Freitag, 16. Januar 2015

Sie werden Schlange stehen. Nicht

Vorschläge zur Lösung der Euro-Krise gibt es viele. Eine davon lautet, den Euro in einen Nord- und einen Süd-Euro aufspalten, vertreten zum Beispiel von Hans-Olaf Henkel. Nach der Aufspaltung könnten sich in beiden Währungsunionen jene Wirtschaften zusammenfinden, die besser zueinander passen. Deutschland würde in diesem Szenario den Block des Nord-Euro-Staaten anführen. 

Nur, könnte das wirklich funktionieren? Können wir den Euro zusammen mit befreundeten Nord-Staaten als Hartwährung weiterführen, während sich der Süden Europas mit einer Art Euro-Lira durch das 21. Jahrhundert mogelt?

Ein einfaches Gedankenexperiment macht klar, dass das nicht so leicht werden wird, wie mancher träumt.

Denn wer wäre der natürliche Partner Deutschlands in einem nordeuropäischen Währungsverbund? Wohl kaum die Benelux-Staaten. Belgien hat mit 105 Prozent eine der höchsten Schuldenquoten in der Europäischen Union, übertroffen nur von Griechenland, Portugal, Italien und Irland. 

Brüssel würde es sich also sehr gut überlegen, mit den Deutschen zusammenzugehen, die als Gegenleistung für Reformen und Schuldenschnitt einen rigiden Sparkurs verlangen. Damit dürften auch die Niederlande und Luxemburg abgeschreckt sein, deren Ökonomien eng mit der belgischen verflochten sind.

Also Schweden und Dänen? Den Skandinaviern war ihre nationale Souveränität nicht zuletzt in monetären Fragen so wichtig, dass sie von Anfang von dem Projekt Euro Abstand hielten. Und Norwegen wollte bis dato nicht einmal EU-Mitglied werden. Sie sind also kaum Kandidaten für den Nord-Euro.

Die Briten? Sich der finanzpolitischen „Orthodoxie“ der Bundesbank mit Ablehnung von Anleihekäufen etc. unterzuordnen, wird dem Londoner City nach den Erfahrungen der Euro-Krise noch weniger einfallen als vor der Krise. Außerdem hat man die Schmach des "Schwarzen Mittwoch" vom September 1992 nicht vergessen. Den damaligen Absturz des Pfundes führen viele auf der Insel auf das brüske Desinteresse der Bundesbank zurück, die sich weigerte, der englischen Währung durch Zinssenkungen zu helfen.

Gewiss ist ein Nord-Euro mit Finnlandden baltischen Staaten und anderen Ländern in Osteuropa denkbar. Die Frage ist, ob diese Nationen sich so eng an ein Deutschland anlehnen wollen, das im Moment zwar wirtschaftlich stark sein mag, ihnen (sicherheits)politisch aber nicht viel zu bieten hat.

Und die Schweizer werden nach den Erfahrungen der letzten Jahre den Teufel tun, ihren Franken und ihre Nationalbank aufzugeben.

Kurzum, ein Nord-Euro mit allen "soliden" Staaten Nordeuropas ist alles andere als wahrscheinlich. Die europäischen Länder werden nicht gerade Schlange stehen, um mit der Bundesrepublik eine Währungsehe einzugehen. 

Wenn Deutschland schon aus dem Euro aussteigt, muss es sich darauf einstellen, dass es ziemlich allein dasteht. Lieber gleich die D-Mark fordern als einen schimärenhaften Nord-Euro. 

Und die D-Mark mit allen Konsequenzen

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