Donnerstag, 27. August 2015

Chinas Wirtschaft vor dem Kollaps? Ein Googlesurteil

China's economy is collapsing. Says Google autocomplete. Is it collective intelligence or collective nonintelligence?

Im Mittelalter entstand der Ausdruck "Gottesurteil". Das Wort wurde meist verwendet, um besonders grausame Strafen zu beschönigen oder mit dem vermeintlichen Willen des Allmächtigen zu rechtfertigen. Nur gelegentlich stand es für Begnadigung und Milde.

Was dem Mittelalter sein Gottesurteil, ist uns Heutigen das Googlesurteil, und das passt insofern gut, als wir bekanntlich im digitalen Mittelalter leben.

Wenn die Autovervollständigung der Suchmaschine das Kriterium ist, fällt das Googlesurteil über die Zukunft Chinas - und das ist im Moment die große Frage - vernichtend aus:

Ist die kollektive Intelligenz (oder Nichtintelligenz?), die Mountain View täglich konsultiert, der Richter, steht die chinesische Konjunktur vor dem finalen Absturz. Eindeutiges Verdikt:


Quelle: Screenshot/Google


Angesichts solch düsterer Prognosen wird die Führung in Peking beruhigt sein, dass Google in der Volksrepublik nur eingeschränkt nutzbar ist, vulgo: zensiert wird.

Ob die kondensierte Erwartungshaltung in Form der Autovervollständigung mehr weiß als China-Kenner und Entwicklungsökonomen, die die Lage im Reich der Mitte weniger dramatisch sehen und eher von einem Umbruch statt von einem Kollaps sprechen?

In einigen Monaten werden wir es wissen. Und dann auch ein Mosaiksteinchen mehr in der Hand halten, das uns helfen wird die Frage aller Frage zu beantworten:

Verfügt die kollektive Intelligenz des Internet eigentlich über ein tieferes Wissen oder ist sie am Ende doch eine Nichtintelligenz von Flachklickern?

Den Hinweis auf die Google-Autovervollständigung verdanke ich Helmut Reisen


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