Dienstag, 17. Februar 2015

Ein etwas anderer Schulden(ver)schnitt

Je lauter die Tsipras-Regierung auf einen Schuldenschnitt pocht, desto mehr könnte man auf die Idee kommen, diesen Schuldenschnitt über die Bankguthaben der griechischen Sparer abzuwickeln.

Das waren zuletzt noch 140 Milliarden (Stand Februar 2015).

Es stimmt zwar: Die einfachen griechischen Sparer sind für die Fehler der griechischen Politiker und Eliten nicht verantwortlich.

Doch andererseits kann man fragen: Warum sollten die Steuerzahler Europas über alle bisherigen Hilfen hinaus für das Versagen der griechischen Politiker und Eliten aufkommen?

Und ja, das wäre demokratisch. Denn schließlich haben die Griechen die Politiker, die ihnen den Schlamassel eingebrockt haben, selbst gewählt.

Das alles ist weit von einer Ideallösung entfernt, aber die Tsipras-Regierung tut alles dafür, dass es am Ende so kommt: Die griechischen Schulden werden mit den griechischen Guthaben "verrechnet"

So kann man die Schulden mit den Guthaben verschneiden, wie man einen Wein verschneidet


Montag, 16. Februar 2015

Commerzbank beziffert Grexit-Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent

"Am Freitag könnte alles vorbei sein. Nachdem sich die Finanzminister der Euro-Länder heute wieder nicht mit Griechenland geeinigt haben, steht die Euro-Mitgliedschaft des Landes auf Messers Schneide. Die Geberländer haben Griechenland ultimativ aufgefordert, bis Freitag eine Fortsetzung des Hilfsprogramms zu beantragen. Verstreicht diese Frist, könnte die EZB gezwungen sein, die Notfallkredite (ELA) für die griechischen Banken zu stoppen, womit Griechenland faktisch nicht mehr Mitglied der Währungsunion wäre." Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank

Tsipras' gefährliches Spiel mit dem Feuer

Athen hat die Schuldenverhandlungen vom 16. Februar 2015 platzen lassen. Die Vorschläge der Eurogruppe seien "absurd" gewesen, ließ die griechische Regierung verlauten. Jedes weitere Gespräch auf dieser Basis liefe auf Zeitverschwendung hinaus.

Wir dürfen davon ausgehen, dass das brachiale Auftreten gegenüber den Geldgebern Taktik ist, um am Ende bessere Bedingungen herauszuschlagen.

Doch selbst das einkalkuliert, ist der Kurs von Alexis Tsipras ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Denn die Erwartung eines Grexit könnte schnell zur selbst erfüllenden Prophezeiung werden.

In dem Maß wie die Angst vor einem Währungsbruch steigt, wächst die Sorge der griechischen Sparer um ihr Geld. Es wächst der Leidensdruck, alles Geld von der Bank abzuheben.

Schon jetzt berichten die Kreditinstitute von einem Aderlass wie zu Zeiten der akuten Euro-Krise vor drei Jahren. Die offiziellen Zahlen der Bank of Greece reichen zwar nur bis Dezember 2014, doch verschiedene Medien berichten unter Berufung auf Bankenkreise, dass sich die Abhebungen auf nunmehr 20 Milliarden Euro belaufen.


Griechenlands Euro-Bankeinlagen sehen schon gefährlich ausgedünnt aus
Quelle: Bank of Greece/Januar 2015: Schätzung


Das Wohlergehen der griechischen Banken ist dem Sozialisten Tsipras möglicherweise egal. Die Angststarre, in die sein Handeln die griechischen Sparer und Unternehmen versetzt, könnte aber möglicherweise genau den wirtschaftlichen Kollaps auslösen, den der Premier nach eigenem Bekunden verhindern will.

Vom Zusammenbruch des griechischen Bankensystems bis zum Grexit ist es wirklich nur noch ein kleiner Schritt.

Da hilft es wenig, dass Trispras' Finanzminister Janis Varoufakis sich mit Spieltheorie auskennt. Derartiges theoretisches Wissen hilft dabei, das Spiel zu spielen und möglicherweise bis an die Grenze auszureizen.

Es gibt jedoch keine Garantie, dass das Spiel nicht außer Kontrolle gerät


Freitag, 13. Februar 2015

Zeit für intelligente Investitionen

Deutschland hat es gut. Wie aus den neuen Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, ist die Wirtschaft im Jahr 2014 stärker gewachsen als erwartet. Trotz aller Ängste und Zweifel stand am Ende ein Plus von 1,6 Prozent.

Damit haben sich auch die Staatsfinanzen besser entwickeln als gedacht. Gräuelmärchen wie das von der "Schuldenapokalpyse" werden trotz der Verkaufserfolge gleichnamiger Bücher unglaubwürdig. Ja, mehr und mehr stellt sich die Frage, ob Angst vor Verbindlichkeiten nicht kontraproduktiv ist.

Treiben es es die Deutschen zu weit mit ihrer Schuldenaversion? Ein Blick auf die Zahlen lässt meiner Meinung nach erkennen, dass wir Spielraum für intelligente Investitionen haben.    


Von Schuldenapokalypse keine Spur
Staatsverschuldung Deutschland 1999-2014
Quelle: IWF/BMF/eigene Recherche


Das Statistische Bundesamt gibt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) nun mit 2.908 Milliarden Euro an. Die öffentlichen Schulden von Bundesstaat, Ländern und Gemeinden liegen nach den neuesten verfügbaren Daten bei 2.044 Milliarden Euro.

Das ergibt nach Adam Riese eine öffentliche Schuldenquote von 70 Prozent. Würde die deutsche Bundesregierung ihre Verschuldung genauso messen wie die amerikanische Bundesregierung, also ohne Länder und Kommunen, kämen wir lediglich auf eine Quote von 44 Prozent.

Denn der deutsche Bundesstaat war Ende 2014 nur mit 1.283 Milliarden Euro verschuldet.

Auch eine andere Ziffer sagt, dass es keinen Grund zum Schulden-Alarmismus gibt: Bei erwarteten Staatseinnahmen von 300 Milliarden Euro sind die Zinsausgaben des Bundes (28 Milliarden) mehr als zehnfach abgedeckt.

Natürlich können die Zinsen eines Tages wieder steigen. Natürlich muss die Politik darauf achten, dass der Schuldenberg nicht übergroß wird.

In der Zwischenzeit sollten wir uns jedoch ins Gedächtnis rufen, dass es nicht Ziel des Staates ist, Gewinne zu machen, sondern den Bürgern Rechtssicherheit und Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Mit der Infrastruktur ist es in Deutschland nicht überall zum Besten bestellt. Wenn Bund und Länder das Geld sinnvoll investieren, zum Beispiel in Schulen und Brücken, wäre auch ein kleines negatives Budgetsaldo kein Drama

Hier sehen Sie Europa ... nicht

Die Europäische Union ist mit mehr als 500 Millionen Einwohnern einer der größten Binnenmärkte der Welt. Kaum irgendwo ist soviel Kaufkraft versammelt. Doch kein einziges Unternehmen der Europäischen Union kann in der Liga der ganz Großen mitspielen.

Unter den Top-20 der Firmenwelt findet sich, gemessen am Börsenwert, kein einziger Konzern, der in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien oder einem anderen EU-Land seinen Sitz hätte:


Die USA stellen 60 Prozent der größten Unternehmen der Welt
Quelle: Bloomberg/eigene Recherche

Die größten fünf Unternehmen der Welt sind allesamt in den USA beheimatet, angeführt von Apple mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 729 Milliarden Dollar (ca. 645 Milliarden Euro). Die Nummern vier und 19 der Weltrangliste, Google und Facebook, erinnern daran, was in der EU vor allem fehlt: die Paarung von Innovationskraft und Kapital.


Quelle: Bloomberg

Google ist als Unternehmen nicht älter als 17 Jahre, Facebook nicht älter als elf Jahre. Dennoch sind sie auf ihrem Gebiet globaler Technologie- und Marktführer.

Dass sich mit Novartis, Nestlé und Roche gleich drei Schweizer Konzerne unter den Top-20 finden, beweist, dass es für Europäer keineswegs unmöglich ist, in die Spitzengruppe vorzustoßen.

Paarung von Qualität, Innovationskraft und Kapital

Donnerstag, 12. Februar 2015

Zentralbanken kaufen 2014 rund 477 Tonnen Gold

Gold ist als Investment uninteressant? Nicht für die Zentralbanken! Der "öffentliche Sektor" (wie die Zentralbanken auch genannt werden) hat vergangenes Jahr 477,2 Tonnen gekauft, 17 Prozent mehr als 2013. Es war die zweitgrößte Aufstockung der Reserven in den letzten 50 Jahren.

Damit steht nun endgültig fest, dass der Preiseinbruch des Jahres 2013 die Staaten nicht von weiteren Goldkäufen abgehalten hat



Quelle: World Gold Council


Insgesamt haben Staaten in den vergangenen fünf Jahren 1.964 Tonnen des gelben Metalls im Wert von 68 Milliarden Euro (nach heutigem Kurs) erworben. Das entspricht mehr als einer halben Jahresproduktion aller Goldminen der Welt.

Bergwerke förderten im vergangenen Jahr insgesamt 3.114 Tonnen des Edelmetalls und damit so viel wie noch nie. Außerdem wurden 1.122 Tonnen Altgold wiedergewonnen, was einem Siebenjahrestief entsprach.

Der eifrigste Goldkäufer 2014 war Russland mit 173 Tonnen, gefolgt von Kasachstan und dem Irak mit je 48 Tonnen. Die einzige Zentralbank, die letztes Jahr in größerem Umfang Gold abstieß, war die der kriegsgebeutelten Ukraine.

Wie die Übersicht zeigt, ging ein Gros der Käufe seit September auf das Konto der Russen: 


Goldkäufe der Notenbanken 2014
Quelle: World Gold Council

Nach Schätzung der Commerzbank werden die Staaten der Welt 2015 weitere 400 Tonnen Gold erwerben - und den Trend zu einer höheren Deckung der Währungsreserven mit Edelmetall fortsetzen

Mittwoch, 11. Februar 2015

Ein Häkchen, das aufmerken lässt

Im Chart ist es nur ein winziges Häkchen nach unten. Dennoch lässt es aufmerken ...


Die Einlagen privater Kunden bei Deutschlands Banken sinken erstmals in einem Dezember
Quelle: Bloomberg

Zum ersten Mal seit mindestens zwölf Jahren sind die Bankeinlagen in Deutschland 2014 in einem Dezember gefallen. Normalerweise werden die Guthaben in dieser Zeit des Jahres eher aufgestockt. 
Was steckt dahinter?

Auszuschließen ist, dass die Deutschen im Dezember wegen schlechter Wirtschaftslage ihr Kapital aufzehren mussten. Konjunkturindikatoren wie die Industrieproduktion zeigen nach oben. Bleiben drei mögliche Erklärungen:

Variante 1: Die hedonistischen Deutschen haben im Dezember ihre Lust am Konsum entdeckt und sind so eifrig auf Einkaufstour gegangen, dass sie mehr ausgaben, als hereinkam. 
Variante 2: Die aufgeweckten Deutschen haben sich - zermürbt von immer weiter sinkenden Zinsen - nach langem Zögern am Ende dann doch entschieden, das Geld in andere Investments wie Gold, Aktien, Immobilien oder Fonds zu stecken. 
Variante 3: Die Verunsicherung vor der griechischen Neuwahl mit ihren unabsehbaren Folgen hat die vorsichtigen Deutschen bewogen, Bargeld vom Konto abzuheben und es (bis zum Ende der Krise?) unter dem Kopfkissen aufzubewahren.

Ein Monat macht noch keinen Trend. Aber wir werden die Entwicklung genau verfolgen und herausfinden, was dahintersteckt. Stay tuned ...

Darauf vorbereitet, den Euro-Yeti zu sehen

5,6 Millionen Google-Ergebnisse für Grexit. Für ein Ereignis, das noch nicht stattgefunden hat und nur ein denkbares Szenario unter vielen ist. Das wäre so, als hätte man schon ganz viel über den Yeti gelesen, ehe man sich auf eine Reise aufmacht, von der man überhaupt noch nicht weiß, ob sie einen ins Himalaja-Gebirge führt. Wer jetzt noch nicht auf einen Euro-Austritt der Griechen vorbereitet ist, ist selber schuld


Foto: Daniel Eckert/Google-Screenshot vom 11. Februar 2015 10.15 Uhr

Dienstag, 10. Februar 2015

Eine Billiarde Schulden

Nein, die Rede ist nicht von der Weimarer Republik und nicht von der deutschen Hyperinflation. Eine Billiarde, das ist die Summe der Yen-Schulden, die der japanische Staat aufgehäuft hat.

Eine Billiarde, das ist eine Ziffer, mit der normalerweise nur Astronomen zu tun haben, nicht aber Banker und Finanzexperten.

Trotz der unfassbaren Zahl von einer Billiarde Yen-Schulden - umgerechnet nach aktuellem Kurs circa 7,4 Billionen Euro - ist der japanische Staat weit entfernt, pleite zu sein, und von der Hyperinflation ist ebenfalls nichts zu spüren. Auch die Kapitalmärkte sind keineswegs schockiert.

Im Gegenteil. Von allen Nationen hat Japan die viertniedrigsten Finanzierungskosten überhaupt.


Die Rendite auf japanische Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit ist eine der niedrigsten der Welt,
auch wenn sie zuletzt etwas gestiegen ist Quelle: Bloomberg


Das liegt daran, dass nur 8,9 Prozent der Anleihen in der Hand von Ausländern sind. Im Fall der USA beträgt der Anteil der Auslands-Gläubiger 49 Prozent.
Fast die Hälfte der japanischen Staatsschulden liegt zudem bei drei öffentlichen Institutionen.

Ganz vorne steht die Bank von Japan, die Zentralbank, mit inzwischen 23 Prozent aller ausstehenden Papiere, gefolgt von der japanischen Post mit 16 Prozent und dem öffentlichen Pensionsfonds mit sechs Prozent.

Wegen der starken Stellung der öffentlichen Institutionen muss Japan keine Kapitalflucht und keine Finanzkrise befürchten. Allerdings gilt auch: Der Billiardenberg schafft keinen Wohlstand. Über die Schuldscheine wird lediglich Vermögen umverteilt


Montag, 9. Februar 2015

Konfrontationskurs

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras geht auf Konfrontationskurs. In seiner gestrigen Regierungserklärung hat er angekündigt, er werde Deutschland dazu bringen, einen Zwangskredit aus dem Zweiten Weltkrieg zurückzuzahlen. Ein Teil der von Tsipras verkündeten Sozialprogramme soll mit Reparationen finanziert werden.


Eine ramponierte Euro-Münze mit Prägedatum 2002. In jenem Jahr übernahm Griechenland die Gemeinschaftswährung.
Jetzt sieht es so aus, als könnte die Zeit im Euro enden
Foto: Daniel Eckert

Bei dem umstrittenen Kredit handelt sich um ein Zwangsdarlehen über 476 Millionen Reichsmark, den das Deutsche Reich Griechenland zur Zeit der Besatzung aufnötigte.
Wenn die Forderungen vor einem internationalen Gericht als rechtens anerkannt werden, muss die Bundesrepublik die elf Milliarden Euro (um die es offensichtlich geht) natürlich begleichen.

Die deutsche Politik könnte Tsipras' Konfrontationskurs jedoch etwas entgegensetzen. Der Bundestag könnte zum Beispiel beschließen, diese Reparation auf den deutschen Anteil an den Hilfszahlungen an Griechenland anzurechnen ... "um die deutschen Steuerzahler nicht zusätzlich zu belasten".

Berlin würde dann so lange kein neues Geld an Athen überweisen, bis die elf oder zwölf Milliarden ausgeschöpft sind.

Das wäre doch mal ein Parteitagsbeschluss für die CDU!

Im Allgemeinen bin ich der Meinung, dass Ansprüche auf Reparationen spätestens 1990 bei den Zwei-plus-vier-Verhandlungen hätten geltend gemacht werden müssen, die die Nachkriegszeit beendeten und in eine Art Friedensvertrag mündeten. 
Sie heute, 25 Jahre später, aus dem Hut zu zaubern, wirkt bizarr. Sollten sie allerdings von einem europäischen Gericht als legitim anerkannt werden, wäre das langfristig äußert negativ für Deutschland und die Europäische Union. Denn es würde die Büchse der Pandora öffnen für Rufe nach allen möglichen Kompensationen aus der Zeit der Zweiten Weltkriegs. 
Das wäre kaum dazu geeignet, das ohnehin angeschlagene Klima der vertrauensvollen Zusammenarbeit in Europa zu bessern

Sonntag, 8. Februar 2015

Die Eiszeit kommt nach Amerika - noch schneller als nach Europa

Unser allseits beliebter Dauer-Pessimist Albert Edwards von der Société Générale hält die Deflationsgefahr in Amerika für größer als in der Eurozone. Als Beleg führt er folgenden Chart an, der besagt: Würden die US-Behörden ihre Kerninflation (ohne Energie und Nahrung) ebenso berechnen wie die europäischen, wäre die Rate der Preissteigerung in der Neuen Welt zuletzt noch stärker kollabiert als in der Alten. Also volle Kraft voraus in eine neue Große Depression?


Quelle: Albert Edwards, Société Générale

Die Empfehlung von Perma-Bear Edwards lautet: Meidet weiträumig Aktien und haltet euch an sehr lang laufende Staatsanleihen. Während bei Dividendenpapieren die ultimative Enttäuschung wegen der nicht zu erfüllender Gewinnhoffnungen kommen werde, seien Bonds mit 15, 20, 25 oder 30 Jahren Laufzeit im deflationären Umfeld echte Renditebringer.

I remain confident that the global equity markets will be blown to smithereens in the next economic downturn which will, once again, show that the central banks have inflated another massive unstable financial bubble. (...)
We remain overweight 10y+ government bonds because we believe there is one final shoe to drop - and a very large one at that!

 Später allerdings blüht uns die Monsterinflation, sagt Edwards
Note that on a 5-10y view I believe government bonds will be a disastrous investment and that further rounds of much more aggressive QE will ultimately result in much higher inflation starting with Japan).

Samstag, 7. Februar 2015

Ölpreisverfall trifft Energiemultis unterschiedlich

Der Ölpreis ist um mehr als die Hälfte abgesackt. Doch die Energiekonzerne trifft der Preisverfall höchst unterschiedlich. Während der US-Gigant ExxonMobil an der Börse nur 13 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch steht, hat die Aktie des russischen Gasriesen Gazprom 52 Prozent verloren. Den brasilianischen Staatskonzern Petrobras hat es sogar zwei Drittel nach unten gerissen.

Der Ölpreisverfall, so scheint es, ist vor allem ein Problem der Emerging Markets



Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Freitag, 6. Februar 2015

Am Euro hängt, zum Euro drängt doch alles

Die heute veröffentlichten Zahlen zu den Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) liefern ein Indiz dafür, dass die Eidgenossen weiter massiv am Devisenmarkt intervenieren, um den Franken-Kurs zu drücken.

Hätte die SNB nicht im großen Stil Fremdwährungen gekauft, müssten die Bestände im Januar 2015 rechnerisch gefallen sein.

Denn Dollar und Euro haben nach dem Franken-Schock vom 15. Januar 2015 stark abgewertet, die Gemeinschaftswährung bis heute rund zwölf Prozent. Von einem Rückgang der Devisenreserven in Franken ist jedoch nichts zu sehen, wie dieser Graph zeigt:


Quelle: Schweizerische Nationalbank


Ökonomen beziffern den Wert der mutmaßlichen Devisenkäufe, die diesen Wertverlust im Januar ausgeglichen haben, auf 57 Milliarden Franken. Nicht unwahrscheinlich also, dass die SNB - wie seit Tagen kolportiert wird - inoffiziell weiter einen Mindestkurs zum Euro oder eine Bandbreite fährt

Donnerstag, 5. Februar 2015

Wie man mit einem Wort vom Bankkunden zum Bankräuber wird

Mehr Sorgfalt beim "Plündern"

Wenn Wirtschaftsjournalisten "... plündern ihre Konten" schreiben und damit Bankkunden meinen, die ihr Geld abheben, zeigen sie damit, dass sie ihr Handwerk nicht verstehen. Nicht die Bankkunden, sondern die Wirtschaftsjournalisten.

Die Formulierung hört sich bombastisch an, ist aber in mehrfacher Hinsicht unsinnig.

Bankkunden haben einen Anspruch auf Auszahlung ihres Guthabens, folglich können sie das eigene Konto leerräumen, aber nicht "plündern". Plündern können sie allenfalls fremde Konten.

Dann freilich wären sie Bankräuber oder Trickbetrüger. Und dann sollten wir sie auch genau so nennen.

Einen Sparer als "Plünderer" zu bezeichnen, nur weil er sein Geld abhebt, wäre so, als würde man jemanden Autodieb nennen, der seinen Wagen verliehen hat und nach Ablauf der Frist zurückverlangt.

Auch die Wortherkunft von "plündern" verfängt nicht. Mir zumindest will es nicht einleuchten, das Geld auf dem Konto als "Plunder" zu bezeichnen, denn für die meisten ist das Ersparte hart verdient.

Disclaimer: Nichtwirtschaftsjournalisten sind von der Sprachkritik natürlich ausgenommen

Mittwoch, 4. Februar 2015

Wie in der New Economy?

Ein Dax-Anstieg von 2400 Punkten zwischen Mitte Oktober und Anfang Februar ist beeindruckend. Viele Beobachter werden unwillkürlich eine Parallele zur Internet-Blase 1999/2000 sehen. Ein historischer Vergleich zeigt jedoch, dass sich aus den 2400 Punkten, die hinter uns liegen, nur schwer eine Crash-Warnung ableiten lässt.

Ein Punkte-Plus von 2400 beim Dax klingt imposanter, als es ist. Das entspricht einer prozentualen Veränderung von rund 27 Prozent seit dem Markttief im Oktober. Viel, aber nicht von einem anderen Stern. Ähnliche kräftige Rallys in vergleichbar kurzer Zeit gab es zum Beispiel auch 2012, 2009, 2007, 2006, 2004, 2003 und 2002. Längst nicht immer folgte darauf ein Markteinbruch.

Manchmal ging es nach einer kurzen Verschnaufpause erst richtig ab!

Betrachtet man sich die Aktien-Wertentwicklung über einen Zwölfmonatszeitraum (rollierend), zeigt sich zudem: Die jetzige Hausse ist im historischen Maßstab keine außergewöhnlich frenetische.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Es gibt durchaus Faktoren, die langsam zur Vorsicht mahnen, das Ausmaß des Kursaufschwungs am deutschen Aktienmarkt gehört nicht dazu

Dienstag, 3. Februar 2015

Japanification

Heute, am 3. Februar 2015, musste der deutsche Staat rechnerisch erstmals weniger Zins auf seine lang laufenden Staatsanleihen zahlen als der japanische:


Quelle: Bloomberg

Für diese historische Entwicklung gibt es drei mögliche Erklärungen: Entweder die Deflations- und Depressionsgefahr für Deutschland wird jetzt als größer eingeschätzt als für Japan, das sich seit den Neunzigerjahren in einer - sehr langen - verlorenen Dekade befindet.

Oder viele Marktakteure rechnen insgeheim mit einem Zerfall der Eurozone und schaffen ihr Geld in jene Vermögenswerte, die später von einer Aufwertung der neuen D-Mark profitieren würden.

Oder die Verknappung von Bundesanleihen führt zu einer Marktverzerrung: Wenn der deutsche Staat sich immer weniger verschuldet, Papiere mit Spitzenrating aber gesucht sind wie nie. Dann muss der Preis nach oben gehen ...

... und die Rendite nach unten

Sonntag, 1. Februar 2015

"Die werden ihre Schulden nie zurückzahlen."

"Die westlichen Staaten können ihre Schulden doch nie zurückzahlen. Die werden alle pleite gehen." Das ist einer der häufigsten Online-Kommentare überhaupt. Doch stimmt das? Zumindest mit Blick auf Deutschland scheint es keineswegs gewiss, dass die Schuldenlast erdrückend ist.

Aktuell verzeichnet die Bundesrepublik Deutschland Kapitalmarkt-Verbindlichkeiten von 1.158 Milliarden Euro. Hört sich nach viel an, ist aber weniger als das Vierfache der Staatseinnahmen. Auch das hört sich zunächst nach viel an, muss aber in Relation gesehen werden.

Wenn ein Arbeitnehmer einen Immobilienkredit aufnimmt, beläuft sich die Darlehenssumme häufig auf das Fünffache seines Nettojahreseinkommen, meist sogar mehr. 

Im Schnitt liegt dieses Jahresnettoeinkommen bei 32.000 Euro. Wäre der deutsche Staat mit seinem Faktor vier eine Familie, wäre er also mit erträglichen 128.000 Euro verschuldet. Der Unterschied ist: Während der einzelne Bürger sterblich ist, gilt das für den Staat nicht.

Schuldenmachen, das in Form von Infrastruktur-Investitonen die künftige Einnahmenbasis des Staates vergrößert, kann sinnvoll sein. Natürlich gilt nur dann nicht, wenn die Zinslast mehr und mehr anschwillt.

Auch das ist im Fall der Bundesrepublik aber nicht absehbar. Im Gegenteil: Die Zinslast hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr vermindert. Für 2015 rechnet die Finanzagentur des Bundes mit Zinszahlungen von 27,6 Milliarden Euro. Im Haushaltsentwurf für 2015 sind 26,8 Milliarden Euro vorgesehen. 

Das entspricht einer Durchschnittsverzinsung von 2,4 Prozent. Aktuell fließen nicht einmal mehr zehn Prozent des Bundeshaushaltes in den Zinsendienst. Nicht verschwindend gering, aber alles andere als erdrückend.

Und die Situation wird sich wegen der Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten in den nächsten Jahren weiter verbessern:
Nach Berechnungen der Royal Bank of Scotland (RBS) muss Deutschland bereits jetzt auf mehr als 60 Prozent aller Bundesanleihen gar keine Zinsen mehr zahlen. Zum Teil liegen die Renditen im negativen Bereich.


Im Bundeshaushalt ist der Schuldendienst der drittgrößte Posten
Quelle: www.welt.de


Das heißt: Die Bundesrepublik kann Geld damit verdienen, dass sie Schulden macht!
Klingt für mich wie ein unwiderstehliche Gelegenheit, die Mittel zu nehmen und sie in intelligente Infrastruktur zu investieren. 

Der deutsche Staat wird also so schnell nicht pleite gehen. Natürlich kann es trotzdem sein, dass uns morgen der Himmel auf den Kopf fällt. Bis dahin: Komm, Idefix, lass uns Abenteuer erleben!