Mittwoch, 10. Dezember 2014

Weine nicht um den "Megatrend" Wein

Zwischen 2008 und 2011 gab es in der Investmentwelt kaum etwas Heißeres als edle französische Rotweine. Die Châteaux aus Südwestfrankreich waren praktisch der Glüh-Wein der Anleger.

Bordeaux seien Sachwerte mit Sex-Appeal und enormem Wertsteigerungspotenzial. Premier Crus müssten immer teurer werden, hieß es, das gehe gar nicht anders.

Die Argumentation klang, wie das bei "Megatrends" stets der Fall ist, bestechend logisch, annähernd unwiderlegbar.

Erstens seien Nobelgewächse wie Latour oder Lafite von Natur aus knapp, die Anbaufläche lasse sich bekanntlich nicht ausweiten. Zweitens würden die Neureichen des Planeten (damit waren vor allem Russen und Chinesen gemeint) den rubinrot schimmernden Rebensaft mehr und mehr als Teil ihrer Lebensart und ihres Status schätzen.

Da gerade in diesen Wirtschaftssupermächten der Zukunft die Zahl der Millionäre sprunghaft steige, seien Preise von 1000 Euro oder irgendwann vielleicht 10.000 Euro pro Flasche möglicherweise schamlos, aber marktwirtschaftlich eben gut zu erklären. 

Drittens, und das war eine weitere Ingredienz des Megatrends, erlaube die moderne Kellertechnik jeden Jahrgang in einen Spitzenjahrgang zu verwandeln. Ja, Megatrends brauchen immer auch eine Prise Magie!


Der Liv-Ex 100 ist eine Art Dax der Weinwelt. Er bildet die Preisentwicklung der 100 meist gehandelten Edelweine ab.
Quelle: Liv-Ex

Wenige Jahre später sind die letzten beiden Prämissen des Megatrends schal geworden. Das Zur-Schau-Stellen von Luxus ist vielen Chinesen gründlich verleidet, seitdem die Regierung in Peking das Verschenken von teurem französischen Rotwein als Korruption beargwöhnt und ahndet. Die Rubel-Krise tut das ihrige, die russischen Connaisseure zu verschrecken.

Und seit 2011 waren die Jahrgänge alles andere als spitze. Ergebnis: Die Preise für Erste Gewächse fallen das dritte Jahr in Folge. Die meisten Grand Crus von 2011, 2012 oder 2013 sind keineswegs schlecht, aber Preise oder gar Preissteigerungen von mehreren hundert Euro rechtfertigen nur absolute Ausnahmejahre in einer stabilen Weltwirtschaft.

Die Analysten der Weinbörse Liv-Ex in London sprechen von einer Stabilisierung der Notierungen im zweiten Halbjahr 2014.
Au revoir Megatrend Sachwert in Flaschen. Darauf einen guten Bordeaux!


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