Sonntag, 13. September 2015

Warum unsere Währung nicht ins Bodenlose fällt

Strong dollar forever? Think twice. The United States is a current account deficit economy. So the euro should appreciate in the long run

Von der Parität zum Dollar redet niemand mehr. Anfang des Jahres war das noch das große Thema an den Devisenmärkten: Den Euro würde bald für einen Dollar geben, vielleicht schon Ende 2015, und später noch billiger ...

Jetzt lassen sich etliche gute Gründe finden, warum der Greenback derzeit stark ist, auch gegenüber der europäischen Währung. Allen voran die relativ hohen (Real)Zinsen in den USA, die Geld nach Amerika ziehen wie ein finanzieller Supermagnet.

Allerdings dürfte die jetzige und auch die künftige Zinsentwicklung schon weit gehend eingepreist sein. Druck auf den Kurs wird allenfalls von Mario Draghis schwer berechenbarer Bereitschaft kommen, noch mehr Notenbankgeld für Anleihen zu verausgaben.


Foto: Daniel Eckert


Langfristig spricht jedoch eines ganz klar dagegen, dass der Euro zum Dollar ins Bodenlose fällt: Die Eurozone hat gegenüber dem Dollar-Raum einen Leistungsbilanzüberschuss. Das heißt, dass mehr Waren "Made in Euroland" nach Amerika schippern als umgekehrt.

An den Devisenmärkten müssen ständig Dollar verkauft und Euro gekauft werden, um die Leistungsbilanz auszugleichen.

Aktuell exportieren die 19 Länder der Währungsunion deutlich mehr Güter und Dienstleistungen, als sie einführen. Das positive Saldo beläuft sich auf einen Gegenwert 260 Milliarden Euro, wobei zugegebenermaßen das Gros des Überschusses auf die Bundesrepublik Deutschland entfällt.
Das entspricht rund 2,6 Prozent des Euroland-Bruttoinlandsprodukts. Tendenz steigend:



Quelle: Bloomberg


Ganz anders die USA: Hier betrug das Defizit aus dem Austausch von Gütern und Dienstleistungen zuletzt 380 Milliarden Dollar oder 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung:


Quelle: Fed St. Louis


Ich erlaube mir folgenden Hinweis: Wenn nicht nur der Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone zunimmt, sondern auch das Defizit der Vereinigten Staaten geringer wird, muss einer die Zeche zahlen. Vermutlich sind das die Schwellenländer, deren Wettbewerbsposition sich so sehr verschlechtert hat, dass ihre Exporterfolge der Vergangenheit angehören.

Lass jetzt noch die 3D-Drucker kommen und die Werkbank der Welt überflüssig machen!




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen