Donnerstag, 6. November 2014

(Un)bequeme Unwahrheiten

Der Journalist (der kritisches Beobachter des Tagesgeschehens) zeichnet sich dadurch aus, dass er Mächtige, aber auch Bürger mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert, nicht mit unbequemen Unwahrheiten. Und schon gar nicht mit bequemen Unwahrheiten, auch Klischees genannt.

Unwahrhaftigkeit entsteht, gerade in der Welt der Wirtschaft und Finanzen, die zu hohen Graden auf Interpretation von Daten angewiesen ist, nicht zuletzt dadurch, dass wichtige relativierende oder konträre Informationen weggelassen werden. Der Totschlag am Nebensatz.

Leser lassen sich mit bequemen oder unbequemen Unwahrheiten fesseln. Eigene Klischees gedruckt oder auf dem Bildschirm flimmern vorzufinden, ist ein entzückendes Gefühl.
Der Lieferant solcher Unwahrheiten ist jedoch kein Journalist, sondern ein Märchenerzähler und meist ein Gruselmärchenerzähler

1 Kommentar:

  1. Sehr gut! Das ist in der Praxis sicher schwer umzusetzen. Die Leser wollen meist lesen, was ihr bestehendes Weltbild bestätigt. Und da sich durch den Herdentrieb oft nur wenige Weltbilder herauskristallisieren, wird man schnell zum Außenseiter, wenn man über Wahrheiten schreibt, die in keine vorhandene Schublade der Weltbilder passen. Das ist wirtschaftlich und emotional schwer auszuhalten. Manchmal wird man für Ehrlichkeit aber auch im Nachhinein belohnt.

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