Dienstag, 20. Oktober 2015

Eine Cola für 50 Dollar: Marty McFly und die Prognosen

"Where we are going we don't need roads", says Doc Brown before he and Marty McFly travel trough time from 1985 to 2015. That's not the only miscalculation. Economically the real 2015 looks quite different than they expected the future would look like back in the 1980s. 

Mit Prognosen ist ja so eine Sache. Die Zukunft fällt immer anders aus, als man sich das vorstellte. Das scheint ein Naturgesetz zu sein. Ein schönes Beispiel, um die Abweichung von Vision und Wirklichkeit zu studieren, ist der Film "Zurück in die Zukunft".

Im zweiten Teil des Kassenschlagers aus den Achtzigern reist Protagonist Marty McFly zusammen mit dem überdrehten Erfinder Doc Brown dank einer Zeitmaschine, schick in einem Delorean DMC-12 Sportwagen verbaut, vom Jahr 1985 aus dreißig Jahre in die Zukunft. Der Tag, an dem die drei landen, ist der 21. Oktober 2015.

Also, wenn Ihr einen Delorean vorbeifliegen seht, wundert Euch nicht.



Es ist der 21. Oktober 2015. Marty McFly und Doc Brown sind gelandet!


Wie nun sich nun Hollywood die drei Jahrzehnte entfernt Zukunft vorgestellt? Fliegende Autos wie im Film gibt es keine. Auch keine, die mit einem Fusionsgenerator oder einem Fluxkompensator angetrieben werden. Ja, es existieren von wenigen Ausnahmen abgesehen nichtmal Fahrzeuge, die emissionsfrei fahren.

Die interessantesten Fehlvorstellungen finden sich aber, wenn es um das Wirtschaftsleben geht. Als Marty sein künftiges 30 Jahre älteres Ich trifft, ist der Chef des Marty von 2015 – ganz selbstverständlich – Japaner.

Nach dem rasanten Aufstieg des fernöstlichen Inselreichs von den Sechziger- bis Achtzigerjahren malte sich Hollywood das künftige Amerika als japanisch dominiert aus. Weit gefehlt. In Realität ist Japan ökonomisch weit hinter Amerika zurückgefallen.

Auch eine andere Prognose traf nicht so ganz ein. Damit sich Marty im "Café der Achtzigerjahre" eine Pepsi kaufen kann, drückt ihm Doc einen 50-Dollar-Schein in die Hand. Die Erinnerung an zweistellige Inflationsraten ein halbes Jahrzehnt zuvor war noch recht frisch.

So konnte man vielleicht wirklich annehmen, dass eine Cola 30 Jahre später einen Fünfziger kosten würde. Doch die Zeiten der rasanten Geldentwertung sind vorbei. Selbst in teuren Etablissements wird die braune Brause gerade mal für fünf Dollar ausgeschenkt.

Nicht vorhergesagt wurden dagegen das Internet oder Mobiltelefone, was heute ziemlich komisch anmutet. So fehlt denn auch bei den in Film gezeigten US-Marken die erfolgreichste Firma der vergangen 30 Jahre: Apple.

Davon abgesehen lagen Steven Spielberg und Robert Zemeckis, die Macher von "Back to the Future" gar nicht so verkehrt. Alle Firmen, die im Film namentlich erwähnt werden, existieren noch heute.

Statt in Versuchung zu geraten, 2015 einen Almanach  mit den Sportergebnissen der vergangenen fünf Dekaden zu kaufen und darauf zu wetten, hätte Marty gut daran getan, nach seiner Rückkehr 1985 in Aktien zu investieren.

Der Hoverboard-Hersteller Mattel hätte dabei noch am schlechtesten abgeschnitten, was vielleicht daran liegt, dass es ein fliegendes Skateboard bis heute nicht zu kaufen gibt. Dennoch, aus 100 Dollar wären mit Mattel-Aktien inklusive Dividende 906 Dollar geworden, was einer Jahresrendite von acht Prozent entspricht.



Auch Pepsi wäre für Marty ein gutes Investment gewesen: Vielleicht gerade deshalb, weil niemand heute 50 Dollar für eine Pepsi bezahlen muss, sondern eher zwei oder drei Dollar, das aber rund um den Globus. Der amerikanische Lifestyle hat sich in den 30 Jahren seit Martys Start in Hill Valley auf eine Weise weltweit verbreitet, die damals womöglich nicht vorhersehbar war.

Als Folge davon hätten sich Hundert Dollar, im Oktober 1985 in Pepsico-Titel investiert, heute in 5.443 Dollar verwandelt. Das waren 14,3 Prozent per annum.



Den Vogel hätte Marty jedoch mit Nike-Papieren abgeschossen. Nicht nur, weil es der US-Konzern geschafft hat, die Powerlaschen aus dem Film tatsächlich herzustellen. Sportswear und Streetwear dominieren unseren heutigen Lebensstil auf ungeahnte Weise. Und Nike ist ganz vorne mit dabei.

Anlegern, die schon 1985 investiert waren, bescherte der US-Sportartikler eine Traumrendite von 22,5 Prozent im Jahr. Aus 100 Dollar wurden sagenhafte 43.667 Dollar. Damit befindet man sich schon in der Warren-Buffett-Liga.

Der Kursverlauf sieht aus wie Doc's durchstartender Delorean:


Quelle für alle 3 Charts: Bloomberg


Ein schlechtes Investment wären 1985 übrigens japanische Aktien gewesen: Die stiegen kurz nach Martys Start im Oktober 1985 nochmal stark an, doch schon 1990 war es vorbei mit Nippons Gipfelsturm. Japan ist weit davon entfernt, Amerika aufzukaufen



Quelle: Bloomberg, eigene Recherche




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen