Mittwoch, 5. November 2014

Schieferöl: Eroberung eines dunklen Kontinents

"Dallas" und "Denver Clan" (Dynasty) waren prägende Fernsehsendungen meiner frühen Jugend. Sie zelebrierten die ebenso mächtigen wie eigenmächtigen amerikanischen Ölbarone jener Zeit und kündeten vom neuen kapitalistischen Selbstbewusstsein der USA, ohne Zweifel an der Ruchlosigkeit einzelner zu lassen.

Die Serie feierte unternehmerischen Erfolg und Familienwerte, aber sie lebte von den Skrupellosen, den Bösewichten, allen voran J. R. Ewing, verkörpert von Larry Hagman. Der trug Stetson und blieb immer so cool wie die Eiswürfel in seinem Bourbon. Jeden gelungen Coup quittierte J. R. mit seinem unvergleichlichen gehässigen Lachen, das sich ungefähr so anhörte, als schneide man Luft mit einem Küchenmesser.

Das hechelnde Lachen fand ich damals so lässig-fies, dass ich es mir selbst angewöhnt habe. J. R. war ein Schurke, aber er spann seine Intrigen mit Stil.


Ölproduktion in den USA in Millionen Fass am Tag
Quelle: Bloomberg

Jetzt kehrt der Ölboom dank Hydraulic Fracturing (Fracking) zurück nach Amerika. Die Vereinigten Staaten haben es - wieder einmal - geschafft, sich neu zu erfinden. Aktuell weiten die USA ihre Ölproduktion dank der neuen Technik um eine Million Barrel pro Tag aus. Das ist, als würden zwei mittelgroße Öl-produzierende Nationen auf dem globalen Markt dazukommen.

So erobern die amerikanischen Unternehmer mit Rückendeckung aus Washington ihren Kontinent erneut. Sie bezwingen eine dunkle unterirdische Welt aus Sand, Erde und Gestein. Nebenbei drücken sie durch das zusätzliche Angebot den Ölpreis weltweit, bringen manch anderen Produzenten in Bedrängnis und machen ihre eigene Form von Energiewende.  Die Macht der Opec ist von gestern.

Billiges Öl für die Ewigkeit? Das wohl nicht. Aber für viele Jahre.

Die Eroberung des Kontinents aus Schiefer (mineralogisch wohl eher Tongestein) kommt deutlich schneller voran als der Bau von Stromtrassen in Deutschland. Und während teure Energie unsere Firmen dazu nötigt, immer effizienter zu arbeiten, steigern die USA dank günstiger Energie ihre Attraktivität als Produktions-Standort über die Kostenseite. Amerika wird eine Supermacht der Industrie.

Wie jede Eroberung fordert auch diese ihren Preis. Die Gelehrten streiten darüber, ob Fracking (eine Art Hochdruckbohren unter dem Einsatz eines Cocktails von Chemikalien) Gesundheitsgefahren für den Menschen birgt, die die Studien sind meist von interessierten Parteien finanziert. Deutsche Medien scheinen manches Risiko effekthascherisch aufzubauschen.

Sagen lässt sich jedoch: Dem Umwelt- und Landschaftsschutz ist das Hydraulic Fracturing nicht zuträglich. Die Regenerativen Energien, auf die die Bundesregierung setzt, geraten durch günstig fossile Brennstoffe in die Defensive. Wer an menschgemachte Erderwärmung glaubt, dürfte hier nur den Kopf schütteln.

Mögliche Langfristfolgen der neuen Technik werden in Kauf genommen. Amerika ist ein riesiges Land. Ein Flächenstaat. Es lebt und herrscht im Hier und Jetzt. Eine neue Zeit der Ewings ist da.
J. R. Ewing lacht wieder

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