Freitag, 17. Juli 2015

Kaufkraft des deutschen Euro im Sommer 2015

Wenn allein dein Geldbeutel entscheiden würde, wo ihr Urlaub macht, würde er für die polnische Ostseeküste plädieren. Oder für die Altstadt von Krakau. Ganz entschieden abraten würde er dir wohl von Davos oder vom Genfer See.

Denn in Polen hat unser Euro eine dreimal so hohe Kaufkraft wie in der Schweiz.



Kaufkraft unseres Geld in verschiedenen Ländern im Sommer 2015

Viel für dein Geld bekommst du nicht nur in Polen, sondern auch in Ungarn und der Türkei: Dort kauft ein Euro Waren und Dienstleistungen, die bei uns 1,60 bis 1,80 Euro kosten. Nicht zuletzt in Südeuropa ist der "deutsche" Euro heute deutlich mehr wert als noch vor einigen Jahren. In Portugal liegt die Euro-Kaufkraft jetzt um fast ein Drittel höher als in Deutschland.

In Griechenland sind die Preise inzwischen so stark gefallen, dass ein "deutscher" Euro dort jetzt 1,20 "griechische" Euros wert ist.

Wie Bettler fühlt sich der Durchschnittsdeutsche dagegen in der Schweiz, wo er teils 30 Euro für ein Schnitzel zahlt. Im Schnitt lassen sich mit einem "deutschem" Euro nur Waren und Dienstleistungen für 57 Cent erwerben.

Auch am Nordkap und in Oslo ist unsere Kaufkraft um fast ein Drittel niedriger als zu Hause. Ebenfalls ein teures Pflaster ist mein geliebtes Dänemark


Quelle für Kaufkraftparitäten (PPP): OECD


Mittwoch, 15. Juli 2015

Von Austerität kommt man nicht in den Himmel

Als Katholik weiß ich: Schulden per se sind keine Sünde und müssen daher nicht gesühnt werden. 




Der Himmel über Berlin
Foto: Daniel Eckert

Und nur von Sparsamkeit kommt man auch nicht ins Himmelreich

Dienstag, 14. Juli 2015

Die leise, aber glückliche Währungsehe

Es gibt laute und leise Währungsehen. Die Verbindung von Deutschland und Griechenland über den Euro ist sicher eine der lauten. Seit Jahren geht es nicht ohne Streit und Geknirsche ab. Und es ist kaum zu erwarten, dass mit dem dritten "Hilfspaket" eheliche Harmonie einkehrt.

Die zähen Beziehungsprobleme der europäischen Währungsunion könnten leicht zum Schluss führen, dass Geldverbünde zwischen Nationalstaaten generell nicht funktionieren. Das ist falsch.

Der Beweis findet sich direkt vor unserer offenen Haustür. Wenig bekannt, aber die Bundesrepublik unterhält seit 1982 eine Währungsehe mit Dänemark. Damals wurde die Krone an die D-Mark gekoppelt, was 1999 auf den Euro überging.



Hinweis: BIP auf Dollar-Basis
Quelle: IWF WEO April 2015


Beide Ländern kamen und kommen mit dem festen Wechselkurs (7,46 Kronen entsprechen einem Euro) gut zurecht. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Deutschland und Dänemark hat sich seit Anfang der Achtziger nahezu versechsfacht, wie aus Daten des IWF hervorgeht.

Keine der beiden Ökonomien ist abgestürzt.

Und auch Börsianer haben allen Grund, die deutsch-dänische Währungsehe gutzuheißen. Während der Dax in den vergangenen 25 Jahren um gut 500 Prozent gestiegen ist, hat der Kopenhagener Aktienindex KFX sogar 800 Prozent zugelegt.


Dänische Aktien (rot) sind deutschen Aktien (weiß) davongeeilt
Quelle: Bloomberg

Der Grund liegt in der relativ dynamischen und wettbewerbsorientierten Kultur der dänischen Gesellschaft, die sich den Wünschen ihrer Kunden "da draußen" erstaunlich schnell anpasst.
Offene Grenzen und Freihandel wie in der Europäischen Union gegeben wirken da als Wohlstandsverstärker.

Eine Währungsehe kann sich lohnen, wenn sich beide Partner Seite an Seite entwickeln

Sonntag, 12. Juli 2015

Gold gibt Hälfte seiner Gewinne seit 2007 ab

Griechenland, Ukraine, Nahost, eine Krise jagt die andere. Da müsste der Goldpreis doch durch die Decke gehen, oder? Doch der scheint sich eher unter der Decke der 1200-Dollar-Marke verkriechen zu wollen.

Die Hälfte der seit dem letzten Vorkrisen-Jahr 2007 erzielten Kursgewinne hat das gelbe Metall nun abgegeben, und Besserung ist nicht in Sicht.


Goldpreis in Dollar je Feinunze - Mehr als 600 Dollar unter dem Hoch vom September 2011
Quelle: Bloomberg


Es scheint wohl so zu sein, dass Gold nicht so sehr auf akute Finanzkrisen und Militärkonflikte reagiert als auf das Bedürfnis einer Ober- und Mittelschicht, ihr Vermögen außerhalb des Finanzsystems in Sicherheit zu bringen.

Außerhalb Deutschlands ist dieses Bedürfnis relativ gering ausgeprägt. Und dann gibt es da noch die Spekulanten, die im Goldmarkt eine alles andere als unbedeutende Rolle spielen. Doch die tummeln sich derzeit offenbar auf anderen Spielwiesen

Gerade in China scheinen viele frühere Edelmetall-Käufer heute lieber in Aktien zu machen. Die Chancen auf eine baldige Erholung sind mau


Quelle: Bloomberg




Samstag, 11. Juli 2015

Endlich Steuerzahlergedenktag

Was wäre, wenn wir all die Steuern und Abgaben, die im Laufe des Jahres anfallen, als erstes zahlen müssten - und erst danach unser verdientes Geld für den eigenen Gebrauch vereinnahmen dürften? Der Bund der Steuerzahler berechnet das seit ein paar Jahren und ermittelt so das Datum, bis zu dem wir "für den Staat" arbeiten. Je nach Entwicklung der fiskalischen Last rückt dieser Steuerzahlergedenktag im Kalender nach vorne oder nach hinten.

Im Jahr 2015 fällt dieser Steuerzahlergedenktag auf Samstag, den 11. Juli. Rechnerisch arbeiten wir seit exakt 11. Juli 6.14 Uhr für das eigene Portemonnaie. Damit brauchen die Bundesbürger besonders lang, bis sie ihre Verpflichtungen gegenüber dem Fiskus und den Sozialkassen abgegolten haben.

In den USA war der Tax Freedom Day bereits am 24. April. Der durchschnittliche Amerikaner darf sich also seit mehr als zwei Monaten frei von Steuern und Abgaben fühlen. Die Briten arbeiten immerhin schon seit dem 31. Mai in die eigene Tasche.

Der Steuerzahlerbund stellt nicht grundsätzlich in Zweifel, dass der Staat mit dem vereinnahmten Geld etwas Sinnvoll anstellt. Er will dafür sensibilisieren, wie wenig Verfügungsgewalt über unser Einkommen bleibt. Was dem Steuerzahler von einem verdienten Euro zur freien Gestaltung bleibt und was ihm an Ausgaben vorgegeben wird, zeigt diese Grafik:


Quelle: www.welt.de

Der Steuerzahlergedenktag leitet sich aus der Belastungsquote ab, die wiederum nicht nur direkte Steuern wie die Lohn- und Einkommensteuer, sondern auch indirekte wie die Mehrwertsteuer. umfasst. Erbschaftsteuer und Versicherungsteuer fließen ebenso ein wie EEG-Umlage und Rundfunkabgabe. Zur Ermittlung der Quote werden die Belastungen ins Verhältnis zum Volkseinkommen gesetzt.

Allein für die besonders umstrittenen Quasi-Steuern Rundfunkabgabe sowie EEG-Umlage arbeiten die Bundesbürger fünf Tage im Jahr

Im internationalen Vergleich ist in Deutschland vor allem die Belastung der Singles durch Steuern und Abgaben hoch, wie die OECD herausgefunden hat:


Quelle: OECD





Freitag, 10. Juli 2015

Drama Queen Democracy

Voll logisch, dass die griechische Regierung den Euro-Partnern jetzt ein Programm vorlegt, das stark dem ähnelt, 
was die Bevölkerung kurz zuvor in einem Referendum abgelehnt hat



Das Drama ist eine griechische Erfindung
Fragment einer hellenischen Büste im Museum von Tarent
Foto: Daniel Eckert

Dienstag, 7. Juli 2015

Pfinnen Pfand pfutsch?

Wer streut bloß diese bösen Gerüchte? Angeblich ist das Geld, das die Griechen den Finnen (und zwar nur den Finnen) als Pfand für das zweite Hilfspaket auf einem Treuhandkonto in London hinterlegt haben, weg.
Alles Lüge. Natürlich können die Finnen über die 930 Millionen auf dem Treuhandkonto verfügen ... allerdings dürfen sie nur schön dosiert 60 Euro am Tag abheben. Wie alle anderen Gläubiger auch.

In 42.466 Jahren ist das ganze Geld dann wieder zurück in Suomi.

(Das war Satire, hoffentlich)

Montag, 6. Juli 2015

Goldene Ernüchterung

Für alle, die auf die Kraft der Krisenwährung Gold setzen, waren die letzten Tage eine kalte Dusche.


Der Goldpreis tritt seit Wochen auf der Stelle, trotz "Grescalation" und Bankensturm
Quelle: Bloomberg

Das gelbe Metall notiert in Euro gerechnet ungefähr da, wo es vor der überraschenden Ankündigung des griechischen Referendum am 26. Juni stand. Und das obwohl die chinesischen Börsen zeitgleich um ein Drittel abstürzten! Keine Spur von Flucht ins Gold.

Anders der Bitcoin. Er verbesserte sich von 215 Euro auf jetzt 245 Euro - wohl auch weil Griechen das digitale Geld nutzen, um die Kapitalverkehrskontrollen zu umgehen


Bitcoin-Kurs in der Grescalation Juli 2015
Quelle: bitcoincharts.com

Freitag, 3. Juli 2015

Gehetzte Demokratie

Ich möchte mal hören, was unsere Opposition sagen würde, wenn die Bundesregierung holterdiepolter eine Volksabstimmung mit nur einer Woche Vorlauf über ein nicht ganz unwichtiges Thema ansetzt, zum Beispiel ob Angela Merkel Königin von Deutschland werden soll – und wenn nicht würden wir zur Strafe den "Tatort" am Sonntagabend verlieren oder müssten den Fußball-WM-Titel von 2014 wieder abgeben.

Das wäre wohl weniger direkte Demokratie als gehetzte Demokratie, und das im doppelten Wortsinn

Nur zwei Nicht-Amerikaner in den Top-Ten

Das größte Unternehmen der Welt ist jetzt doppelt so groß wie die Nummer zwei. Beides sind US-Technologie-Giganten aus Kalifornien: Die Nummer eins heißt natürlich Apple, die Nummer zwei Google.

Auch die Nummer drei der größten Firmen der Welt stammt aus den Vereinigten Staaten und ist in der IT zu Hause: Microsoft. Darauf folgt, und das ist ein bezeichnender Abstieg, der Ölmulti ExxonMobil.




Quelle: Bloomberg, eigene Recherche/Berechnungen

Das größte nicht-amerikanische Unternehmen in den Top-Ten ist der regierungsnahe chinesische Energieriese PetroChina.

Europa findet in der Oberklasse nicht mehr statt. Und die deutsche Nummer eins, Bayer, ist seit Januar abgesackt: von Rang 53 auf jetzt Rang 63.

Wäre Weltwirtschaft ein Sport, würde sie von zwei Teams dominiert

Mittwoch, 1. Juli 2015

Mao würde sich im Grabe umdrehen

China macht Fortschritte auf dem Weg zur klassenlosen Gesellschaft. Erstmals seit Gründung der Volksrepublik durch Mao Zedong 1949 gibt es im Reich der Mitte mehr Aktionäre als Mitglieder der Kommunistischen Partei.

Nach Angaben der zuständigen Behörde China Securities Depository and Clearing Co. zählt das größte kommunistische Land jetzt 90 Millionen Aktienbesitzer, verglichen mit 87,8 Millionen KP-Mitgliedern.


Chinesische Vasen im Aufgang eines Berliner Restaurants
Foto: Daniel Eckert


Allein im Juni sind mindestens sieben Millionen Depots dazugekommen. In den zwölf Monaten davor waren es schon insgesamt 40 Millionen.

Und der Boom kann sich fortsetzen: Wie Bloomberg berichtet, machen Aktien erst ein Fünftel des privaten Finanzvermögens aus, Bargeld und Bankeinlagen bringen es auf 45 Prozent.

Die jüngsten extremen Index-Ausschläge von bis zu zehn Prozent am Tag in Schanghai und Shenzhen sind ein klares Zeichen dafür, dass der Markt kurzfristig überhitzt ist und die meisten Neu-Aktionäre die Börse mit dem Casino verwechseln.

Erst im Dezember war China gemessen an der Marktkapitalisierung aller Börsenfirmen an seinem alten Rivalen Japan vorbeigezogen. Heute sind die chinesischen Aktien rund 50 Prozent mehr wert als die japanischen. Allerdings ist das Bewertungen von teils dem 300-Fachen des Jahresgewinns geschuldet.


Chinas Unternehmen sind an der Börse jetzt 7,7 Billionen Dollar wert – selbst nach dem jüngsten Rückschlag ist das die mit Abstand zweitgrößte Marktkapitalisuerung der Welt
Quelle: Bloomberg


Doch diese Exzesse ändern nichts daran, dass die Börse der Motor des Kapitalismus ist. Und das betont auch die kommunistische Regierung, die die Hinwendung der Chinesen zur Börse weiter fördern und flankieren will.

Mao Zedong würde sich im Grabe umdrehen