Samstag, 24. Januar 2015

Kein sicherer Inflationsschutz - Gold-Mythen entlarvt Teil 3

Ein Zusammenhang zwischen starkem Goldpreis und Inflation ist so selbstverständlich, dass er kaum je hinterfragt wird. Doch gibt es tatsächlich eine Korrelation zwischen der allgemeinen Preisentwicklung und den Edelmetall-Notierungen?

Zumindest die vergangenen Jahre lassen daran zweifeln.

Gold-Mythen entlarvt Teil 3 - Inflationsschutz

Fest steht, dass ein begehrter Sachwert in Zeiten hoher Inflationsraten gute Chance hat, die Kaufkraft besser zu erhalten als Papiergeld. Ich drücke mich vorsichtig aus, weil es stark auf den Zeitraum ankommt, den man betrachtet.

In den Siebzigerjahren schien das Edelmetall ein verlässlicher Absicherung gegen die Teuerung zu sein. Die Inflation war hoch, und der Goldpreis stieg. Doch dann? In den Achtzigern war die Inflation teilweise ebenfalls hoch, und der Goldpreis war tendenziell schwach.

Seit den Neunzigern kann man sich auf die alte Regel gar nicht mehr verlassen, wie aus folgenden Charts hervorgeht: Die Jahre 1991 und 1992 sahen die stärksten Verbraucherpreis-Anstiege des vergangenen Vierteljahrhunderts. Dennoch gab der Goldpreis nach! Auch die Jahre 1997 und 2000 mit relativ hohen Inflationsraten waren Minus-Jahre für das gelbe Metall.

Von inflationsgetrieben also keine Spur.




Goldpreis Veränderung in Prozent und Inflationsrate Deutschland in Prozent 1991-2014
Quelle: Bloomberg, Destatis, eigene Rechere


Einen engeren Zusammenhang gibt es womöglich zwischen Goldpreis und Inflationsangst, wie der nächste Graph zeigt. Zwischen 2005 und 2008 verteuerte sich das Edelmetall im Einklang mit den steigenden Inflationserwartungen.

Die ab 2012 zurückgehenden Inflationserwartungen würde auch erklären, warum der Goldpreis 2012 Mühe hatte, sein hohes Niveau von September 2011 zu halten. Schwieriger wird es schon, so den kräftigen Einbruch von 2013 verstehen zu wollen, oder die jetzige hitzige Rallye. Der jüngste Run auf Gold passiert nämlich, obwohl die Inflationserwartungen zeitgleich auf ein historisches Tief von nur noch 1,5 abgesackt sind.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Klar ist, in Phasen starker Verbraucherpreisanstiege von zehn Prozent an Mehr verliert Gold relativ wenig Kaufkraft und kann als Hartgeld fungierten. Doch in jüngerer Zeit scheint der Unzenpreis kaum von der Höhe der Inflation, allenfalls von der Richtung der Inflationsentwicklung oder der Inflationserwartung bestimmt zu sein.

Es muss also mindestens noch eine andere Kraft geben, die den Goldpreis treibt. Oder fallen lässt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen