Freitag, 12. Dezember 2014

Potz-Dividende! Das gab's noch nie

Nicht nur im Tierreich gibt es Mutationen und merkwürdige Anomalien. Auch an der Börse finden sich Monstrositäten, zum Beispiel diese: Nach den jüngsten Markturbulenzen liegt die durchschnittliche Dividende der Dax-Aktien 1,5 Prozentpunkte (150 Basispunkte) über der Rendite von deutschen Unternehmensanleihen mit guter Bonität BBB. Ganz klar historischer Spitzenwert.


Traditionell waren die Dividenden (orange) niedriger als die Bondrenditen (gelb) - seit der Finanzkrise nicht mehr
Quelle: Commerzbank

Eine solche Diskrepanz ist einmalig und deutet darauf hin, dass Aktien entweder krass unterbewertet oder Bonds krass überbewertet sind.

Während mich bei Staatsanleihen mit bester Bonitätsnote AAA das Argument überzeugt, dass sie in Krisenzeiten ein sicherer Hafen sind, vermag ich das bei Unternehmensanleihen nicht so richtig nachzuvollziehen.

Wenn ein Unternehmen noch in zehn Jahren die finanzielle Kraft hat, alle seine Schulden zu tilgen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es zwischenzeitlich auch Dividenden zahlen wird.

Im Durchschnitt der letzten zwölf Jahre warfen Festverzinsliche 120 Basispunkte mehr an laufenden Erträgen ab. Mehr, nicht weniger wie jetzt. Im Jahr 2000 lag die durchschnittliche Anleihenrendite sogar 440 Basispunkte über der Dividendenrendite.

Damals, zur Jahrtausendwende, brachten langlaufende Bonds mit Rating BBB 6,2 Prozent, heute sind es gerade einmal 1,5 Prozent. Wer stürzt sich zu diesem Preis auf die Papiere? Und warum?

Natürlich könnte sich in den Kursen und Zinsen die Erwartungen einer Jahrelangen Deflation à la Japan niederschlagen. Es könnte aber auch etwas anderes sein: eine Marktverzerrung als Folge einseitig kanalisierter Ersparnisse.

Wie sagte mir zuletzt ein Versicherungsvorstand: Wir kaufen, kaufen, kaufen. Und meinte damit nicht Aktien

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