Freitag, 5. Dezember 2014

Börsianer stehen am Erker des Jahres

Der Dezember ist so etwas wie das Erkerzimmer des Jahres. Mit nebeliger Aussicht auf die Zukunft. Auch Börsianer stehen jetzt gern am Fenster, drücken sich die Nase an der kühlen Scheibe platt und versuchen tuschelnd, einen Blick auf das Kommende zu erhaschen.

Meist ist der Blick zurück jedoch erfolgversprechender als der trügerische Blick nach vorn. Wer sich anschaut, welche Aktien in den ersten elf Monaten des Jahres gut gelaufen sind, hat eine passable Chance richtig zu erraten, welche Papiere auch in den restlichen Wochen gut abschneiden.

Umgekehrt gilt: Die Verlierer der ersten elf Monate werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Verlierer des Monats Dezember sein. Das erklärt sich zum Teil aus der simplen Fortsetzung eines längerfristigen Trends (Trendwechsel im Dezember sind selten), zum Teil aus dem so genannten "window dressing".

Fondsmanager versuchen sich beim Jahresabschluss gut zu präsentieren, indem sie nachweisen, dass sie auf die Gewinner des Jahres gesetzt hatten. Hatten sie die Gewinner-Titel nicht oder zu wenig im Depot, ordern sie im Dezember nochmal schnell nach, damit die im Bestand deutlich vertreten sind.

Diese Käufe auf den letzten Metern treiben die Kurse der Gewinner und geben den Jahresbesten am Ende nochmal einen Schub. So lässt der Dezember-Effekt bis Silvester eine gute Kursentwicklung bei folgenden Dax-Aktien erwarten: ThyssenKrupp, Merck, Bayer, Fresenius, Fresenius Medical Care und E.on.

Weiter runter gehen dürfte es dagegen bei Lanxess, Deutsche Bank sowie Adidas. In vier Wochen werde ich berichten, ob die Erwartung des "window dressing" dieses Jahr ein guter Ratgeber war


Quelle: Bloomberg

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