Samstag, 8. November 2014

Verführungskunst der nackten Zahlen

Eins meiner Lieblingsbeispiele für verführerische Metaphern lautet: "Die nackten Zahlen sprechen lassen". Nichts gegen die Überzeugungskraft von Fakten und Ziffern, aber wenn man ehrlich ist, und das auch zu sich selbst, kommen Zahlen nicht unbekleidet daher.

Das Outfit, in der der Leser sie kennen lernt, ist der Kontext, in den der Autor sie gehüllt hat. Es ist legitim, ausgewählte Zahlen zur Bekräftigung einer These oder eines Appells heranzuziehen, und im Idealfall passt der umliegendenText den Zahlen wie ein maßgeschneidertes Kleid, das kaum noch als solches wahrzunehmen ist.

Nur sollte kein Autor behaupten, die nackten Zahlen sprechen zu lassen - und kein Leser sollte sich von der Rhetorik der nackten Zahlen blenden und verführen lassen. Zahlen sind nie nackt

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