Dienstag, 16. Juni 2015

Was ist mit der Goldnachfrage passiert?

Unter Goldfans hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Unzenpreis eigentlich viel höher stehen müsste, weil ... nun weil "die Käufer den Münzhändlern die Türen einrennen". Gemessen an der immensen Nachfrage nach physischem Metall müsste Gold danach 2000 Dollar kosten oder mehr. Nur die Spekulanten am Terminmarkt und die Notenbanken würden die Notierungen drücken.

Das Gerücht hält sich hartnäckig. Doch die harten Zahlen geben das nicht her. Im Gegenteil war im ersten Quartal gerade die Nachfrage nach Münzen und Barren schwach. Deren Absatz sackte um zehn Prozent ab. Im Umkehrschluss müsste man also annehmen, dass es die Investmentbanken und Währungshüter waren, die den Goldpreis zwischen Januar und März anschoben.

Tatsächlich lagen im ersten Quartal 2015 die Käufe der Notenbanken in etwa ebenso hoch wie im Vorjahreszeitraum und die ETF-Nachfrage (also mutmaßlich Spekulanten und Kurzfristanleger) drehte von minus 13,5 Tonnen zu plus 25,7 Tonnen.



Quelle: World Gold Council

In absoluten Zahlen waren die Rückgänge bei Münzen und Barren beträchtlich: In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 wurden 28 Tonnen weniger physisches Metall an Sammler und Horter verkauft als im Vorjahreszeitraum und 50 Tonnen weniger als im Fünfjahresschnitt.

Was also kann den Absatzeinbruch des Jahres 2015 verursacht haben? Der World Gold Council, der als Lobbyverband der Minengesellschaften wohl kaum als Gold-feindliche Finanzinstitution anzusehen ist, erklärt es so:

"Weaker economic growth, higher gold prices in local currency terms and rallying stock markets gave consumers in some markets reason to reappraise their gold buying intentions."

Bleibt die Frage, warum sich die Schwäche im April und Mai fortsetzte - die US Mint berichtet von der schwächsten Münznachfrage seit acht Jahren - obwohl die Aktienmärkte niedriger oder seitwärts tendierten und der Goldpreis in den meisten "lokalen Währungen" leicht nachgab.

Sogar die Inflation zog im Frühsommer in vielen Wirtschaftsräumen wieder an, was dem Goldpreis eigentlich Auftrieb hätte geben müssen.

Vielleicht ist nach drei Jahren Auf und Ab bei privaten Goldkäufern eine gewisse Ernüchterung, ja Müdigkeit eingetreten, während Zentralbanken von Ankara bis Moskau weiter kräftig aufstocken. Staatliche Investoren haben einen längeren Zeithorizont und lassen sich von kurzfristigen Preisschwankungen nicht so leicht beeindrucken









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