Montag, 31. August 2015

Wenn der starke Euro Kummer macht

While the euro has depreciated against the Swiss franc and the US dollar, it has tended to be strong against a wide range of Emerging Markets currencies. 

Und was macht der Dollar? fragte stets André Kostolany und zog dazu theatralisch die Augenbrauen hoch. Heute würde der Börsenaltmeister mit ebenso großem Recht fragen: Und was macht der Euro?

Konträr zu allgemeinen Wahrnehmung ist es nicht etwa ein imaginärer Verfall des Euro, die den Dax-Aktionären Kummer bereitet, sondern die jüngst Stärke der Gemeinschaftswährung.

Zwar hat der Euro auch 2015 wieder ein gutes Stück zur Leitwährung Dollar abgewertet, und zum Schweizerfranken ohnehin, doch gegenüber jeder Menge Devisen hat er sich verteuert, teils sogar drastisch. Darunter befinden sich Währungen nennenswerter Handelspartner, zum Beispiel der Brasilianische Real.


Gegenüber diesen Währungsräumen hat sich die Wettbewerbsposition der Eurozone 2015 verschlechtert
Quelle: Bloomberg

Dazu kommt noch, dass der Euro zuletzt ausgerechnet an schwachen Börsen-Tagen steigt. Das rührt daher, dass Hedgefonds ihn wegen der niedrigen Zinsen verstärkt als Finanzierungswährung für ihre carry-trades nutzen.

Laufen die Märkte gegen sie, fahren sie ihre Geschäfte zurück und tilgen die Euro-Kredite vorzeitig.
Sie müssen die Währungen ihrer aufgelösen Zielinvestments (zum Beispiel US-Dollar) an den Devisenmärkten in Euro tauschen: Der Kurs zieht an.

So kommt im Börsen-Crash von der Währungsseite keine Entlastung für den Aktienmarkt, sondern zusätzlicher Druck.

Es ist nicht leicht mit dem Euro


Gegenüber der Schweiz, dem Dollar-Raum, Großbritannien und anderen hat sich die Wettbewerbsposition verbessert
Quelle: Bloomberg







Freitag, 28. August 2015

Goethe was a blogger, too

Zumindest kannte der Geheimrat die Nöte des Bloggers und des Online-Redakteurs und hat sie zum Beginn seines "Faust" treffend auf den Punkt gebracht, als er im Vorspiel auf dem Theater den Direktor sagen lässt:

Sie sitzen schon, mit hohen Augenbraunen, 
Gelassen da und möchten gern erstaunen.
Ich weiß, wie man den Geist des Volks versöhnt; 
Doch so verlegen bin ich nie gewesen:
Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt, 
Allein sie haben schrecklich viel gelesen.
Wie machen wir's, daß alles frisch und neu
Und mit Bedeutung auch gefällig sei?

Und dann:

Denn freilich mag ich gern die Menge sehen,
Wenn sich der Strom nach unsrer Bude drängt


Als Klassiker in Leder gebunden, aber doch immer wieder strahlend neu:
Johann Wolfgang von Goethe, geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
Foto: Daniel Eckert



Donnerstag, 27. August 2015

Chinas Wirtschaft vor dem Kollaps? Ein Googlesurteil

China's economy is collapsing. Says Google autocomplete. Is it collective intelligence or collective nonintelligence?

Im Mittelalter entstand der Ausdruck "Gottesurteil". Das Wort wurde meist verwendet, um besonders grausame Strafen zu beschönigen oder mit dem vermeintlichen Willen des Allmächtigen zu rechtfertigen. Nur gelegentlich stand es für Begnadigung und Milde.

Was dem Mittelalter sein Gottesurteil, ist uns Heutigen das Googlesurteil, und das passt insofern gut, als wir bekanntlich im digitalen Mittelalter leben.

Wenn die Autovervollständigung der Suchmaschine das Kriterium ist, fällt das Googlesurteil über die Zukunft Chinas - und das ist im Moment die große Frage - vernichtend aus:

Ist die kollektive Intelligenz (oder Nichtintelligenz?), die Mountain View täglich konsultiert, der Richter, steht die chinesische Konjunktur vor dem finalen Absturz. Eindeutiges Verdikt:


Quelle: Screenshot/Google


Angesichts solch düsterer Prognosen wird die Führung in Peking beruhigt sein, dass Google in der Volksrepublik nur eingeschränkt nutzbar ist, vulgo: zensiert wird.

Ob die kondensierte Erwartungshaltung in Form der Autovervollständigung mehr weiß als China-Kenner und Entwicklungsökonomen, die die Lage im Reich der Mitte weniger dramatisch sehen und eher von einem Umbruch statt von einem Kollaps sprechen?

In einigen Monaten werden wir es wissen. Und dann auch ein Mosaiksteinchen mehr in der Hand halten, das uns helfen wird die Frage aller Frage zu beantworten:

Verfügt die kollektive Intelligenz des Internet eigentlich über ein tieferes Wissen oder ist sie am Ende doch eine Nichtintelligenz von Flachklickern?

Den Hinweis auf die Google-Autovervollständigung verdanke ich Helmut Reisen


Mittwoch, 26. August 2015

DAS ist eine Epochenwende!

France isn't the biggest importer of German goods any more. For the first time in half a century.

Seit 1961 war Frankreich Jahr für Jahr Deutschlands wichtigster Handelspartner. Seit 2015 gilt das nicht mehr. Wie neue Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigen, hat eine andere Nation unseren Nachbarn als wichtigsten Abnehmer von Waren "Made in Germany" überflügelt: die Vereinigten Staaten.

Nach Destatis-Angaben sind die Geschäfte mit Frankreich im ersten Halbjahr 2015 um vier Prozent auf 53,5 Milliarden Euro gewachsen. Die Exporte in die USA stiegen hingegen um rund 24 Prozent auf knapp 55,8 Milliarden Euro. Der günstige Wechselkurs hat dazu beigetragen, deutsche Autos etc. in Amerika noch attraktiver zu machen, kann aber nicht als alleinige Erklärung herhalten.

Vergangenes Jahr war Frankreich noch unser wichtigster Kunde. Doch die Strukturprobleme und die Wettbewerbsschwäche der zweitgrößten Euroland-Ökonomie fordern ihren Preis.Die Dynamik des Handels fällt deutlich zurück. Ob Frankreich den Status unseres Abnehmers Nummer eins je wieder erlangen wird?


Deutsche Exporte nach Zielländern. China stand 2014 an Position vier, Russland kam erst an 13. Stelle
Quelle: Destatis


"Eine Ära geht zu Ende", kommentierte Volker Treier, der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK, die neuen Daten.

Recht hat er. Wenn etwas nach 54 Jahren zu Ende geht, kann man schon mal von Epochenwende sprechen. Auch und gerade in einer Zeit, in der schon jeder Fünfcent-Huster des Euro zum Paradigmenwechsel hochdramatisiert wird.

Übrigens hat man auch in Frankreich die Verschiebung interessiert zur Kenntnis genommen:

Les Etats-Unis supplantent pour la première fois la France comme premier client de l'Allemagne

Dienstag, 25. August 2015

Der Crash ist ein Geschenk

The stock market crash might be a gift for value investors. 

Dividendentitel sind vor allem dann ein intelligentes Investment, wenn die künftige Dividende höher oder zumindest genauso hoch ausfällt wie die heutige.

Daher lohnt es sich, einen Blick auf die künftige Ertragsentwicklung der Firmen zu werfen. Denn steigen die Gewinne, stehen die Chancen gut, dass auch die Ausschüttungen steigen werden.

Die Commerzbank hat eine interessante Liste mit deutschen Aktien zusammengestellt, denen die Analytiker dieses und nächstes Jahr eine Gewinnsteigerung zutrauen, geordnet nach der Anhebung der Prognosen seit dem hiesigen Börsenhoch am 10. April 2015.

Ich geben hier jene Firmen wieder, die eine nachhaltige Dividende von drei Prozent oder mehr erwirtschaften (mithin ausschüttungsstark sind) und deren Gewinnerwartung sich seit dem Dax-Rekord weiter verbessert hat:


Quelle: Commerzbank, eigene Recherche


In diesem Sinn bietet der jetzige Kurseinbruch die Gelegenheit, gute Aktien billig einzusammeln. Ja, ein Crash kann tatsächlich ein Geschenk sein


Dax mit drittgrößtem Punktegewinn der Geschichte

German benchmark index Dax posted its third-best one-day point gain ever today: 
479.69 points!

Der heutige Dax-Tagesgewinn war mit 479,69 Punkten der drittgrößte der Dax-Geschichte. Nur in den atemlosen Zwischenerholungen nach der Lehman-Panik im Herbst 2008 hat der deutsche Leitindex in Punkten gerechnet mehr zugelegt:
Am 28. Oktober 2008 schoss der Dax um 488,81 Zähler nach oben und am 13. Oktober 2008 sogar um 518,14 Zähler.



Was für ein Tag! Mächtige Dax-Erholung nach der China-Angst. Oder war es Fed-Angst?
Quelle: Bloomberg

Wie dem auch sei: Glückauf!

Montag, 24. August 2015

Glückwunsch, RWE-Aktionäre! Nicht.

Zuerst in der Börsenrally nichts gewinnen und dann im Dax-Absturz am meisten verlieren. Das ist das besondere Gepräge der RWE-Aktie.


Quelle: Bloomberg

Das Versorgerpapier ist seit dem Rekordhoch des Dax um 46 Prozent in den Keller gerauscht. Die deutsche Energiewende und die globale Carbon Bubble lassen grüßen.

Unter den größten Verlierern findet sich an Position fünf auch der zweite Großversorger im Lande, E.on. 



Der Gewinn je Aktie hat sich seit 2008 gedrittelt
Quelle: Bloomberg

Daneben sind da vor allem Globalisierungsaktien und "China-Wetten" wie Volkswagen, BASF oder BWM. Banken dürfen unter den Minus-Meistern - wie könnte es anders sein - ebenfalls nicht fehlen.

Doch während die Weltkonjunktur wieder drehen kann, gibt es für das Geschäftsmodell der alten Versorger wohl wenig Hoffnung. Für das Geschäftsmodell der meisten Geldhäuser ebenso wenig.

Säkularer Abstieg dürfte das passende Wort sein




Was passierte am 11. August 2015?

Was ist seit dem 11. August 2015, dem Tag des Yuan-Schocks, anders? Seither haben die globalen Bösen rund 8.000 Milliarden Euro an Marktwert verloren.

Wenn schon eine offiziell eingeräumte Wachstumsabkühlung auf sieben Prozent für Peking riskant genug ist, dass es seine Währung so kräftig abwertet wie seit 1994 nicht ... dann steht es um die chinesische Wirtschaft entweder schlimmer als gedacht oder China ist aus relativ geringem Anlass bereit, einen Währungskrieg zu führen, um sich auf Kosten anderer Exportnationen, vor allem in Asien, zu sanieren.


Währungskrieg? Dann brennt es an den Weltbörsen lichterloh. Nichts wie raus aus dem Markt!


Beides erschüttert das Vertrauen in den wohlwollenden Hegemon des Fernen Ostens

Sonntag, 23. August 2015

Ich bin dann mal weg ...

Nicht ich bin weg, sondern die globale Börsenally. Sie wird diesen Roten August nicht überleben.

Fällt der Dax heute unter 9900 Punkte, und die vorbörslichen Indikatoren deuten das an, befindet sich der deutsche Aktienmarkt "offiziell" im Börsenmarkt. Ein Rückschlag von 20 Prozent (dadurch ist ein Bärenmarkt definiert) mag verschmerzbar und in gewisser Weise sogar gesund erscheinen.

Schließlich erfolgt der Abstieg von einem Rekordhoch, das in einer frenetischen Hausse markiert wurde. Andere Indizes sind jedoch gemessen an ihrem Spitzenwert weitaus tiefer in den Abgrund gestürzt als der Dax. Manchmal dauert der Börsenmarkt dort schon Jahre an.


Verlust in Prozent gemessen am Rekordhoch (Stand 21. August 2015)
Quelle: Bloomberg

Es geht nicht nur um billiges Geld, sondern auch um Strukturprobleme der Weltwirtschaft, vor allem um enttäuschte Erwartungen an die Emerging Markets, die früheren Ostblock- und Drittweltländer, die die globale Ökonomie des 21. Jahrhunderts eigentlich anführen sollten:

Am weitesten entfernt von seinem Top ist der russische RTS, der fast 70 Prozent niedriger steht als im Mai 2008, als an den Märkten Russland-Euphorie auf Energie-Hype traf und sich gegenseitig verstärkten. Lange ist's her. Heute gilt die russische Wirtschaft als nicht zukunftsfähig.

Das fette Minus des österreichischen ATX (-53 Prozent) und des spanischen Ibex (-36 Prozent) zeigen an, dass auch in der Eurozone nicht jede Blüte zu einer Frucht reifte.

Am wenigsten unter seinem Rekordhoch notiert der amerikanische Dow Jones Industrial. Woraus man schließen kann, dass der amerikanische Leitindex entweder noch am meisten Korrekturbedarf hat.

Oder dass der US-Finanzmarkt für Krisen einfach nicht so anfällig ist wie der Rest der Welt. Amerika, du hast es besser!

(zuletzt geändert am 24. August 2015)

Donnerstag, 20. August 2015

Euro lässt als Reservewährung Federn


Die tektonischen Verschiebungen auf dem Devisenmarkt hinterlassen ihre Spuren im Reservestatus des Euro. Nach den jüngsten Daten des Internationalen Währungsfonds ist sein Anteil an den weltweiten Devisenbeständen 2015 deutlich zurückgegangen.


Der Dollar dominiert die Währungswelt


Im ersten Quartal stellte der Euro nur noch 20,7 Prozent aller ausgewiesenen Währungsreserven. Zwölf Monate zuvor waren es nach IWF-Angaben noch 24,5 Prozent. 

In die andere Richtung zeigt die Entwicklung beim Dollar. Die US-Valuta konnte ihren Anteil an den Währungsbestände von 60,9 auf 64,1 Prozent ausbauen. 



Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF)


Der Rückgang des Euro-Anteils rührt weitgehend vom Wechselkursrückgang. Die Reserven werden vom IWF in Dollar ausgewiesen, sodass Euro-Wertpapiere im Wert von sagen wir 800 Milliarden Euro vergangenes Jahr noch 1.120 Milliarden Dollar entsprachen, 2015 aber nurmehr 880 Milliarden. 

Von groß angelegten Verkäufen und einer Flucht der Notenbanken oder andere internationaler Investoren aus dem Euro-Kapitalmarkt kann also (noch) keine Rede sein. 

Jedoch zeigen die Institutionen auch wenig Neigung, ihre Positionen in der Gemeinschaftswährung aufzustocken und so den rechnerischen Wertschwund auszugleichen. 

Als erstzunehmender Rivale des Dollar auf der Weltbühne ist der Euro damit erst einmal passé. Und wie die Entscheidung des IWF vom 19. August klar macht, wird auch der Renminbi der US-Devise in nächster Zeit keine Konkurrenz machen. 

Es kann nur einen geben, heißt es im Film "Highlander", und (fast) genauso ist es im Kampf um die Krone der Weltwährungen

Mittwoch, 19. August 2015

Wer ernten will, muss säen

Auch an der Börse gilt: Wer nicht sät, wird auch nicht ernten. Bei Aktien heißt das: Gerade in der spätsommerlich-frühherbstlichen Marktschwäche lohnt ein Blick auf die Fundamentaldaten.

Die jüngste Korrektur hat viele Dax-Titel wieder so günstig gemacht, dass sich attraktive Dividenden ergeben.

Auf Basis der aktuellen Kurse und der Dividendenschätzungen für 2016 werden kommendes Jahr die Allianz und die Münchener Rück deutlich über vier Prozent Rendite bieten.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


K+S, Post, Telekom, BWM, Siemens, BASF und Daimler werfen drei Prozent und mehr ab. Einige dieser Kochkaräter sind zugleich Dividendenaristokraten, also Firmen, deren Aktionäre mit einer von Jahr zu Jahr steigenden oder zumindest gleichbleibenden Gewinnbeteiligung rechnen dürfen.



Hat über die Börsenzyklen hinweg seit Jahren die Dividende nie gesenkt: Munich Re (Münchener Rück)
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche



Auch der Technologiekonzern SAP gehört zu den Dividendenaristokraten. Aktuelle Rendite: 1,8 Prozent
Quelle: Bildunterschrift hinzufügen

Dienstag, 18. August 2015

Rousseff Malaise in 3 charts

Hundreds of thousands of Brazilians want to get rid of President Dilma Rousseff. These three charts explain why they are so frustrated. And rightly so.

Since Rousseff took office in 2011 ...

... Brazil's inflation has soared (it's now at 10 percent) ...



... the Brazilian Real has been hammered ...




... and the stock market has plummeted.


Source: Bloomberg
And by the way jobless rate is at 6.9 percent. higher than in any other major Emerging Market except India (8.6 percent).

Brazilians are losing their future. And that's not only because of falling commodity prices







Montag, 17. August 2015

Vom Zinse verweht

Der Euro ist nicht die einzige Währung, die dieses Jahr unter die Räder kommt. Gerade die Devisen der wachstumsstarken asiatischen Schwellenländer sind unter massivem Abwertungsduck – aktuell am stärksten der Ringgit: Die malaysische Währung erlebt nach Einschätzung vieler Beobachter eine ähnliche spekulative Attacke wie unter dem Großmeister der "Makro-Wetten" George Soros 1998.



Quelle: Bloomberg


Ruhe wird allenfalls einkehren, wenn die US-Notenbank Federal Reserve von ihrem Ziel abrückt, den Leitzins noch dieses Jahr zu erhöhen. Denn in einer gefährlichen Welt ist ein geringer, aber sicherer Zins in den Vereinigten Staaten allemal besser als eine hohe, aber unsichere Rendite auf einem Kontinent, der sich politisch und wirtschaftlich so sehr im Umbruch befindet. Und dessen Regierungen teils schwer zu durchschauen sind.

Je höher also der (Real)Zins in Amerika, desto wackliger die Emerging-Markets-Wechselkurse, und das gilt umso mehr wenn die Volkswirtschaft wie bei Malaysia und Indonesien gegeben von Rohstoff-Exporten abhängig ist.

Nur: Wird die Fed diesmal Rücksicht nehmen? Ewig kann sie den überfälligen Zinsschritt der eigenen Glaubwürdigkeit willen nicht hinauszögern. Früher hieß es:
The Dollar is our currency, but it's your problem.

Und das gilt heute wie eh und je

Samstag, 15. August 2015

Asiaten verlieren Appetit auf Gold

Mag sein, dass die Zukunft der Weltwirtschaft in Asien liegt. Gewiss ist das nicht. Denn Innovation ist nichts, was sich einfach dekretieren lässt.

Sicher ist nur, dass sich die Zukunft des Goldpreises in Asien entscheidet. Die beiden Milliardennationen China und Indien mit ihrer historischen Wertschätzung des gelben Metalls sollten den Unzenpreis langfristig steigen lassen, lautet die Hypothese.

In Fernost gilt Gold (anders als vielfach bei uns) weniger als Angst- denn als Wohlstandsmetall. Mit steigendem Reichtum sollten Chinesen und Inder, aber auch Thailänder, Vietnamesen und Indonesier immer mehr Gold kaufen.Theoretisch stimmt das.

Doch das Jahr 2015 brachte einen herben Rückschlag. Vor allem das zweite Quartal war eine bittere Enttäuschung für Gold-Fans.


Quelle: World Gold Council


Private haben in Indien zwischen April und Juni ein Viertel weniger Gold nachgefragt als im gleichen Quartal des Vorjahres. Auch in anderen wichtigen Abnehmerländern ging der Absatz deutlich zurück, in Thailand zum Beispiel um acht Prozent und in Indonesien um 14 Prozent.

Der World Gold Council erklärt die schwache Nachfrage in Indien mit dem regnerischen Wetter. Aber war denn das 2. Quartal in ganz Asien verregnet? Schlecht war wohl eher das Währungswetter, das Edelmetall aus Sicht der asiatischen Emerging Markets erheblich verteuerte.

Indessen brachte das 2. Quartal auch einen Lichtblick. In Deutschland ist der Gold-Absatz um satte 22 Prozent nach oben geschnellt, bei Münzen und Barren (also reinem Investment-Gold) betrug das Nachfrage-Plus inmitten der Grexit-Angst sogar 24 Prozent.

Aber die in Deutschland abgesetzten 26,2 Tonnen entsprechen gerade einmal zwölf Prozent der Menge, die in China verkauft wurden. Die Zukunft des Goldes spielt eben doch in Asien

Freitag, 14. August 2015

Yuan-Schock kostet Weltbörsen 1,5 Billionen Dollar

Noch ist nicht ausgemacht, ob China wirklich in einen heißen Währungskrieg mit anderen großen Exportnationen eintreten wird.

Die überraschende Yuan-Abwertung dieser Woche zeigt jedoch, was auf dem Spiel steht. Der Schock über den Schritt hat den Deutschen Aktienindex binnen zwei Tagen um fast 700 Punkte (knapp sechs Prozent) einbrechen lassen. Auch andere Börsen gingen in die Knie.

Weltweit belaufen sich die Verluste auf den Gegenwert von 1.500 Milliarden Dollar. Das ist mehr, als Spanien jedes Jahr an Gütern und Dienstleistungen produziert.



Drei Tage im August: Der Yuan-Schock hat den Wert der Aktien weltweit um 1.500 Milliarden Dollar sinken lassen
Quelle: Bloomberg


Eine Abwertung um 2,8 Prozent macht noch keinen Währungskrieg, aber die Einsätze sind hoch
Dollar in Renminbi seit 2010 - Quelle: Bloomberg


Kenner der chinesischen Geldpolitik gehen davon aus, dass Peking eher vorsichtig vorgehen wird. Sollte es jedoch zum Währungskrieg kommen, müssen sich die deutschen Exporteure auf harte Zeiten einstellen. Und deutsche Anleger erst recht



Mittwoch, 12. August 2015

Hunde, wollt Ihr ewig leihen?

Würde der Preußenkönig Friedrich II. heute leben, so lautete sein zynischer Ausspruch in unserer Schulden-vernarrten Zeit wohl nicht "Hunde, wollt ihr ewig leben?", 
sondern: 

Hunde, wollt ihr ewig leihen? 

Quelle: Friedrich der Große 1763. Gemälde von Johann Georg Ziesenis dem Jüngeren Digitizing: Ralf Prokop, eigene Digitalaufnahme. [Public domain], via Wikimedia Commons
Auf den historischen Ausspruch des Alten Fritz "Hunde, wollt ihr ewig leben" soll ein preußischer Kürassier übrigens geantwortet haben: Für 8 Groschen ist's genug

Gedicht, Tragödie, Farce

Google-Autovervollständigungen bringen oft zutiefst Menschliches zu Tage. Manchmal weiß man nicht, ob man über das Offenbarte lachen oder weinen soll. Zum Beispiel bei der Suche nach "Wie werde ich ..."


In the English-speaking world there are also some interesting priorities, according to Google: First save a life, then write a summary?


Dienstag, 11. August 2015

Globaler Währungskrieg verlagert sich nach Asien

China hat im Abwertungswettlauf der Schwellenländer noch Nachholpotenzial - nach unten. Mit der überraschenden Verbilligung des Yuan um 1,9 Prozent durch Peking am 11. August 2015 – dem stärkstem Tagesverlust seit 1994 – dürfte eine neue Phase des globalen Währungskriegs begonnen haben.


Größte "Anpassung" des Wechselkurses nach unten seit mehr als zwei Jahrzehnten
Quelle: Bloomberg

Einer Schätzung der Société Générale (SocGen) zufolge hat der Renminbi in den vergangenen zehn Jahren gegenüber den anderen drei BRIC-Währungen real um mehr als 50 Prozent aufgewertet. Das mag zu einer langsamen Erosion der chinesischen Wettbewerbsfähigkeit beigetragen haben, was die aufkeimende Finanzkrise zu verschlimmern droht.


Wertveränderung wichtiger Devisen zum US-Dollar in Prozent auf Sicht von 12 Monaten
Quelle: Bloomberg, Stand: 11.8.2015


So drastisch haben sich Yuan-Exporte durch den Wechselkurseffekt in den Dollar-Raum verteuert:


Quelle: Société Générale, Albert Edwards

"Die Bewertung des Yuan hat sich als zunehmend unhaltbar erwiesen. Die 1,9-prozentige Anpassung vom 11. August 2015 ist viel zu klein, um einen Unterschied zu machen", schreibt SocGen-Stratege Kit Juckes. Mit seiner Prognose steht der Ökonom nicht allein.

Angesichts der Probleme der Volksrepublik könnte die neue Schwäche des Renminbi leicht zweistellig werden



Lehre dein Kind nicht Goldschürfen, sondern Appen!

Sisyphos wäre heute ein Goldgräber. Oder zumindest der Eigentümer einer Goldmine. Denn obwohl sich der Preis des gelben Metalls in den vergangen zehn Jahren verdoppelt hat, stehen die meisten Minen-Aktien heute niedriger als damals!

Das ist übel. Mit der Apple-Aktie hingegen ließ sich das Geld im gleichen Zeitraum verzehnfachen. So verwandelten sich 100 Dollar 2005 in die Papiere des iPhone-Bauers investiert, in 2000 Dollar, die jüngste Apple-Kursschwäche einkalkuliert.

Aus den 100 Dollar, die ein Sparer in die Aktie des größten nordamerikanischen Minenbetreibers Goldcorp steckte, wurden dagegen 80 Dollar. Und das obwohl die Unze heute mehr als doppelt so hoch steht wie 2005.


Quelle: Bloomberg

Wie ist das möglich? Wie kann eine Firma heute weniger wert sein, wenn sich das, was sie anbietet, heute für 1100 Dollar verkaufen lässt statt für 400 bis 500 Dollar, wie es vor zehn Jahren der Fall war?

Ein Teil der Antwort liegt in der Natur des Geschäfts: Apple steht ein Produkt her, bei dem sich mit Kreativität und Zähigkeit immer wieder ein Wettbewerbsvorteil erringen lässt. Freilich zeigt das Beispiel Nokia, dass Marktführerschaft durch Fehlentscheidungen verloren gehen kann.

Prinzipiell lässt sich Kreativität jedoch erneuern. Bei einem einmal ausgebeuteten Goldvorkommen ist das anders. Einmal weg bedeutet: weg für immer. Das Geschäft eines Bergwerkskonzerns ist auf Endlichkeit ausgelegt. Irgendwann sollte der Börsenkurs daher gegen null gehen.

Dazu kommt: Der Goldpreis ist zwar gestiegen, gestiegen sind jedoch auch die Produktionskosten, gerade in Boomzeiten nimmt man es in der Branche nicht so genau mit den Ausgaben, am wenigsten wenn es um die Gehälter der Bosse geht. So hat Goldcorp-Chef Chuck Jeannes 2014 nicht weniger als 8,5 Millionen Dollar eingeheimst, in einem Jahr, als der Gewinn je Aktie um 22 Prozent einbrach und der Börsenkurs um elf Prozent zurückging.

Spitzenmanager von Minenkonzernen verdienen prächtig. Für die Aktionäre von Goldminen gilt das nicht unbedingt. Der Zehnjahres-Chart von Goldcorp ist ein Trauerspiel, die Gewinnentwicklung ebenfalls. Andere Digger-Aktien aus Nordamerika zeigen einen ähnlich ernüchternden Verlauf.




Quelle: Bloomberg
Auch bei nichtwestlichen Minengesellschaften gestaltet sich die Gewinnentwicklung keineswegs kontinuierlicher, wie hier zum Beispiel beim russischen Marktführer:


Quelle: Bloomberg




Wenn du deinem Kind etwas Gutes tun willst, lehre es nicht Goldgraben, sondern eine Smartphone-App programmieren

Montag, 10. August 2015

Europas Firmengewinne heben ab

Erstmals seit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise ist die Gewinnentwicklung der europäischen Firmen deutlich positiver als die ihrer amerikanischen Wettbewerber.

Das zeigt eine Übersicht des US-Vermögensverwalters J.P. Morgan Asset Management. Demnach schlagen die Ertragserwartungen der Europäer die der Amerikaner deutlich.

Während die Gewinne jenseits des Atlantiks in den nächsten zwölf Monaten leicht zurückgehen sollen, dürfen die hiesigen Unternehmen im gleichen Zeitraum mit einem Plus von fünf Prozent rechnen. Tendenz steigend.

Eine wichtige Triebfeder ist der schwächere Euro, der bei aktuell 1,09 Dollar 24 Dollar-Cent niedriger notiert als vor Jahresfrist. Der Draghi-Effekt wirkt.


Quelle: J.P. Morgan Asset Management


Doch die Währung ist eben nicht alles. Das zeigt die Entwicklung in den Schwellenländern. Deren Firmen sehen sich mit horrend schlechten Geschäftsaussichten konfrontiert.

Seit Mitte 2014 sind die Gewinnerwartungen in den Emerging Markets kollabiert, und das obwohl die Devisen teilweise kräftiger abgewertet haben als der Euro. Das gilt zum Beispiel für den Brasilianischen Real, der sich zum Dollar um 34 Prozent verbilligt hat.

Nicht zuletzt der Verfall der Rohstoffpreise, nun aber auch wachsende Konjunktursorgen in China lassen frühere Ertragsprognosen überaus optimistisch erscheinen.

Hoffnung auf Kursgewinne bei europäischen Aktien? Bedenke: Die Kapitalmärkte haben die neue transatlantische Ertragsdivergenz großzügig vorweggenommen: Während die Börse in Rom und Paris dieses jahr mehr als 20 Prozent zugelegt hat, steht der Dow Jones vier Prozent im Minus