Freitag, 29. Mai 2015

Ein Quantum für Element 79

Um mich zu entspannen, ziehe ich mir manchmal abgefahrenen Koeffizienten rein. Einer meiner heißesten davon: die Dax-Gold-Ratio.

Die Dax-Gold-Ratio sagt vereinfacht, wie viel Dax in eine Unze Gold passt. Liegt die Ratio also zum Beispiel bei eins, kann ich mit dem rechnerischen Gegenwert des Dax genau eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls kaufen.


Die Dax-Gold-Ratio seit 1960. Von Extremen nach oben und unten sind wir derzeit weit entfernt
Quelle: Bloomberg

Nun gibt es kein Naturgesetz, dass der Dax eine bestimmte Menge Gold wert sein muss oder die Feinunze durch ein bestimmtes Quantum Dax gedeckt ist.

Die Erfahrung lehrt hingegen, dass extreme Ausreißer in die eine oder die andere Richtung oft ein Warnsignal sind oder zumindest ein dezenter Hinweis darauf, dass man an den Schrauben seines Portfolios drehen sollte, und sei es versuchsweise.

Im Jahr 2000 lag die Dax-Gold-Ratio bei 0,0367 - Das war der niedrigste jemals ermittelte Wert seit Freigabe des Goldkurses 1971. Auf dem Höhepunkt des Internet-Hypes reichten mithin also knapp 0,04 Anteile des Dax aus, um 31,1 Gramm Edelmetall zu erwerben. Wer nicht vollends von der schönen neuen Welt New Economy berauscht war, konnte da schon ins Grübeln kommen.

Das Jahr 1980 wiederum sah eine Ratio von 1,31. Sämtliche Industrieperlen der deutschen Börse konnten es nicht mit einer Unze der Nummer 79 im Periodensystem aufnehmen. Es mussten 1,31 "Daxe" ran.

Wo stehen wir heute? Bei einer Dax-Gold-Ratio von 0,10 kann kaum von einer Edelmetall-Blase die Rede sein. Umgekehrt scheint auch der Aktienmarkt von einer Übertreibung à la 2000 weit entfernt.

Im großen und ganzen gewinne ich aber den Eindruck, dass sich die Waagschale in Richtung Gold zu neigen beginnt. Die Geldmenge in der Eurozone ist zuletzt (im April 2015) um 10,5 Prozent gestiegen, von einem solchen reflationären Umfeld profitieren beide Anlageklassen: Gold und Aktien. Der Unterschied ist nur: Dax-Papiere sind schon stark gestiegen, Edelmetall nicht.

Zugleich sollte niemand darauf bauen, dass wir wieder eine Ratio von über eins sehen, was bei gleichbleibendem Dax einem Goldkurs von über 10.000 Dollar entsprechen würde.

Ceterum censeo: Wir brauchen Dividende!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen