nicht überbewerten, schließlich handelt es sich nur um ein einzelnen Unternehmen, das spezifische Probleme haben kann.

Doch die Zahl der Börsenregeln, die steigende Crash-Gefahr anzeigen, mehr sich: Mich beunruhigt zum Beispiel das schlechte Abschneiden von Warren Buffetts Holding Firmenkonglomerat Hathaway.

Aktuell steht die Holding an der Börse 13 Prozent niedriger als zu Jahresanfang, während der Index S&P500 nur etwas über zwei Prozent im Minus liegt.

Wenn Berkshire ein Abbild der US-Wirtschaft exklusive Technologiesektor ist, geht es der weltgrößten Ökonomie vermutlich schlechter als die offiziellen Konjunkturzahlen vermuten lassen.

Leitzinserhöhungen könnten da erhebliche Marktverwerfungen auslösen


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Zinswende, welche Zinswende?

Alle Welt blickt auf die amerikanische Notenbank. Und weithin wird erwartet, dass Fed-Chefin Janet Yellen nach der Sitzung vom 15. und 16. Dezember eine Anhebung des Leitzins auf 0,5 Prozent verkündet. Der rangiert bekanntlich seit der Finanzkrise bei null.

Behalten die Auguren mit ihrer Prognose recht, wird es die erste Zinserhöhung seit 2006 sein. Doch während die Erwartung an den Geld- und Devisenmärkten einiges in Bewegungen gebracht hat, kann von einer Zinswende bei lang laufenden Anleihen keine Rede sein. Wie dieser Chart zeigt:


Manchmal ist das, was man nicht sieht, das Entscheidende: Kein Anstieg der Rendite am Markt
Quelle: FRED St. Louis Fed


Seit Frühjahr tändelt sich die Rendite 10-jähriger US-Treasuries zwischen 2,00 und 2,40 Prozent, bewegt sich also in einer äußerst engen Bandbreite. Eine klare Aufwärtstendenz ist nicht zu erkennen. Von einem Rendite-Ausbruch nach oben - keine Spur.



Seit Juni 2006 haben die amerikanischen Währungshüter den Leitzins nicht angehoben
Quelle: Bloomberg

Ganz so überzeugt von der Stabilität der amerikanischen Konjunktur, vom Jobmotor Amerika und von künftig wieder steigenden Inflationsraten scheint der Bondmarkt also nicht zu sein. Investoren sehen keine Notwendigkeit, ihre Positionen "am langen Ende" zu reduzieren.

Überflüssig zu erwähnen, dass das die Euro-Dollar-Prognosen in neuem Licht erscheinen lässt. Eine Parität sehe ich da noch lange nicht

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Die Innovationselite spricht Amerikanisch

Five of the seven biggest companies in the world are less than 50 years old. Three of them are less than 25 years old. The youngest among the Top-Ten - Facebook - has just turned eleven. All of them are American, none of them is European.

Als ich ein junger Mensch war und gerade begann, mich für Wirtschaft zu interessieren, gab es in der alten Bundesrepublik eine weit verbreitete Erzählung. Sie lautete: Die USA sind eine Supermacht auf tönernen Füßen. Stark sind "die Amis" nur durch ihr Militär, ökonomisch haben sie kaum mehr zu bieten als ein Entwicklungsland. Keine innovativen Produkte, nur Öl und Rohstoffe, that's it.

Das war zur Zeit von Ronald Reagan. Und das war zur Zeit eines Japan, das Amerika technologisch scheinbar an die Wand spielt. Wir wissen, was aus Nippon rising geworden ist.

Das wir ironischer Weise aber auch zu einer Zeit, zu der zwei Technologiefirmen bereits gegründet waren, die unser tägliches Leben bestimmen: Microsoft und Apple.

Ich behaupte, dass es in der entwickelten Welt keinen Menschen gibt, der nicht irgendwann mit den Produkten der beiden Firmen konfrontiert ist. Über das iPhone, das iPad, das MacBook oder über das Windows Betriebssystem.


Die Hälfte der größten Unternehmen der Welt ist 40 Jahre oder jünger!
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Apple ist heute, 39 Jahre nach seiner Gründung, das größte Unternehmen der Welt. Die Schöpfung von Steve Jobs Firma überragt mit einem Marktwert von 663 Milliarden Dollar alle anderen Konzerne, darunter Dutzende gute Firmen, die älter als 100 Jahre sind.

Mit einem Alter von 40 darf sich Microsoft bestenfalls einen Anflug von Midlife-Crisis leisten, von "alt" kann noch nicht die Rede sein. Doch in vier Dekaden haben Bill Gates und seine Kompagnons etwas geschaffen, das 446 Milliarden Dollar wert ist und damit so viel wie die fünf größten Dax-Konzerne zusammen.

Ich brauche nicht eigens zu erwähnen, dass kein einziges Unternehmen der globalen Top-Ten seinen Sitz nicht in Amerika hat. Die stärksten Europäer sind die Schweizer, die es in der Rangliste auf Platz 13 bringen. Dort steht Nestlé nämlich mit 242 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung.

Aber zurück zum Anfang. Wenn die USA eins gezeigt haben, dann, dass man sie nie nie abschreiben sollte. Die Fähigkeit Amerikas zur Selbst- und Welterneuerung ist immens.

Apple ist nicht einmal das krasseste Beispiel: In den Neunziger- und Nullerjahren, als die Deutschen von der New Economy schwärmten und sich viele in dieser Schwärmerei verirrten, haben die Amerikaner eine new economy gemacht.

Zwei der zehn größten Firmen der Welt sind so jung, dass sie in den US-Bundesstaaten am Tresen nicht einmal ein Bier bestellen könnten: Google und Facebook. Ein weiterer Gigant, Amazon, ist mit 21 Lenzen gerade in das Alter hereingewachsen.


Fünf der sieben größten Konzerne der Welt machen "was mit Internet" - und sie alle sind amerikanisch
Quelle: Bloomberg


Die Welt der Superkonzerne ist amerikanisch dominiert, und das nicht, weil es anderen Nationen an innovativen Köpfen mangelte. Die USA schaffen es, gute Idee nicht nur zu haben (das ist die Grundvoraussetzung), sondern daraus ein marktfähiges Produkt zu entwickeln.

Was macht Amerikas Erfolg aus? Ein großer Binnenmarkt, (relativ) einheitliche Regularien über die Grenzen der Bundesstaaten hinweg, die vermutlich besten Unis der Welt, eine innovations- und forschungsfreundliche Wirtschaftspolitik - das ist das eine. Dazu kommt eine zukunftszugewandte, fleißige und aufstiegsgetriebene Bevölkerung.

Und auch bitte nicht vergessen, wie sehr der Staat Forschung & Entwicklung fördert. Subventionen gibt es jenseits des Atlantiks zuhauf.

Wenn Europa denkt, es hat schon genug getan, wird es das 21. Jahrhundert als eine Art Museum beenden. Ein schönes, aber auch etwas verstaubtes Museum, in dem die Umsätze nur noch im Museum Shop gemacht werden.

Wo man selbstverständlich Englisch spricht, mit amerikanischem Akzent


Dienstag, 8. Dezember 2015

Ehrenrettung der Analysten

Ich muss Abbitte leisten. Über die Jahre habe ich oft moniert (sagen wir ruhig herumgegrantelt), dass die kollektive Intelligenz der Analysten keinen müden Pfifferling wert ist. Meist macht man besser genau das Gegenteil. Aber dieses Jahr ist alles anders:

Die Empfehlungen der Profis brachten einen Mehrwert!

Wer Ende 2014 auf die zehn Dax-Aktien mit den positivsten Analystenkommentaren (den prozentual meisten Kaufempfehlungen) setzte, konnte 11,7 Prozent Rendite einfahren. Aus einem Anfangswert von 10.000 Euro, gleichmäßig verteilt auf die zehn Favoriten, wurden stattliche 11.165 Euro.


Die Dax-Aktien mit den meisten Kaufempfehlungen stiegen 2015 im Durchschnitt um 11,7 Prozent
Quelle: Bloomberg

Das war mehr, als der Leitindex insgesamt brachte, nämlich rund zehn Prozent (Stand: 7.12.15). Die Prognostiker trafen ins Schwarze, als sie Dax-Titeln wie Daimler, Fresenius SE, Continental, SAP und Lanxess für 2015 eine gute Entwicklung vorhersagten. Einen Fehlgriff gab es bei den Kauf-Empfehlungen freilich auch. Auf den kommen wir später noch zurück.

Ein noch bemerkenswerteres Ergebnis liefert die Gegenprobe.

Wer zu gleichen Teilen auf die zehn am schlechtesten bewerteten Dax-Papiere setzte, neben E.on und RWE waren das zum Beispiel auch Commerzbank und Lufthansa, machte ein dickes Minus von fast fünf Prozent - markant schlechter als das deutsche Börsenbarometer.

Die 10.000 in die Verschmähten investierten Euro schrumpften auf 9.518 Euro zusammen. Dislike!


Die unbeliebtesten Aktien bescherten Anlegern im Schnitt einen Verlust von 4,8 Prozent
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen


Ich lasse die Analysten-Darlinge jetzt schon zehn Jahren gegen die Analysten-Dackel laufen, und es ist das erste Mal, dass sich die Lieblinge der bankangestellten Firmenversteher durchsetzen.

Begünstigt wird die Ehrenrettung der Analysten durch die Höllenfahrt der Energieversorger. Nach vielen Jahren hatten die Profis schließlich E.on und RWE auf die Verkaufslisten gesetzt ... und wurden bestätigt.

Gleichwohl gibt es auch weniger Schmeichelhaftes aus dem Analystenkosmos zu berichten: Die von den Banken am meisten geschätzte und am vehementesten für 2015 empfohlene Firma war vor zwölf Monaten ausgerechnet jene, die in diesem Jahr am meisten enttäuscht hat ... Volkswagen.

Allzu sehr darauf verlassen, dass sich ein neues stabiles Muster herausgebildet hat, sollte man sich also nicht


Samstag, 5. Dezember 2015

Was ist nur mit Buffett los?

Berkshire Hathaway shares have underperformed the S&P500 by 10 percent since January. Has Warren Buffett, the world's greatest investor, lost his mojo?

Es kommt nicht gerade so selten vor wie der Halleysche Komet an der Erde vorbeizieht, aber doch ziemlich selten. In diesem Jahr ist es passiert: Warren Buffett, das Finanzgenie aus der amerikanischen Provinz, kann 2015 den Markt nicht schlagen.

Der erfolgreichste Investor aller Zeiten (Vermögen laut Forbes 64 Milliarden Dollar, damit Nummer zwei der Reichen-Liste) hat eine Historie, mehr Rendite zu machen als die Börsen im Allgemeinen.

Von Wissenschaftlern oft angefochten, hat das Orakel von Omaha in sechs Jahrzehnten bewiesen, dass der Markt nicht hundertprozentig effizient ist und dass ein einzelner Geldmanager mehr Ertrag erzielen kann als die angebliche Intelligenz der Massen, und das auf Dauer.

Doch 2015 ist es Buffett eben nicht geglückt, die Weisheit der vielen zu narren. Drei Wochen vor Jahresende notiert die Aktie seiner Holdinggesellschaft Berkshire zehn Prozent im Minus. Das US-Börsenbarometer S&P500 (SPX) steht dagegen leicht im Plus. Punktsieg für den Markt.


Quelle: Bloomberg

Ein Minus in einem Jahr, in dem der Markt im Plus schließt, ist für keinen Investor schön. Das letzte Mal hat das Buffett 1999 erlitten, auf dem Höhepunkt der Technologieblase. In den zwölf Monaten vor dem Millennium rutschte das Berkshire-Papier fast 20 Prozent ab, während der Markt 20 Prozent stieg. Heftig. Und nie wieder.

Ist der 85-jährige Buffett müde? Oder gibt es andere Gründe?

Nun, zum einen konnte Berkshire Hathaway nicht vom neuen Tech- und Biotech-Boom profitieren, da die Holdinggesellschaft kaum Beteiligungen dieser Art hält. Buffett selbst sagt: Von Geschäften, die ich nicht verstehe, halte ich mich fern.

Dazu kommt: Einige der von Value-Investoren bevorzugten Substanzwerte mit gesunder Bilanz aber langweiligem Geschäft haben an der Wall Street ein außergewöhnlich schlechtes Jahr hinter sich.

So steht die wichtige Berkshire-Beteiligung American Express (Wert zehn Milliarden Dollar) fast ein Viertel niedriger als im Januar, Wal-Mart Stores sogar ein Drittel.
Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) hat 17 Prozent verloren, der IT-Dienstleister IBM mehr als zehn Prozent.

Von den zehn größten Firmen des Buffeff-Imperiums haben in diesem Jahr nur zwei das Rote Meer der Kursverluste umschiffen können.

Berkshires Eisenbahn-Beteiligungen leiden unter den fallenden Energie- und Rohstoffnotierungen, da Kohle und Erze einen Gutteil ihrer Fracht stellen.

Außerdem hat der eigentlich sehr preisbewusste Ausnahme-Investor für seine jüngsten Erwerbungen, zum Beispiel Precision Castparts (Wert eine Milliarde Dollar), stattliche Preise gezahlt, was darauf hindeuten könnte, dass das Bewertungsniveau am US-Markt insgesamt überzogen ist.


Wertentwicklung der zehn wichtigsten Beteiligungen von Berkshire Hathaway im Jahr 2015
Quelle: CNBC, eigene Recherche


Das schlechte Abschneiden von Buffett 2015 ist womöglich ein Signal, dass es Amerikas Wirtschaft insgesamt schlechter geht, als es der relativ stabile Leitindex vermuten lässt.

Es ist aber auch möglich, dass Buffett wegen der Größe von Berkshire Mühe hat, sinnvoll in junge Firmen mit Wachstumspotenzial zu investieren - und dass die Wachstumsweiden der Multis im Portfolio erstmal abgegrast sind.

Der Börsenwert der Firma rangierte zuletzt bei 336 Milliarden Dollar. Damit ist Berkshire einer der größten Konzerne der Welt.

Tatsächlich lässt sich schon seit einiger Zeit beobachten, dass Buffetts Holding in den guten Jahren tendenziell weniger Mehrrendite zum S&P500 erwirtschaftet als früher.


Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen


Das letzte Wort muss das noch nicht sein. Warren Buffett, der Mann aus Omaha, ist gerade dann zu Hochform aufgelaufen, wenn "der Markt" dabei war, ihn abzuschreiben. Und selbst das schwache Jahr 2015 eingerechnet: Langfristig war Berkshire Hathaway so erfolgreich, dass Aktionäre der Holding ihr Vermögen doppelt so stark vermehrt haben wie Halter von S&P500-Indexfonds.

Das muss Buffett erst mal einer nachmachen

Kleiner Trost für Anleger aus Euroland: Durch die Aufwertung des Dollar zum europäischen Geld sind hiesige Berkshire-Aktionäre auch in diesem schwachen Jahr im Plus. 


Kursverlauf von Berkshire Hathaway A in Dollar
Quelle: Bloomberg

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Ein schwieriges Jahr

Das Jahr geht langsam zu Ende, und schon jetzt steht fest: 2015 wird Anlegern als schwieriges Jahr in Erinnerung bleiben. Ohne Aktien war es nahezu unmöglich, einen nennenswerten Wertzuwachs im Geldvermögen zu erzielen. Aber das ist nicht das einzige, das die Erinnerung trübt.

Auch anderen liquiden Vermögensgegenstände Anleihen, Gold und Silber brachten Ertrag nur im Austausch gegen Angstschweiß. Ohne Verlust ging es nur bei Tagesgeld und dem guten alten Sparbuch ab.

Doch wird der konservative Sparer, der sein Geld zur Bank trägt, am Ende für 10.000 Euro kaum mehr als 40 Euro Zins eingefahren haben. Von Rendite kann man da kaum noch reden. Denn mit einer solche Rendite ließe sich keine Rente bestreiten.

Hier die Übersicht:


Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Der Deutsche Aktienindex Dax wird dieses Jahr, wie die meisten europäischen Indizes, zweistellige Erträge einfahren, doch das Plus ist teuer erkauft worden: mit vielen schlaflosen Nächten, vor allem im Spätsommer und Frühherbst des Jahres.

Rendite erkauft mit viel Angstschweiß gilt auch für den Weltaktienindex MSCI World, der in Euro gerechnet 16 Prozent höher steht als Anfang des Jahres.

Doch über diese Gewinne dürften sich nur die freuen, die so klug waren, Ende 2014 einzusteigen und seither "die Füße still zu halten".

Wer sich wie ein Fähnlein im Winde von der Medienberichterstattung hinreißen ließ, hat mit großer Wahrscheinlichkeit eine deutlich schlechtere Bilanz.

Der unglücklichselige Trader hat Anfang 2015 im Hoch der Aktieneuphorie gekauft und im Herbst alarmiert von Crash-Warnstufen wie dem Baltic Dry Index, Doctor Copper etc. verkauft.

Für seine Wankelmütigkeit hat der unglücklichselige Trader gewissermaßen hoch verdient eine "Trottelrendite" von minus 24 Prozent eingefahren.

Gleichwohl sollte festgehalten werden, dass 2015 unter dem Strich ein gutes Aktien-Jahr war. Über jetzt 16 Prozent wird sich niemand beklagen, und vielleicht werden es bis Silvester ja noch 20 Prozent.

Anders sieht es schon bei Anleihen und Edelmetallen aus. Gold und Silber haben in Euro gerechnet nur drei Prozent zugelegt.


Goldkurs in Euro - Fast zurück auf Los nach zwölf Monaten
Quelle: Bloomberg


Damit brachten sie zwar mehr als Tagesgeld und das Sparbuch. Doch der Preis dafür war nicht von schlechten Eltern. Im Fall von Gold lag die Trottelrendite (Einstieg am Hoch, Ausstieg am Tief) bei schmerzlichen minus 15 Prozent und damit höher als bei internationalen Aktien (minus 14 Prozent).

Die knapp drei Prozent von Silber wurden noch teurer bezahlt: Der Silber-Timing-Trottel geht mit minus 24 Prozent nach Hause, mit ebenso viel wie dem Dax-Timing-Trottel.

Nur ist der Edelmetall-Investor vielleicht bereit, das in Kauf zu nehmen, können Silber und Gold in guten Jahren doch locker zweistellig zulegen und ansonsten mental als Versicherung gegen den größten anzunehmenden Unfall verbucht werden.

Deprimierend ist die Bilanz des Jahres für Halter von Staatsanleihen. Bei einem Zins von null oder unter null ist bei den meisten Bundespapieren weder über den Kupon (die Zinszahlungen), noch über Kursgewinne viel zu erwarten.

So haben Anleger aus deutschen Staatsanleihen zwischen Januar und Dezember einen Mini-Ertrag von 1,1 Prozent gezogen. Daran gemessen nimmt sich ein Maximalverlust von 2,8 Prozent - obgleich numerisch klein - ziemlich krass aus.

Was die Sache noch schlimmer macht: Die Renten-Trottelrendite von minus 2,8 Prozent versteht sich als Mittelwert von Papieren sämtlicher Fälligkeiten. Einzelne Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit (zum Beispiel WKN 110237) knickten um acht Prozent ein.

Bei Unternehmensanleihen großer Emittenten betrug der Maximalverlust übrigens 3,5 Prozent, bei einem Gesamtertrag von 0,1 Prozent per annum.


Quelle: Bloomberg, Consorsbank, eigene Berechnungen

Und im neuen Jahr könnte sich die Chance/Risiko-Relation bei Bunds weiter verschlechtern. Wehe, wenn die Zinswende kommt. Falls die Zinswende kommt.

Einiges deutet darauf hin, dass 2016 ein noch schwierigeres Jahr werden wird als 2015