Mittwoch, 11. November 2015

Psycho-Kuriositäten der Kapitalanlage

Only 5 percent of active mutual fund managers outperform the benchmark index. Why is that so? And is that a reason not to invest in the equities market?

Regenschauer statt Sonnenschein? Wie lange würde sich ein Wettervorhersager halten können, der das Wetter manchmal richtig vorhersagt, manchmal aber total danebenliegt? Vermutlich kein Jahr. Bei Geldanlagen sind die meisten Deutschen da sehr viel duldsamer. Zumindest wenn die Anlage schön verpackt und mit einem wohl klingenden Namen versehen ist.

Willkommen in der kuriosen Welt der Investmentfonds! 

Statistisch gesehen ist die Rendite-Bilanz von Investmentfonds, bei denen ein Geldmanager "aktiv" eine Anlageentscheidung trifft und dafür honoriert wird, alles andere als grandios. Eine Auswertung der Stiftung Warentest hat jetzt ergeben, dass in den vergangenen fünf Jahren nur 4,7 Prozent der Fondsmanager eine höheren Ertrag erwirtschaftet haben als der globale Aktienindex MSCI World. Dieses Urteil ruht auf einer breiten empirischen Basis. Die Stiftung Warentest verfügt über eine 17.000 Fonds umfassenden Datenbank.

Das schlechtere Abschneiden der Fonds ließe sich vielleicht noch rechtfertigen, wären die Fonds zumindest weniger riskant oder schwankungsanfällig als ein direktes Engagement in marktüblichen Wertpapieren. Doch auch in der Hinsicht Fehlanzeige: Lediglich ein Fünftel der Fonds hat es nach Berechnung der Stiftung Warentest geschafft, in den letzten fünf Jahren einen geringeren maximalen Verlust zu erleiden als der Index.

Auf längere Sicht sieht es nicht besser aus: Seit Beginn der Finanzkrise im Juli 2007 hatten nur 5,5 Prozent der von einem Manager verwalteten Aktienfonds eine höhere Rendite als der MSCI World. Selbst in dieser Zeit, die durch Extreme charakterisiert ist, verzeichnen nur eine Minderheit von gut einem Drittel (34,6 Prozent) der aktiven Fonds einen geringeren Maximalverlust des MSCI World.

Noch schlechter sieht es bei Mischfonds aus, den momentanen Verkaufsschlagern in Deutschland. Nach der Auswertung der Stiftung haben es klägliche 0,5 Prozent der aktiv gemanagten Mischfonds geschafft, eine höhere Rendite einzufahren, als eine simple Mischung von 25 Prozent Aktien (MSCI World) und 75 Prozent Anleihen (Barclays Euro Aggregate). Dazu kommt noch: Nur rund ein Fünftel (20,5 Prozent) hatten in den vergangenen fünf Jahren einen geringeren schlimmsten Verlust als die Benchmark-Mischung.


Keine berauschende Bilanz. Aber allemal besser als nullkommanull auf dem Girokonto
Quelle: Stiftung Warentest


In den acht Jahren seit Beginn der Finanzkrise sieht es etwas besser aus: Da haben es 6,9 Prozent der aktiven Mischfonds geschafft, eine höhere Rendite zu erzielen als "der Markt". Immerhin konnten 44,6 Prozent der Portfolien ihre Verluste in schlechten Zeiten besser begrenzen als die imaginäre Benchmark.

Erstaunlich: Während mehrere marktbedingte Minus-Monate in Folge Anleger veranlassen können, sich entnervt von einem guten Fonds zu trennen, gehen die Sparer mit einem schlechten Fonds sehr viel duldsamer um, solange der nur im positiven Bereich bleibt. 

Das gilt selbst dann, wenn die Wertentwicklung des Fonds jahrelang deutlich schlechter ist als die des Index oder eines Indexfonds (ETF). 

Viele Anleger stören sich nicht daran, dass ihr Fonds schlechter läuft "als der Markt". Der Markt ist ein Abstraktum, der Manager ihres Investmentprodukts aber ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, eine Vertrauensperson, ein Verwalter, mutmaßlich eine Koryphäe ... und ein Kapitän in schwerer See. 

Außerdem käme der Verkauf des Fonds trotz positiver Zahlen dem Eingeständnis des Anlegers gleich, falsch entschieden zu haben. Und wer will schon einen Fehler eingestehen?

Dennoch bleibt auch diese Aussage wahr: Einen schlechten Aktienfonds haben ist besser als gar keine Aktien haben



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