Mittwoch, 14. Januar 2015

Eine Zentralbank für die digitale Währung

Als ich anfing, mich intensiver mit dem Konzept Bitcoin auseinanderzusetzen, warben die klügeren Fans des Internet-Geldes mit folgendem Argument: Bitcoin ist kein Ding, sondern eine Technologie.

Das klang gut, denn es legte nahe, dass sich der BTC-Preis ähnlich raketenhaft entwickeln würde wie die Microsoft-Aktie. Deren Wert ist im Laufe der Jahre auf das fast 800-Fache gestiegen.

Zugleich lenkte es aber von etwas Wichtigem ab, nämlich davon, dass es für die "digitalen Münzen" keine weitere Verwendung gibt außer Bezahlen - oder Spekulation.

Geldtheoretisch betrachtet ist der Bitcoin etwas Neues: Er ist weder ein gesetzliches Zahlungsmittel, das per Dekret dazu privilegiert ist, (Steuer-)Schulden zu tilgen und von einer Zentralbank gemanagt wird. Noch ist er ein Warengeld.

Ein Warengeld zeichnet sich dadurch aus, dass einem geschätzten und allgemein bekannten Gebrauchsgut eine zusätzliche Verwendung als Zahlungsmittel zuwächst, wovon sich die sekundären Geldfunktionen Wertspeicher und Recheneinheit ableiten.

So lässt sich Gold zum Beispiel dafür nutzen, Zahnkronen oder Schmuck herzustellen, und wird dafür beinahe auf der ganzen Welt verwendet. Selbst Banknoten eignen sich zur Not noch zur Dekoration, wie es so mancher mit wertlos gewordenen Simbabwe-Dollar gemacht hat.

Am Bitcoin zeigt sich jetzt die Schattenseite des fehlenden Gebrauchwerts: Der Technologie Bitcoin ist es nämlich egal, ob der Einzelhändler einen Bitcoin gegen 1000 Euro umrechnet oder gegen einen Euro. Solange der Händler keine Neigung hat, den Bitcoin länger als eine Sekunde zu halten, kann ihm dessen Wertentwicklung schnuppe sein. Er hat sein Risiko abgetreten.

Wenn Bitcoins nicht mehr gehortet werden und sei es zur Spekulation auf künftige Wertsteigerung (mithin künstlich verknappt werden), fällt der Kurs ... und fällt und fällt. Das erleben wir gerade. Es ist nahezu unmöglich, einen fairen Wert für ein Ding anzugeben, das keinen Gebrauchswert hat.

Auch die Betrachtung der Herstellungskosten hilft kurzfristig wenig weiter: Schon vergangenes Jahr wurden die mit 600 Dollar angegeben. Das wären also gut 500 Euro. Das hat den Bitcoin-Kurs nicht daran gehindert, heute auf 170 Euro zu fallen.

Im Moment sieht es so aus, dass Bars, Hotels, Läden und andere Akzeptanzstellen ihre kassierten Bitcoins am liebsten sofort wieder abgeben. Nur weg mit der Wankemünze. Der Ökonom Milton Friedman würde sagen: Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes explodiert, was bei gesetzlichen Zahlungsmitteln wie dem Dollar oder Euro zu einer beschleunigten Inflation führt.

Und tatsächlich, wäre der Bitcoin eine normale Landeswährung, läge die Inflationsrate gemessen am Kursverfall der vergangenen zwölf Monate bei 390 Prozent.

Wie kann der Bitcoin-Kurs stabilisiert werden? Mangels einer natürlichen Nachfrage aus Industrie und Schmuckbranche, die bei sinkenden Preisen anzieht, dürfte allein künstliche Verknappung einen Boden einziehen. Das können die viel geschmähten Spekulanten sein. Allerdings hinge der BTC-Kurs dann von deren Wetten ab.

Wer baut schon gern auf Zocker?

Besser wäre vielleicht folgende Idee: Die Bitcoin-Verbände sollten darüber nachdenken, ob sie eine Art BTC-Zentralbank einrichten, die extreme Kursschwankungen abfedern könnte. Das wäre noch nicht der Einstieg in ein Fiat-Money-System. Denn die Produktion von Bitcoins bliebe durch den Algorithmus weiter beschränkt.

Auch im klassischen Goldstandard glichen Zentralbanken wie die Bank of England, die Banque de France oder die Reichsbank ein und glichen die natürlichen Volatilitäten des Edelmetallwerts aus.

Eine Bitcoin-Zentralbank könnte die Furcht vor extremen Kursschwankungen mindern, Die starken Ausschläge führen offensichtlich dazu, dass der Bitcoin im Jahr 2015 nicht mehr als sicherer Hafen betrachtet wird - obwohl die Situation im globalen Finanzsystem so manchen Anlass liefert, eine solche Alternative zu suchen.

Rettet den Bitcoin, gebt ihm eine Zentralbank!

Kommentare:

  1. Das Problem ist, dass der Bitcoinpreis letztlich von der erwarteten Nachfrage nach Bitcoins in der Zukunft bestimmt wird und die ist sehr volatil. Ich glaube der Preis ist u.a. deshalb kollabiert, weil die Spekulanten realisiert haben, das Bitcoin kein so gutes Transaktionsmittel ist wie gedacht. Man könnte natürlich den Preis kurzfristig stabilisieren, wenn man über ausreichend Coins und Geld verfügt, nur sobald einem das eine oder andere ausgeht, fällt die Korrektur umso schärfer aus.

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  2. Ein zentrales Konzept von Bitcoin ist, dass er ohne eine zentrale Autorität funktioniert. Das ist das große Experiment hierbei, kann ein Währungssystem ohne zentrale Autorität funktionieren? Vielleicht nicht, wenn aber eine Zentralbank eingerichtet würde, wäre der Bitcoin eines seiner Basiskonzepte beraubt und nicht mehr Bitcoin. Das Bitcoin Whitepaper ist hierzu auch sehr interessant (einfach googeln).

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  3. Sie haben zwei wichtige Funktionen von Bitcoin vergessen: Wertaufbewahrung (ohne Zugriff durch andere, auch nicht durch den Staat) und Wertübertragung (kostengünstig um die ganze Welt)

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