Samstag, 24. Januar 2015

Was Goethe den Deutschen heute raten würde

"Stirb und werde" war das Lebensmotto von Goethe. Ich interpretiere es so: Wir können etwas nicht bewahren, indem wir es nur horten und aufsparen. Wir müssen das Erworbene nutzen, es in der Welt wirksam werden lassen. Investieren. Dazu passt dieser Passus aus dem Faust:

Was du ererbt von deinen Vätern hast,
erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last

Der Finanzpolitiker und Dichter Goethe hätte den deutschen Sparern von heute einiges zu sagen. Vor allem würde er sie vermutlich auf eine Paradoxie ihrer Einstellung aufmerksam machen: Wir wollen unser Vermögen bewahren und tragen es zu diesem Zweck zur Bank oder zahlen es in eine Lebensversicherung ein.


Joahann Wolfgang von Goethe nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury 1800
Quelle: Wikipedia


Wir wollen Sicherheit und Zinsen in Zeiten, die wir als äußerst unsicher empfinden. Wir wollen eine verlässliche Rente und Rendite.

Aber wir bauen dabei auf konservative Systeme, die auf Erhaltung, Bewahrung, den Ausschluss von Risiko angelegt sind. Doch diese Systeme funktionieren nur dann, wenn nicht alle so agieren wie wir selbst. Sichere Rente und Rendite bekommen wir nur dann, wenn einer bereit ist, etwas zu probieren, zu wagen, ins Risiken zu gehen und das Kapital zu mehren.
Sei es der Staat oder der Unternehmer.

Um die gesetzliche Rente stabil zu halten, brauchen wir mehr Kinder, mehr qualifizierte Zuwanderer oder mehr Produktivitätsgewinne. Um die private Rente zu sichern, brauchen wir Wirtschaftswachstum und florierende Unternehmen.

Die Realität sieht anders aus: Die Geburtenrate ist eine der niedrigsten der Welt (inzwischen hat uns sogar das greise Japan überholt), Migranten stoßen in Teilen der Bevölkerung auf erhebliche Vorbehalte und die Produktivität steigt nur noch langsam, falls überhaupt.

Große Fortschritte macht Deutschland nicht mehr. Wir sind als Nation in Angststarre verfallen. Wir investieren nicht mehr, weder in Bildung, noch in Infrastruktur, noch in Fabriken.

Stirb und werde gilt auch für die Finanzen. Wir können nicht alle Rentner sein ... umso weniger, wenn sich zusätzlich der Staat wie ein sparsamer Rentner verhält.

Goethe wusste: Was man nicht nützt, wird zur Last


1 Kommentar:

  1. "Was Du ererbt von deinen Vätern ..." - Diese Sentenz bekam unsereins als pubertierender Pennäler vom Deutschpauker als Aufsatzthema verpaßt. Das mußte man erst mal geistig auf die Reihe bringen. Die Mark haben wir einstmals ebenfalls von unseren Vätern ererbt. Leider ist sie nicht mehr zu erwerben und schwierig zu besitzen. Wer heute noch einige Mark im Besitz hat, überlegt sich schon dauernd, wann er sie endlich umtauschen soll. In diese Situation sind wir durch eine extremistische Währungspolitik geraten. Der Euroextremismus greift schon seit längerem zunehmend um sich. Dazu noch die folgende Ergänzung:

    "Euro" und "Euro" werden schon mal gerne verwechselt. Da gibt es zum einen das adjektivisch geartete Präfix "euro" als Kurzform von "europäisch". Beispiele: Eurocity (DB), eurokommunistisch. Aus der französischen Wikipedia: "L'europhilie est une position favorable à l'Union européenne et plus généralement à l'approfondissement de l'intégration européenne". ***** Den Euro als inzwischen mißglückte Währungseinheit kennt man aber seit der Jahrtausendwende besser als eben den zuvor erwähnten Präfix. Aber auch der Währungseuro ist als Präfix gebräuchlich. So ist uns allen die Eurozone als Währungsgebiet mehr oder weniger vertraut. Die Euro-Währungspolitik ist inzwischen so sehr entartet, daß man hinsichtlich ihrer Verursacher von Euroextremisten gesprochen aber auch wie im nachfolgend per Link angeführten Beispiel geschrieben werden kann: * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * http://www.bookrix.de/_ebook-der-dschauli-euro-extremismus/

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