Montag, 19. Januar 2015

Metall des Krieges - Gold-Mythen entlarvt Teil 1

Um Gold als Geldanlage ranken sich viele Mythen. Die meisten davon sind aufregend, faszinierend, fesselnd, bestechend - und falsch. Gold ist eines der am meisten missverstandenen Investments überhaupt.

In loser Folge werde ich mich in den nächsten Tagen mit der Frage auseinandersetzen, worauf der Edelmetall-Preis wirklich reagiert.

Eine wichtige Vorbemerkung: Die Entzauberung der Gold-Mythen ändert nichts daran, dass Gold in den vergangenen Jahren ein sehr gutes Investment war, sowohl absolut als auch im Vergleich mit anderen Vermögenswerten. Seit dem Jahr 2000 hat der Unzenpreis auf Dollar-Basis um zehn Prozent per annum zugelegt, auf Euro-Basis waren es immer noch neun Prozent.

Wenn man Gold kauft, sollte man jedoch wissen, was man kauft.

Teil 1: Ist Gold ein Metall des Krieges?

Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält, lautet: Gold ist ein Metall, dass von militärischen Konflikten profitiert. Demnach stiege der Wert des Rohstoffs vor allem dann, wenn es irgendwo auf der Welt "richtig kracht".



Quelle: Bloomberg

Beispiel Golfkrieg 1990/91. Zum Beginn der irakischen Invasion Kuwaits am 2. August 1990 sprang der Goldpreis tatsächlich nach oben. Der Höhenflug hielt indes nur kurz an. Noch während die Lage am Golf ungeklärt blieb, gaben die Notierungen wieder nach.

Während des ganzen Konflikts erreichte der Kurs nie seine Höchststände vom vorangegangenen Frühjahr.

Umgekehrt brachen US-Aktien nur vorübergehend ein. Schon Ende Januar 1991, als die Alliierten gerade erst die Befreiung des Scheichtums gestartet hatten, standen Aktien wieder ebenso gut da wie Gold. Die Titel des amerikanischen Dow Jones schlugen sich in der Zeit sogar noch besser.


Gold (weiß) und MSCI World (rot) während des Golfkriegs 1990/91:
Das gelbe Metall entwickelte sich nur kurzzeitig besser als Börsenpapiere
Quelle: Bloomberg

Beim Kosovo-Krieg 1999 und beim Golfkrieg 2003 lässt sich das gleiche Muster beobachten. Die einzige Ausnahme ist der sowjetische Einmarsch in Afghanistan 1979/1980. Unmittelbar nach der Invasion explodierte der Preis tatsächlich auf ein Rekordhoch von damals 850 Dollar. Im Januar 1980, herrschte "Hysterie, Panik, Rausch", wie der SPIEGEL schrieb.

Allerdings litten die Industrieländer 1980 damals auch unter der zweiten Ölkrise mit zweistelligen Inflationsraten. Zudem drohte der Dollar seine Funktion als Leitwährung einzubüßen. Obwohl der Ost-West-Konflikt in den Achtzigerjahren eine seiner kritischsten Phasen erlebte, würde der Goldpreis im ganzen Jahrzehnt nicht mehr in die Nähe seines Hochs von 1980 klettern.

So erklärt sich auch die auf Dollar-Basis eher enttäuschende Wertentwicklung des gelben Metalls im Jahr 2014. Wenn der Goldpreis während der Ukraine-Krise nur kurz in die Höhe schoss, muss das keineswegs mit Kursmanipulationen erklärt werden.

In Zeiten geopolitischer Konflikte ist ein schwacher Goldpreis eher normal als anomal



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