Dienstag, 17. November 2015

Finnen debattieren über den Euro

The Finish Parliament will discuss leaving the eurozone in 2016. But is the single currency really the cause of Finland's problems?

Finnlands Parlament wird nach einen Volksbegehren über die Euro-Miedgliedschaft des Landes diskutieren.Wollen die Skandinavier raus aus der Gemeinschaftswährung?

Nach einer aktuellen Umfrage der EU-Kommission halten 64 Prozent der Finnen den Euro für eine gute SacheDas sind zwar fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, und doch genießt die gemeinsame Währung in der Bevölkerung einen großen Rückhalt. Gleichwohl ist das Parlament zu der Debatte von Gesetzes wegen gezwungen. An dem Volksbegehren haben sich 50.000 Bürger beteiligt, rund ein Prozent der Einwohner Finnlands.



Zumindest finnische Anleger haben keinen Grund sich zu beklagen:
Der Helsinki Aktienindex Hex (weiß) hat sich seit 1999 besser entwickelt als der Dax (rot)
Quelle: Bloomberg

Grund zur Unzufriedenheit mit der vierzehntgrößten Ökonomie Europas gibt es durchaus. Finnlands führender Industriekonzern Nokia hat den Smartphone-Trend verschlafen und seinen ehemaligen Spitzenplatz bei "Handys" an Apple und Samsung abgegeben, Nachbar und wichtiger Handelspartner Russland (der für 13 Prozent des finnischen Außenhandels steht) steckt tief in der Rezession, und die Digitalisierung lässt die Nachfrage in einer anderen wichtigen Branche nachgeben ... in der Papierindustrie.

Dennoch ist die skandinavische Wirtschaft keineswegs "der kranke Mann Europas". Wie folgender Chart zeigt: Auf Dollar-Basis hat sich das Bruttoinlandsprodukt der 5,5-Einwohner-Nation seit Gründung der Währungsunion 1999 mehr als verdoppelt. Das entspricht einem jährlichen Plus von stolzen 4,5 Prozent. In Euro gerechnet ist Finnlands BIP immerhin um 3,2 Prozent per annum gewachsen. Eurostat gibt die Wirtschaftsleistung pro Kopf mit 37.600 Euro im Jahr an. Der Wert liegt höher als der deutsche mit 35.400 Euro oder der britische mit 34.900 Euro. 



Quelle: Eurostat

Das häufig vorgebrachte Argument, Finnland falle wegen des Euro hinter Schweden zurück, das an seiner eigenen Währung festgehalten habe, wirkt nur auf kurze Sicht plausibel. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich die finnische Ökonomie trotz aller Rückschläge besser entwickelt als die schwedische. Beide skandinavische Volkswirtschaften haben Schwächen und Stärken. Ein Davoneilen der monetär eigenständigen Schweden ist jedoch nicht zu bemerken, wenn man sich die BIP-Zahlen auf Dollar-Basis anschaut: 



In den vergangenen 25 Jahren hat Finnland gegenüber Schweden aufgeholt
Quelle: IWF WEO Oktober 2015

Und auch eine moderate Arbeitslosenquote von etwas über acht Prozent spricht dagegen, dass Suomi das neue Armenhaus der Alten Welt werden wird. 




Das finnische BIP ist auf Dollar-Basis seit 1999 aufs Doppelte gestiegen
Quelle: Bloomberg


Keines der akuten Probleme Finnlands hat mit dem Euro zu tun. Da kann man auf den Gedanken kommen, dass die Währung als Sündenbock herhalten muss. Don't like

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