Mittwoch, 21. Januar 2015

Warum ich, als Liberaler, für Anleihenkäufe bin

Anleihenkäufe sind kein Allheilmittel, und sie sind auch kein Wundermittel gegen eine schwache Wirtschaft, die zum Beispiel unter schwindender Produktivität, Überalterung, Bürokratie, Korruption, Verteilungskämpfen etc. leidet.
Doch die Aversion, die deutsche Ordnungspublizisten in den vergangenen Jahren gegen "Kjuhiih"(QE) entwickelt haben, ist bemerkenswert.
Im Jahr 2015 scheint sie schwer haltbar.
Anleihenkäufe sind eine Spielart der Offenmarktpolitik, welche auch von der Deutschen Bundesbank zur Zeit der D-Mark praktiziert wurde. Bei Inflationsraten von zwei, drei oder vier Prozent. Damals gab es keinen Aufschrei.
Ich stehe dazu, dass ich mich als einer der ersten konservativ-liberalen Schreiber in Deutschland dagegen ausgesprochen habe, Anleihenkäufe aus falsch verstandener Prinzipientreue zu verteufeln. International steht diese "deutsche Schule" recht isoliert da.
Wer Angst um den Wert des Euro hat, sei daran erinnert, dass die deutsche Teuerung derzeit bei null Prozent liegt und der Außenwert von Währungen mit überzeugendem QE-Programm im Verlauf der Anleihenkäufe eher zu- als abgenommen hat.
Die beschworenen Gefahren - hohe Inflation, Verfall der Währung, Verdrängungseffekte, große Spekulationsblasen - haben sich in den USA und Großbritannien weitestgehend nicht materialisiert.
Man braucht also schon starke Argumente und empirische Belege, um die Gefahren von QE als so gravierend darzustellen, dass es uns Europäern nicht einen Versuch wert wäre, Zeit zu kaufen.
Ob wir die Zeit nutzen, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn die Chancen größer sind als die Risiken, sollten Finanzer nicht aus Prinzip nein sagen

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