Montag, 1. Juni 2015

Der Euro hat als Weltwährung abgedankt, oder?

Der Euro ist als werterhaltende Reservewährung abgemeldet. Die Europäer können ihren Traum von der Weltwährung begraben. Das waren Schlagzeilen, die in den letzten Wochen über den Äther gingen.

Als Hauptbeleg wurden die Verschiebungen bei den internationalen Devisenbeständen angeführt. Der Anteil des Euro an diesen Reserven ist in den vergangenen vier Quartalen nämlich zurückgegangen, von 24,5 auf 22,2 Prozent.

Doch läutet das wirklich schon das Ende des Euro als Reservewährung ein? Bedeutet das, dass Fonds, Regierungen, Notenbanken und internationale Organisationen künftig keine Überschüsse mehr in der europäischen Gemeinschaftswährung anlegen, dass sie Euro-Papiere im großen Stil abstoßen?

Der kurzfristige Chart scheint von einem "Absturz" des Euro als internationales Wertaufbewahrungsmittel zu künden ...


Flucht der internationalen Notenbanken aus dem Euro?
Quelle: IWF COFER


... doch in Relation gesetzt sieht es nur noch halb so wild aus:


Leichte Aufwärtstendenz beim US-Dollar, leichte Abwärtstendenz beim Euro
Quelle: IWF COFER

Noch gibt es keinen Grund, die Alarmanlage wummern zu lassen. Da die Gesamtheit der Bestände in Dollar ausgewiesen wird, dürfte der Rückgang des Euro-Anteils vorwiegend dem Rückgang des Euro-Kurses von 1,40 Dollar auf 1,10 Dollar geschuldet sein.

Die Euro-Positionen ausländischer Notenbanken verlieren damit rechnerisch an Wert, das heißt aber nicht, sich der offizielle Sektor auf breiter Front aus der Währung verabschieden würde. Umgekehrt fiel zum Beispiel das Kurs-Hoch des Euro in den Jahren 2008 bis 2009 zusammen mit seinem Spitzenwert bei den Devisenreserven von fast 30 Prozent.

Kurz- und mittelfristig haben die Notenbanken der großen Überschussnationen einigen Anlass, trotz der Kursverluste im Euro zu bleiben. China, Russland und anderen dürfte es kaum gefallen, ihren gesamten Staatsschatz ausschließlich in Dollar zu halten, und das schon aus geopolitischen Gründen.

Gleichwohl sollten wir wachsam bleiben, wie tief der Euro-Anteil an den Devisenreserven absackt. Immerhin scheint die Neigung der Geldmanager ziemlich gering, die Buchverluste durch Zukauf weiterer Euro-Papiere auszugleichen, und so den Euro-Anteil an den Gesamtreserven zumindest konstant zu halten.

Kritisch werden könnte es vor allem dann, wenn der chinesische Renminbi voll konvertierbar wird und das Reich der Mitte dank zunehmend entwickelter Börsen eine eigene Reservewährung stellt. Der chinesische Anleihenmarkt könnte dann schnell "entwickelter" erscheinen als der stark fragmentierte europäische, dessen Kern - nämlich der deutsche - dazu noch schrumpft.

Die von mir in "Weltkrieg der Währungen" (2010) vorhergesagte Aufstieg des Yuan materialisiert sich mehr und mehr. Und die absolute Dominanz des US-Dollar in der Sphäre der Devisen geht zu Ende. Auf über 70 Prozent der Reserven, wie noch Anfang vergangenen Jahrzehnts, wird es die amerikanische Währungen wohl nicht mehr bringen.

Bleibt noch die Frage, ob es so erstrebenswert ist, eine Weltwährung zu stellen. Die Väter des Euro haben das nie als Ziel formuliert, und die wohlhabende Schweiz kommt gut ohne Weltwährung zurecht. Da können wir die Eidgenossen gern als Vorbild nehmen



Ende 2014 (das sind die aktuellsten vorliegenden Daten) stand der Euro für mehr als ein Fünftel der globalen Devisenreserven. Yen und Pfund brachten es auf rund vier Prozent. Alle übrigen Währungen, auch der Schweizerfranken, kamen unter ferner liefen ...



Uns so sah es im ersten Quartal 2014 aus, vor dem Absturz des Euro-Wechselkurses zum Dollar: Gar nicht so viel anders 



Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass der Euro mehr Akzeptanz gewinnt, solange es keinen Eurobond-Markt gibt






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