Donnerstag, 28. Mai 2015

Dax schlägt Mister Dax

In Talkshows ist er nie um eine schlagfertige Antwort verlegen. In Fragen der Weltwirtschaft und des Euro kennt er sich ebenso aus wie wenn es um unterseeische Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer geht. Und in der Geopolitik mit all ihren Verästelungen ist er so bewandert, dass er Fernseh-Diskutanten mit anderer Meinung vor laufender Kamera schon mal lauthals auslacht.

Und wenn's sein muss, tanzt er sogar Sirtaki. Wer außer ihm bringt das im deutschen Sprachraum?

Die Rede ist von Mister Dax, bürgerlich Dirk Müller, Jahrgang 1968, und dem Bild, das die Bundesbürger von ihrem Börsenexperten Nummer eins haben. Die Deutschen sind davon überzeugt, dass niemand so viel von Aktien und Geldanlage versteht wie der Mann, der als Wertpapierhändler im Frankfurter Handelssaal direkt unterhalb der Dax-Kurstafel saß und dank seines ikonischen Bärtchen und gut einstudierter situationsgemäßer Gesichtsausdrücke gern von Pressefotografen abgelichtet wurde.

So schaffte es "Dirk of the Dax", zu dem Gesicht der deutschen Geldwelt zu werden. Müllers Wortgewandtheit und seine Fähigkeit, komplizierte, aber auch abwegige und nachweisliche falsche Sachverhalte so darzustellen, dass sie plausibel erscheinen und sie jeder (zum ersten Mal) richtig zu verstehen glaubt, machten ihn zum perfekten Dauer-Insassen der Talkshows von ARD und ZDF.

Dass Dirk Müller aus der Tatsache seiner bärtigen Berühmtheit ein Geschäftsmodell gemacht hat, mit Besteller-Büchern, mit einem Börsenbrief und Seminaren. ist vollauf zu begrüßen. Schließlich mangelt es in Deutschland an mutigen Existenzgründern, die ihr finanziellen Schicksal in die eigenen Hände nehmen.

Mindestens ebenso begrüßenswert ist, dass Müller jetzt einen eigenen Investmentfonds aufgelegt hat, mit dem Anleger in die Ideen des öffentlich-rechtlichen Finanzgenies investieren können: Dirk Müller Premium Aktien, heißt das gute Stück, auch wenn man an der Börse ungern eine Prämie zahlt.

Klug klingende Dinge sagen ist das eine, darauf eine Anlagestrategie aufzubauen, die dem Markt standhält, ist das andere.

Nun, gut einen Monat nach Auflage am 17. April 2015 sieht die Wertentwicklung des Dirk Müller Premium Aktien Fonds noch nicht allzu überzeugend aus: Konnten das deutsche Börsenbarometer Dax wie auch der Welt-Index MSCI World in dieser Zeit leicht Prozent zulegen, steht der Müllers Fonds 2,8 Prozent im Minus (Stand 28. Mai 2015).


Bisher durchgehend im Minus: Die Wertentwicklung des Dirk Müller Premium Aktien lässt zu wünschen übrig
Quelle: Bloomberg

Seine vermeintliche Kenntnis arkaner Kohlenwasserstoffe und hochbrisanter Euro-Interna hat es "Dirk of the Dax" bisher offenbar nicht ermöglicht, an der Börse besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt.

Nun ist ein Zeitraum von etwas über einem Monat natürlich eine viel zu kurze Zeit um die Qualität einer Anlagestrategie zu beurteilen, und in gewisser Weise ist der Vergleich mit einem Index hirnrissig. "Am Ende zählt, was hinten rauskommt", soll Helmut Kohl gesagt haben, und das gilt auch für den Dirk Müller Premium Aktien.

Wenn der Fonds in zwölf Monaten ein paar Prozentpunkte weniger Rendite macht als der Index, wird sich niemand beschweren, sofern die Gesamtbilanz positiv ist.

Kein Problem habe ich damit, dass Mister Dax im Laufe der Jahre vor allem mit Crash-Warnungen zitiert worden ist. Liest man die Interviews genauer, hat Müller immer schon betont, dass solide Aktien ein gutes Investment sind, das man haben sollte.

Eher witzig kommt dagegen rüber, dass ein Geldmanager, der für seinen Fonds ausdrücklich mit dem Namen Warren Buffett und dem Label Value wirbt, sein Produkt just zu dem Zeitpunkt investierbar stellt, da der Dax ein Rekordhoch erreichte, nämlich Mitte April 2015.

Buffett würde wohl kaum am Hoch kaufen oder zum Investieren einladen, schon gar nicht, wenn das Hoch auch ein Bewertungshoch am Aktienmarkt ist







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