Dienstag, 9. Dezember 2014

Diese Aktie ist ein Analysten-Liebling? Hände weg!

Seit Jahren mache ich mir einen Spaß daraus zu überprüfen, wie die Aktien-Lieblinge von Analysten abschneiden. Das Ergebnis ist auf ganzer Linie ernüchternd - aber auch lehrreich. Die Beobachtungen helfen uns einzuschätzen, ob es so etwas wie kollektive Intelligenz gibt.

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt sie nicht. In all den vielen Jahren haben ist es kein einziges Mal vorgekommen, dass die bei Experten besonders beliebten Aktien in der Folgezeit besser gelaufen wären als der Index.

In den meisten Fällen war es vielmehr so, dass sich die äußerst unbeliebten Dividendentitel (die mit den meisten Verkaufsempfehlungen) am besten entwickelten.

Die Auswertung des Jahres 2014 bestätigt die Erfahrung: Die Dax-Aktien, von denen die Analysten Ende 2013 abrieten, stehen zwölf Monate später besonders gut da. Die Papiere, die besonders viele Kaufempfehlungen auf sich vereinten, haben dagegen schlecht abgeschnitten.


Die Dax-Aktien mit den meisten Kauf-Empfehlungen schnitten 2014 schlecht ab
Quelle: Bloomberg, eigene Recherche

Ein Korb aus den zehn Analysten-Lieblingen von Ende 2013 hat Anlegern bis heute ein Minus von vier Prozent bechert. Die zehn Aktien mit den wenigsten Kaufempfehlungen (die "hässlichen Entlein") brachten dagegen ein Plus von sieben Prozent.

Wie ist dieses Versagen der Experten zu erklären ? Schließlich haben Analysten tieferen Einblick in die Unternehmen als "normale" Anleger, wenngleich keinen tieferen als die Manager. Sie werden bevorzugt mit Informationen versorgt und können über spezielle Datenbanken verfügen.

Warum kann dennoch von "Schwarmintelligenz" bei Analysten keine Rede sein? Warum sind sie als Kollektiv eine Null. Ich meine, die Profis stehen sich selbst im Weg. Konformismus dürfte ein Teil der Erklärung sein. Wer mit seiner Aussage stark vom Konsens abweicht, gerät schnell in Erklärungsnot. Und weil das anstrengend ist, schreiben alle von einander ab.

Auch die Bürokratie dürfte eine Rolle spielen. Bis Analysten zu einer veränderten Einschätzung der Situation kommen und diese auch noch publizieren, müssen sie etliche Hürden überwinden. In dieser Zeit hat sich Aktienkurs oft schon so verändert, dass die Banker mit ihren Einschätzungen nur noch hinterher hecheln. Dazu kommen taktische Gefälligkeiten, die das Urteil trüben.

Die gute Nachricht ist: Wenn die kollektive Dummheit der Analysten ein so stabiles Phänomen ist, lässt sich darauf eine Anlagestrategie aufbauen. Die jetzigen Darlings der Analysten sind, gemessen am Anteil der Kaufempfehlungen Volkswagen, Daimler, Fresenius, Allianz, Bayer, SAP, BMW, Siemens, Lanxess und Continental.
Von diesen Aktien sollten wir im neuen Jahr besser nicht allzu viel erwarten.

Besser als der Dax abschneiden dürften hingegen die "hässlichen Entlein" Commerzbank, RWE, Adidas, Lufthansa, E.on, K+S, Beiersdorf, Merck KGaA, Munich Re und ThyssenKrupp

für Dr. Ralph

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen