Montag, 8. Juni 2015

Die Zeit heilt alle Wunden

"Ich habe den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg verpasst." Wenn viele Deutsche Aktien meiden, liegt das auch daran, dass sie Angst haben, sich zu blamieren, und sei es nur vor sich selbst. Auf dem Hoch zu kaufen ist psychologisch ebenso schmerzhaft, wie am Tief nicht gekauft zu haben. Im ersten Fall hat man zu viel bezahlt (und sich als Schwarmtrottel entlarvt) im zweiten hat man sich das Schnäppchen entgehen lassen.

Nun ist das richtige Timing an der Börse alles andere als trivial, vor allem für Privatanleger, die sich nicht an KI und automatisierte Tradingsysteme halten. Im Crash und im Bärenmarkt schleudern die Medien die Weltuntergangsszenarien nur so heraus und im Bullenmarkt ... wird vor dem kommenden Crash gewarnt, der unweigerlich viel viel viel schlimmer ausfallen müsse als der vorherige.

Als Lösung dafür bietet sich ein Sparplan an. Im Grunde ist ein Sparplan ein automatisches Trading-Programm für Ängstliche. Und fast jeder von uns nutzt einen Sparplan, zum Beispiel wenn der eine Lebensversicherung hat. Denn die macht auch nichts anderes als regelmäßige Einzahlungen am Kapitalmarkt zu investieren, abzüglich ihrer Gebühren natürlich.

Doch im Grunde tut es auch ein simpler konstanter Aktienkauf. Ich habe das mal am konkreten Fall mit realen Kursen durchgespielt. In meinem Beispiel habe ich angenommen, dass ich zwischen Mai 2005 und Mai 2015 jeden Monat 100 Euro in BASF gesteckt habe.

Das Ergebnis ist erfreulich. Aus den 12.000 Euro eingezahlten Euro wurden ungefähr 24.000 Euro Kurs-Wert (Notierungen von Mai 2015) plus 4.000 Euro Dividende, insgesamt also 28.000 Euro.

Natürlich hätte man die Dividende reinvestieren können, dann wäre der Portfolio-Wert am Ende der zehn Jahre höher. Ich gehöre jedoch zu den Leuten, die immer gern etwas Liquidität übrig haben, und ich glaube, damit bin ich nicht allein.


Aus 100 Euro im Monat wurden im Lauf von zehn Jahren 28.000 Euro
Wert am Ende des jeweiligen Jahres
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen
Mit das interessanteste Ergebnis: Wer einen solchen Sparplan praktiziert, hätte nur in einem einzigen Jahr, nämlich 2009, weniger Vermögen zur Verfügung gehabt als zwölf Monate vorher. Der größte Wertrückgang des Sparplan-Portfolios zum jeweiligen Stichtag 1. Mai lag bei verkraftbaren sieben Prozent (von 5.000 Euro auf 4.600 Euro).

Mit einem geschickten Timing lassen sich theoretisch bessere Erträge erzielen. So wären aus den 12.000 Euro, im Mai 2005 auf einen Schlag in BASF-Aktien investiert, 51.000 Euro geworden - nämlich 41.000 Euro Kurswert plus 10.000 Euro Dividende. Doch die Theorie funktioniert in der Praxis eben meist nicht, weil die Psychologie dem Menschen einen Streich spielt.

Mit einem Sparplan wird man nie der größte Investor aller Zeiten, bleibt aber auch kein Schwarmtrottel

Die BASF-Aktie habe ich ausgewählt, weil sie die höchste Korrelation mit dem Dax hat. Es könnte ebenso gut ein anderer solider Standardwert oder ein Dax-Indexfonds sein. In der Praxis würden Transaktionskosten die Rendite mindern. Discount-Broker bieten jedoch Aktien-Sparpläne und ETF-Sparpläne zu günstigen Konditionen an

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