Donnerstag, 17. September 2015

Die Maß kostet erstmals mehr als zehn Euro

The average price for the Oktoberfest Maß (1 litre of beer) will be more than 10 euros this year for the first time ever. And the general Wiesn inflation will bei 3.6 per cent, way higher than general consumer price inflation in Germany. 

Das Maß ist voll, oder besser: Die Maß. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Auf dem am 19. September beginnenden Oktoberfest wird der Liter Bier im Schnitt erstmals mehr als zehn Euro kosten. In einzelnen Zelten kostete die Maß schon letztes Jahr so viel, aber nicht flächendeckend.

Vergangenes Jahr wurde der Liter Bier in den knapp drei Dutzend  Wiesn-Zelten im Mittel noch für 9,90 Euro ausgeschenkt, 2015 sind es nun 10,20 Euro, wie die Ökonomen von UniCredit Bank in München ausgerechnet haben. Das Maximum auf der Theresienwiese liegt heuer bei 10,40 Euro, nach 10,10 Euro im Vorjahr.


Quelle: UniCredit, www.oktoberfest.de, eigene Recherche

Das entspricht einer Teuerung von gut drei Prozent, weit über der allgemeinen Inflationsrate (VPI) in Deutschland, die zuletzt bei 0,2 Prozent lag. Die UniCredit Bank und ihre Münchner Vorgängerin HypoVereinsbank werten das Oktoberfest-Preisniveau schon seit Jahren aus, und seit Jahren zeigt es deutlich nach oben.

Die Banker haben sogar einen eigenen Index erstellt, den Wiesn Visitor Price Index (WVPI), der auch Transport und Bankhendl umfasst. Die Oktoberfest-Preise insgesamt ziehen dieses Jahr sogar noch stärker als als der Bierpreis, nämlich um 3,6 Prozent.

Im Jahr 2014 war der Wiesn Visitor Price um zwei Prozent geklettert, im Jahr 2013 um 3,6 Prozent.


Die Wiesn ist ein teures Vergnügen. Die Besucher kommen trotzdem in Scharen.
Im Jahr 2014 waren es 6,3 Millionen aus aller Welt
Quelle: UniCredit


"Das letzte mal, dass die Verbraucherpreise in Deutschland insgesamt so schnell stiegen wie die Wiesn-Preise 2015, war 1992 und 1993", merkt UniCredit-Ökonom Thomas Strobel an.

Seit 1985 hat sich der Besuch der Wiesn inklusive Transport und Hendl im Schnitt um 3.9 Prozent im Jahr verteuert, mehr als doppelt so stark wie die deutschen Konsumentenpreise im Allgemeinen (1,8 Prozent). Auf dem größten Volksfest der Welt ist Inflation also nichts Neues.

Als Erklärung führen Strobel und seine Kollegen den Kostenfaktor Sicherheit, sprich Regulierung, an. Auch der Mangel an Konkurrenz trägt ihrer Meinung dazu bei. Denn ausschenken dürfen nur Brauereien, die eine bestimmte Größe haben und in München produzieren.

"Assessing the higher price increases at the Oktoberfest, it needs (...) to be mentioned that there has also been a clearly disproportionate increase in the costs of erecting and operating a Wiesn tent, not least because of the much more stringent security requirements. Furthermore, the competitive situation at the Oktoberfest is completely different compared to that of restaurants and the retail beer trade in Germany."

Unter dem Strich ist es eben so, dass die Wiesn ein besonderes Erlebnis ist. Da fällt ein Aufschlag von 30 Cent je Liter kaum ins Gewicht. Wer eine Reise nach München macht, um im Hofbräuhaus-Festzelt oder in der Paulaner-Festhalle zu schunkeln, achtet ebenso wenig auf den Euro wie der Apple-Fanboy, wenn er sich das nächste iPhone zulegt.

Das Oktoberfest bleibt das Maß aller Feste. Oder heißt es: die Maß?

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