Dienstag, 14. Juli 2015

Die leise, aber glückliche Währungsehe

Es gibt laute und leise Währungsehen. Die Verbindung von Deutschland und Griechenland über den Euro ist sicher eine der lauten. Seit Jahren geht es nicht ohne Streit und Geknirsche ab. Und es ist kaum zu erwarten, dass mit dem dritten "Hilfspaket" eheliche Harmonie einkehrt.

Die zähen Beziehungsprobleme der europäischen Währungsunion könnten leicht zum Schluss führen, dass Geldverbünde zwischen Nationalstaaten generell nicht funktionieren. Das ist falsch.

Der Beweis findet sich direkt vor unserer offenen Haustür. Wenig bekannt, aber die Bundesrepublik unterhält seit 1982 eine Währungsehe mit Dänemark. Damals wurde die Krone an die D-Mark gekoppelt, was 1999 auf den Euro überging.



Hinweis: BIP auf Dollar-Basis
Quelle: IWF WEO April 2015


Beide Ländern kamen und kommen mit dem festen Wechselkurs (7,46 Kronen entsprechen einem Euro) gut zurecht. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Deutschland und Dänemark hat sich seit Anfang der Achtziger nahezu versechsfacht, wie aus Daten des IWF hervorgeht.

Keine der beiden Ökonomien ist abgestürzt.

Und auch Börsianer haben allen Grund, die deutsch-dänische Währungsehe gutzuheißen. Während der Dax in den vergangenen 25 Jahren um gut 500 Prozent gestiegen ist, hat der Kopenhagener Aktienindex KFX sogar 800 Prozent zugelegt.


Dänische Aktien (rot) sind deutschen Aktien (weiß) davongeeilt
Quelle: Bloomberg

Der Grund liegt in der relativ dynamischen und wettbewerbsorientierten Kultur der dänischen Gesellschaft, die sich den Wünschen ihrer Kunden "da draußen" erstaunlich schnell anpasst.
Offene Grenzen und Freihandel wie in der Europäischen Union gegeben wirken da als Wohlstandsverstärker.

Eine Währungsehe kann sich lohnen, wenn sich beide Partner Seite an Seite entwickeln

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