Mittwoch, 28. Januar 2015

Zwei verschiedene Welten

Bond-und Aktien-Anleger leben derzeit in zwei verschiedenen Welten. Wie folgender Chart, am Beispiel von Siemens, beweist:


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Die Siemens-Aktie bietet aktuell eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent. Sehr lang laufende Anleihen des gleichen Unternehmens bringen lediglich 1,2 Prozent im Jahr. Das Kuriose daran:
Bei derselben Firma als Renditebringer geben sich Investoren mit einer markant niedrigeren Bond- als Aktienrendite zufrieden.

Nur, wenn Siemens noch in zehn oder 20 Jahren gesund genug ist, seine Schulden zu tilgen, dürften der 1847 gegründete Konzern mit seinen etabliertem Geschäftsmodell (trotz zwischenzeitlicher Enttäuschungen) auch Gewinne erwirtschaften und Dividenden zahlen.

Sind die Bonds-Investoren zu pessimistisch? Oder die Aktien-Investoren zu optimistisch? Vielleicht haben ja beide recht. Vielleicht sind es Verzerrungen durch Regulierung, zum Beispiel diese:

Versicherer und Pensionskassen dürfen Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Siemens hat A+) in fast beliebiger Menge halten, Aktien aber nur in geringem Maß.

Eine der beiden Welten könnte Investmentchancen bieten. Kapitalmärkte sind effizient, aber nur so effizient, wie es Regulatoren und (emotionale) Sparer zulassen.


Aktuell finden sich im Dax neben Siemens acht Dividendenaristokraten, also Börsenfirmen, die ihre Ausschüttung in den vergangenen zehn Jahren nie gesenkt haben:


Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben, eigene Recherche

Dienstag, 27. Januar 2015

Erste Euroland-Zentralbank kauft wieder Gold? Doch nicht!

Das wäre die Kapitalmarkt-Überraschung des Jahres 2015 gewesen. Am Dienstag, dem 27. Januar, lief die Meldung über den Ticker, dass die niederländische Zentralbank Gold kauft. Aus Daten des Internationale Währungsfonds (IWF) gehe hervor, dass die Holländer im Dezember 9,61 Tonnen des Edelmetalls erworben hätten, hieß es. 

De Nederlandsche Bank wäre das erste westliche Institut seit mehr als einem Jahrzehnt, das seine Edelmetall-Bestände aufstockt statt abbaut. Für die Niederländer, die Teil des Eurosystems sind, hätte es den ersten Goldkauf seit 1998 bedeutet. 

Am Nachmittag kam dann allerdings das Dementi zur Sensation. Die Angaben zu Goldkäufen seinen "unkorrekt", teilte die Bank auf ihrer Homepage mit. 

Die Meldung über die Goldkäufe der Holländer war nicht völlig unplausibel. Vergangenes Jahr hat die Nederlandsche Bank 120 Tonnen ihrer Reserven von den USA nach Amsterdam gebracht hat und damit einen Wandel ihrer Politik angedeutet.

Ähnlich wie Deutschland lagern die Niederlande bis dato das Gros ihrer Bestände bei der Fed New York. 

Russland jedenfalls hat im Dezember 2014 wieder kräftig gekauft: mehr als 20 Tonnen. Das war die größte monatliche Vergrößerung des russischen Staatsschatzes seit den Achtzigerjahren. Die Goldreserven des Kreml belaufen sich jetzt auf über 1.200 Tonnen.



Moskau hat seine Bestände seit dem Jahr 2000 verdreifacht
Quelle: IWF, World Gold Council
Nach Berechnungen der Commerzbank haben die Zentralbanken der Welt ihre Bestände 2014 wohl um gut 400 Tonnen Gold aufgestockt, und damit ähnlich stark wie im Vorjahr. Eine Abkehr von der Traditionswährung ist nach dem starken Preiseinbruch von 2013 ausgeblieben. 

Während die Schwellenländer-Institute schon lange auf das gelbe Metall als Reservewährung setzen, hielten sich westliche Staaten bisher zurück. Potenziell wäre ein Paradigmenwechsel in der Gold-Politik der Euro-Länder von großer Tragweite. 

Schon jetzt halten die Zentralbanken der Welt 32.000 Tonnen Gold. Das ist fast ein Fünftel des jemals geförderten Edelmetalls (rund 180.000 Tonnen).   
Die Zentralbanken sind damit der wichtigste Akteur am Goldmarkt überhaupt. 

Ein im Eurosystem nicht abgesprochener Aufbau von Goldreserven hätte allerdings die Euro-Vertrauensfrage aufgeworfen. 

Die einzige westliche Zentralbank, die Jahr für Jahr Gold verkauft, ist übrigens die hierzulande allseits verehrte Deutsche Bundesbank


Die Bundesbank gibt jedes Jahr rund fünf Tonnen Gold ab
Quelle: IWF, World Gold Council

Samstag, 24. Januar 2015

Kein sicherer Inflationsschutz - Gold-Mythen entlarvt Teil 3

Ein Zusammenhang zwischen starkem Goldpreis und Inflation ist so selbstverständlich, dass er kaum je hinterfragt wird. Doch gibt es tatsächlich eine Korrelation zwischen der allgemeinen Preisentwicklung und den Edelmetall-Notierungen?

Zumindest die vergangenen Jahre lassen daran zweifeln.

Gold-Mythen entlarvt Teil 3 - Inflationsschutz

Fest steht, dass ein begehrter Sachwert in Zeiten hoher Inflationsraten gute Chance hat, die Kaufkraft besser zu erhalten als Papiergeld. Ich drücke mich vorsichtig aus, weil es stark auf den Zeitraum ankommt, den man betrachtet.

In den Siebzigerjahren schien das Edelmetall ein verlässlicher Absicherung gegen die Teuerung zu sein. Die Inflation war hoch, und der Goldpreis stieg. Doch dann? In den Achtzigern war die Inflation teilweise ebenfalls hoch, und der Goldpreis war tendenziell schwach.

Seit den Neunzigern kann man sich auf die alte Regel gar nicht mehr verlassen, wie aus folgenden Charts hervorgeht: Die Jahre 1991 und 1992 sahen die stärksten Verbraucherpreis-Anstiege des vergangenen Vierteljahrhunderts. Dennoch gab der Goldpreis nach! Auch die Jahre 1997 und 2000 mit relativ hohen Inflationsraten waren Minus-Jahre für das gelbe Metall.

Von inflationsgetrieben also keine Spur.




Goldpreis Veränderung in Prozent und Inflationsrate Deutschland in Prozent 1991-2014
Quelle: Bloomberg, Destatis, eigene Rechere


Einen engeren Zusammenhang gibt es womöglich zwischen Goldpreis und Inflationsangst, wie der nächste Graph zeigt. Zwischen 2005 und 2008 verteuerte sich das Edelmetall im Einklang mit den steigenden Inflationserwartungen.

Die ab 2012 zurückgehenden Inflationserwartungen würde auch erklären, warum der Goldpreis 2012 Mühe hatte, sein hohes Niveau von September 2011 zu halten. Schwieriger wird es schon, so den kräftigen Einbruch von 2013 verstehen zu wollen, oder die jetzige hitzige Rallye. Der jüngste Run auf Gold passiert nämlich, obwohl die Inflationserwartungen zeitgleich auf ein historisches Tief von nur noch 1,5 abgesackt sind.


Quelle: Bloomberg, eigene Recherche


Klar ist, in Phasen starker Verbraucherpreisanstiege von zehn Prozent an Mehr verliert Gold relativ wenig Kaufkraft und kann als Hartgeld fungierten. Doch in jüngerer Zeit scheint der Unzenpreis kaum von der Höhe der Inflation, allenfalls von der Richtung der Inflationsentwicklung oder der Inflationserwartung bestimmt zu sein.

Es muss also mindestens noch eine andere Kraft geben, die den Goldpreis treibt. Oder fallen lässt

Was Goethe den Deutschen heute raten würde

"Stirb und werde" war das Lebensmotto von Goethe. Ich interpretiere es so: Wir können etwas nicht bewahren, indem wir es nur horten und aufsparen. Wir müssen das Erworbene nutzen, es in der Welt wirksam werden lassen. Investieren. Dazu passt dieser Passus aus dem Faust:

Was du ererbt von deinen Vätern hast,
erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last

Der Finanzpolitiker und Dichter Goethe hätte den deutschen Sparern von heute einiges zu sagen. Vor allem würde er sie vermutlich auf eine Paradoxie ihrer Einstellung aufmerksam machen: Wir wollen unser Vermögen bewahren und tragen es zu diesem Zweck zur Bank oder zahlen es in eine Lebensversicherung ein.


Joahann Wolfgang von Goethe nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury 1800
Quelle: Wikipedia


Wir wollen Sicherheit und Zinsen in Zeiten, die wir als äußerst unsicher empfinden. Wir wollen eine verlässliche Rente und Rendite.

Aber wir bauen dabei auf konservative Systeme, die auf Erhaltung, Bewahrung, den Ausschluss von Risiko angelegt sind. Doch diese Systeme funktionieren nur dann, wenn nicht alle so agieren wie wir selbst. Sichere Rente und Rendite bekommen wir nur dann, wenn einer bereit ist, etwas zu probieren, zu wagen, ins Risiken zu gehen und das Kapital zu mehren.
Sei es der Staat oder der Unternehmer.

Um die gesetzliche Rente stabil zu halten, brauchen wir mehr Kinder, mehr qualifizierte Zuwanderer oder mehr Produktivitätsgewinne. Um die private Rente zu sichern, brauchen wir Wirtschaftswachstum und florierende Unternehmen.

Die Realität sieht anders aus: Die Geburtenrate ist eine der niedrigsten der Welt (inzwischen hat uns sogar das greise Japan überholt), Migranten stoßen in Teilen der Bevölkerung auf erhebliche Vorbehalte und die Produktivität steigt nur noch langsam, falls überhaupt.

Große Fortschritte macht Deutschland nicht mehr. Wir sind als Nation in Angststarre verfallen. Wir investieren nicht mehr, weder in Bildung, noch in Infrastruktur, noch in Fabriken.

Stirb und werde gilt auch für die Finanzen. Wir können nicht alle Rentner sein ... umso weniger, wenn sich zusätzlich der Staat wie ein sparsamer Rentner verhält.

Goethe wusste: Was man nicht nützt, wird zur Last


Freitag, 23. Januar 2015

Grexit wird immer wieder auftauchen, wie Nessie

Zwei Tage vor der Wahl in Griechenland und dem mutmaßlichen Sieg der Linkspartei Syriza ist von #Grexit, dem Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion, keine Rede mehr. Aber keine Sorge, liebe Freunde, Grexit wird immer wieder auftauchen. Ungefähr so wie das Ungeheuer von Loch Ness



Am letzten Handelstag vor der Griechenland-Wahl legte die Börse Athen mehr als sechs Prozent zu
Quelle: Bloomberg

Donnerstag, 22. Januar 2015

Ein geldpolitischer Scherz der Geschichte

Irgendwie hat das Ganze auch etwas Komisches - oder zumindest Tragikomisches: Jahrzehntelang haben die Deutschen mit ihrer unabhängigen, ziemlich eigensinnigen Bundesbank Europa genervt. Und jetzt? Im Jahr 2015 nervt Mario Draghis Europäische Zentralbank, einst als Super-Bundesbank ins Leben gerufen, die Deutschen. Und die Kanzlerin kann nur mit den Achseln zucken und sagen: Was soll ich machen, die ist halt unabhängig!



Quelle: BILD



Quelle: Handelsblatt

Quelle: welt.de 

Quelle: faz.net


Quelle: SPIEGEL ONLINE

Mittwoch, 21. Januar 2015

Warum ich, als Liberaler, für Anleihenkäufe bin

Anleihenkäufe sind kein Allheilmittel, und sie sind auch kein Wundermittel gegen eine schwache Wirtschaft, die zum Beispiel unter schwindender Produktivität, Überalterung, Bürokratie, Korruption, Verteilungskämpfen etc. leidet.
Doch die Aversion, die deutsche Ordnungspublizisten in den vergangenen Jahren gegen "Kjuhiih"(QE) entwickelt haben, ist bemerkenswert.
Im Jahr 2015 scheint sie schwer haltbar.
Anleihenkäufe sind eine Spielart der Offenmarktpolitik, welche auch von der Deutschen Bundesbank zur Zeit der D-Mark praktiziert wurde. Bei Inflationsraten von zwei, drei oder vier Prozent. Damals gab es keinen Aufschrei.
Ich stehe dazu, dass ich mich als einer der ersten konservativ-liberalen Schreiber in Deutschland dagegen ausgesprochen habe, Anleihenkäufe aus falsch verstandener Prinzipientreue zu verteufeln. International steht diese "deutsche Schule" recht isoliert da.
Wer Angst um den Wert des Euro hat, sei daran erinnert, dass die deutsche Teuerung derzeit bei null Prozent liegt und der Außenwert von Währungen mit überzeugendem QE-Programm im Verlauf der Anleihenkäufe eher zu- als abgenommen hat.
Die beschworenen Gefahren - hohe Inflation, Verfall der Währung, Verdrängungseffekte, große Spekulationsblasen - haben sich in den USA und Großbritannien weitestgehend nicht materialisiert.
Man braucht also schon starke Argumente und empirische Belege, um die Gefahren von QE als so gravierend darzustellen, dass es uns Europäern nicht einen Versuch wert wäre, Zeit zu kaufen.
Ob wir die Zeit nutzen, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn die Chancen größer sind als die Risiken, sollten Finanzer nicht aus Prinzip nein sagen

Dienstag, 20. Januar 2015

Der dusseligste Anleger aller Zeiten - Gold-Mythen entlarvt Teil 2

Mit Gold kann man langfristig keinen Verlust machen. Stimmt's? Nur wenn man langfristig als sehr langfristig definiert.

Gold-Mythen entlarvt Teil 2

Der dusseligste Gold-Käufer aller Zeiten kaufte die einzige Unze Krügerrand seines Lebens im Januar 1980, inmitten der Panik und Hysterie, die auf die zweite Ölkrise und den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan folgten.

Der dusseligste Gold-Käufer aller Zeiten würde sehr lange dumm aus der Wäsche schauen. Denn er bezahlte für seine Unze einen hohen Preis, den er über Jahrzehnte nicht wiedersehen würde, nämlich für 1492 D-Mark oder umgerechnet 763 Euro. Während die Gold-Notierungen auf der Stelle traten, kletterten Dax und Dow Jones von einem Hoch zum nächsten.

Doch selbst für den dusseligsten Gold-Käufer aller Zeiten, der einzig und allein im Januar 1980 und dann nie wieder Edelmetall bunkerte, würde es ein Happyend geben.

Es sollte zwar bis 2010 dauern, bis er die Unze hierzulande für den gleichen Preis feilbieten konnte wie 1980. Immerhin - seither ist er mit seinem zeitlich schlecht platzieren Investment im Plus.

Und heute kann sich der dusseligste Gold-Käufer aller Zeiten zurückgerechnet über einen jährlichen Wertzuwachs von 1,1 Prozent (Stand 21. Januar 2015) freuen. Da kommt Tagesgeld  nicht mehr mit

Einen Wermutstropfen gibt es: Im Jahr 1980 fielen beim Goldkauf in Deutschland 13 Prozent Mehrwertsteuer an, die die Rendite unweigerlich mindern

Montag, 19. Januar 2015

Metall des Krieges - Gold-Mythen entlarvt Teil 1

Um Gold als Geldanlage ranken sich viele Mythen. Die meisten davon sind aufregend, faszinierend, fesselnd, bestechend - und falsch. Gold ist eines der am meisten missverstandenen Investments überhaupt.

In loser Folge werde ich mich in den nächsten Tagen mit der Frage auseinandersetzen, worauf der Edelmetall-Preis wirklich reagiert.

Eine wichtige Vorbemerkung: Die Entzauberung der Gold-Mythen ändert nichts daran, dass Gold in den vergangenen Jahren ein sehr gutes Investment war, sowohl absolut als auch im Vergleich mit anderen Vermögenswerten. Seit dem Jahr 2000 hat der Unzenpreis auf Dollar-Basis um zehn Prozent per annum zugelegt, auf Euro-Basis waren es immer noch neun Prozent.

Wenn man Gold kauft, sollte man jedoch wissen, was man kauft.

Teil 1: Ist Gold ein Metall des Krieges?

Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält, lautet: Gold ist ein Metall, dass von militärischen Konflikten profitiert. Demnach stiege der Wert des Rohstoffs vor allem dann, wenn es irgendwo auf der Welt "richtig kracht".



Quelle: Bloomberg

Beispiel Golfkrieg 1990/91. Zum Beginn der irakischen Invasion Kuwaits am 2. August 1990 sprang der Goldpreis tatsächlich nach oben. Der Höhenflug hielt indes nur kurz an. Noch während die Lage am Golf ungeklärt blieb, gaben die Notierungen wieder nach.

Während des ganzen Konflikts erreichte der Kurs nie seine Höchststände vom vorangegangenen Frühjahr.

Umgekehrt brachen US-Aktien nur vorübergehend ein. Schon Ende Januar 1991, als die Alliierten gerade erst die Befreiung des Scheichtums gestartet hatten, standen Aktien wieder ebenso gut da wie Gold. Die Titel des amerikanischen Dow Jones schlugen sich in der Zeit sogar noch besser.


Gold (weiß) und MSCI World (rot) während des Golfkriegs 1990/91:
Das gelbe Metall entwickelte sich nur kurzzeitig besser als Börsenpapiere
Quelle: Bloomberg

Beim Kosovo-Krieg 1999 und beim Golfkrieg 2003 lässt sich das gleiche Muster beobachten. Die einzige Ausnahme ist der sowjetische Einmarsch in Afghanistan 1979/1980. Unmittelbar nach der Invasion explodierte der Preis tatsächlich auf ein Rekordhoch von damals 850 Dollar. Im Januar 1980, herrschte "Hysterie, Panik, Rausch", wie der SPIEGEL schrieb.

Allerdings litten die Industrieländer 1980 damals auch unter der zweiten Ölkrise mit zweistelligen Inflationsraten. Zudem drohte der Dollar seine Funktion als Leitwährung einzubüßen. Obwohl der Ost-West-Konflikt in den Achtzigerjahren eine seiner kritischsten Phasen erlebte, würde der Goldpreis im ganzen Jahrzehnt nicht mehr in die Nähe seines Hochs von 1980 klettern.

So erklärt sich auch die auf Dollar-Basis eher enttäuschende Wertentwicklung des gelben Metalls im Jahr 2014. Wenn der Goldpreis während der Ukraine-Krise nur kurz in die Höhe schoss, muss das keineswegs mit Kursmanipulationen erklärt werden.

In Zeiten geopolitischer Konflikte ist ein schwacher Goldpreis eher normal als anomal



Samstag, 17. Januar 2015

Was sich in Deutschland immer verkauft

Willst du richtig Geld verdienen, dann mach in Angst. Angst läuft in Deutschland immer. Muss auch keine echte Qualitätsangst sein, mit Wissenschaft, Logik und so. Plausibilitätsprüfung? Pfff. Reality-Check? Pfff. Wahrscheinlichkeit? Haha.

Die Deutschen kaufen jede Art von Angst

Freitag, 16. Januar 2015

Sie werden Schlange stehen. Nicht

Vorschläge zur Lösung der Euro-Krise gibt es viele. Eine davon lautet, den Euro in einen Nord- und einen Süd-Euro aufspalten, vertreten zum Beispiel von Hans-Olaf Henkel. Nach der Aufspaltung könnten sich in beiden Währungsunionen jene Wirtschaften zusammenfinden, die besser zueinander passen. Deutschland würde in diesem Szenario den Block des Nord-Euro-Staaten anführen. 

Nur, könnte das wirklich funktionieren? Können wir den Euro zusammen mit befreundeten Nord-Staaten als Hartwährung weiterführen, während sich der Süden Europas mit einer Art Euro-Lira durch das 21. Jahrhundert mogelt?

Ein einfaches Gedankenexperiment macht klar, dass das nicht so leicht werden wird, wie mancher träumt.

Denn wer wäre der natürliche Partner Deutschlands in einem nordeuropäischen Währungsverbund? Wohl kaum die Benelux-Staaten. Belgien hat mit 105 Prozent eine der höchsten Schuldenquoten in der Europäischen Union, übertroffen nur von Griechenland, Portugal, Italien und Irland. 

Brüssel würde es sich also sehr gut überlegen, mit den Deutschen zusammenzugehen, die als Gegenleistung für Reformen und Schuldenschnitt einen rigiden Sparkurs verlangen. Damit dürften auch die Niederlande und Luxemburg abgeschreckt sein, deren Ökonomien eng mit der belgischen verflochten sind.

Also Schweden und Dänen? Den Skandinaviern war ihre nationale Souveränität nicht zuletzt in monetären Fragen so wichtig, dass sie von Anfang von dem Projekt Euro Abstand hielten. Und Norwegen wollte bis dato nicht einmal EU-Mitglied werden. Sie sind also kaum Kandidaten für den Nord-Euro.

Die Briten? Sich der finanzpolitischen „Orthodoxie“ der Bundesbank mit Ablehnung von Anleihekäufen etc. unterzuordnen, wird dem Londoner City nach den Erfahrungen der Euro-Krise noch weniger einfallen als vor der Krise. Außerdem hat man die Schmach des "Schwarzen Mittwoch" vom September 1992 nicht vergessen. Den damaligen Absturz des Pfundes führen viele auf der Insel auf das brüske Desinteresse der Bundesbank zurück, die sich weigerte, der englischen Währung durch Zinssenkungen zu helfen.

Gewiss ist ein Nord-Euro mit Finnlandden baltischen Staaten und anderen Ländern in Osteuropa denkbar. Die Frage ist, ob diese Nationen sich so eng an ein Deutschland anlehnen wollen, das im Moment zwar wirtschaftlich stark sein mag, ihnen (sicherheits)politisch aber nicht viel zu bieten hat.

Und die Schweizer werden nach den Erfahrungen der letzten Jahre den Teufel tun, ihren Franken und ihre Nationalbank aufzugeben.

Kurzum, ein Nord-Euro mit allen "soliden" Staaten Nordeuropas ist alles andere als wahrscheinlich. Die europäischen Länder werden nicht gerade Schlange stehen, um mit der Bundesrepublik eine Währungsehe einzugehen. 

Wenn Deutschland schon aus dem Euro aussteigt, muss es sich darauf einstellen, dass es ziemlich allein dasteht. Lieber gleich die D-Mark fordern als einen schimärenhaften Nord-Euro. 

Und die D-Mark mit allen Konsequenzen

Mittwoch, 14. Januar 2015

Eine Zentralbank für die digitale Währung

Als ich anfing, mich intensiver mit dem Konzept Bitcoin auseinanderzusetzen, warben die klügeren Fans des Internet-Geldes mit folgendem Argument: Bitcoin ist kein Ding, sondern eine Technologie.

Das klang gut, denn es legte nahe, dass sich der BTC-Preis ähnlich raketenhaft entwickeln würde wie die Microsoft-Aktie. Deren Wert ist im Laufe der Jahre auf das fast 800-Fache gestiegen.

Zugleich lenkte es aber von etwas Wichtigem ab, nämlich davon, dass es für die "digitalen Münzen" keine weitere Verwendung gibt außer Bezahlen - oder Spekulation.

Geldtheoretisch betrachtet ist der Bitcoin etwas Neues: Er ist weder ein gesetzliches Zahlungsmittel, das per Dekret dazu privilegiert ist, (Steuer-)Schulden zu tilgen und von einer Zentralbank gemanagt wird. Noch ist er ein Warengeld.

Ein Warengeld zeichnet sich dadurch aus, dass einem geschätzten und allgemein bekannten Gebrauchsgut eine zusätzliche Verwendung als Zahlungsmittel zuwächst, wovon sich die sekundären Geldfunktionen Wertspeicher und Recheneinheit ableiten.

So lässt sich Gold zum Beispiel dafür nutzen, Zahnkronen oder Schmuck herzustellen, und wird dafür beinahe auf der ganzen Welt verwendet. Selbst Banknoten eignen sich zur Not noch zur Dekoration, wie es so mancher mit wertlos gewordenen Simbabwe-Dollar gemacht hat.

Am Bitcoin zeigt sich jetzt die Schattenseite des fehlenden Gebrauchwerts: Der Technologie Bitcoin ist es nämlich egal, ob der Einzelhändler einen Bitcoin gegen 1000 Euro umrechnet oder gegen einen Euro. Solange der Händler keine Neigung hat, den Bitcoin länger als eine Sekunde zu halten, kann ihm dessen Wertentwicklung schnuppe sein. Er hat sein Risiko abgetreten.

Wenn Bitcoins nicht mehr gehortet werden und sei es zur Spekulation auf künftige Wertsteigerung (mithin künstlich verknappt werden), fällt der Kurs ... und fällt und fällt. Das erleben wir gerade. Es ist nahezu unmöglich, einen fairen Wert für ein Ding anzugeben, das keinen Gebrauchswert hat.

Auch die Betrachtung der Herstellungskosten hilft kurzfristig wenig weiter: Schon vergangenes Jahr wurden die mit 600 Dollar angegeben. Das wären also gut 500 Euro. Das hat den Bitcoin-Kurs nicht daran gehindert, heute auf 170 Euro zu fallen.

Im Moment sieht es so aus, dass Bars, Hotels, Läden und andere Akzeptanzstellen ihre kassierten Bitcoins am liebsten sofort wieder abgeben. Nur weg mit der Wankemünze. Der Ökonom Milton Friedman würde sagen: Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes explodiert, was bei gesetzlichen Zahlungsmitteln wie dem Dollar oder Euro zu einer beschleunigten Inflation führt.

Und tatsächlich, wäre der Bitcoin eine normale Landeswährung, läge die Inflationsrate gemessen am Kursverfall der vergangenen zwölf Monate bei 390 Prozent.

Wie kann der Bitcoin-Kurs stabilisiert werden? Mangels einer natürlichen Nachfrage aus Industrie und Schmuckbranche, die bei sinkenden Preisen anzieht, dürfte allein künstliche Verknappung einen Boden einziehen. Das können die viel geschmähten Spekulanten sein. Allerdings hinge der BTC-Kurs dann von deren Wetten ab.

Wer baut schon gern auf Zocker?

Besser wäre vielleicht folgende Idee: Die Bitcoin-Verbände sollten darüber nachdenken, ob sie eine Art BTC-Zentralbank einrichten, die extreme Kursschwankungen abfedern könnte. Das wäre noch nicht der Einstieg in ein Fiat-Money-System. Denn die Produktion von Bitcoins bliebe durch den Algorithmus weiter beschränkt.

Auch im klassischen Goldstandard glichen Zentralbanken wie die Bank of England, die Banque de France oder die Reichsbank ein und glichen die natürlichen Volatilitäten des Edelmetallwerts aus.

Eine Bitcoin-Zentralbank könnte die Furcht vor extremen Kursschwankungen mindern, Die starken Ausschläge führen offensichtlich dazu, dass der Bitcoin im Jahr 2015 nicht mehr als sicherer Hafen betrachtet wird - obwohl die Situation im globalen Finanzsystem so manchen Anlass liefert, eine solche Alternative zu suchen.

Rettet den Bitcoin, gebt ihm eine Zentralbank!

Montag, 12. Januar 2015

Bitcoin-Spekulant, sei wachsam!

Vor einem Jahr erreichte die Bitcoin-Spekulation noch einmal einen Höhepunkt ...Vorübergehend wurde eine Einheit der digitalen Währung für 700 Euro gehandelt. Das war am 12. Januar 2014.

Seither ist viel passiert, positiv wie negativ. Für Investoren, die long BTC sind, also auf einen steigenden Bitcoin-Kurs setzen, senden die vergangenen zwölf Monate eine ernüchternde Botschaft:

Die zunehmende Verbreitung des Bitcoin als Zahlungsmittel lässt den Kurs nicht weiter steigen! Der Grund dafür ist interessant und lehrt uns auch einiges über Geld im Allgemeinen.


Der Absturz beschleunigt sich. Ein Drittel Wertverlust zum Euro seit Anfang Dezember
Quelle: Bitcoincharts.combitcoin.de



Quelle: Bitcoincharts.com, bitcoin.de


Der Zahlungsdienstleister BitPay berichtet jetzt von weltweit über 44.000 Akzeptanzstellen für die frühere Hacker-Währung. Das sind mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Kaum ein anderes Zahlungssystem dürfte sich so schnell verbreitet haben.

Auf den ersten Blick scheint es also gut zu laufen für das Kryptogeld. Hört man sich jedoch um, nehmen die meisten Geschäfte den Bitcoin deshalb so bereitwillig an, weil sie ihn heute in Sekundenschnelle in Euro, Dollar, Pfund etc. wechseln können.

Für die weitere Verbreitung des Bitcoin als Zahlungsmittel ist das vorteilhaft. Nicht jedoch für die Wetten auf einen steigenden BTC-Kurs. Das ist in etwa so, als würde man Gold beim Edelmetall-Händler kaufen und kaum vor der Tür wieder in Euro zurücktauschen.

In Sekundenschnelle weggetauschte Bitcoins erzeugen an den Handelsplätzen keine zusätzliche Nachfrage nach der digitalen Währung. Da das Angebot über Mining leicht wächst, geraten die Notierungen ceteris paribus unter Druck,

Ökonomisch gesehen fehlt dem Bitcoin eine wichtige Geldfunktion: die Wertaufbewahrungsfunktion. (Streng genommen fehlt ihm damit noch eine zweite Geldfunktion: die der Recheneinheit.)

Selbst im Bitcoin-Kiez Berlin werden die Preise weiter in Euro angegeben und auch so verbucht.

Durchbrochen werden könnte die Baisse nur dadurch, dass Bitcoin wieder verstärkt genutzt werden, Vermögen aufzubewahren oder in Sicherheit zu bringen. Im Russland der Rubel-Krise und im Griechenland der Grexit-Debatte ist das bisher nicht passiert.

Gefragt ist stattdessen Gold, und das ungeachtet der düsteren Prognosen der Banken für 2015.

Wenn Gold eine ewige Währung ist, ist Bitcoin derzeit allenfalls eine ephemere Währung

Samstag, 10. Januar 2015

Nike bringt Schuhe aus "Zurück in die Zukunft". Und Adidas?

Die Börse ist manchmal ungerecht, ja geradezu gemein. Wer hätte es für möglich gehalten, dass der deutsche Sportartikler Adidas in dem Jahr, da die deutsche Nationalmannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt, die schlechteste Dax-Aktie wird?

Adidas ist Ausstatter der DFB-Elf und somit des Siegerteams, aber an der Börse wurde die Aktie in den Boden gestampft. Rund 40 Prozent ging es in zwölf Monaten nach unten.

Die Traditionsfirma aus dem fränkischen Herzogenaurach leidet wie kaum ein anderes großes deutsches Unternehmen unter dem schwachen Geschäft in Russland, wo viele Adidas für eine heimische Marke halten.

Belastet haben Adidas auch die Währungsturbulenzen in anderen Schwellenländern. Vor allem aber bekommen die Deutschen zu spüren, wie es ist, mit einem Gegner konfrontiert zu sein, der über weitaus größerer Ressourcen verfügt: Nike, die Supermacht des Lifestyle, jagt Adidas Marktanteile ab, zuletzt auch verstärkt im europäischen Heimatmarkt.


Für eine Fuball-Aktie war 2014 ein gutes Jahr: Nike. Das Nike-Papier hat in den vergangenen zwölf Monaten in Euro gerechnet 45 Prozent zugelegt, mehr als der MSCI World. Die Adidas-Aktie war Schlusslicht im Dax - Quelle: Bloomberg

Die Konkurrenz aus Amerika (Börsenwert in Euro: 56,1 Milliarden) setzt den Franken (Börsenwert 11,9 Milliarden) auf allen Ebenen zu: Obwohl die USA nicht gerade das Mutterland des Fußballs sind, stattete Nike bei der WM in Brasilien schon mehr Mannschaften aus als Adi Dasslers Gründung.

Die Amerikaner konnten ihren Gewinn je Aktie im zurückliegenden Geschäftsjahr 2013/14 um zehn Prozent steigern. Bei Adidas ging der Ertrag nach aktuellen Schätzungen 2014 um 23 Prozent zurück.

Dass Nike derzeit cooler ist als Adidas zeigt auch diese Meldung: Die US-Firma will dieses Jahr Powerlaschen, die vollautomatischen Sneaker aus dem Film "Zurück in die Zukunft II" (1989), auf den Markt bringen.
Wie bei Marty McFly im futuristisch-imaginierten 2015 schließen sich die Schuhe von selbst. Keine Schnürsenkel und kein Klettverschluss mehr! Sehr innovativ, und für Leute wie mich genau das Richtige. Wenn's nur ein Marketinggag ist, dann ein gelungener.

Einräumen muss man freilich, dass Darth Vader dem Vernehmen nach Adidas trägt.

Was derzeit gegen Nike spricht, ist die recht ambitionierte Bewertung: Ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 32 und ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von 7,2 verträgt nicht allzu viele Enttäuschungen. Allerdings muss auch Adidas erst beweisen, dass es die Erwartung eines wieder steigenden Gewinns 2015 erfüllen kann.
Auf die nächsten Quartalsberichte dürfen wir gespannt sein

Bei der Dividende schneidet Adidas übrigens besser ab: geschätzt 2,4 Prozent verglichen mit ein Prozent bei Nike



Quelle: eigene Recherche



Donnerstag, 8. Januar 2015

Das Investment, das 29 mal so viel abwirft wie Bundesanleihen

Am 28. Januar zahlt Siemens als erstes Dax-Unternehmen 2015 Dividende. Die Ausschüttung an die Anteilseigner beträgt 3,30 Euro pro Aktie. Gemessen am aktuellen Kurs liegt die Dividendenrendite damit bei rund 3,5 Prozent.


Quelle: Unternehmensangaben, eigene Recherche

Natürlich schwankt die Siemens-Aktie und die Freude über die Dividende kann dem Aktionär schon am nächsten Tag durch Kursverluste verleidet sein. Dennoch sollte man drei einfache Fakten nicht aus den Augen verlieren:

Erstens, die aktuelle Siemens-Dividendenrendite ist 29 mal (!) so hoch wie die Verzinsung, die mit siebenjährigen Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland zu erzielen ist.

Sie ist, zweitens, außerdem siebenmal so hoch wie die Rendite, die Siemens-Anleihen mit ähnliche Laufzeit (WKN: A1UDWM) bieten.

Drittens gehört Siemens zu den deutschen Dividendenaristokraten und hat seine Ausschüttung seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts kein einziges Mal gesenkt, in den letzten zehn Jahren hat das Unternehmen die Dividende im Durchschnitt vielmehr um zehn Prozent per annum gesteigert.

Selbst in konjunkturell schwierigen Zeiten hat sich das Geschäftsmodell des Konzern als so robust erwiesen, dass immer eine Dividende aus dem Cashflow gezahlt werden konnte

Die Siemens-Gesamtverschuldung liegt laut Bloomberg bei 22,7 Milliarden Euro, der Börsenwert bei 81,8 Milliarden Euro. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis für das vergangene Geschäftsjahr ist 15,2 und die Kurs/Buchwert-Verhältnis 2,6 - das Ganze bei einer Eigenkapitalrendite von 17 Prozent


"German savings glut"

Von wegen Entsparen! Deutsche Banken melden so hohe Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten wie noch nie in der Geschichte. Die Einlagen nähern sich der Marke von zwei Billionen Euro, was bedeutet, dass jeder Bundesbürger durchschnittlich fast 25.000 Euro auf dem Konto hat.

Das ist fast so etwas wie eine "German savings glut", ein Ersparnis-Übermaß.


Die Bankguthaben in Deutschland erreichen immer neue Höhen. Bald sind es 2000 Milliarden Euro
Quelle: Bloomberg

Auffällig ist, dass sich die Flucht ins Sparbuch zuletzt beschleunigt hat. Die jüngsten verfügbaren Daten (vom November 2014) zeigen einen Einlagen-Zuwachs von 21,8 Milliarden Euro. Das ist das stärkste Plus seit dem Krisenjahr 2008.



Noch vor der neuen Grexit-Debatte brachten die Bundesbürger so viel Geld zur Bank wie seit 2008 nicht mehr
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Nur im Herbst 2008, nach der Pleite der Investmentbank Lehman mit ihren nachfolgenden schweren Markterschütterungen, wurden größere monatliche Zuwächse verzeichnet. Damals, im Oktober 2008, schafften die Bundesbürger 38,7 Milliarden Euro aufs Konto. Zuvor hatten sie allerdings auch überdurchschnittlich viel von Ihren Konten abgezogen.

Es wird sehr interessant sein zu sehen, was die Daten für Dezember und Januar bringen. Denn die Verunsicherung durch die griechischen Neuwahlen hat sich in den November-Zahlen noch nicht niedergeschlagen

Mittwoch, 7. Januar 2015

Kauft französische Aktien!

Kauft französische Aktien und meidet deutsche Papiere! Das empfiehlt die Société Générale. Gut, kann man sagen, es ist eine französische Bank, was soll sie auch anderes machen.

Allerdings haben die Analysten der SocGen zumindest ein Argument auf ihrer Seite, was diesseits des Rheins noch nicht so recht zur Kenntnis genommen wird:

Frankreich hat 2014 eine Senkung der Unternehmenssteuern und der Arbeitskosten beschlossen, die dieses und nächstes Jahr wirksam wird. Außerdem ist unser Nachbar nicht ganz so anfällig für geopolitische Schocks und einen wackligen Welthandel wie Deutschland.

Es lohnt sich durchaus, einen Blick auf die französische Börse zu werfen.


Die aktuelle SG Premium List (Europa) enthält viele französische Namen
Quelle: Société Générale

Empfohlen werden von der SocGen unter anderem die Hotelkette Accor, die Versicherung Axa, der Versorger, der Autobauer Renault und der Baukonzern Vinci

Dienstag, 6. Januar 2015

80 Prozent der Griechen wollen den Euro behalten

Deutsche Professoren und in ihrem Gefolge Politik- und Meinungsmacher hierzulande glauben zu wissen, dass ein Grexit, ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, das Beste für das griechische Volk sei.


Nicht alles, was kaputt ist, muss man wegwerfen. Antikes Tongefäß auf Kreta
Foto: Daniel Eckert
Dumm nur, dass die Griechen das ganz anders sehen. Nach einer aktuellen Untersuchung sind 80 Prozent der Befragten dafür, dass ihr Land im Euro bleibt.

Kaum jemand in Griechenland glaubt, dass ein Euro-Ausstieg auf geordnete Weise vonstatten gehen könnte. Im folgenden Chaos, so die Befürchtung, würde der Lebensstandard noch weiter sinken, als es durch Krise und Sparpolitik in den letzten Jahren schon der Fall war

Ich sage eine Bund-Rendite von 0,1 Prozent voraus

OK. Ich bin dann mal der erste.

Ökonomen und Analysten prognostizieren für 2015 steigende Anleihezinsen. Ende des Jahres verorten sie die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen bei 1,0 Prozent.

Ich halte dagegen und phantasiere mal, dass die Bund-Rendite auf 0,1 Prozent sinken wird. Nicht unbedingt dieses Jahr, aber noch in diesem Jahrzehnt.


Aktuell muss die Bundesrepublik Deutschland noch 0,5 Prozent per annum bieten, wenn sie sich für zehn Jahre verschuldet
Quelle: Bloomberg

Wenn Japan mit einer Schuldenquote von 240 Prozent lediglich 0,3 Prozent bieten muss, dürften sich Investoren bei der Bundesrepublik (80 Prozent Schuldenquote) über kurz oder lang mit 0,1 Prozent zufrieden geben.

Die Probleme in Europa sind potenziell explosiver als in Japan, und die Lage ist definitiv vertrackter. Der Renditerutsch hat in der Alten Welt lediglich später eingesetzt als im Fernen Osten.

Das wird mehr als kompensiert werden. Vergessen wir nicht, dass die Rendite fünfjähriger Bundespapiere schon jetzt negativ ist. Es spricht wenig dagegen, dass die anhaltende Flucht in die Sicherheit (auch als Folge der Alterung) die letzten Überbleibsel von Zins auch bei lang laufenden Anleihen planieren wird ...


Montag, 5. Januar 2015

Als Fluchtwährung überzeugt der Bitcoin noch nicht wirklich

Wenn der Bitcoin ein "sicherer Hafen" in Zeiten der geopolitischen Spannungen und der multiplen Finanzkrisen sein will, überzeugt er noch nicht wirklich beim Vermögenserhalt. So sieht die Wertentwicklung seit Anfang 2014 aus.


Digitales Geld enttäuscht als Fluchtwährung
Quelle: www.bitcoincharts.com

Ja, ich gebe zu: Die Skalierung in dem Chart ist ein wenig gemein: 200 Euro sind nicht die Null-Linie. Aber ein Kursverlust von 65 Prozent seit Anfang 2014 ist ebenfalls gemein.

Weder scheinen die Russen den Bitcoin (BTC) zu nutzen, um sich gegen den Wertverfall ihres Rubel abzusichern, noch hat die wieder aufgeflammte Grexit-Diskussion die Menschen in Griechenland dazu animiert, ihr Erspartes in digitale Währung zu tauschen.

Den Griechen scheinen die Euro-Banknoten unter dem Kopfkissen ein besseres Gefühl zu geben als ominöse BTC auf dem Smartphone ...

Gold wird wieder für mehr als 1000 Euro pro Feinunze gehandelt

Gold und Silber sind im neuen Jahr gefragt. In den ersten Handelstagen 2015 haben die Edelmetalle stark zugelegt: Gold rund zwei Prozent und Silber mehr als drei Prozent. Der Dax steht dagegen drei Prozent im Minus - nicht zuletzt wegen düsterer Griechenland-Vorahnungen.


Der Goldpreis erobert wichtige Marken zurück: 1200 Dollar und 1000 Euro je Unze
Quelle: Bloomberg

Wichtiger noch: Der Preis für die Feinunze (31,1 Gramm) ist zum ersten Mal seit September 2013 über die Marke von 1000 Euro geklettert. Wir dürfen gespannt sein, wann die Banken ihre Preisprognosen für das gelbe Metall nach oben "anpassen"

Von Grexitten, Drachmensalonlöwen und Eurowettern

Laut Euro-Breakup-Index liegt die Wahrscheinlichkeit eines #Grexit jetzt bei 19,9 Prozent. Orientiert man sich an den deutschen (Online-)Medien ist das Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion zu ungefähr 199 Prozent sicher.

Meiner persönlichen Einschätzung nach dürfte die Grexit-Wahrscheinlichkeit eher bei 0,199 Prozent liegen. Es heißt zwar "Sag niemals nie", aber ...

Der Schönheitsfehler der ganzen Grexit-Debatte ist folgender: Die Griechen wollen gar nicht raus aus dem Euro, sie wollen nur ihre Schulden loswerden und weniger "Sparpolitik" machen.

Und die Bundesregierung kann die Griechen bei aller verbalen Kraftmeierei nicht rauswerfen. Die einzige Macht, die Athen dazu zwingen könnte, und sei es vorübergehend, eine andere Währung als den Euro einzuführen, ist die Europäische Zentralbank.

Ich sehe nicht, dass die EZB ein Interesse daran hätte, den Grexit zu erzwingen.

Drum schwadroniert ruhig weiter über die Rückkehr der Drachme, Ihr Salonlöwen, Doch Ihr, Ihr Trader ... wettet besser nicht darauf

Sonntag, 4. Januar 2015

Die Farbe der Regierung ist der Farbe unseres Geldes egal

Um das mal klar zu stellen: Ob die Regierung eines Landes rot, dunkelrot, schwarz, blau, violett, gelb der grün ist, sagt nichts darüber aus, ob dieses Land Mitglied der Eurozone sein darf.


Euro-Kurs in Dollar am Abend des 4. Januar 2015
Quelle: www.finanzen.net

Das Wesen der Wirtschafts- und Währungsunion besteht hierin: offene Grenzen, ungehinderter Fluss von Waren und Diensten, freie Kapitalmärkte, Rechtssicherheit und die Verteidigung von demokratischen Grundwerten.

In diesem Sinne musste zwischen 2010 und 2012 nicht der Euro "gerettet" werden, vielmehr wurde Zeit gekauft für große Finanzinstitute, die nennenswerte Außenstände in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien hatten. Diese Finanzinstitute haben ihren Sitz nicht zuletzt in Deutschland

Eine andere Frage ist, ob die Euro-Partner es finanziell unterstützen (müssten), wenn eine etwaige neue griechische Regierung Ausgabenversprechungen macht, für die sie nicht das Geld hat.

Das wäre dann aber kein Links-Rechts-Konflikt, sondern eine Streit über Vertragstreue oder die Grenzen von Austeritätspolitik und Konkursverschleppung.

Ein Staatsbankrott Griechenlands als Folge gebrochener Abkommen würde in einer griechischen Finanzkrise münden, aber nicht notwendigerweise in einer Euro-Krise

Auf dem Weg zum bedingungslosen Grundauskommen

Erst ging der Preis für Nachrichten gegen null, jetzt geht der Preis für Kredit gegen null, und im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts wird es der Preis für Dinge sein, der gegen null geht. Dann haben wir das fast-bedingungslose Grundauskommen.

Ob die Menschen dann glücklich sein werden, ist eine andere Frage

Samstag, 3. Januar 2015

Die Wiedergeburt Amerikas als Industriemacht

Zu den scheinbaren Selbstverständlichkeiten, mit denen ich täglich konfrontiert werde, gehört die Meinung, der amerikanische Aufschwung sei allein oder vor allem ein Phänomen des Finanzsektors.

Ein einziger Graph genügt, um zu zeigen, dass das nicht der Fall ist:


Quelle: FRED

Der Index zeigt uns, dass die USA eine Wiedergeburt als Industriemacht erleben. Schon 2013 hat die industrielle Produktion das Vorkrisenniveau übertroffen, und heute ist der Output mehr als ein Viertel größer als am Tiefpunkt 2009 - ein Zustand von dem die meisten Staaten Kontinentaleuropas nur träumen können.

Die Renaissance der US-Industrie hat viele Ursachen, der Schiefergas-Boom ist nur einer davon, ein großer, weitgehend einheitlich regulierter Binnenmarkt, eine wirtschaftsfreundliche Kultur und Unternehmergeist weitere. Und natürlich hat auch die geschicktere Reaktion auf die Krise von 2008 eine Rolle gespielt. Zu den Größenvorteilen gehört auch der Dollar als Weltleitwährung.

Doch die ganze amerikanische Wirtschaft auf die Wall Street zu verengen, zeugt eher von Kurzsicht als von Einsicht. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die langfristige Entwicklung des Produzierenden Gewerbes in den USA: 


Quelle: FRED
Amerika ist seit dem 20. Jahrhundert immer eine imposante Industriemacht gewesen mit mächtiger Produktion. Wenn wir diese Tatsache ignorieren, dann auf unser Risiko. Und wenn wir denken, ein Europa der Kleinstaaterei könnte auf Augenhöhe mit diesem industriellen Koloss verwandeln, ist das einfach nur naiv 

Deutschland, du hast ein Problem: zu schwache Banken

Die Deutsche Bank hat mit 1.709 Milliarden Euro die fünftgrößte Bilanzsumme aller Banken in Europa, doch beim Gewinn liegt sie nur auf Rang 22. Die Eigenkapitalrendite von Deutschlands größtem Kreditinstitut ist auf kümmerliche 2,7 Prozent zusammengeschrumpft, kaum mehr ein Zehntel dessen, was Josef Ackermann einst als Ziel ausgerufen hatte.

Dies und andere überraschende Einblicke in den europäischen Finanzsektor bietet eine Studie des Marktforschungsinstituts SNL.


Quelle: SNL Financial Report 2014

Nicht viel besser sieht es bei der Commerzbank aus. Auch die Nummer zwei der deutschen Aktienbanken schafft es (bei einer Bilanzsumme von 596 Milliarden Euro) nicht mal, eine Eigenkapitalrendite von drei Prozent zu erzielen.

Bei der Commerzbank gilt ebenso wie bei der Deutschen Bank: Viel Geschäft (und damit womöglich teilweise auch viel Risiko) für wenig Gewinn. Wer denkt, dies sei ein Problem der privaten Banken allein, werfe einen Blick auf die Zahlen der Bayerischen Landesbank: Das staatseigene Institut erwirtschaftet mit einer 245 Milliarden-Euro-Bilanzsumme sogar einen Verlust.

Die Schwäche des deutschen Finanzsektors erweist sich immer mehr als Hypothek für die weitere wirtschaftliche Erholung Deutschlands und Europas.

Wenn die Angst vor Zombie-Banken irgendwo begründet ist, dann in der Alten Welt, und Deutschland ist hier alles andere als ein Musterknabe