Sonntag, 29. November 2015

Was raus muss. Was rein muss. Die Dezember-Regel

Anfang Dezember lohnt es besonders, einen Blick auf die Besten- und Schlechtesten-Liste an der Börse zu werfen. Die Erfahrung lehrt, dass sich in den letzten vier Wochen des Jahres jene Aktien besonders abgehen, die in den ersten elf Monaten vorne lagen.

Umgekehrt müssen die Elfmonats-Verlierer vor Ultimo mit einem neuen Ausverkauf rechnen. Fondsmanager und andere Investoren trennen sich von "Underperformern", mit denen sie am Jahresende nicht im Depot erwischt werden wollen.

Diese Scheu davor, sich quasi auf der Silvesterfeier mit den Losern zu zeigen, wird auch "Windowdressing" genannt.


Quelle: finanzen.net


Beim Blick durch das Fenster sehen wir - wenig überraschend - Volkswagen als einer der großen Minus-Macher des Jahres: 33 Prozent hat der abgasskandalumnebelte Autobauer im bisherigen Jahresverlauf an Börsenwert abgeben müssen.

Noch deftiger nach unten ging's für die ewigen Unterperformer E.on und RWE, die seit dem Super-GAU in Fukushima mehr verloren haben als der Fukushima-Betreiber TEPCO. Nach elf Monaten stehen sie schon 35 Prozent und 58 Prozent im Minus.

Ebenfalls auf der Verliererseite: der Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp, die Geldhäuser Commerzbank und Deutsche Bank und last not least die streikgeplagte Lufthansa.

Jubilieren könne dagegen die Aktionäre von der Medizintechnikfirma Fresenius, deren Papiere ein gesundes Plus von 61 Prozent an den Tag legten. Comeback-Kid des Jahres ist Adidas mit einem Wertzuwachs von 55 Prozent. Noch im Januar sah es so aus, als würden die Franken gegenüber Nike keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.


Geschäftszahlen Adidas Januar bis September
Quelle: Unternehmen

Ein gutes Jahr ist es auch für Infineon Technologies, Deutsche Börse sowie Deutsche Telekom.

Blickt man über die 30 Werte des Dax hinaus auf die 110 Werte des HDax, wundert man sich: Deutschland hat 2015 so etwas wie eine Tech-Rally erlebt - aber das scheint kaum jemand mitbekommen zu haben



Freitag, 27. November 2015

Volkswagen worst case scenario

What if ... #Dieselgate demolishs the brand Volkswagen beyond repair? What would that mean for Dax investors? Some intreaguing calculations show the VW scandal is not the end of all days. Lessons in counterfactual thinking.

Die VW-Aktie hat sich in den letzten Wochen kräftig erholt, von rund 86 Euro auf jetzt 125 Euro. Doch ist es zu früh, aus Anlegersicht Entwarnung zu geben. Es bleibt ein Restrisiko, dass der Abgasskandal die Marke Volkswagen schwer beschädigt und den Wolfsburger Konzern in eine möglicherweise existenzgefährdende Krise stößt.


Der Kurs der VW-Aktien im Dax hat sich bereits um 40 Prozent, bleibt aber weit unter dem Jahreshoch
Quelle: Bloomberg

Wir haben gelernt in Worst-case-Szenarien zu denken. Was wäre ein solches Volkswagen Worst-case-Szenario für den Deutschen Aktienindex (Dax) und damit auch für die Halter von Dax-Indexfonds?

Andreas Hürkamp von der Commerzbank hat ein paar interessante Überlegungen dazu angestellt. VW ist einer der größten privaten Arbeitgeber und dürfte trotz #Dieselgate größter Autobauer der Welt  bleiben. Gleichwohl wird das Gewicht der Niedersachsen im Dax oft überschätzt.

In die Berechnung des Leitindex fließen nämlich nur die Vorzugsaktien ein, und zwar mit einem Anteil von lediglich zwei Prozent. Die Stammaktien befinden sich zum überwiegenden Teil in festen Händen und qualifizieren sich somit nicht für das Börsenbarometer.

Nun, sollte der Kurs der Volkswagen-Vorzüge auf null absacken, würde das den Dax um verkraftbare 220 Zähler dezimieren, Der begrenzte Effekt rührt allerdings nur aus den Besitzverhältnissen bei VW. Insgesamt ist die Autoindustrie in Deutschland elementar.

Um das richtig einzuordnen: Würde das Index-Schwergewicht Daimler mit seinen fast neun Prozent Dax-Anteil auf null gehen, wäre der Absturz des Börsenbarometers gravierend:

In dem Fall fiele der Index um fast 1000 Punkte.


Kurs der Daimler-Aktie in Euro
Quelle: Bloomberg

Auch ein Totalausfall der Gewinne bei Volkswagen (wahrscheinlicher als ein Sturz der Aktie auf null) wäre für Dax-Investoren verkraftbar. Nach Hürkamps Berechnungen liefe das auf eine Beschneidung des durchschnittlichen Gewinnwachstums von zehn auf sieben Prozent hinaus. 

Würde hingegen Daimler mit plusminus null aus dem Geschäftsjahr 2016 gehen, würden die Dax-Werte im Durchschnitt gar kein Ertragswachstum mehr erzielen. Im Gegenteil: Rechnerisch käme dann ein Rückgang der Gewinne um fünf Prozent heraus (statt plus zehn Prozent). 

"Negative repercussions of the Volkswagen emissions scandal remain a key risk factor for the Dax outlook 2016", schreibt Commerzbank-Stratege Hürkamp. 

Dass ein Null-Jahr für Volkswagen nicht ganz unrealistisch ist, lässt die Entwicklung der Gewinn-Prognosen erkennen: Wurde der für 2016 erwartete Ertrag vor Steuern und und Zinsen (EBIT) zu Jahresbeginn noch auf 16 Milliarden Euro taxiert, so liegen die Schätzungen jetzt nur noch bei zehn Milliarden Euro.

In die andere Richtung geht es bei Daimler. Den für 2016 erwarteten Gewinn pro Aktie haben die Analytiker in den letzten zwölf Monaten um 20 Prozent hochgesetzt: von 7,40 Euro auf 8,80 Euro.
Die Dividende veranschlagen sie wegen der guten Auftragslage der Stuttgarter auf 3,30 Euro je Anteilschein. Im Frühjahr wurden erst 2,60 Euro anvisiert.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

So erträglich der Abgasskandal als VW-Unternehmensaffäre zu sein scheint, so problematisch wäre eine Ausweitung auf andere Automobilhersteller, vor allem auf Daimler als Schlüsselaktie.

Nochmal Anlagestratege Hürkamp: "For the Dax it is very important that the VW emissions debacle remains company-related as particularly Daimler has become a very, very important Dax member."



Mittwoch, 25. November 2015

2015 - Jahr der Fusionsrekorde

Mit der Fusion von Pfizer und Allergan ist es quasi amtlich: Das Jahr 2015 bringt einen Rekord bei Fusionen und Übernahmen. Die Nachrichtenagentur Thomson Reuters beziffert das bekannte Volumen jetzt auf beachtliche 4,2 Billionen Dollar.


Der König der Fusionen: Pfizer war an sechs der 20 größten Pharma-Zusammenschlüsse beteiligt
Pfizer-Aktienkurs in Dollar - Quelle: Bloomberg

Man kann verstehen, dass die Konzerne die zu Ende gehende Nullzinsphase noch schnell nutzen wollen, um große Fusionen und Übernahmen zu günstigen Konditionen unter Dach und Fach zu bringen, doch ist die "merger mania" auch das Fanal für das Ende der Börsenhausse?

Noch ein paar Zahlen:

Das Zusammengehen von Pfizer und Allergan ist nach Reuters-Kalkulationen mit 191,5 Milliarden Dollar der größte Deal seit der spektakulären Übernahme von Mannesmann durch Vodafone (202,8 Milliarden Dollar) im Jahr 1999.


Quelle: Thomson Reuters

Allein im Gesundheitssektor gab es dieses Jahr M&A-Aktivitäten im Wert von 649,4 Milliarden Dollar, mehr als in den vergangenen zwei Jahren zusammen. In der Pharmabranche brachten die Deals sogar mehr auf die Waage als in die vergangenen drei Jahre zusammengerechnet.
Der Wert der Übernahmen beläuft sich dieses Jahr auf 415,6 Milliarden Dollar.

Als besonders fusionsfreudig hat sich der US-Pharmariese Pfizer erwiesen, der in der Firmenehe mit Allergan steuerlich zu einem irischen Unternehmen werden wird. Innerhalb des Pharmasektors steht der Viagra-Hersteller für die beiden größten Deals, und allein sechs der 20 größten Fusionen in der Branche.


Absolutes Spitzenjahr für Fusionen in der Gesundheitsbranche
Quelle: Thomson Reuters

Das bisherige M&A-Rekordjahr war 2007 mit einem Deal-Volumen von 4,1 Billionen. Aus heutiger Sicht war das Zinsniveau übrigens relativ hoch. Was danach kam, ist bekannt: die Finanzkrise.

Die jetzt angepeilten 4,2 Billionen sind schon eine Hausnummer. Allerdings empfiehlt es sich, diese imposanten Summen in Relation zur Gesamtkapitalisierung der Börsen zu setzen, und unter diesem Blickwinkel ist 2015 zwar ein Jahr der Extreme, aber noch kein Jahr der Exzesse



Montag, 23. November 2015

Supermacht des Goldes

Germany is the superpower of gold bugs. In no other European economy investors hoard more coins and bars than Germany. However, there is a caveat. 

Es gibt ihn doch, den deutschen Sonderweg: wenn es um Gold und (Bar)Geld geht. In ihrer Haltung zu Edelmetall unterscheiden sich die Deutschen von allen anderen westlichen Völkern.

Überall sonst in der entwickelten Welt sind goldene Münzen und Barren Luxusgut oder Liebhaberei von Sammlern. Anders in der Bundesrepublik: Hier ist Gold neben und oft genug vor Aktien und Anleihen eine weithin bevorzugte Form der Geldanlage.

Ist es die Sehnsucht nach Werten außerhalb des Finanzsystems?

Wie sehr Edelmetall in der Mentalität der deutschen Sparer eine Kategorie ist, zeigen die neuesten Zahlen des World Gold Council. Im dritten Quartal des Jahres war Deutschland weltweit der viertgrößte Nachfrager von Münzen und Barren, nur knapp hinter der führenden Wirtschaftsmacht USA.


Was Edelmetall angeht, spielt Deutschland europaweit in einer eigenen Liga
Quelle: World Gold Council


Der Gold-Appetit der Deutschen war zwischen Juli und September ungefähr genauso stark wie die der Amerikaner, obwohl die Vereinigten Staaten eine viermal so große Bevölkerung haben.

Inder und Chinesen fragten mehr physisches Edelmetall nach, allerdings sind das Ländern mit einem wenig entwickelten Banksystem, und die Zahl der potenziellen Käufer beträgt jeweils mehr als eine Milliarde Menschen.


Die traditionellen Industrienationen Frankreich und Großbritannien spielen keine Rolle
Quelle: World Gold Council

Der deutsche Sonderweg zeigt sich vor allem im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn ... Während die Bundesbürger zwischen Juli und September 31,7 Tonnen Gold bunkerten, kauften die Briten nur 2,5 Tonnen, die Franzosen sogar nur 0,5 Tonnen.

Die Angst vor einer europäischen Bankenkrise allein kann es nicht gewesen sein, sonst hätten im dritten Quartal auch andere Europäer die Edelmetall-Händler gestürmt. Und Spekulationslust reicht als Begründung ebenfalls nicht aus. Der Unzenpreis bewegt sich seit Sommer auch in unserer Währung nach unten.

Die einzigen, die gemessen an ihrer Einwohnerzahl mithalten können, sind die Österreicher und die Schweizer.


Quelle: World Gold Council

Goldnachfrage in Tonnen, Bevölkerung in Millionen
Quelle: World Gold Council, IWF


Der Gold-Liebe der Mitteleuropäer liegt ein tiefes Misstrauen in das globale Finanzsystem zugrunde. Dazu kommt der Wohlstandseffekt: Wachsender Reichtum erzeugt Angst vor Verlust des Reichtums, zumal in einem kulturellen Umfeld, das Wohlstandsgewinnne nicht positiv konnotiert und es gar nicht schätzt, wenn Reichtum zur Schau gestellt wird.

Und eine Palette von Krügerrand-Münzen lässt sich eben besser verstecken als ein Porsche.

Die Zuneigung zu Edelmetall führt zu der paradoxen Situation, dass die Bundesrepublik mit einem Marktanteil von elf Prozent als einziger europäischer Staat auf der Gold-Weltbühne mitspielt.

Deutschland ist die Supermacht der Goldkäfer

Samstag, 21. November 2015

Wo Indexfonds versagen

ETF are better than mutual funds? Not if you want do participate in the rise of India. As in other emerging markets stockpicking strategies have proved to be superior. 

Indexfonds gelten als wahre Wundermaschinen, wenn es darum geht, langfristigen Wertzuwachs zu erzielen. Tatsächlich fällt es den Managern von aktiven Investmentfonds oft schwer, die ETF zu schlagen, also im Wettkampf der Strategien bessere Prozentzahlen zu schaffen.

Die passiven Produkte vollziehen einfach die Index-Zusammenstellung nach, während die Manager aktiver Investmentfonds sich damit abmühen, Titel stärker oder schwächer zu gewichten als Dax oder Dow Jones oder mehr noch Wertpapiere zu suchen, die eine Fehlbewertung aufweisen.

Einer Aufstellung der Stiftung Warentest zufolge waren nur fünf Prozent der weltweit anlegenden Aktienfonds besser als die globale Messlatte MSCI World.

Wir haben hier darauf hingewiesen, dass ein Index ein abstraktes Ding ist, das selten selbst bei Sparer anklopft und ihn einlädt einzusteigen. Und das schon gar zum richtigen Zeitpunkt.

Es gibt aber auch ein anderes Feld, auf dem ETF versagen.

Das gute Abschneiden von Indexfonds in entwickelten Märkten wie den USA oder Europa darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass passive Produkte in weniger entwickelten Märkten teils weit hinterherhinken.


Ein Indien-ETF (rote Linie) schneidet im Vergleich mit einem aktiven Fonds (weiße Linie) schlecht ab
Quelle: Bloomberg

Beispiel Indien: Der Subkontinent wird als die große Wachstumsstory der Dekade gesehen. Dieses Jahr wird die indische Wirtschaft erstmals schneller wachsen als die chinesische. Wer jedoch glaubte, mit Indexfonds am Aufschwung der Börse Mumbai teilhaben zu können, wird bitter enttäuscht.

Man nehme den Index-Fonds der Deutschen Bank auf das indische Pendant des Dow Jones oder Dax: den Nifty 50. Der DB X-Trackers Nifty 50 ETF hat sich seit Jahresanfang nur zwei Prozent von der Stelle bewegt (Stand: 20. November 2015), gute aktive Indien-Fonds schafften abzüglich der Gebühren zehn Prozent und mehr.

Noch schlimmer: Nach Zählung der Consorsbank schafften 57 Fonds der Kategorie Aktien Indien ein besseres Ergebnis als der DB X-Trackers, die große Mehrzahl davon aktiv gemanagt, nur zwölf Fonds waren schlechter.

Eine überzeugende Leistung lieferten 2015 die Goldman Sachs India Equity Portfolio Base (auf Dollar-Basis) und die Euro-Variante mit mehr als plus zwölf Prozent sowie der Invesco India Equity Fund A mit plus 14 Prozent.


Ausgabeaufschlag, Kosten und Wertentwicklung in Prozent
Quelle: Consorsbank, Bloomberg

Auch auf Fünfjahressicht stellen die Fondslenker die Indexfonds in den Schatten. Die Performance-Unterschiede betragen bis zu 55 Prozent! Es bestätigt sich: In weniger entwickelten Märkten wie Indien sind Investoren im Vorteil, die vom Leitindex abweichen und intelligentes Stockpicking betreiben. 

Keine Kaufempfehlung. Keine Anlageberatung. Keine Haftung

Dienstag, 17. November 2015

Finnen debattieren über den Euro

The Finish Parliament will discuss leaving the eurozone in 2016. But is the single currency really the cause of Finland's problems?

Finnlands Parlament wird nach einen Volksbegehren über die Euro-Miedgliedschaft des Landes diskutieren.Wollen die Skandinavier raus aus der Gemeinschaftswährung?

Nach einer aktuellen Umfrage der EU-Kommission halten 64 Prozent der Finnen den Euro für eine gute SacheDas sind zwar fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, und doch genießt die gemeinsame Währung in der Bevölkerung einen großen Rückhalt. Gleichwohl ist das Parlament zu der Debatte von Gesetzes wegen gezwungen. An dem Volksbegehren haben sich 50.000 Bürger beteiligt, rund ein Prozent der Einwohner Finnlands.



Zumindest finnische Anleger haben keinen Grund sich zu beklagen:
Der Helsinki Aktienindex Hex (weiß) hat sich seit 1999 besser entwickelt als der Dax (rot)
Quelle: Bloomberg

Grund zur Unzufriedenheit mit der vierzehntgrößten Ökonomie Europas gibt es durchaus. Finnlands führender Industriekonzern Nokia hat den Smartphone-Trend verschlafen und seinen ehemaligen Spitzenplatz bei "Handys" an Apple und Samsung abgegeben, Nachbar und wichtiger Handelspartner Russland (der für 13 Prozent des finnischen Außenhandels steht) steckt tief in der Rezession, und die Digitalisierung lässt die Nachfrage in einer anderen wichtigen Branche nachgeben ... in der Papierindustrie.

Dennoch ist die skandinavische Wirtschaft keineswegs "der kranke Mann Europas". Wie folgender Chart zeigt: Auf Dollar-Basis hat sich das Bruttoinlandsprodukt der 5,5-Einwohner-Nation seit Gründung der Währungsunion 1999 mehr als verdoppelt. Das entspricht einem jährlichen Plus von stolzen 4,5 Prozent. In Euro gerechnet ist Finnlands BIP immerhin um 3,2 Prozent per annum gewachsen. Eurostat gibt die Wirtschaftsleistung pro Kopf mit 37.600 Euro im Jahr an. Der Wert liegt höher als der deutsche mit 35.400 Euro oder der britische mit 34.900 Euro. 



Quelle: Eurostat

Das häufig vorgebrachte Argument, Finnland falle wegen des Euro hinter Schweden zurück, das an seiner eigenen Währung festgehalten habe, wirkt nur auf kurze Sicht plausibel. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich die finnische Ökonomie trotz aller Rückschläge besser entwickelt als die schwedische. Beide skandinavische Volkswirtschaften haben Schwächen und Stärken. Ein Davoneilen der monetär eigenständigen Schweden ist jedoch nicht zu bemerken, wenn man sich die BIP-Zahlen auf Dollar-Basis anschaut: 



In den vergangenen 25 Jahren hat Finnland gegenüber Schweden aufgeholt
Quelle: IWF WEO Oktober 2015

Und auch eine moderate Arbeitslosenquote von etwas über acht Prozent spricht dagegen, dass Suomi das neue Armenhaus der Alten Welt werden wird. 




Das finnische BIP ist auf Dollar-Basis seit 1999 aufs Doppelte gestiegen
Quelle: Bloomberg


Keines der akuten Probleme Finnlands hat mit dem Euro zu tun. Da kann man auf den Gedanken kommen, dass die Währung als Sündenbock herhalten muss. Don't like

Samstag, 14. November 2015

Gold und die magische Tausend

Viele Leute im Edelmetallkosmos scheinen der Meinung zu sein, dass sich unser Schicksal an der Marke von 1000 Dollar pro Feinunze entscheidet. Fällt der Preis unter die Schwelle, passiert Dramatisches, hört man sie raunen.

Weltuntergang, Gelduntergang oder noch Schlimmeres. So in etwa als würde der finstre Dr. Reiss aus "Die Wiege des Lebens" Lara Croft am Ende doch austricksen und die Büchse der Pandora in seine Gewalt bringen. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen.


Gold steuert auf sein drittes Verlustjahr in Folge zu (auf Dollar-Basis)
Quelle: Bloomberg

Im Moment sieht es so aus, als sei "die Tausend" beim Gold ein realistisches Szenario. Aber noch ist es nicht soweit. Ich gestehe, dass es mich überraschen würde, sollte der Preis noch weiter absacken. Bisher könnte sich das Metall dem Abwärtstrend der Rohstoffnotierungen ganz gut entziehen.

Gold ist nicht in erster Linie ein Industriegrundstoff, der verbraucht wird, sondern eine alternative Währung. Und langfristig spricht einiges dafür, Edelmetall zu horten. Und sei es als Absicherung gegen das "Undenkbare" einer globalen Finanzkrise.

Im Moment sind es vor allem die steigenden Realzinsen in den USA, die Goldkäfern die Stimmung vermiesen, und die Diskussion über die Zinswende wird noch eine Weile weitergehen.

Besonders schmerzlich: Fällt der Unzenpreis in den nächsten Wochen unter 1000 Dollar, wird das Edelmetall das Jahr 2015 auch in Euro mit einem Minus abschließen. Bisher sind hiesige Gold-Käufer gemessen am Jahresanfang noch im Plus, dem starken Dollar sei Dank.

Kippt das Edelmetall ins Minus, gesellt sich zu einem schwierigen Aktienmarkt, einem schwierigen Euro-Rentenmarkt und einem schwierigen Rohstoffmarkt eine weitere wichtige Anlageklasse, die Pein im Portfolio verursacht. Bleibt der Greenback als der große Gewinner des Jahres.

Das wäre schade, aber niemand hat gesagt, dass Gold jedes Jahr steigen muss. Das einzige, das jedes Jahr schwillt, ist ein Schneeballsystem. Tatsächlich sind lange Seitwärtsphasen für die Alternativwährung eher typisch als anomal, man denke an die Neunzigerjahre.

Was mich aktuell mehr beschäftigt als die Marke von 1000 Dollar sind aber die widersprüchlichen Meldungen aus der Aurosphäre.

Auf der Positivseite vermeldet der Lobbyverband World Gold Council, dass die Metall-Nachfrage im dritten Quartal angezogen ist. Vor allem der Absatz von Münzen und Barren war mit 296 Tonnen ein Drittel höher als im - allerdings schwachen - Vorjahresquartal.

Insgesamt hat die Gold-Nachfrage zwischen Juli und September 2015 um acht Prozent zugelegt, wobei die Impulse klar von den Privatanlegern nicht zuletzt in Mitteleuropa ausgingen.
Wieder mehr Appetit auf Gold hatten auch die Schmuckhändler in Asien.

Und damit kommen wir schon zu der Negativseite: Die Institutionellen haben sich weiter aus dem Markt zurückgezogen.


So wenig haben Profis seit 2009 nicht in "Gold-ETF" investiert
Quelle: Bloomberg


Gerade erst haben die vor allem von Finanzmarkt-Akteuren genutzten Gold-Indexfonds ein Sechs-Jahres-Tief ihrer Bestände vermeldet. Allein im dritten Quartal trennten sich die Profis von beachtlichen 66 Tonnen Edelmetall.

Zurückhaltender in ihren Gold-Käufen waren auch die Zentralbanken. Sie stockten ihre Reserven im dritten Quartal um 175 Tonnen auf - drei Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2014. Allein 77 Tonnen davon entfallen nach Informationen des World Gold Council auf Russland, weitere 50 Tonnen auf China.


Russlands Goldhunger bleibt immens
Quelle: World Gold Council


Da wundert es nicht mehr, dass der Goldpreis Mitte November zeitweise auf 1.074 Dollar gefallen ist, den niedrigsten Stand seit Februar 2010. In unserer Währung liegt der Kurs nur noch knapp über der Marke von 1000 Euro.

Unter großen Investoren und Notenbankern ist Gold gerade definitiv nicht in. Die einzigen, die den Preis oben halten, sind Privatanleger. Deren anhaltende Flucht ins Edelmetall scheint mir von einer tiefen Verunsicherung zu künden.


Quelle: World Gold Council 


Während Sparer die Weltlage als beklemmend und bedrohlich empfinden und Zuflucht im sicheren Hafen Gold suchen, setzen Profis weiter auf Wertpapiere, Papierwerte: Aktien und Anleihen. Die Börsenrally ist aus ihrer Sicht noch lange nicht vorbei.





Donnerstag, 12. November 2015

Selbst die Mäßigen sind besser als das Sparbuch

Ein unterdurchschnittlicher Aktienfonds ist absolut gesehen nicht die größte Fehlinvestition, die man tätigen kann. Denn ein schlechter Aktienfonds ist allemal besser, als sein Geld dauerhaft auf dem Sparbuch gammeln zu lassen. 

Wir reden hier nicht von Mode- oder Spezialitätenfonds. Wer als Privatanleger auf einen bestimmten Trend setzt, sei es New Economy, New Energy oder New Parody kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass er zu spät kommt und auf die Nase fällt. 

Unrühmliche Beispiele wie der zur Jahrtausendwende begehrte Nordasia.com zeigen, dass es nahezu unmöglich ist, sich von den Verlusten zu erholen, die das "Megatrend2-Hinterherhechten verursacht. Das Problem ist, dass es nahezu unmöglich ist, mit einem Fonds (dessen Auflage ein langwieriger Prozess ist) nicht zu spät auf den Megatrend aufzuspringen, 

Anders sieht es bei der "langweiligsten" Kategorie aus: den global anlegenden Aktienfonds. Gewiss spielt das Timing auch bei diesen Portfolien eine Rolle: Es ist besser am Tief zu kaufen als am Hoch. Doch in einer wachsenden Weltwirtschaft kann die Beteiligung an unternehmerischem Engagement nie verkehrt sein - selbst wenn die Unternehmensanteile, also die Aktien nicht optimal ausgewählt werden. 

Beispiele zeigen, dass selbst eine unterdurchschnittliche Treffsicherheit des Fondslenkers bei der Aktienauslese die Rendite nicht völlig ruinieren kann.

Nehmen wir den M&G Global Basics (Wertpapierkennnummer: 797735). Einst hochgelobt hat der Manager des Global Basics in den letzten fünf Jahren ein schlechtes Händchen gehabt: In dieser Zeit hat es der Fonds auf jämmerliche 12,4 Prozent Rendite gebracht.

Das weltweite Börsenbarometer MSCI World verbesserte sich im gleichen Zeitraum um 73 Prozent, inklusive Dividende waren es sogar 98 Prozent (Stand 11. November 2015). Dennoch wäre der M&G Global Basics ein besseres Investment gewesen als jedesSparbuch: Der Fünfjahreswertzuwachs von 12,4 Prozent entspricht umgerechnet einer Rendite von 2,4 Prozent per annum.


Hat schon bessere Zeiten gesehen: der M&G Global Basics (Kurs in Euro)
Quelle: Bloomberg

Welches Tagegeld hätte das gebracht? Keines. Zweieinhalb Prozent im Jahr wären womöglich mit Festgeld zu erzielen gewesen, doch zu dem Preis, dass das Kapital auf Jahre gebunden ist. Ein Publikumsfonds hat dagegen den Vorteil, dass er jederzeit über die Börse verkauft werden kann.

Anderes Beispiel: Verglichen mit früheren Erfolgen erlebt der DJE Dividende & Substanz (WKN: 164325) aktuell eine Schwäche. Die Anteilscheine notieren 50,6 Prozent höher als im November 2010. Das war nur die Hälfte des Ertrags, der mit dem MSCI World theoretisch zu erzielen war. Dennoch würde sich wohl kaum jemand über eine Jahresrendite von 8,5 Prozent beschweren.

Ein letzter Fall: der DWS Top Dividende (WKN: 984811). Mit einem Fünfjahresplus von 75,7 Prozent werden die Lenker des DWS-Vorzeigeprodukts vermutlich selbst nicht ganz zufrieden sein, hat der globale Aktienindex in der Zeit doch 22 Prozent mehr eingefahren. Indessen bedeuten 75,7 Prozent, dass jeder, der den DWS Top Dividende 2010 kaufte, seither rechnerisch 11,9 Prozent Rendite im Jahr gemacht hat.


Nor wenige Fonds schnitten in den letzten fünf Jahren besser ab als das Börsenbarometer MSCI.
Doch selbst die schwachen Portfolien brachten meist eine ordentliche Rendite
Quelle: Bloomberg

Es bleibt der generelle Einwand, dass sich ein ähnlich hoher oder höherer Ertrag mit Indexfonds (ETF) erzielen lässt, also ohne das Risiko, auf den falschen Fondsmanager zu setzen. Nur kommt der Kunde in Deutschland eben nicht zum Fonds, der Fonds muss zum Kunden kommen. Das ist eine Tatsache.

Indexprodukte bleiben in der Regel institutionellen Kunden und Profi-Tradern vorbehalten. Während Privatanleger entweder einen aktiv gemanagten Fonds in der Bankfiliale kaufen oder gar keinen. Und damit gar kein Börsenprodukt. Punkt.

So bleibe ich bei meiner Aussage: Einen mäßigen (globalen) Aktienfonds haben ist besser als gar keine Aktien haben

Mittwoch, 11. November 2015

Psycho-Kuriositäten der Kapitalanlage

Only 5 percent of active mutual fund managers outperform the benchmark index. Why is that so? And is that a reason not to invest in the equities market?

Regenschauer statt Sonnenschein? Wie lange würde sich ein Wettervorhersager halten können, der das Wetter manchmal richtig vorhersagt, manchmal aber total danebenliegt? Vermutlich kein Jahr. Bei Geldanlagen sind die meisten Deutschen da sehr viel duldsamer. Zumindest wenn die Anlage schön verpackt und mit einem wohl klingenden Namen versehen ist.

Willkommen in der kuriosen Welt der Investmentfonds! 

Statistisch gesehen ist die Rendite-Bilanz von Investmentfonds, bei denen ein Geldmanager "aktiv" eine Anlageentscheidung trifft und dafür honoriert wird, alles andere als grandios. Eine Auswertung der Stiftung Warentest hat jetzt ergeben, dass in den vergangenen fünf Jahren nur 4,7 Prozent der Fondsmanager eine höheren Ertrag erwirtschaftet haben als der globale Aktienindex MSCI World. Dieses Urteil ruht auf einer breiten empirischen Basis. Die Stiftung Warentest verfügt über eine 17.000 Fonds umfassenden Datenbank.

Das schlechtere Abschneiden der Fonds ließe sich vielleicht noch rechtfertigen, wären die Fonds zumindest weniger riskant oder schwankungsanfällig als ein direktes Engagement in marktüblichen Wertpapieren. Doch auch in der Hinsicht Fehlanzeige: Lediglich ein Fünftel der Fonds hat es nach Berechnung der Stiftung Warentest geschafft, in den letzten fünf Jahren einen geringeren maximalen Verlust zu erleiden als der Index.

Auf längere Sicht sieht es nicht besser aus: Seit Beginn der Finanzkrise im Juli 2007 hatten nur 5,5 Prozent der von einem Manager verwalteten Aktienfonds eine höhere Rendite als der MSCI World. Selbst in dieser Zeit, die durch Extreme charakterisiert ist, verzeichnen nur eine Minderheit von gut einem Drittel (34,6 Prozent) der aktiven Fonds einen geringeren Maximalverlust des MSCI World.

Noch schlechter sieht es bei Mischfonds aus, den momentanen Verkaufsschlagern in Deutschland. Nach der Auswertung der Stiftung haben es klägliche 0,5 Prozent der aktiv gemanagten Mischfonds geschafft, eine höhere Rendite einzufahren, als eine simple Mischung von 25 Prozent Aktien (MSCI World) und 75 Prozent Anleihen (Barclays Euro Aggregate). Dazu kommt noch: Nur rund ein Fünftel (20,5 Prozent) hatten in den vergangenen fünf Jahren einen geringeren schlimmsten Verlust als die Benchmark-Mischung.


Keine berauschende Bilanz. Aber allemal besser als nullkommanull auf dem Girokonto
Quelle: Stiftung Warentest


In den acht Jahren seit Beginn der Finanzkrise sieht es etwas besser aus: Da haben es 6,9 Prozent der aktiven Mischfonds geschafft, eine höhere Rendite zu erzielen als "der Markt". Immerhin konnten 44,6 Prozent der Portfolien ihre Verluste in schlechten Zeiten besser begrenzen als die imaginäre Benchmark.

Erstaunlich: Während mehrere marktbedingte Minus-Monate in Folge Anleger veranlassen können, sich entnervt von einem guten Fonds zu trennen, gehen die Sparer mit einem schlechten Fonds sehr viel duldsamer um, solange der nur im positiven Bereich bleibt. 

Das gilt selbst dann, wenn die Wertentwicklung des Fonds jahrelang deutlich schlechter ist als die des Index oder eines Indexfonds (ETF). 

Viele Anleger stören sich nicht daran, dass ihr Fonds schlechter läuft "als der Markt". Der Markt ist ein Abstraktum, der Manager ihres Investmentprodukts aber ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, eine Vertrauensperson, ein Verwalter, mutmaßlich eine Koryphäe ... und ein Kapitän in schwerer See. 

Außerdem käme der Verkauf des Fonds trotz positiver Zahlen dem Eingeständnis des Anlegers gleich, falsch entschieden zu haben. Und wer will schon einen Fehler eingestehen?

Dennoch bleibt auch diese Aussage wahr: Einen schlechten Aktienfonds haben ist besser als gar keine Aktien haben



Sonntag, 8. November 2015

Italy, Germany and the popularity of the euro

Italy's per capita GDP has been stagnating for ten years now. That might be one reason the euro is not too popular among Italiens. Elsewhere popular support for the single currency is strong, as the new Eurobarometer poll shows. 

Die Deutschen fühlen sich Italien verbunden. Das Land südlich der Alten ist für viele Bundesbürger der Sehnsuchtsort schlechthin. Deutsche und Italiener haben viel gemeinsam - zum Beispiel prägen erfolgreiche Mittelständler und Familienunternehmen die Wirtschaftsstruktur -, zugleich gibt es eine Sache, in dem sie sich gravierend unterscheiden:

Kaum zwei Länder liegen so weit auseinander, wenn es darum geht, die Wirkung des Euro auf ihre Ökonomie zu bewerten.

Deutschland gehört zu den Ländern, deren Bevölkerung die europäische Währung eher positiv als negativ sieht. Nach der jüngsten Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission sind 70 Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass der Euro ihrer Heimat gut tut. Rund ein Fünftel äußert sich dagegen skeptisch.


Quelle: Eurobarometer November 2015

Nur zwei Nationen beurteilen das europäische Geld noch vorteilhafter, Luxemburg und Irland - die Iren übrigens trotz des rigiden Anpassungsprogramms in Nachklang der Schuldenkrise.

Ganz anders das schönste Land Europas (und vielleicht der Welt): In Italien können sich lediglich 49 Prozent der Befragten zu der Aussage durchringen, der Euro sei gut für die heimische Wirtschaft. 
Damit sind die Italiener das einzige Volk, in der sich keine Mehrheit für die Aussage findet: "Den Euro zu haben, ist eine gute Sache für mein Land." Selbst in Zypern, das einst einen Kapitalschnitt erdulden musste, stellen die Euro-Fans die Mehrheit, wenngleich nur hauchdünn mit 50 Prozent. 

Interessanterweise findet das europäische Geld sowohl in Geberländern wie der Bundesrepublik (70 Prozent) oder Finnland (64 Prozent) als auch in "Programmländern" wie Spanien (64 Prozent) oder Portugal (61 Prozent) eine breite Unterstützung. Im krisengeschüttelten Griechenland liegt der Anteil der positiven Einschätzungen bei 65 Prozent. Der Grexit scheint in weite Ferne gerückt.

Warum könnte die Zustimmungsrate zum Euro ausgerechnet in Bella Italia so niedrig sein? Dabei muss berücksichtigt werden, dass auch die explizite Ablehnung der europäischen Währung unter den Italienern mit 41 Prozent besonders hoch ist.

Ein Grund dürfte sein, dass das Wachstum seit Einführung des Euro eines der niedrigsten in der Währungsunion war. Das Wohlstandsniveau zumindest im Norden des Landes ist zwar weiterhin eines der höchsten in der Alten Welt. Allerdings stagniert die Wirtschaftsleistung pro Kopf seit etwa einem Jahrzehnt.

Während das italienische Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 2005 nur von 25.800 auf 26.800 Euro per capita stieg, was einem Plus von mageren vier Prozent entsprach. klettert das spanische trotz Immobilienkrise von 21.300 auf 23.700 Euro, also um elf Prozent.
Italien erlebt zwar keinen Abstieg in absoluten Zahlen, aber doch einen im Vergleich zu anderen Nationen innerhalb und außerhalb der Währungsunion.


Das italienische Wohlstandsniveau tritt seit einer Dekade auf der Stelle
Quelle: IWF World Economic Outlook Oktober 2015


Euro-Anhänger mögen Trost darin finden, dass selbst in Italien die Zustimmung zu Euro steigt. Verglichen mit dem vorigen Eurobarometer ist die positive Einschätzung jetzt um sechs Prozentpunkte höher ausgefallen als bei der vorherigen Umfrage vor einem Jahr.

Noch etwas: Nach Angaben der Kommission war die Einstellung zur europäischen Währung noch nie so positiv wie derzeit. Das Eurobarometer wird seit 2002 in unregelmäßigen Abständen erhoben und macht immer dann Schlagzeilen, wenn die Ablehnung des Euro zugenommen hat.

Das Eurobarometer basiert auf 17.500 telefonischen Interviews, die zwischen dem 12. und dem 14. Oktober in 19 Euro-Ländern durchgeführt wurden.

Weist das Eurobarometer steigende Sympathien für den Euro aus, ist es den Nachrichtenportalen keine Meldung wert. Soviel zum Thema Mainstream-Medien

Malstrom-Medien

Dienstag, 3. November 2015

Auto oder Kind? Googlepsychology

Wie Ihr wisst, bin ich ein Fan von Google-Autocomplete. Der suchmaschinelle Weltgeist weiß so viel über uns. Und offenbart oft Überraschendes. Wer zum Beispiel eingibt "Wann ist der beste Zeitpunkt für" sieht schnell, welche Timingfrage die Menschen wirklich bewegt. Bei uns und anderswo.

Um es vorwegzunehmen: Rat, wann man bei VW einsteigen soll, wird bei Google nicht gesucht.

Im deutschsprachigen Europa sind das vor allem zwei Fragen: Entweder interessieren sich die Leute dafür, wann die beste Zeit ist, ein Kind zu bekommen ... oder ein Auto zu kaufen, wobei das oder auch und bedeuten kann.





Aufschlussreicherweise scheint die Französisch sprechenden Google-Nutzer Ähnliches umzutreiben. Die Frage nach dem besten Zeitpunkt, schwanger zu werden (tomber enceinte), steht auch in Frankreich vorne. In Italien nebenbei erwähnt ebenfalls (rimanere incinta).

Nicht in der automatischen Vervollständigungen à la française vertreten ist dagegen die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zum Autokauf. Dafür soll die Suchmaschine Auskünfte über das optimale Timing für Sport (faire du sport) liefern. 


Nun aber ein Blick auf die Google-Nutzer spanischer Zunge. Anstelle der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für ein Kind, scheint sie vorrangig zu interessieren, wann es geboten ist, einen Schwangerschaftstest (prueba de embarazo) zu machen.

Im weiteren treibt die Spanier das richtige Timing im Beziehungsleben um. Wann ist der richtige Zeitpunkt zu sagen "Ich liebe Dich" (decir te amo), wann für den ersten Sex mit dem Verlobten (tener relaciones con tu novio)?





Die englischsprachige Google-Nutzer hingegen schlagen sich mit ganz anderen Dingen herum ... Sie scheint am meisten zu bewegen, wann der beste Zeitpunkt ist, etwas in den sozialen Medien zu posten. Immerhin kommt das Baby-Timing noch vor dem Facebook-Timing:



Ceterum censeo, dass der deutschen Sprache das Wort undoder fehlt