Montag, 7. September 2015

Das geheime Leben des Euro

Die gemeinsame europäische Währung ist voller Geheimnisse. Ein Rätsel ist zum Beispiel, warum es so schwer fällt, den Wechselkurs zum Dollar einzuschätzen. Ist der Kurs bei jetzt 1,10 Dollar hoch oder niedrig?

Die meisten Menschen würden wohl instinktiv antworten, dass der Euro heute "sehr tief unten" ist, immerhin notierte er vor gut einem Jahr bei 1,40 Dollar und 2008 gar bei 1,60 Dollar.

Betrachtet man den Euro jedoch historisch als Nachfolger der Deutschen Mark, zeigt sich, dass die momentanen Notierungen keineswegs außergewöhnlich niedrig sind. Zwischen der US-Währung und der europäischen Hauptwährung hat es stets starke Ausschläge gegeben. Vor dreißig Jahren war der Dollar sehr viel stärker als heute, ohne dass deswegen wie Welt unterging.

Doch scheint es eine Art Gravitationszentrum zu geben, das die eine wie die andere Devise davon abhält, davon zu driften.

Seit einer Generation gibt es anders als bei anderen Währungspaaren keinen Großtrend in die eine oder die andere Richtung. Weder die eine, noch die andere rauscht in den Orkus. Der Dollar und die wichtigste europäische Währung sind sich ebenbürtig.

Allenfalls kann von einer leichten säkularen Aufwärtstendenz des Euro gesprochen werden, was aus der geringeren Inflation und dem Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone resultiert.


Seit Anfang der achtziger Jahre kreisen D-Mark/Euro und Dollar um eine Art Kaufkraftzentrum, das den Wechselkurs immer wieder in die eine oder die andere Richtung zieht
Quelle: Bloomberg


Im arithmetischen Mittel der vergangenen 35 Jahr stand der Kurs bei 1,1765 Dollar. Aktuell liegt der Euro nur leicht darunter. Kein Grund zu Panik also und auch kein Grund, Unsinn zu behaupten wie dass Deutschland eigentlich einen Kurs von 1,60 Dollar bräuchte.

Interessant übrigens : Würde sich der leichte Aufwärtstrend der D-Mark und ihres Nachfolgers Euro zur Leitwährung fortsetzen, müsste die europäische Währung 2016 bei 1,30 Dollar notieren. Mal sehen, was die Zukunft bringt


Der langfristige Trend (rote Linie) zeigt nach oben: Die europäische Hauptwährung wertet zum Dollar leicht auf
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche










Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen